Snake-Speech

Die Abschiedsrede von Hillary Clinton wurde von vielen Seiten als würdevoller Abgang gewürdigt. Es ist grundsätzlich nett, Verlierer nicht auch noch mit Füßen zu treten, aber ganz nüchtern betrachtet hat sie ihre Anhänger zum Kampf aufgerufen. Sie hat zwar auch gesagt, dass sie das Ergebnis anerkennen werde, aber dass es sich lohne, für linke Werte zu kämpfen. Tosender Applaus und eine Rednerin, die mit einem bitteren jetzt-kannste-mal-sehen-Blick in die Runde nickt. Hat sie damit nur den politischen Kampf gemeint?

Wenig später brannten die ersten Autos und der Mob tobt bis jetzt in zahlreichen Städten durch die Straßen. Hat sie das mit „Kampf“ gemeint? Spätestens jetzt wäre es ein guter Zeitpunkt gewesen, um sich von der Gewalt zu distanzieren. Hat sie aber nicht. Und daher muss man ihr im vollem Umfang unterstellen, dass sie exakt genau das gemeint und ihre Anhänger zur Gewalt gegen die neue Regierung aufgerufen hat.

Interessant hierbei: der Protest geht nicht in erster Linie von Afroamerikanern aus oder Hispanics sondern von Studenten. Der Aufstand veranschaulicht meine These, dass es eigentlich um einen Kampf zwischen Universitäts-Aristokratie und Wirtschafts-Aristokratie geht.

Wann kommt endlich die Lebenspartnerschaft für alle Volljährigen?

Statt eine „Ehe für alle“, die wirklich niemand will, brauchen wir eine abgeschwächte Lebenspartnerschaft für alle. Die Forderung nach einer Ehe für alle kann niemand ernsthaft wollen. „Wann kommt endlich die Lebenspartnerschaft für alle Volljährigen?“ weiterlesen

The Great Trump

Im Präsidentschaftswahlkampf geht es nicht um Clinton oder Trump. Es geht auch nicht um Machogehabe und Emails, Fakten und Emotionen. Und nach meiner Einschätzung geht es in diesem Wahlkampf noch nicht einmal vor allem um rechts gegen links sondern um den Kampf zwischen Aristokratie und Proletariat. Mit dem Auftreten von Donald Trump ist der amerikanische Traum von einer egalitären Gesellschaft, in der jeder alles werden kann, auch offiziell zerplatzt.

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Jetzt auch Bill Clinton

Wir haben ja schon vor einiger Zeit vermutet, dass die Hautfarbe einer Person nicht nur vom Gesundheitszustand sondern auch von seiner politischen Position beeinflusst wird. Heute trifft es Bill Clinton, der seiner Frau in den Rücken gefallen ist und – schwupps – orange wird! Wer hätte das gedacht. Außerdem schreit er offenbar nur herum und sieht ähnlich aus wie der deutschen Presse liebstes Monster Donald Trump. Offenbar kann jeder Politiker zum Orange-farbenen Monster mutieren, wenn er politisch ins konservative Lager rutscht.

Wie analysiert man Wahlergebnisse?

Z.Zt. kommt es ja häufiger vor, dass alle alten Parteien Federn lassen müssen. Sollten Sie in der Verantwortung stehen, dieses Ergebnis journalistisch kommentieren zu müssen, halten Sie sich einfach an folgende Faustregeln:

Verluste der SPD sind traurig, machen Sie ein ernstes Gesicht. Letztlich ist es aber keine existentielle Bedrohung, denn die Partei ist ja schon alt und die Grünen können übernehmen.

Verluste der CDU weisen grundsätzlich auf ein grundsätzliches Problem hin!

Verluste der Grünen gibt es eigentlicht nicht und falls doch handelt es sich um den Prozess der Normalisierung nach einem fantastischen Höhenflug für den sie natürlich perfekt aufgestellt ist (bringen Sie diesen Gedanken ohne Atemzug, Punkt oder Komma zu Ende!).

Verluste der Linken sind o.k. weil keiner sie liebt, aber SPD und Grüne sich längst damit abgefunden haben, mit ihr zu regieren. Sie sind ein peinliches aber für manche Parteien notwendiges Übel.

Verluste der FDP sind lustig. Sollte sie aber gewinnen, weisen Sie darauf hin, dass die FDP ja nur davon „profitiert hat, dass…“ Und achten Sie auf jeden Fall darauf, das Wort „profitiert“ zu verwenden, das akzeptiert man im Zusammenhang mit der FDP sofort – wegen „Profit“ und so.

 

Welche Hautfarbe hat Donald Trump?

Klar ist, dass sie sich ständig ändert: von Blutorange, unreifem grünen Kürbis über gesund bis aschfahl ist alles dabei. Nach meinem Eindruck fallen diese Schwankungen innerhalb eines Nachrichtenmagazins aber weniger auf. So bevorzugt die tagesschau offenbar den Ton Blutorange, während die FAZ einen sehr gesunden Hautton zeigt. Das linke Wochenmagazin DIE ZEIT beweist mit einem aktuellen Foto zum Thema Gesundheitszustand eine betont runzelige Haut und eine fahle Gesichtsfarbe. In der Boulevardpresse sind die Schwankungen stärker, vermutlich weil einfach die Zeit für Bildebarbeitung fehlt. Sie bieten alles von grün bis rot. Schönes Beispiel dafür, wie man mit Weißabgleich Politik machen kann.

Und was ist mit Hillary Clinton? In der deutschen Presse erfreut sie sich einer sehr stabilen und neutralen bis gesunden Hautfarbe. In den amerikanischen Medien sind die Abweichungen nach meinem ersten Überblick übrigens ähnlich stark wie bei Trumps Hautfarbe in den deutschen Medien. Auch hier habe ich alles von grün über orange bis aschfahl gesehen.

Nachtrag: Blau, offenbar hatte ich diese Hautfarbe übersehen, aber sie scheint sich für Donald Trump durchzusetzen. Hauptsache die Berichterstattung ist neutral.

Wenn Politik Natur wird

Vor einigen Jahren habe ich die Naturmystik als Mainstream-Religion Europas beschrieben. Mittlerweile sehe ich die Notwendigkeit, meine damalige Darstellung um ein wichtiges Element zu erweitern: die Menschen wollen nicht einfach die Natur in sich verwirklichen, in dem sie vermeintlich entfremdende Einflüsse aufdecken und eliminieren, sondern sie haben ihre besondere Fähigkeit als Kultur- und Sprachwesen als Gabe der Natur akzeptiert und sehen sich heute als genuin staatenbildend. Der Mensch ist damit im öffentlichen Bewusstsein ein zoon politikon, der Staat keine Zweckgemeinschaft oder notdürftiges Übel sondern er gehört vielmehr zum Wesen der menschlichen Natur. Gehorsam gegenüber dem Kollektiv ist damit nicht einfach im Hinblick auf die sonst drohenden Strafen geboten sondern wird zum existentiellen Anliegen, so dass gleichzeitig die größte Sorge darin besteht, nicht mehr dazu zu gehören. Damit dieses Gefühl auch frühzeitig verankert wird, werden Kinder fast von Geburt an nicht mehr von den Eltern sondern vom Kollektiv betreut und lernen, ihre Eltern zu hinterfragen, nicht aber das Kollektiv. Wahrheit entwickelt sich in diesem System nicht durch Argumente sondern organisch. Oder anders gesagt: sie entwickelt sich aus dem ängstlichen Schielen auf Stimmungen im Kollektiv und dem Gespür dafür, was man noch sagen kann und welche (neuen) Grenzen zu akzeptieren sind. Der Hinweis darauf, dass man mit der Zeit gehen muss, ist eine deutliche Umschreibung für die Vorstellung einer organischen Wahrheit. Dieser Hinweis entkräftet Gegenpositionen vollgültig.

Der Staat wird in der Naturmystik nicht durch Gott begründet aber auch nicht einfach durch Abstimmung oder Angst vor dem Chaos, sondern durch das, was dem Naturmystiker heilig ist, nämlich durch die Natur selbst. Die Theorie vom Staat als natürlichem Auftrag des Menschen erklärt nach meiner Einschätzung die Atmosphäre aktueller Diskurse.

Die Rolle der Medien in der Flüchtlingskrise

Angela Merkel gehört für den Spiegel im September 2016 zur Rige der „entrückten“ Altkanzler, die den Bezug zur Bevölkerung verloren haben. Die „tagesschau“ lässt keine Gelegenheit aus, um den Begriff vom Ende der Kanzlerschaft Angela Merkels in ihren Berichten und Kommentaren einfließen zu lassen.

In Wahrheit kann man Angela Merkel nur einen Vorwurf machen: sie wollte alles richtig machen. Und das darf ein Kanzler tatsächlich nicht.

Die ausführlichere Antwort muss bei der Berichterstattung über die Flüchtlinge an der italienischen Grenze ansetzen.

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Von der Freiheit zur Gleichheit

Vor ein paar Tagen habe ich mir ein aktuelle Geschichtslehrbuch für die Oberstufe angesehen und war erstaunt, was sich in der Geschichte seit meiner eigenen Schulzeit geändert hat: Geschichtsunterricht war für uns immer eine Art Beweisführung dafür, dass Demokratie die beste aller denkbaren Regierungsformen und überhaupt Zielpunkt der Geschichtsschreibung ist. In aktuellen Geschichtsbüchern hat Geschichte offenbar ein anderes Ziel: die Durchsetzung von „Menschenrechten“. Es ist daher nicht erstaunlich, dass in jüngeren Generationen das Pochen auf Freiheit etwas altbacken wirkt und mittlerweile nur noch von Parteien ganz am rechten Rand eingefordert wird. Eine zeitgemäße Einstellung fordert einen weitgehenden Verzicht der Freiheit zugungsten von staatlich durchzusetzenden Menschenrechten. Und da sie von Menschen gemacht sind, können sie in jeder Generation mit demselben Pathos irgendetwas Neues beinhalten.

Die Opfer von Orlando und die Kanzlerin

Die tagesschau kritisiert als linkes Medium, dass Kanzlerin Merkel den Anschlag in Orlando nur als „Angriff auf die freiheitliche Zivilgesellschaft“ gewertet hat, aber nicht gleichzeitig von den zahlreichen sexuellen Neigungen der Opfer gesprochen und sie  „bedingungslos als Teil der Gesellschaft“ anerkannt hat.

Dass eine Personengruppe, wie die Mitglieder eines Nacht-Clubs in Orlando, Opfer eines Terror-Anschlags ist, zeigt ihre Schutzwürdigkeit, wertet aber ihre Lebensweise nicht auf. Wenn Abtreibungsgegner in den USA einen Abtreibungsarzt töten, ist das zwar falsch, es macht Abtreibungen aber nicht appetitlicher. Ebenso wird auch ein Anschlag auf Christen einen Atheisten nicht davon überzeugen, Christen gut zu finden – und das muss er auch nicht. Es würde schon genügen, wenn den christlichen Flüchtlingen der nötige Schutz zugestanden wird.
Es ist daher das Recht einer Kanzlerin in einer konservativ geführten Regierung, Sex zwischen Menschen desselben Geschlechtes trotz des Anschlags nicht offiziell als wichtigen Teil der Gesellschaft zu adeln.