Die Achse Benedikt-Bush

Im Magazin für Technologiekultur und postmoderner Verschwörungsmythologie Telepolis macht man sich Sorgen über eine virtuelle Achse des Guten … nämlich die zwischen dem US-Präsidenten George W. Bush und dem deutschen Papst Benedikt XVI.
Der versammelten Linken ist die intellektuelle Brillianz des neuen Papstes anscheinend irgendwie unheimlich und dass dies sogar einen nachweislichen Impakt auf den letzten Großen der Frankfurter Schule Prof. Habermas gehabt hat, bringt die geordnete links-libertinäre Welt (hier die progressiven Gewinner dort die reaktionären Verlierer der Geschichte) anscheinend ziemlich aus dem Gefüge.

Ratzingers Hauptthema ist der neuzeitliche Religionsverlust. Er befürchtet, grundlegende gesellschaftliche Werte und die unbedingte Würde jedes Menschen würden unter den Bedingungen der Postmoderne zu bloßen Phrasen: Die Ethik müsse nunmehr konstruiert werden; der Konsens darüber sei also beliebig veränderbar.
Über solche Fragen hat er mit angesehenen Intellektuellen, darunter dem Philosophen Jürgen Habermas, viel beachtete Gespräche geführt.

Man ist ganz verzweifelt, dass die Feuilletons Ratzinger unisono als großen Theologen bezeichnet, wo dieser sich doch gar nicht an neuzeitlichen extrem-liberal-katholischen Mainstream-Theologen wie Hans Küng oder gar Eugen Drewermann orientiert 🙂
Das führt dann in den gestrengen Augen der politisch korrekten Kulturtechnologen von Telepolis dazu, dass Ratzinger im Weltkatechismus beispielsweise zum Thema Homosexualität – ungeachtet der modernen Bibelwissenschaft – ganz sachfremde Bibelstellen verwendet. Sachfremd wahrscheinlich, weil es genau diejenigen Bibelstellen sind, die sich explizit gegen Homosexualität aussprechen und an denen es nichts zu rütteln und zu deuteln gibt.
Aber lesen wir weiter …
Noch ein Grund, warum aufgeklärte Linke mit Ratzinger schimpfen möchten: Die Weltökumene für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung erscheint bei Ratzinger als „politischer Moralismus“. Originalton Ratzinger: „Es gibt heute einen neuen Moralismus, dessen Schlüsselwörter Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung sind. Das sind Begriffe, die wesentliche moralische Werte, die wir alle notwendig haben, zum Ausdruck bringen. Aber dieser Moralismus bleibt vage und schlittert damit fast unausweichlich in die Sphäre der Politik und der Parteien.
Genau!
Ein weiteres Tabu ist heutzutage in den links-libertinären Feuillitons ja die Lehre vom gerechten Krieg. Eigentlich dürfte es ihn ja gar nicht mehr geben … Interessanterweise sieht Ratzinger dies ganz anders:
Aus Anlass des 60. Jahrestages der alliierten Landung in der Normandie konstatierte er am 5. Juni 2004: „Wenn irgendwo in der Geschichte, so ist hier offenkundig, dass es sich bei dem Einsatz der Alliierten um einen gerechten Krieg handelte.“ Im Anschluss daran warf der Kardinal die Frage auf, „ob und unter welchen Bedingungen auch heute so etwas wie ein gerechter Krieg, das heißt ein dem Frieden dienender und unter moralischen Maßstäben stehender militärischer Eingriff gegenüber bestehenden Unrechtssystemen, möglich ist.“

Zum Schluss, das Verhältnis Papst Benedikt zum Präsidenten Bush:
Am 4. November 2004 brachte Radio Vaticana seine Äußerungen gegenüber der römischen Tageszeitung „La Repubblica“ so auf den Punkt: Kardinal Ratzinger beklagte „einen antichristlichen Werteverfall in Europa und empfahl dagegen das amerikanische Gesellschaftsmodell“. Der Moralkonservatismus der Bush-Administration und die öffentliche Berufung von US-Politikern auf religiöse Vorstellungen finden seinen Beifall. Die Bedrohung heißt „Relativismus“. Von Gefahren einer fundamentalistisch agierenden „christlichen“ Politik ist hingegen nicht die Rede. Dass rechte Evangelikale in katholischen Teilen des amerikanischen Kontinents systematisch missionieren, wird bei Ratzinger ganz arglos gedeutet. Man traue auf Seiten der US-Protestanten dem Katholizismus nicht zu, einen stabilen „moralischen Konsens“ der Gesellschaft zu gewährleisten.
Für eine Annäherung zwischen Rom und Washington könnte Ratzinger der ideale Papst sein. Zu seinem Nachfolger als oberste Glaubenshüter in Rom bestimmte er den US-amerikanischen Bischof William Joseph Levada, dessen strenge Traditionstreue außer Frage steht. Im Gegenzug hat US-Präsident Bush jüngst den konservativen Katholiken John Glover Roberts zum US-Bundesrichter ernannt.

Hoffen wir, dass Telepolis zumindest mit dieser Einschätzung mal Recht hat und freuen uns auf die Achse neue Achse der Guten Benedikt-Bush
Mit freundlichen Grüssen
wanderprediger

Die Achse Benedikt-Bush

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