Heidnische Motive der Kreuzzüge

Im engeren Sinn werden unter „Kreuzzügen“ die Kriege gegen den Islam verstanden, die zur Befreiung Jerusalems geführt wurden.
Nun will ich hier nicht auf die zahlreichen Motive eingehen, die hinter diesen Kriegen standen, außer auf eines, dass vor allem im Verdacht steht, aus diesen Kriegen erst religiöse Kriege zu machen: der Versuch, der Christenheit wieder ihre Heiligen Stätten zurück zu erobern.

Erst durch dieses Motiv wird aus einem Kreuzzug überhaupt etwas anderes als der normale Krieg aus politischen und wirtschaftlichen Gründen.
Aber genau hier liegt auch das Problem: im Christentum gibt es überhaupt keine „Heiligen Stätten“!
Ich kann die Suche nach dem wahren Ursprung dieser Vorstellung leicht abkürzen, denn im ganzen Heidentum wimmelt es davon und auch moderne Neu-Heiden tragen es wie eine Errungenschaft vor sich her, dass sie wieder besondere Orte im Wald, Bäume und Steine verehren. Es ist daher müßig zu fragen, ob die Christen diese Vorstellung aus Rom übernommen haben, von den Kelten, den Germanen oder sonst wem. Nur eins muss man klar sagen: christlich ist sie nicht. Man kann hier geradezu von einem Kuriosum des Christentums sprechen, dass es keine heiligen Orte kennt.

Im AT gab es zwar ein Heiligtum, das aber gerade nicht magisch verstanden wurde. Im NT gibt es auch das nicht, weil hier im „Geist und in der Wahrheit“ angebetet wird (das sagt Jesus im Gespräch mit der Samariterin Joh 4,23).
Speziell über das Grab Jesu (eines der wichtigsten aller vermeintlichen „Heiligtümer“) wird gesagt, was auch für alle anderen Heiligtümer und auch Reliquien gelten muss: als die Frauen am Ostermorgen zum Grab gingen und dem Leichnam Jesu die letzten Ehren erweisen wollten, mussten sie sich fagen lassen „Was sucht ihr den Lebenden unter den Toten?“ (Lk 24,5)
Das Grab Jesu ist theologisch bedeutungslos.

Nach dieser Belehrung liefen die Frauen weg von der Gruft (V.9) und verkündeten es den Jüngern.

Wieviel Leid wäre den Menschen erspart geblieben, wenn sie statt um ein Grab zu kämpfen, Jesu Auferstehung verkündigt hätten, so wie die Frauen es an Ostern taten?

Man muss der Kirche also vorwerfen, dass sie sich vom heidnischen Aberglauben in den Wahnsinn treiben ließ. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie darüber, dass die Menschen sich von diesem abergläubischen Wahnsinn abschrecken lassen um sich erst recht dem neuheidnischen Aberglauben zuwenden.

Zum Staunen gibt es hier aber weniger Grund als zum Erschrecken:

„Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse.
Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden“ (Joh 3,19f)

Auch Menschen, die sich über die Finsternis empören (so wie Hitler z.B. über die Hexenverfolgungen) können die Finsternis immer noch mehr lieben als das Licht, vor dem sie bloß stehen.

3 Gedanken zu „Heidnische Motive der Kreuzzüge“

  1. „Im AT gab es zwar ein Heiligtum, das aber gerade nicht magisch verstanden wurde. Im NT gibt es auch das nicht, weil hier im ‚Geist und in der Wahrheit‘ angebetet wird.“

    Besten Dank für diesen Beitrag. Das Profitstreben der Kreuzzügler und Papste wird zwar in History und dem sonst recht interessanten Sender „Phoenix“ auch herausgestrichen, aber nicht, worin eigentlich das Volk in die Irre geführt wird. Sehr scharf beobachtet!

  2. Der Artikel trifft es nicht ganz, denke
    ich. Es ging Papst Urban II. darum, die
    zu befürchtenden Angriffe der Moslems
    auf die Christen abzuwenden: „Denn die Gläubigen wurden, wie die meisten von euch bereits gehört haben, von Türken und Arabern angegriffen und das Territorium der ‚Romania‘ (des hellenistischen, also griechischen Imperiums), das im Westen bis zur Mittelmeerküste und dem Hellespont (Dardanellen), der der Arm St. Georgs genannt wird, reichte, wurde erobert.“ In dem Aufruf Papst Urbans II. heißt es des Weiteren wörtlich: „Sie haben immer mehr Länder der dortigen Christen besetzt und diese in sieben Kriegen besiegt. Sie haben viele von ihnen getötet und gefangen genommen, die Kirchen zerstört und das Kaiserreich (von Byzanz) verwüstet. Wenn man sie das weiter ungestraft tun lässt, werden die Gläubigen in einem noch weit größeren Ausmaß von ihnen angegriffen werden.“
    Was der Heilige Vater damals gesagt hat, stimmte. Im Verlaufe des Dschihad, des “Heiligen Krieges“, sind vom siebten Jahrhundert an bis zur Zeit Papst Urbans über die Hälfte der christlich besiedelten Gebiete erobert und islamisiert worden. Bis zu den Kreuzzügen hatte die europäische Christenheit auf diese Provokationen nicht reagiert.
    In Wirklichkeit stand die Eroberung Jerusalems durch die Muslime im Jahr 638 am Anfang jahrhundertelanger Angriffe von Seiten des Islam, und die Christen im Heiligen Land sahen sich einer Spirale der Verfolgung ausgesetzt, die zu eskalieren drohte.

    Es ging um den Schutz der Christen im Nahen Osten und um die christliche Religionsausübung dort, sei es von Ansässigen, sei es von Pilgern…

    vgl. hierzu auch http://www.politikstube.de/forum/geschichte_und_historisches/3395-die_wahrheit_ueber_die_kreuzzuege.html

  3. Ich stimme dir völlig zu. Es gab ein ganzes Bündel von Motiven, die ich gar nicht alle im Einzelnen bewerten wollte.

    Mir ging es nur um die Motive, die überhaupt im Verdacht stehen, aus den Kreuzzügen typisch christliche Kriege zu machen. Und da kommt eigentlich nur die Sorge um die Pilgerstätten in Frage.
    Und wie gezeigt, handelt es sich gerade hierbei um ein heidnisches Motiv.

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