ProChrist 2006: Das fängt ja gut an! – Wie ein Zweifler das Staunen lernt

Die komplette Pro Christ-Veranstaltung für Sonntag den 19. März zum Download für den Internet Explorer oder Real-Player.
Sonntag 19. März (157.000 Zuschauer) Das fängt gut an! – Wie ein Zweifeler das Staunen lernt.
Joan Orleans: „How great thou art
Kinderreporter: „Wer ist Jesus“
Lothar Kosse mit Chor: „Licht des Himmels
Eva Maria Admiral und Eric Wehrlin: „Da geht’s lang

Ulrich Parzany: Das fängt gut an! – Wie ein Zweifler das Staunen lernt Predigttext(Predigt als MP3, 20758 K)

Was lernen wir daraus? Straßenkarten fördern die Allgemeinbildung. Man lernt Malernamen und Dichter. Ein Philosoph und ein Politiker waren dabei.
Außerdem kapiert man die tiefe Weisheit: Es hilft nichts, am rechten Ort zu sein, aber zur falschen Zeit.
Ergebnis: Man kann gar nicht genug zweifeln. Haben Sie den Ofen ausgeschaltet, bevor Sie die Wohnung verlassen haben? Haben Sie die Tür wirklich abgeschlossen?

Anfang des Jahres 2006 wurden die Menschen von Schreckensnachrichten über einstürzende Hallen geschockt. Erst die Eissporthalle in Bad Reichenhall – 15 Tote. Dann eine Ausstellungshalle in Kattowitz, Polen – über 60 Tote. Seitdem zögere ich, ob ich in Veranstaltungen wie ProChrist eine Veranschaulichung benutzen soll, an der ich verdeutlichen kann, dass alle Menschen glauben. Und zwar tagtäglich. Ich möchte sensible Menschen nicht in Angst jagen. Andererseits meine ich, wir sollten die grundlegenden Tatsachen des Lebens zur Kenntnis nehmen.

Jeder glaubt

Tatsächlich können wir keinen Tag leben, ohne zu glauben. Wir sitzen in einer Veranstaltung und glauben, dass die Decke des Saales nicht einstürzt. Wir glauben, das heißt, wir vermuten das nicht nur, sondern wir vertrauen darauf so sehr, dass wir für diesen Glauben unser Leben riskieren. Ich habe noch nie gehört, dass ein Kinobesucher erst die Statik des Gebäudes hat prüfen lassen, bevor er im Kino Platz genommen hat. Er vertraut eben, dass alles richtig berechnet und auch stabil gebaut ist. Und doch haben wir erlebt, dass in einigen Fällen dieses Vertrauen nicht begründet war.

Zweifel wären angebracht gewesen. Aber stellen Sie sich vor, irgendjemand hätte die Besucher der Eishalle mit ihren Schlittschuhen in der Hand vor der Tür aufgefordert, an der Stabilität des Daches zu zweifeln und das Dach überprüfen zu lassen, bevor sie in die Halle gehen. Den hätten die Leute für verrückt gehalten.

Es bleibt uns gar nichts anderes übrig, als Tag ein, Tag aus zu glauben, dass die Suppe oder der Kaffee nicht vergiftet ist, dass der Autofahrer uns nicht vor den Baum fahren will und so weiter. Und meistens wird unser Vertrauen nicht enttäuscht. Leider kann das eine Mal, wo wir hätten zweifeln anstatt glauben sollen, tödlich sein.

Wir brauchen ein gewisses wagemutiges Grundvertrauen, sonst können wir gar nicht leben. Menschen, die dieses Vertrauen nicht aufbringen können, leiden unter schrecklichen Angstzuständen und sind lebensunfähig.

Die Alltagserfahrungen weisen uns darauf hin, dass wir alle auf irgendwelche mehr oder weniger sicheren Voraussetzungen vertrauen. Wir nehmen sie als selbstverständlich hin, weil wir uns daran gewöhnt haben. Es ging bisher gut, also wird es weiter gut gehen. Die Begründung stimmt zwar nicht, aber wir verlassen uns trotzdem darauf.

Eins ist klar: In dem Augenblick, in dem die Halle einstürzt, ist es zu spät zu zweifeln. Dann hilft es nicht mehr.

Zweifeln tut gut

Zweifeln und Staunen ist das Motto von ProChrist. Sie werden sich vielleicht gewundert haben, warum Christen das Zweifeln zum Thema machen. Man erwartet von uns Christen, dass wir für den Glauben werben. Ich werbe zunächst einmal dafür, dass Menschen anfangen, an der scheinbaren Stabilität ihrer Lebenshäuser zu zweifeln. Und ich möchte sie gern zum Zweifeln bewegen, bevor diese Lebenshäuser einstürzen und die Bewohner unter den Trümmern ihres Lebens begraben werden. Wer rechtzeitig zweifelt, kann an der Konstruktion noch was ändern und den Zusammenbruch verhindern.

Kommt Ihnen dieser Zugang überraschend vor? Dann staunen Sie! Plato, der berühmte griechische Philosoph, war der Meinung, dass mit dem Staunen das Denken des Menschen beginnt. Nicht schlecht.

Auf Kinderfragen hören

Wenn Sie Kinder in Ihrer Umgebung haben, wissen Sie, dass die einen ganz schön in Verlegenheit bringen können. Kinder stellen Fragen, da ist man baff. „Der Opa ist tot. Wo ist er jetzt?“ – „Warum schlägt der Papa die Mama?“ – „Warum müssen kleine Kinder sterben?“ – „Warum fallen Vögel nicht vom Himmel?“ Kinder sind die wahren Philosophen. Sie stellen einfach Fragen.

Warum trauen wir uns nicht, mehr zu fragen? Haben wir Angst, als dumm dazustehen? Warum meinen wir, wir müssten so tun, als ob wir alles wissen? Sind wir zu bequem und zu faul? Ist Denken zu mühsam? Klar, fragen und forschen kostet Kraft und Zeit. Fragen wir nicht, weil wir Angst vor unbequemen Antworten haben? Lebt es sich unbeschwerter nach dem Motto „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiߓ?

Neues Interesse wecken

Die vielen Menschen, die sich für ProChrist engagieren sind pro Christus. Und wir möchten gern, dass noch mehr Menschen Christus kennen lernen und ihm folgen. Wir sind traurig, dass in Europa sich zwar viele Menschen als Christen bezeichnen, d.h. sie sind getauft und Mitlieder von christlichen Kirchen, aber sie wissen nicht wirklich, wer Jesus ist. Damit finden wir uns nicht ab.

Andere haben schon lange nichts mehr mit dem Christentum zu tun. Sie waren nie in der Kirche. Ihre Großeltern sind irgendwann ausgetreten. In der Familie und Bekanntschaft interessiert sich niemand für’s Christentum. Auch sie wissen nicht, wer Jesus war. Warum sind sie eigentlich gegen ihn? Na, sie sind vielleicht gar nicht gegen ihn. Sie interessieren sich einfach nicht dafür. Weil sie ihn nicht kennen, wissen sie auch nicht, warum man sich für ihn interessieren sollte.

Warum Jesus?

Die Schlüsselfigur in diesem Buch ist Jesus Christus. Sie wenden vielleicht ein: Warum gerade Jesus? Wenn schon Religion, dann sollten wir nicht zu speziell fragen, oder? Sollten wir nicht besser allgemein nach Gott fragen?

Aber wer ist Gott? Können wir ihn überhaupt erkennen? Agnostiker – das sind Leute, die sagen, dass wir über Gott nichts wissen können – schweigen deshalb. Ist das nicht konsequent? Gibt es nicht zu viel Streit darüber, wer die richtige Vorstellung von Gott hat? Führt das nicht zu Gewalt und Krieg? Mit Entsetzen erleben wir weltweite Gewalt, die durch Religion verursacht wird.

Wegen dieser Sorge und aus anderen Gründen vertreten heute viele die Ansicht: „Es gibt gar keine Wahrheit, die für alle gilt. Jeder soll seine eigene Überzeugung haben. Dann hat jeder vielleicht eine Teilansicht des Ganzen.“ Wenn es keine für alle gültige Wahrheit gibt, braucht man sich ja auch nicht zu streiten. Aber vielleicht ist ja auch wieder zu bequem, um wahr zu sein.

Die einen haben es erhofft, die anderen haben es befürchtet: „Wenn alles gleich gültig ist, wird alles gleichgültig.“ Nun stellen wir auf einmal erschrocken fest: Das stimmt gar nicht. Nichts ist gleichgültig. Es entstehen Konflikte auf Leben und Tod.

Während ich diese Zeilen schreibe, berichten die Medien von gewalttätigen Demonstrationen von Muslimen wegen einiger Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen. Die dänischen Botschaften in Damaskus und Beirut brannten. Auch ein Büro der Europäischen Union und eine deutsche Kultureinrichtung in Gaza wurde zerstört. Was die einen als Freiheit der kritischen Meinungsäußerung hochhalten, verstehen die anderen als Beleidigung ihrer Religion. Plötzlich ist gar nicht mehr gleichgültig, was man glaubt.

Der Glaube eines Menschen hat nämlich Folgen für sein praktisches Leben. Wann ist Gewaltanwendung gerechtfertigt? Wie soll man mit andersdenkenden Menschen umgehen? Was ist Aufgabe des Staates, was ist Recht des einzelnen Menschen? Soll die Wissenschaft alles tun, was sie tun kann? Welche Experimente sind erlaubt, welche nicht? Darf man Ungeborene, Behinderte, unheilbar Kranke töten oder nicht?

Wenn alles gleich gültig ist, muss ja grundsätzlich alles erlaubt sein. Menschenverachtende Diktatoren und Terroristen haben schon immer nach diesem Grundsatz gehandelt. Wer die Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben und ein friedliches Miteinander der Menschen nicht aufgegeben hat, der kann nicht einfach die Achzeln zucken und sagen: „Alles egal!“ Nein, es nicht alles gleich gültig und darum auch nicht gleichgültig. Für unser persönliches und für das gemeinschaftliche Leben ist es notwendig, nach der Wahrheit und nach Recht zu fragen.

Vor Überraschungen nicht sicher

Man ist im Leben vor Überraschungen nicht sicher. Und die Begegnungen mit anderen Menschen bringen oft die größten Überraschungen. Menschen sind überhaupt das Interessanteste. Darum gibt es so viele Talk Shows, in denen Menschen über ihre Erlebnisse und Erfahrungen erzählen.

Ich möchte Ihnen von einer solchen überraschenden Begegnung berichten. Ich glaube, es liegen einige wichtige Hinweise für uns alle in dieser Geschichte. Sie ist in gewisser Weise eine Modellgeschichte. Sie finden sie in der Bibel, im Johannes-Evangelium, Kapitel 1, 43 – 51. Die Geschichte passierte in den ersten Wochen der öffentlichen Wirksamkeit von Jesus. Er war damals um die 30 Jahre alt. Lesen Sie selbst:

“Am nächsten Tag wollte Jesus nach Galiläa gehen und findet Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach! Philippus aber war aus Betsaida, der Stadt des Andreas und Petrus. Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josefs Sohn, aus Nazareth. Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann aus Nazareth Gutes kommen! Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh es! Jesus sah Nathanael kommen und sagt von ihm: Siehe, ein rechter Israelit, in dem kein Falsch ist. Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich. Nathanael antwortete ihm: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel! Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, daß ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum. Du wirst noch Größeres als das sehen. Und er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über dem Menschensohn.“

Philippus hatte eine überraschende Begegnung mit Jesus, die sein Leben nachhaltig veränderte. Es muss eine unwiderstehliche Kraft in dem Ruf zu geswesen sein, als Jesus den Philippus aufforderte: „Folge mir nach!“ Die Bibel berichtet nicht, was Philippus im einzelnen erlebt hat. Jedenfalls konnte er das Erlebte nicht für sich behalten. Er löste eine Kettenreaktion aus. „Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josephs Sohn, aus Nazareth.“

Die Berichterstattung der Bibel ist erstaunlich knapp. Wir erfahren nicht, woher Philippus den Nathanael kannte. Wir erfahren allerdings die skeptische Reaktion des Nathanael. Er lässt sich nicht von der Begeisterung des Philippus überrumpeln. Er blockt einfach ab. Er ist sich seiner Sache ziemlich sicher: „Was kann aus Nazareth Gutes kommen?!“

Nun muss ich Ihnen erklären, was zwischen den beiden damals klar war. Das Gesetz und die Propheten – das war die hebräische Bibel, die wir heute das Alte Testament nennen. Und alle Juden zur Zeit von Jesus warteten in der einen oder anderen Weise auf den angekündigten Befreier, den Messias. Sie erwarteten die Lösung ihrer politischen, sozialen und persönlichen Probleme durch diese Schlüsselperson, die Gott schicken wollte.

Da waren Zweifel durchaus angesagt. Alle paar Jahre trat jemand auf, der den Anspruch erhob, der Messias zu sein. Die Juden erwarteten den Messias als einen Nachfolger des Königs David. Und wenn schon eine Stadt infrage kam, aus der dieser Messias erwartet wurde, dann war es Bethlehem. Aber nicht Nazareth. Nazareth hatte überhaupt keinen guten Ruf. Darum ist dieser Satz wie ein Sprichwort der Verachtung geworden: Was kann aus Nazareth Gutes kommen!

Mit triftigem Grund

Nathanael ist ein echter Zweifler. Er hat sogar einen triftigen Grund für seinen Zweifel. Das ist schon etwas Besonderes. Über Gründe kann man nachdenken und reden. Man kann sie prüfen, Man kann sie vielleicht widerlegen. Oder man muss ihnen zustimmen.

Meistens machen wir uns gar nicht die Mühe, unsere Zweifel zu begründen. Wir machen einfach ein Fragezeichen. Das ist billig. Dagegen kann man schwer ankommen. Das ist wie eine Blockade durch eine dicke, hohe Betonmauer, die wir als Verteidigungsanlage gegen alles Neue aufbauen. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“, sagt man. Oder: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.“

Der Nathanael ist ein richtiges Vorbild. Er zweifelt mit Grund. Er macht sich mit seiner Abwehr wenigstens Mühe. Es geht schließlich um ein gutes Angebot. Jesus soll angeblich der Befreier, die Lösung für die Lebensnöte sein. Wenn das stimmt, ist das der Durchbruch zum Sieg im Leben. Das hat Nathanael kapiert: So etwas weist man nicht ohne Grund einfach zurück. Das muss man prüfen, wenn es nicht von vorneherein triftige Gründe dagegen gibt.

Sie haben einen wichtigen Schritt vorwärts gemacht, wenn Sie nicht nur einfach skeptische Fragezeichen ohne Begründung machen. Zweifeln mit Gründen – das bringt vorwärts, wie wir sehen werden.

Die Weichenstellung

Wie geht die Begegnung zwischen Philippus und Nathanael weiter? Was könnte Philippus gegen die Zweifel-Blockade des Nathanael tun? Er könnte gute Gründe dagegen nennen. Vielleicht ist Nazareth besser als sein Ruf. Er könnte doch erklären, dass Jesus tatsächlich in Bethlehem geboren ist. Er ist in Nazareth nur aufgewachsen. Philippus müsste doch Argumente gegen die Zweifel nennen, oder?

Tut er aber nicht. Er entgegnet einfach: „Komm und sieh es!“

Er streitet nicht. Er erklärt nicht. Es geht ja auch nicht um ein Gedankengebäude. Es geht um die Person Jesus. Natürlich könnte man da viel erklären und diskutieren. Aber wichtiger ist die Begegnung. Philippus selbst ist durch eine Begegnung mit Jesus von dessen Vollmacht überzeugt worden. Jetzt setzt er alles darauf, dass Nathanael ebenfalls durch eine Begegnung mit Jesus überzeugt wird.

Nathanael geht tatsächlich mit. Das ist die entscheidende Weichenstellung. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass er so reagiert. Er hätte ja auch sagen können: „Das ist Zeitverschwendung. Ich weiß ja, dass aus Nazareth nichts Gutes kommen kann.“ Sein Vorurteil wäre dann nicht ins Wanken gekommen.

Er hätte auch sagen können: „Ich habe leider Dringenderes zu erledigen. Es wäre interessant, aber ich habe keine Zeit.“ So reagieren die meisten Leute heute. Wenn ich vorschlage, die Bibel zu lesen und sich über Gottes Angebot zu informieren, heißt es in der Regel: „Leider keine Zeit.“ Dabei hat natürlich jeder von uns genau 24 Stunden proTag. Aber wir füllen die Zeit mit dem, was uns wichtig ist. Es gibt für die meisten Wichtigeres zu tun, als sich über Jesus zu informieren. So bleibt das Vorurteil das endgültige Urteil.

Was hat den Nathanael bewegt, der Einladung des Philippus zu folgen? Hat er es aus Freundschaft zu Philippus getan? Das wäre kein schlechter Grund. Häufig beginnen Menschen aus diesem Grund, sich überhaupt mit dem christlichen Glauben zu beschäftigen. Gut, wenn man Bekannte und Freunde hat, die einen durch ihre Glaubwürdigkeit neugierig machen!

Vielleicht hat Nathanael gedacht: „Ich habe nichts zu verlieren. Ich kann nur gewinnen. Entweder bestätigt sich in der Begegnung mit Jesus mein Vorurteil, dass aus Nazareth nicht Gutes kommen kann, oder ich werde eines Besseren belehrt. Dann wird meine Meinung über Jesus als Fehleinschätzung entlarvt. In beiden Fälle weiß ich es nach der Begegnung besser. Also hin!

Wir erfahren nicht, welche Beweggründe Nathanael gehabt hat. Wir erfahren aber, dass er tatsächlich die Begegnung mit Jesus sucht. Das ist die entscheidende Weichenstellung.

Damit ist klar, dass Nathanael Antwort und Gewissheit sucht. Er will seine Zweifel nicht als Abwehrmauer um jeden Preis aufrechterhalten. Prüfen Sie sich selbst, ob Sie Antworten auf Ihre Fragen haben wollen. Vielleicht haben Sie auch Angst, ihre sorgsam gepflegten Vorurteile könnten erschüttert werden.

Nathanael geht mit Philippus zu Jesus und nimmt sein Vorurteil und seine Zweifel mit. Mal sehen, was passiert.

Das Jesus-Nathanael-Geheimnis

„Jesus sah Nathanael kommen und sagt von ihm: Siehe, ein rechter Israelit, in dem kein Falsch ist. Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich. Nathanael antwortete ihm: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel!“

Jesus macht dem Nathanael ein Kompliment. Aber der lässt sich nicht so leicht einwickeln. Die Rückfrage klingt ziemlich skeptisch: „Woher kennst du mich?“ Der Rest ist ein Rätsel. Was war unter dem Feigenbaum? Was hat Philippus dort getan? War’s etwas Gutes oder etwas Böses? Wir wissen es nicht. Die Bibel erklärt es nicht. Nathanael hätte es ja seinen Freunden nachher erzählen können. Vielleicht hat er es getan. Aber der Evangelist Johannes berichtet es nicht. Es bleibt ein Geheimnis zwischen Jesus und Nathanael.

Aber dieser eine Satz hat Nathanael total überzeugt. Jetzt ist ihm klar: „Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel!“ In der Begegnung mit Jesus sind seine Zweifel überwunden worden. Sein Vorurteil ist erschüttert. Der Zweifler staunt. Rabbi heißt soviel wie Professor. Sohn Gottes ist der Ehrentitel des Messias. Jesus kommt von Gott. Er kommt aus Gottes Welt. Er ist nicht nur ein menschliches Genie. Er ist die Schlüsselfigur, die mich mit Gott verbindet. In Jesus treffe ich Gott selbst.

Ein Mann erlebte so etwas in einer ProChrist-Veranstaltung: „Du hast meine Lebensgeschichte erzählt. Woher kanntest Du die? Wer hat sie Dir erzählt.“ Ich kannte sie gar nicht. Jesus hat die Worte gebraucht und so persönlich gesprochen. Bei manchem brennt plötzlich eine dunkle Schuld – Kunden betrogen, Ehebruch, Freundin zur Abtreibung gedrängt. Bei anderen erinnert Gottes Geist an gut Erfahrung: Bei der Bewahrung bei der schweren Operation, da hast Du gebetet: „Wenn du mein Kind durchbringst, dann will ich mein Leben ändern.“ Vergessen? Du hast die Hilfe doch erfahren.

Jesus selbst muss überzeugen

Diese Geschichte ist eine Ermutigung für alle Zweifler. Sie müssen ihre Zweifel nicht verdrängen. Wagen Sie die Begegnung mit Jesus selbst und bringen Sie ihre Zweifel dabei mit. Zweifel werden nicht durch Argumente überwunden. Jedenfalls in der Regel nicht. Menschen können irren. Argumente können immer fehlerhaft sein. Selbst wenn man sie einleuchtend findet, könnte das nur eine Täuschung sein. Gewissheit gibt es durch Argumente nicht. Gewissheit können wir nur finden, wenn wir Jesus begegnen und er uns selbst überzeugt.

Tatsächlich, Jesus ist der einzige Weg zu Gott. In der Person von Jesus offenbart sich uns Gott. Darum ist Jesus für uns alle von einzigartiger Bedeutung. Darum reden wir von ihm. Darum müssen wir ihn kennen lernen.

Nathanael hat seinen besonderen Weg zu Jesus gehabt, der uns Zuschauern geheimnisvoll erscheint. Ja, Jesus ist der einzige Weg zu Gott, aber es gibt tausende von Wegen zu Jesus. Jeder wird auf sehr persönliche Weise von Jesus überzeugt.

Sags ihm selbst!

Die Erkenntnis, die Nathanael gewinnt, drückt er nicht in einem Satz über Jesus aus, sondern er sagt es Jesus selbst. Das Ergebnis der Gewissheit ist das Gebet. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wir reden nicht nur über Jesus. Wir reden zu Jesus und mit Jesus. Jesus ist nicht ein Thema, über das wir reden, er ist eine Person, zu der wir reden. Diese persönliche Beziehung ist das Entscheidende. Das ist die Nahtstelle zwischen Zweifel und Gewissheit.

Darum biete ich zum Schluss der ProChrist-Veranstaltungen immer ein Gebet an, dass jeder, der es möchte, als sein persönliches Gebet mitsprechen kann. Indem ich Jesus anrede, nehme ich eine Beziehung zu ihm auf. Das Gebet ist die angemessene Antwort auf die Anrede, die ich von Jesus gehört habe.

Die Antwort des Nathanael ist nicht nur Ausdruck des Staunens und der Bewunderung. Sie ist auch Anerkennung der Herrschaft von Jesus über das Leben des Nathanael. Das ist der Herrschaftswechsel. Jetzt ist Nathanael nicht mehr in der Rolle des skeptischen Beurteilers, des Schiedsrichters über Jesus. Von jetzt an ist Jesus der Entscheider.

Der Anfang ist gemacht

Jesus bestätigt den Anfang des Glaubens von Nathanael. Aber er kündigt sofort an, dass es dabei nicht bleibt. Der Anfang ist für Nathanael eine überwältigende Erfahrung. Aber mehr und Größeres steht ihm bevor. Der Himmel ist offen. Die Boten Gottes, die Engel gehen auf und ab. Dieses Bild erinnert an den Traum des Jakob, eines der Erzväter des Volkes Israel – Abraham, Isaak und Jakob. Jakob musste wegen einer Betrugsgeschichte vor seinem Zwillingsbruder Esau fliehen. Auf der Flucht schläft er unter freiem Himmel. Er erlebt im Schlaf einen Traum, den Gott ihm schickt: Er sieht eine Leiter, die in Gottes Gegenwart führt und auf der die Engel Gottes auf- und abgehen. Damit verspricht Gott dem Jakob, dass er einen offenen Zugang zu Gott haben wird. Dieses Bild gebraucht Jesus. Nathanael soll nicht ein einmaliges Erlebnis mit dem geoffenbarten Gott haben. Die Beziehung zu Gott soll durch Jesus auf Dauer offen bleiben.

Jeder wird die erste Überwindung des Zweifels als eine befreiende und beglückende Erfahrung erleben. Aber wir müssen nicht den Rest unseres Lebens nur von der Erinnerung an diese erste Erfahrung leben. Gott will und wird immer wieder zu uns reden. Wir dürfen in Gebet und Vertrauen mit Jesus Gemeinschaft haben.

Wir werden in unserem Leben nicht von Zweifeln verschont. Weil wir mit unseren Sinnen Gottes Wirklichkeit nicht wahrnehmen können, werden wir immer wieder Gottes Unsichtbarkeit mit Unwirklichkeit verwechseln. Die Überwindung des Zweifel geschieht auch im weiteren Verlauf des Christenlebens nicht durch Gedanken und Argumente, sondern dadurch, dass Jesus sich selbst beweist.

Darum brauchen wir die regelmäßige Begegnung. Das ist nicht anders als in jeder menschlichen Beziehung. Ich kann mich der Liebe meiner Frau nur dadurch vergewissern, dass ich mit ihr rede und mit ihr Gemeinschaft habe. Wenn man sich jahrelang nicht sieht und nicht miteinander spricht, kann man keine Gewissheit über die Liebe der anderen Person haben.

Wie kann ich Jesus persönlich begegnen?

Nun werden Sie sagen: „Ich würde auch gerne Jesus persönlich begegnen, aber er ist ja tot.“ Ja, er wurde gekreuzigt und begraben. Aber Gott hat ihn am dritten Tag auferweckt. Er ist danach 40 Tage lang verschiedenen Menschen an verschiedenen Orten sichtbar begegnet. Und seitdem ist Jesus Millionen Menschen persönlich begegnet, obwohl er für unsere Augen unsichtbar ist. Weil er Gott selbst ist, ist er nicht ein Teil der sichtbaren Schöpfung. Alles Sichtbare ist vergänglich. Er ist gegenwärtig bei uns. Er trägt und durchdringt alle sichtbare Wirklichkeit. Aber er ist viel größer als alles, was wir sehen.

Ich will an dieser Stelle ein Frau erzählen lassen, wie sie die Begegnung mit Jesus erlebt hat. Angela S. aus Greifswald – sie ist 38 Jahre alt, geschieden und hat 2 Kinder – gab mir einen kurzen schriftliche Bericht über ihr Leben, den sie im April 2005 in einem Gottesdienst in Greifswald gegeben hat. Hier ein Auszug:

„Ich komme aus einem atheistischen Elternhaus. Bevor ich Christ wurde, bestand mein Leben nur aus inneren und äußeren Verletzungen. Meine Eltern sind beide Alkoholiker und meine Geschwister und ich haben sehr viel Schläge bekommen. Meinen Eltern war es egal, mit was sie und schlugen, ob Teppichklopfer, Gürtel, Handfeger oder Kelle. Mein Bruder gab dann das zurück, was meine Eltern gesät hatten. So musste ich mitansehen, wie er meine anderen beiden Geschwister, meine Eltern, die Freunde meiner Eltern und mich verprügelte. Vor unserem Kühlschrank hing eine große Eisenkette mit einem Schloss und die Türen waren mit Sicherheitsschlössern ausgestattet. Diese Bilder sind noch immer sehr gegenwärtig, als wäre es erst gestern geschehen.

Als ich 1998 nach Greifswald gezogen bin, habe ich geglaubt, jetzt wird alles besser. Doch es kam alles anders. Ich ging nocheinmal sechs Jahre durch die Hölle, denn der Mann, mit dem ich zusammen lebte war Alkoholiker.

Doch dann geschah das Beste, was wir hier passieren konnte. Ich wollte es ignorieren, doch es ging nicht. Ich begann Bücher über Gott zu lesen, und ich merkte, dass mich diese Bücher beruhigten. Ich konnte es mir nicht erklären, denn ich wollte immer mehr über Gott erfahren. Der Suchttherapeut Uwe R., der den Grundstein dafür legte, dass ich heute ein Christ bin, gab mir die Videokassette „Jesus“ und das Neue Testament zum anschauen und lesen mit. Ich sah den Film und las das Buch, doch verstanden hatte ich nichts. Ich wusste nur, ich will mehr über Gott erfahren. Eines Tages gab Herr R. mir Aufzeichnungen von ProChrist mit. Wow! Ich war begeistert und plötzlich ging ein Licht auf. Endlich wusste ich, was mich beruhigte.

Wie heißt es doch in der Werbung so schön? „Engel kann man nicht kaufen, aber man kann ihnen begegnen!“ So lernte ich Renate B. kennen, und sie brachte mir bei, wie man in der Bibel liest und wie man sie versteht. Für mich ist sie ein Engel, denn bei ihr habe ich erfahren, was es heißt, geliebt zu werden. Nur drei Monate später nahm ich dann am Glaubensgrundkurs teil und fünf Monate später, am 12.9.2004, bin ich getauft worden. Für mich begann ein neues Leben.“

Sie schließt ihren Bericht mit einem Gebet:

„Neu geboren, mit dem Wissen ‚Ich werde geliebt, so wie ich bin’ möchte ich dir, Jesus, von ganzem Herzen danken, dass mein Leben so und nicht anders verlaufen ist. Denn wenn ich nicht so geliebt worden wäre, wie ich von dir geliebt werde, wäre ich heute noch Atheist und würde in der Dunkelheit umherirren. Doch du, Jesus, hast mich aus der tiefsten Finsternis befreit und in dein Licht geholt. Denn im Johannesevangelium sagst du: ‚Ich bin das Licht der Welt, wir mehr nachfolgt, wird nicht mehr in der Finsternis umherirren, sondern das Licht des Lebens haben.’ Deshalb, Jesus, weiß ich, dass dir nachzufolgen der einzige und richtige Weg ist. Ich danke dir, Jesus, dass ich dein Kind sein darf. Ich danke dir, Jesus, dass du meine kranke Seele gesund machst und meine inneren Verletzungen heilst. Durch dich, Jesus, kann ich heute sagen: Ich liebe meine Eltern und ich liebe meinen Bruder. Denn ich habe ihnen vergeben. Jesus, ich danke dir für alles, was du für mich getan hast und noch tun willst.“

Eigene Erfahrungen machen

Jesus hat seinen Jüngern versprochen: „Wer euch hört, der hört mich.“ Jesus gebraucht die Worte von Menschen, um zu Ihrem Herzen zu sprechen. Die Augenzeugen und Ohrenzeugen seines Lebens, Sterbens und Auferstehens haben seine Worte und Taten aufgeschrieben. Wir können sie in der Bibel lesen. Jesus selbst wird durch dieses geschriebene Wort zu Ihnen reden.

Sie können zu Jesus reden. Wir Christen nennen das beten. Sie können ihm ihre Zweifel sagen. Sie können ihn um Antwort bitten.

Jesus hat versprochen: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, der bin ich mitten unter ihnen.“ Suchen Sie die Gemeinschaft mit den Christen. Sie können Jesus beim Wort nehmen. Er will Ihnen dort begegnen.

Sie fragen mich: „Zweifelst du nie?“ Doch, Zweifel springen mich an wie ein Raubtiere. Ich mache es immer wieder wie am Anfang. Ich bete zu Jesus. Ich sage ihm, dass ich Zweifel habe. Ich sage ihm auch, dass ich mir selber nicht helfen kann. Ich sage ihm auch, dass ich die Wahrheit wissen will. Ich möchte nicht irgendwelchen Einbildungen folgen. Darum lasse ich meine Zweifel zu. Aber ich habe mein Leben lang erlebt, dass Jesus meine Zweifel überwindet. Ich lese die Bibel und er gebraucht die Worte, die ich lese, und spricht in mein Gewissen hinein. Ich bete zu ihm und er schenkt mir durch den Heiligen Geist eine Gewissheit, die stärker ist als der Zweifel.

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