Ich genieße es den Teufel aufschreien zu hören!

Viele von Euch kennen meine Vorliebe für den am 24.09.2003 in Jerusalem verstorbenen ehemaligen Cambridge-Gelehrten Derek Prince. Er ist in meinen Augen einer der brilliantesten Bibellehrer unserer Zeit gewesen. Überaschenderweise sieht das Alexander Seibel, neben Wolfgang Bühne und Horst Koch einer der bekanntesten Warner vor charismatisch-pfingstlerischen Irrlehren der erzkonservativen Evangelikalen im deutschsprachigen Raum ähnlich. Dies könnte man jedenfalls annehmen, liest man die einführenden Worte zu Seibels englischsprachiger Generalabrechnung mit Derek Prince: „The late Derek Prince (1915-2003) was a brilliant man who preached and wrote many good things.“
Auf die Beschreibung brillianter Prince-Lehren läßt sich Seibel dabei jedoch nicht großartig ein, genauer gesagt überhaupt nicht. Denn die Intention dieses Artikel ist nach meinem Eindruck eher eine bösartige Demontage dieses großen alten Mannes der Pfingst- und der Charismatischen Bewegung.
Als nächstes wird Derek Prince persönlich mit dem Toronto-Segen in Zusammenhang gebracht. Seibel behauptet, weil seine eigene „Geistestaufe“ mit Manifestationen wie „Ruhen im Geist“ und „Lachen im Geist“ einherging, hätte Prince Probleme sich vom Toronto-segen zu distanzieren. Einen Beleg für diese Aussage in den vielen Büchern und Kassetten von Prince liefert Seibel natürlich nicht.
Im nächsten Abschnitt geht es dann um das Drama der „Ft. Lauderdale’s Five“, denen Derek Prince angehörte. Eine sehr einflußreiche Hirten-Bewegung, die jedoch in extremen Kontroll- und Unterordnungstrukturen sowie einen der größten geistlichen Mißbrauchsskandale der charismatischen Bewegung endete. Immerhin erwähnt Seibel, dass Derek Prince 1984 die grundlegenden Prinzipien der Hirtenbewegung widerrief und sich von diesem Team trennte, jedoch nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er auch nachher immer noch Kontakt mit diesen Männern hatte. Was Seibel jedoch hier unerwähnt läßt ist, dass Prince 1991 hierzu auch öffentlich Buße getan hat (Vortrag im August 1991, OstWest-Konferenz, Karlsruhe). Was wir im übrigen in einem bekannten anti-charismatischen Seibel/Stadelmann-Text nachlesen können.

Kommen wir nun zum in meinen Augen eigentlichen Skandal dieses Textes. Es geht um die Beschreibung des Befreiungsdienstes von Derek Prince, die Befreiung von Dämonen. Um korrekt zu sein, sieht Derek Prince meiner Meinung nach hinter zu vielen menschlichen Probleme ursächlich Dämonen, daß Dämonen diese Probleme jedoch bewirken können und daß sie durch einen biblisch fundierten Befreiungsdienst im Namen jesus christus weichen müssen bleibt jedoch in meinen augen unbestritten, aber das ist jetzt eine andere Geschichte …
… Fahren wir fort in unserem Seibel-Text, denn jetzt wird er endlich einmal konkret. Er beschreibt wie er eine Befreiungsdienst-Kassette hörte, wo Prince die Befreiung von Flüchen und Bindungen bei seinem christlichen Publikum praktizierte, was dort zu dämonischen Manifestationen im sinne von Schreiattacken etc. führte. Seibel stellt Prince selbst nun in einem extrem diabolischen Licht dar, in dem er beschreibt, dass das Schreien und Kreischen aus dem Publikum sich ziemlich gruselig angehört habe und Prince dies wörtlich mit dem Kommentar versehen hätte „Ich liebe es, die Stimme Satans zu hören!“
Als ich diesen Seibel-Text zuerst las, wunderte ich mich sehr über diese in der Tat hinterfragenswerte Aussage von Derek Prince und hoffte irgendwann mal im Original auf sie zu stossen, um den Sachverhalt zu prüfen.
Nun ja … Dies ist heute geschehen und jeder, der möchte, kann sich nun sein eigenes Urteil bilden. Hier ist der Link zu Teil 3 der Predigt im MP3-Format.
Der Zusammenhang ist folgender: Es ging um das Brechen von Flüchen, auch von generationsübergreifenden Familienflüchen. Der theologische Schwerpunkt lag im Tausch am Kreuz, dass Jesus für uns am Kreuz zum Fluch wurde (vgl. Gal 3,13) und das wir dies aktiv für uns beanspruchen können. Derek Prince vertritt die Meinung, dass man dies aktiv aussprechen müsse. Derek Prince führte sein Publikum in ein Gebet an Jesus und als er an die Stelle kam wo auf Deutsch übersetzt wurde „… vom heutigen Tag an will ich Dir gehorchen und Dir folgen“ kamen die ersten gellenden „Dämonenschreie“ (0:05:40). Das Publikum muß wohl ziemlich verstört reagiert haben, denn Prince sagt ganz cool „That´s all right … relax! … There will be a lot more of this“
Und so kommt es dann auch … heftigste Schreiattacken brechen los. Derek Prince ist während all diesen Attacken vollkommen routiniert und gelassen. Sein lapidarer Kommentar lautet(0:05:56): „I allways enjoy, hearing the devil cry out!“ Meine Übersetzung dazu lautet: „Ich genieße es immer den Teufel aufschreien zu hören!“ Das ist etwas ganz anderes als zu sagen: „Ich liebe es die Stimme Satans zu hören!“ Es geht ganz einfach darum, dass in diesem an Jesus Christus gerichteten Gebet Flüche gebrochen wurden und offensichtlich massenhaft Dämonen aus den Menschen ausgefahren sind. Das sollte für jeden Christen eine Freude sein! Die Verfälschung des angeblich wörtlich wiedergegebenen Zitats ist in meinen Augen ein bewußte Irreführung der Leser auf Seidels Homepage.
Wer übrigens alle drei Teile des Prince-Vortrags hören will sei noch auf Teil 1 und Teil 2 im Speziellen und für weiteres Interesse an Derek Prince auf Derek Prince auf online-predigt.de im Allgemeinen verwiesen, wo man sich sehr viele seiner Predigten als MP3 herunterladen kann.

Nebenbei bekommt Prince schließlich noch vorgehalten, dass er den Pastor einer Jerusalmer Gemeinde auf dessen Heilungswunsch mit den Worten abserviert habe:“… meine „Heilungs“-Gabe wirkt nicht im Privaten, sondern nur in großen Menschenmengen.“; was Seibel natürlich sofort benutzt um Prince irgendwie in die Nähe des Spiritismus zu stellen.

Der krönende Abschluß ist eine Seibelsche Anrufung des Herrn mit den Worten: „Möge unser Herr der Herrlichkeit uns Weisheit und Urteilsvermögen in diesen letzten Tagen von wachsendern Konfusion und Irreführung verleihen.“ Verwiesen wird dann noch auf 1. Tim 4,1 „Der Geist aber sagt deutlich, daß in den letzten Zeiten einige von dem Glauben abfallen werden und verführerischen Geistern und teuflischen Lehren anhängen“.

Damit wäre der Kreis geschlossen von dem Derek Prince, der anfangs noch als „brillianter Mann“ vorgestellt wurde, der viele gute Dinge gelehrt und gepredigt hat hin zu einem verführerischen Geist, der „teuflische Lehren“ vertritt und … „die Stimme Satans liebt“!

Bitte nun nicht glauben, dass ich als pietistischer Neo-Charismatiker alles was Herr Seibel gegen die Charismatiker schreibt ablehnen würde. Dem ist mitnichten so! Ganz im Gegenteil! Um mit den Worten Derek Prince´s zu sprechen: „Das Vollbringen von Wundern bestätigt nicht notwendigerweise die Wahrheit. Hier werden Charismatiker in Schwierigkeiten geraten, denn die meisten Charismatiker werden irgendetwas glauben, wenn es von einem Wunder begleitet ist. Und der Antichrist wartet nur auf sie … Es gibt nur einen Weg Wahrheit ermitteln und das geschieht über die Schrift“ Da liegen Seibel und Prince wahrscheinlich gar nicht so weit auseinander. Hochinteressant fand ich beispielsweise auch einen Seibel-Artikel über Arnold Bittlinger einer Art Urgestein der GGE, der ich selber angehöre. Da werde ich noch prüfen müssen. Prüfen tue ich als Arzt im Übrigen auch vorzugsweise charismatische Wunderheilungen, wie beispielsweise Charles Ndifon in der Berliner Pfingstgemeinde Kirche am Südstern. Obwohl ich also bei der charismatischen Gemeindeerneuerung mitmache, sind für mich doch nicht alle charismatische Lehren mittragbar und ich sage das auch allen ganz offen.

Das andere Extrem ist aber, ALLES für Schlecht zu erklären, um es verwerfen zu können.

Für diesen Artikel wird sich Alexander Seibel einmal rechtfertigen müssen!

Mit freundlichen Grüßen
wanderprediger

Diskussion zu diesem Thema auf jesus.de

Ich genieße es den Teufel aufschreien zu hören!

2 Gedanken zu „Ich genieße es den Teufel aufschreien zu hören!“

  1. Lieber Herr Doktor!
    ich bin von Seibel, den ich aus meiner Zeit als studiosissimus kenne, auch nicht eben angetan; ein ziemlich verbitterter Österreicher, der überall das okkulte Gras wachsen hört. Hier etwas zum Staunen: ich lese gerade im Johannesevangelium und bin über die Heilung Jesu am Teich Bethesda gestolpert. „Der M-Text sagt hier: ‚Denn zu gewissen Zeiten stieg ein Engel in den Teich herab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hineinstieg, wurde gesund, mit welcher Krankheit auch immer er behaftet war.‘ (Joh 5,4)
    Der Vers Joh 5,3b ‚Sie warteten darauf, dass sich das Wasser bewegte‘ ist vom handschriftlichen Befund her gut bezeugt, mit Ausnahme weniger alexandrinischer durchaus auch von alten Handschriften, auch von (fast) der gesamten lateinischen und syrischen Überlieferung, ungefähr so gut bezeugt wie Mk
    16,9-20. Der Vers Joh 5,4 ‚Denn der Engel des Herrn fuhr von Zeit zu Zeit herab …‘ ist nur wenig schlechter bezeugt, nach der Stuttgarter Ausgabe angeblich nicht in der ältesten Fassung der Vulgata, und der Wortlaut
    variiert bei manchen Zeugen; aber die Mehrheit der Handschriften hat auch hier einen festen Text, und zwar identisch mit dem Textus Receptus. Folgerung: Fast die gesamte Überlieferung des NT hat diese Passage, schon von früher Zeit an und in weiter Verbreitung, und aus diesen Gründen werde ich sie auch
    in meine Grundtextausgabe aufnehmen. Es ist sicher auch in Gottes Interesse, dass dieser Abschnitt Joh 5,1-9 verstanden wird, und ohne diese Verse ist der Sinn eben unklar. Ich glaube übrigens nicht, dass es sich um einen Dämon handelte, zum einen, weil er hier „Engel des Herrn“ genannt wird, zum anderen: Es ist doch schon gut, wenn jemand geheilt wird (auch wenn es so zunächst nur eine kleine Auswahl ist), und dass es aber durch Jesus persönlich einfacher und für alle möglich ist, das war eben das Neue der frohen Botschaft, was ja auch durch diesen Abschnitt ausgedrückt werden soll. Insofern finde ich es auch nicht
    unfair, es ist ja im Gegenteil eine Gnade, wenn unter dem Gesetz überhaupt schon ein Mensch geheilt wurde. Durch Jesus aber steht die Gnade allen offen, die es durch Glauben annehmen (V. 6: „willst du gesund werden?“), und da kann man sogar am Sabbat geheilt werden! – Das ist doch eine schöne
    Botschaft in diesem Abschnitt.
    Ich habe auch schon Auslegungen gehört, die den Text für echt hielten und darauf abstellten, dass der erwähnte Engel ein Dämon war, der soz. die Leute drangsalierte, denn nur die ersten wurden geheilt und die, die nicht zum Teich konnten, blieben krank. Unter ethischen Gesichtspunkten sei das Verhalten fraglich bzw. unfair. Ob man daher tatsächlich auf einen Dämon schließen sollte, lasse ich unkommentiert.“
    Ziehen Sie aus diesen Überlegugen der Bibelgriechen (@domeus) irgendwelche Schlußfolgerungen für Ihre wertvolle Arbeit?
    Liebe Grüße
    Buchstapler

  2. Bin grade durch „Derek-Prince“-Googlen azuf deinen Blog gestoßen, und das hier kam mir irgendwie vertraut vor…komme aus einer Gemeinde, wo Seibel auch predigen durfte, kann dir noch tausende anderer solcher „Übertreibungen“ (das ist wohl noch zu euphemistisch…) nennen. Auch die Bücher von Seibel, Ebertshäuser und Bühne operieren ähnlich wie die Bildzeitung durch auseinanderreissen der Zitate. In dem Büch von Bühne „Die dritte Welle“ sind die meisten Charismatiker-Zitate sinnentstellend aus dem Zusammenhang gerissen.

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