Europa ist krank

In der Mai-Ausgabe des äusserst empfehlenswerten Cicero, dem Magazins für politische Kultur erschien anlässlich der Wahl von Kardinal Ratzinger zum Papst ein kulturkritisches Essay von ihm aus dem Sommer 2004 mit dem Titel „Europa ist krank„, welches ich nur jedem zum Lesen ans Herz legen möchte. Ratzinger träumt nicht wie die stolzen EU-Utopisten oder frustrierte amerikanische Intellektuelle den „Europäischen Traum„, sondern er warnt vor Zerfallserscheinungen, die die Säkularisten gar nicht wahrnehmen können. Wie brilliant Ratzinger formulieren kann soll dieser kleine Ausschnitt aus diesem grossartigen Essay zeigen: „Hier leidet der Westen unter einem merkwürdigen Selbsthass, den man nur als pathologisch bezeichnen kann; zwar tendiert der Westen in löblicher Weise dazu, offen für andere Wertvorstellungen zu sein, doch mag er sich selbst nicht mehr leiden. Von seiner eigenen Geschichte sieht er nurmehr das, was verwerflich und destruktiv ist und er ist nicht mehr in der Lage zu erkennen, was groß und rein ist. Europa braucht, um überleben zu können, eine neue – sicherlich kritische und demütige – Selbstannahme. Die multikulturelle Gesellschaft, die beständig und mit Nachdruck bestärkt und gefördert wird, ist bisweilen vor allem das Verlassen und Verleugnen dessen, was Eigen ist, eine Flucht vor dem Eigenen.“
Mit freundlichen Grüssen
wanderprediger
Europa ist krank

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