Worum geht es im Fall Böhmermann?

Zunächst muss man festhalten, dass es kein Fall Böhmermann ist, weil sein Auftritt im Fernsehen mit Sicherheit exakt so mit den allerhöchsten Verantwortlichen des Senders abgestimmt war. Allerdings wird nur Böhmermann juristisch belangt werden, und er war offensichtlich dumm genug, sich von einer Welle der vermeintlichen Kollegialität zu seinen verbalen Auswürfen verleiten zu lassen. Dahinter steckt ein eiskaltes Machtspiel, dem Böhmermann zum Opfer fallen wird. Die Medien testen z.Zt. bewusst die Grenzen der Satire aus, weil das ihre schärfste Waffe ist. Sie haben keine wirklichen Befugnisse aber die Möglichkeit, sich öffentlich abfällig über jeden zu äußern, der ihnen nicht passt. Als Opfer haben sie sicherheitshalber Erdogan gewählt, also keinen Deutschen, so dass sie sich des Beifalls der Bevölkerung sicher sein konnten – und auch der Tatsache, dass deutsches Recht in diesem Fall eher nach Lust und Laune angewendet wird, bzw. schon als quasi abgeschafft betrachtet wird. Wenn dieser Fall aber ohne eine Anklage verläuft, wird unumstößlich feststehen, dass Medien auf absolut jede erdenkliche Weise die Ehre einer Person verletzen dürfen. Im aktuellen Fall trifft es nur Erdogan, aber die Botschaft ist klar: legt euch nicht mit uns an und wagt es nicht zu denen zu gehören, über die unser Urteil fällt. Warum aber gerade jetzt?

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Thesen zur Flüchtingskrise

  1. Wer die wirtschaftlichen Möglichkeiten hat, Menschen in Not zu helfen, ist verpflichtet das zu tun. Das gilt für Privatpersonen wie für Staaten.
  2. Über die Finanzierung muss offen und ehrlich gesprochen werden. Wir werden nicht um neue Steuern oder den Abbau von Subventionen herum kommen.
  3. Es muss sicher gestellt werden, dass die Belastung nicht die Schwächsten in Deutschland trifft. Wer ein nobles Eigenheim in den Speckgürteln der Großstädte besitzt, wird weder in seiner Freizeit noch in seinem Berufsleben regelmäßig mit Flüchtlingen in Kontakt kommen und sie auch nie als Konkurrenz erleben. Wer aber dort lebt, wo die Flüchtlinge derzeit untergebracht werden, erlebt nicht nur den wenn auch nur gefühlten Anstieg von Kriminalität sondern vor allem eine direkte Konkurrenz um Arbeitsplätze. Die Diskussion über ein Aussetzen des Mindestlohnes zeigt deutlich, wer die Kosten tragen muss. Am schwersten wird es die Tagelöhner in Deutschland treffen, die jeden Morgen neu anstehen, um am Arbeitsamt auf Gelegenheitsjobs zu warten.
  4. Es gibt nur eine Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass die zusätzlichen Arbeitskräfte nicht den Ärmsten Konkurrenz machen: der Staat muss  Arbeitsplätze schaffen, die ausschließlich in seinem Aufgabenbereich liegen. Er könnte beispielsweise unzählige Straßenkehrer einstellen, öffentliche Beete anlegen oder pflegen lassen, Schulen sanieren etc. Nur darf keine Konkurrenz zu den bestehenden Betrieben entstehen. Auf diese Weise kann der Arbeitsmarkt entlastet und die entstehenden Kosten fair verteilt werden.
  5. Zu einer fairen Verteilung der Belastung gehört es auch, den Osten Deutschlands zu schonen. Eine tragfähige Wirtschaft hat sich dort nicht entwickelt und in vielen Regionen gibt es noch nicht einmal einen vernünftigen Internetzugang. Wer Flüchtlinge nach Einwohnern oder sogar Fläche verteilt, übersieht, dass Platz in dieser Frage das geringste Problem ist. Es wird vor allem auf eine Belastung der Kommunen hinaus laufen, deren Budget daher vor allem berücksichtigt werden muss. Peinlich genug, dass gerade der grüne Ministerpräsident des reichsten Bundeslandes als einer der ersten über Platzmangel geklagt und sich angeboten hat, den Flüchtlingen die Zugfahrt in den Osten zu bezahlen. Der Königssteiner Schlüssel berücksichtigt das Steueraufkommen zwar mit 2/3, die Größe der Bevölkerung aber immerhin noch mit 1/3. Das ist m.E. kein sinnvolles Verhältnis, wenn man bedenkt, dass eine große Zahl armer, arbeitsloser und alter Menschen überhaupt keine weiteren Opfer bringen können sondern ihrerseits ernährt werden müssen! Baden Württemberg erhält nach diesem Schlüssel ca. 12,86% der Erstaufnahmen, Sachsen aber noch ca. 5%. Das halte ich für viel zu viel für so ein armes Land. Dass die Wut und die Bereitschaft, schräge Parteien zu wählen, gerade dort so hoch ist, hat für die Menschen handfeste Gründe.
  6. Wir brauchen eine Arbeitspflicht, die öffentliche Zahlungen nur in Form von Löhnen vorsieht (vorausgesetzt, jemand ist körperlich in der Lage zu arbeiten und muss nicht für kleine Kinder oder die alten Eltern sorgen etc.). Hierzu sind Modelle wie das „Hamburger Modell“ zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen und Menschen anderer Kulturen sowie eine Kombination aus Arbeit und Ausbildung sowie (sofern erforderlich) Sprachunterricht sinnvoll.
  7. Es muss unter allen Umständen verhindert werden, dass Flüchtlinge sich gegenseitig bedrohen. Auch an diesem Thema zeigt das deutsche Konsumbürgertum kein größeres Interesse. Aber es geht um den Schutz der Schwächsten, die noch keine sichere Stellung in unserer Gesellschaft haben.

AfD – eine Falle für Christen

Ich gebe zu, dass mir die Einordnung der AfD lange Zeit nicht leicht gefallen ist. Sowohl Parteiprogramm als auch die Botschaften prominenter AfD-Politiker senden einen Mix an Signalen aus, die sich nicht so leicht auf einen Nenner bringen lassen. Es fing an mit den hochkompetenten Ausführungen von Bernd Lucke über wirtschaftliche Themen. Dann mischten sich zunehmend patriotische Töne dazu, die von Anfang an nervig und offenbar geeignet waren, Nationalisten und Rassisten reinsten Wassers anzuziehen. Daneben wollte man die Familie stärken und homosexuelle Partnerschaften nicht als Ehe anerkennen, den Schutz verfolgter Christen verbessern und die Macht der Medien durch Abschaffung der GEZ begrenzen. Und vor allem: sie war und ist die einzige Partei, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Zahl der Abtreibungen zu begrenzen, auch wenn sie noch nicht verrät, wie sie sich das vorstellt. Sie bedient damit Themen für Christen (Abtreibung, Familie) aber auch und vor allem Themen, die für Nationalisten wichtig sind.

Für die Medien war die Einordnung der AfD einfacher, weil sie ja ohnehin traditionell nicht zwischen Christen und Nazis unterscheiden. Die AfD war daher so etwas wie der Lieblingsfeind.
Wie aber sollen Christen sich zu ihr verhalten?

Die kurze Antwort: Finger weg! Die christlichen Themen sind lediglich eine Fangstrategie für Christen, die AfD hat nach meiner Einschätzung das Potential, zur Christenverfolgerin Nummer 1 zu werden.

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Irreduzible Komplexität

Den Begriff der „irreduziblen Komplexität“ hat Michael Behe in seinem Buch „Darwins Black Box“ verwendet, um Strukturen zu beschreiben, die er beschreibt als „ein einzelnes System, das aus mehreren zusammenpassenden und zusammenwirkenden Teilen besteht, die zur Grundfunktion beitragen, wobei das Entfernen irgendeines der Teile bewirkt, dass das System effektiv zu funktionieren aufhört.“

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Das „Argumentum ad ignorantiam“

Bei dem Argumentum ad ignorantiam handelt es sich um einen Fehlschluss. Dabei wird aus Nicht-Wissen Nicht-Existieren gefolgert (z.B. Weil wir keine Hinweise auf X haben, gibt es kein X. Dieser Fehlschluss wird regelmäßig Kreationisten vorgeworfen, die aus einer fehlenden Erklärung die Unmöglichkeit einer Erklärung ableiten. Derselbe Fehlschluss liegt natürlich auch bei Atheisten vor. Und vielen ist nicht bewusst, dass letztlich sämtliche Argumente von Kreationisten und Evolutionisten auf dem Argumentum ad ignorantiam beruhen. Beispiel: Ein rudimentäres Organ zeichnet sich dadurch aus, dass es funktionslos ist, sich aber aus einem früheren Zustand erklären lässt. Wie soll man aber das Nicht-Bestehen einer Funktion beweisen, ohne das Ai zu bemühen? Es gibt genug Beispiele für vermeintliche rudimentäre Organe, deren tatsächliche Funktion einfach später entdeckt wurde (berühmtes Beispiel ist der Blinddarm des Menschen).

Das Ai ist ein logischer Fehlschluss. Wer immer sich darauf berufen muss, steht aber immer unter dem Druck, seine Position auch anders zu begründen.

Darwin über die Degeneration von Nationen

Im 5. Kapitel seiner „Abstammung des Menschen“ beschäftigt sich Darwin mit der Entstehung von „socialen und moralischen Fähigkeiten“. Nach einigen Ausführungen zu den Gründen, weshalb die natürliche Zuchtwahl zu einer größeren Intelligenz führen musste, ringt er um die Entwicklung der Moral. Denn so nützlich Aufopferungsbereitschaft für die Gruppe ist, so ungünstig wirkt es sich unmittelbar auf den Fortpflanzungserfolg dessen aus, der sich selbst für die anderen z.B. im Krieg einsetzt. Darwin löst das Problem durch den Hinweis auf Selektion auf der Ebene der Populationen:

„Ein Stamm, welcher viele Glieder umfaßt, die in einem hohen Grade den Geist des Patriotismus, der Treue, des Gehorsams, Muthes und der Sympathie besitzen und daher stets bereit sind, einander zu helfen und sich für das allgemeine Beste zu opfern, wird über die meisten anderen Stämme den Sieg davontragen, und dies würde natürliche Zuchtwahl sein.“

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Die Evolutionstheorie ist verschwunden

Eigentlich wollte ich sie nur präzisieren, musste dabei aber feststellen, dass es keine Evolutionstheorie mehr gibt.

Natürlich gibt es viel Text über die Evolutionstheorie. So z.B., wie sie historisch entstanden ist, wer heute dagegen ist und wie allgemein anerkannt sie heute ist und was für sie spricht. Man erfährt auch die Evolutionsmechanismen. Aber etwas sucht man vergeblich: eine simple inhaltliche Zusammenfassung, was sie überhaupt sagt. Ein Beispiel ist die atheistische Wikipedia, die den Begriff „Evolutionstheorie“ folgendermaßen erklärt:

„Eine biologische Evolutionstheorie beschreibt und erklärt die Entstehung und Veränderung der Arten als Ergebnis der organismischen Evolution, d. h. eines Entwicklungsprozesses im Laufe der Erdgeschichte, der stattgefunden hat und andauert.“

Es ist erstaunlich genug, dass von einer Theorie gesagt wird, dass sie etwas „beschreibt“. Eine Biographie über Karl den Großen ist keine Theorie. Übergehen wir diese Formulierung, denn immerhin wird ja auch behauptet, dass sie „erklärt“, und sie erklärt „die Entstehung und Veränderung der Arten“, also warum es Leben gibt und warum gerade in dieser Form. Damit ist zunächst nur behauptet, was sie erklärt, wie erklärt sie es aber nun? Antwort: als Ergebnis eines Entwicklungsprozesses (Evolution). Wir fassen also zusammen: Evolutionstheorie erklärt das Leben als Evolution. Ist wirklich noch niemandem aufgefallen, was für ein Müll das ist? Das Zweite, was offenbar auch direkt dazu gehört: Evolution hat stattgefunden und dauert an. Wir wissen zwar immer noch nicht, was sie eigentlich erklärt, aber immerhin wissen wir, dass die Erklärung unumstößlich ist.

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Warum es keine „Evolutionär stabile Strategie“ geben kann

Die evolutionär stabile Strategie (Kurs „ESS“) ist eines der Lieblingsthemen der modernen Evolutionstheorie. Sie soll nicht zuletzt erklären, wie eine Population sich gegen Egoisten schützen kann. Der Kampf um die meisten Nachkommen, müsste dazu führen, dass in der Natur nur derjenige gewinnt, der mit allen Mitteln seinen Vorteil sichert, auch wenn er dafür Gewalt anwenden muss. Tritt also z.B. in einem Wolfsrudel eine Mutation auf, durch die ein Individuum besonders brutal sein Recht auf Fortpflanzung einfordert, wird es diese Genmutation besser vermehren können, was dazu führt, dass in der folgenden Generation vermehrt brutale Kämpfer auftreten und irgendwann alle nur noch mit maximaler Brutalität um die Fortpflanzungsmöglichkeiten kämpfen. Dieses Verhalten können wir aber trotz saisonaler Anspannungen und Kommentkämpfe in Rudeln nur selten beobachten. Warum? Die Antwort soll die ESS geben. Sie sieht sich nicht nur den Fortpflanzungserfolg eines einzelnen Individuums an, sondern den durchschnittlichen Nutzen der Individuen. Und der erreicht seinen Maximalwert nicht, wenn alle möglichst brutal kämpfen, sondern wenn sich ein ganz bestimmtes Verhältnis zwischen Kämpfern und Nicht-Kämpfern (vereinfacht gesagt) einstellt. In dem Lehrbuchbeispiel werden diese beiden Typen als „Falken“ und „Tauben“ bezeichnet. Dieser erreichte Zustand ist optimal, d.h. er kann durch keine Strategie-Änderung verbessert werden. Die Population ist damit geschützt vor dem Auftreten brutaler Mutanten.

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Gefahren im Umgang mit der Bibel

Im Christentum ist die Bibel verbindliche Grundlage für Glauben und Leben. Als Gottes Wort kann sie nicht hoch genug geschätzt und geliebt werden. Trotzdem gibt es Gefahren im Umgang mit der Heiligen Schrift, um die es in diesem Beitrag gehen soll.

Gefahr 1: Man schafft eine Kultur von Altphilologen. Das bedeutet, wer am besten im Umgang mit alten Sprachen ist, wer am liebsten Texte auslegt, Kommentare wälzt und gerne Auslegungen schreibt, ist der (heimliche) König der Gemeinde. Man sagt es zwar nicht so offen, erwartet aber stillschweigend von jedem guten Christen, dass er es wenigstens nach Kräften auf dem Weg zum Altphilologen möglichst weit bringt. Es ist eine Gemeindekrankheit, eine Gabe über alle anderen zu erheben. Daher gibt es prominente Texte, die sich ausdrücklich mit dieser Problematik beschäftigen und immer wieder den Blick für die Vielfalt der Gaben in der Gemeinde öffnen (1. Kor. 12). Ist jeder ein Lehrer? Die rhetorische Frage wird korrekt beantwortet mit: Nein!

Gefahr 2: Man versteckt seinen Ungehorsam hinter mangelndem Verständnis. Es ist viel leichter, stundenlang über schwierige Einzelfälle des Liebesgebotes nachzudenken als einen Menschen zu lieben. Vielleicht stellt sich sogar das Gefühl ein, durch diese Spitzfindigkeiten auf einem höheren Niveau zu leben als die anderen, die mit ihrer Lieblosigkeit im Alltag zu kämpfen haben. Hinter der emsigen Studierarbeit von Theologen kann sich schlichtweg Ungehorsam verbergen. Über dieses Problem spricht Jesus in seinem Gleichnis von den beiden ungleichen Söhnen. Einer hat gesagt, er wolle nicht gehorchen, tat es aber doch, der andere hat gesagt, er wolle gehorchen, tat es aber nicht. Eine der unangenehmsten und demütigendsten Erfahrungen für einen Theologen ist die Beobachtung, dass er mit einem Menschen diskutiert und beobachten muss, dass der andere Gott in diesem Punkt vielleicht trotz weniger Erkenntnis mehr gehorcht.

Gefahr 3: Die Entstehung eines hermetischen Text-Kosmos. Ein anerkannter Grundsatz der Hermeneutik lautet, dass die Schrift sich selbst auslegen muss. Wie soll das aber funktionieren? Wenn es in den Sprüchen (6,6) heißt, „Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr!“, dann ist die richtige Auslegung nicht in anderen Bibelstellen verborgen (wobei es sich natürlich lohnt, sich mit der Frage zu beschäftigen, wo und in welchem Zusammenhang die Themen „Ameise“, „Faulheit/Fleiß“ und auch „Naturbeobachtung“ in der Bibel vorkommen), sondern Ameisen zu beobachten. Man versteht den Text vor allem, wenn man Ameisen beobachtet. Wenn Jesus von den Lilien auf dem Feld spricht und sie als Beleg für Gottes Fürsorge anführt, dann zeigt das, dass er seine Gotteserkenntnis keineswegs nur aus der Schrift hat und uns dazu anleiten möchte, die Natur zu betrachten und Gottes Wesen in ihr zu erkennen. In einem hermetischen Text-Kosmos wird ein Mensch bestenfalls anfangen, Lilien toll zu finden (aus theologischen Gründen und mit Bibelstelle abgesichert). Der Text ist aber eine Sehschule! Es heißt „Sehet!“ Wir sollen Gottes Güte in diesen Blumen selbst entdecken und nicht nur mit dem Bibeltext begründen können, weshalb das theoretisch möglich sein müsste. Wie weit sind wir davon entfernt! Wenn man sich ansieht, in welchen Situationen Jesus wie argumentiert, fällt übrigens auf, dass er vor allem dann mit Bibelstellen argumentiert, wenn er vom Teufel oder den Schriftgelehrten mit Bibelstellen versucht wird. In den Texten, in denen er von sich aus Reden initiiert, verwendet er überraschend häufig Beispiele aus dem Alltag, dem Familienleben und nicht zuletzt aus der Natur!

Gefahr 4: Die Predigt wird zum hohlen Zauber. Wie kommt es dazu? Der Text-Kosmos ist seinem Wesen nach eine Zauberwelt, eine Welt, in der Wörter nichts bedeuten, sondern bewirken. Gottes Wort ist aber kein Zauberwort. Was er sagt, bedeutet etwas und die Wirkung liegt nicht in der Formulierung, sondern in seiner Macht! Wenn er sagt, „Es werde Licht“, ist das keine dunkle und unverständliche Silbenfolge, sondern eine sehr klare Anweisung, die etwas bedeutet. Wenn wir dasselbe sagen, passiert überhaupt nichts. Das beweist, dass es nicht um Formulierungen ohne Bedeutung sondern um Gottes Macht geht, die hinter seinem Wort steht. Eine sehr tückische Gefahr der Theologie besteht darin, dass dieser Unterschied schleichend aus dem Blick gerät und den Worten eine Zauberkraft – unabhängig von Gott – zugedacht wird. Formulierungen und festgefügte Begriffe nehmen eine immer wichtigere Rolle ein, und man hofft, durch sie Menschen erretten zu können. Gerettet werden Menschen aber durch Gottes Wort und nicht durch Formeln. An dieser Stelle findet nämlich der Übergang von der Predigt zur Zauberei statt, und Zauberei ist kraftlos. Die Gemeinde hört Floskeln und fühlt sich schlecht, weil sie davon gelangweilt ist. Es ist so, als würde man einen unverständlichen und fremden Text einfach immer wieder vorlesen, um sich und anderen Verständnis vorzutäuschen. Die Folgen sind nicht nur für die Gemeinde sondern auch für Nicht-Christen verheerend, weil sie überhaupt nicht wissen, worum es geht. Die Kraft der Predigt liegt in Gottes Wort, nicht in Wörtern.

Gefahr 5: Die Bibel wird durch Menschen verteidigt. Dabei ist sie die stärkste Waffe der Welt und dringt bis in die geheimsten Gedanken durch. Ein Schwert bewacht man aber nicht mit bloßen Händen. Was nützt es also, wenn Menschen versuchen, die Bibel zu verteidigen? Sehr viel! Aber nur, wenn sie sich dabei auf Gottes Handeln berufen. Z.B. ist es sinnvoll, archäologischen Einwänden durch archäologische Einwände zu begegnen oder naturwissenschaftlichen mit naturwissenschaftlichen. Es ist aber nicht wirkungsvoll sondern gerade eine Kapitulation und ein Rückzugsgefecht, wenn Christen sich als Gleichgesinnte zusammen schließen, und versuchen, der Bibel durch Abstimmung Bedeutung zu verschaffen.