kommiggezz in fenseeeehn?

Der G8-Gipfel ist zu Ende, und alle sind zufrieden: die Politiker sowieso, aber auch alle Demonstranten. Peter Wahl von „attac“ nannte die Blockaden einen vollen Erfolg. Aber wie kann eine Blockade ein Erfolg sein, wenn sie nichts blockiert?
Auch Greenpeace war zufrieden, obwohl sie bei ihrem Versuch, eine Petition zum Strand zu bringen, erwartungsgemäß kläglich gescheitert sind.

Worin der Erfolg besteht ist klar: es geht um Medienwirksamkeit. Für Greenpeace sind Schlauchboot-Einsätze schon immer ein wirkungsvolles Mittel gewesen, öffentliches Interesse zu gewinnen (was sich dann in hochschnellenden Spendeneinnahmen wiederspiegelt). Das Ergebnis ist dabei völlig egal, es geht um die Nummer „hilfloser Aktivist kämpft für gute Sache“.
Und Peter Wahl nannte als Grund für den Erfolg, dass „Bilder um die Welt gingen“.

Man mag das als gegeben hinnehmen, als Spielregeln der Mediendemokratie. Aber diese Inszenierungen sind aus mindestens zwei Gründen bedenklich:

Erstens entstehen so eben nicht nur Schaukämpfe, sondern auch echte Gewalt. Es gilt immer, den schmalen Grat nicht zu verlassen und gleichzeitg gefährlich und gewalttätig genug zu sein, um die Medien anzulocken, aber nicht zu übertreiben, um keine schlechte Presse zu bekommen. Nur beherrschen eben nicht alle diese Kunst, und die Anwesenheit von Gewalttätern bei den Demonstrationen war für niemand eine ernsthafte Überraschung.
Wenn die Medien es für ihre vornehmste Pflicht halten, immer vor allem dann zu berichten, wenn Blut fließt oder zu fließen droht, dann machen sie sich schuldig, diese Gewalt zu fördern. Die ZEIT ist da keine Ausnahme und hatte auch ihre Titelseite der Straßenschlacht gewidmet. In allen Krisengebieten der Welt werden mittlerweile Schaukämpfe, Schauunruhen, Schaudemonstrationen iniziiert, bei denen es zu ganz realen Verletzungen und sicher nicht selten zu Toten kommt. In den Medien wird auf den Schau-Charakter immer nur hingewiesen, wenn das Anliegen inhaltlich angeprangert werden soll.

Zweitens sind diese Spielregeln zutiefst undemokratisch. Sie bevorzugen die junge akademische Mittelschicht, die genug Zeit und geistige Ressourcen besitzt, um sich politisch zu engagieren. Und sie bevorzugt alle, die bereit sind, in Maßen Gesetze zu übertreten.
Und obwohl sie ständig mit dem Habitus auftreten, Druck „von unten“ zu machen und damit stillschweigend die Zustimmung der restlichen Bevölkerung für sich in Anspruch nehmen, handelt es sich zunächst nur um eine kleine politisch aktive Gruppe, die erfolgreich das Bild vermittelt, es gebe ungefähr zwei Positionen, die man zur Globalisierung einnehmen kann: vor dem Zaun und dahinter. Damit gibt ein kleiner Teil der Bevölkerung seiner Meinung möglicherweise ein weit größeres Gewicht, als es die Qualität seiner Argumente erwarten ließe. Und das ist schlichtweg undemokratisch.

Meines Erachtens gehört es nun zu einem starken Bürgertum, sich zumindest bei wichtigen Themen (ich bin noch nicht einmal sicher, ob „Globalisierung“ ein sinnvoll fassbares Thema ist, geschweige denn ein wichtiges) aus intelligent gesuchten Quellen ein eigenes Bild zu verschaffen, oder – was vermutlich der bessere Weg ist – , sich der Berichterstattung völlig zu enthalten.

Denn man muss ganz nüchtern feststellen, dass sich alle politischen Medien in Deutschland in diesen Tagen in ihrer Berichterstattung an den beiden Punkten schuldig gemacht haben: sie waren gewaltfördernd und undemokratisch.

5 Gedanken zu „kommiggezz in fenseeeehn?“

  1. Das Ergebnis der Proteste: Alle redeten über die Gewaltexesse der Autonomen und die Unfähigkeit der Demo-Organisationen sich aus ihrer Geiselhaft zu befreien … Ergebnis: NIEMAND interessierte sich für die Forderungen der Demonstranten.
    Im SPIEGEL hat Reinhard Mohr das Problem ausgezeichnet auf den Punkt gebracht [-> http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,486343,00.html ].
    Es ist auf der Seite der Demonstranten eine Grundsatzentscheidung zu treffen: Will man den Gipfel, das alljährliche Treffen der wichtigsten Wirtschaftsnationen samt Russland, militant bekämpfen, verhindern, blockieren – oder will man „nur“ protestieren und womöglich politische Forderungen an Bush & Co. stellen. Beides zusammen schließt sich logisch aus.
    Die Verantwortlichen innerhalb der Anti-Globalisierungsbewegung und die mit ihr in fragwürdiger Symbiose lebenden „philanthropen“ ÖKOPAX-POPSTARS um Ihre Heiligkeit Bono Vox müssen sich entscheiden, ob sie die Führungspersönlichkeiten der G8-Nationen, die im Gegensatz zu ihrer eigenen NGO-Kultur DEMOKRATISCH LEGITIMIERT sind bloß als „Gangster“ und „Verbrecher“ und reine Funktionsträger eines mörderischen Systems ansehen oder ob sie sie als demokratisch legitimierte Führer Ihrer Nationen ernst nehmen und an sie berechtigte inhaltliche Forderungen stellen wollen.
    Dies kann man aber nur tun, wenn man sie erstmal tagen lässt.
    Mit freundlichen Grüßen
    wanderprediger

  2. „hilfloser Aktivist kämpft für gute Sache“.“
    Man kann freilich auch das Slchauchboot gescickt auf eine Art und Weise unter das Polizeiboot manövrieren, so dass es auf dem Film so aussiht, als sei die Polizei geradewegs ÜBER das Greenpeace-Schlauchboot hinweggeknallt. Alles eine Mache in meinen Augen. Ganz recht: Medienwirksamkeit. Was hat jetzt Grönemeyer samt „Bono“ mit ihrem Gehopse und Gejodle erreicht? (s.o.)

  3. „Seine Heiligkeit“ Bono Vox

    Ist denn Bono Vox so bekannt und berühmt hier in der BRD, dass seine Meinung als unantastbar gilt? Ich muss gestehen, diesen Namen das erste Mal gehört zu haben.
    Übrigens: ‚philantropen‘
    Man schreibt philanthropen.
    Gruß und schönes, sonniges Wochenende!

    Buchstapler

  4. @buchstapler,
    Danke für Ihr ausgezeichnetes Lektorat 😉
    Ich warte im Übrigen immer noch voll Erwartung auf Ihren ersten Blog-Beitrag hier auf theocons.de. Sie wissen ja hoffentlich, dass Sie schon seit Monaten hier Autorenrechte besitzen 🙂

    Mit freundlichen Grüßen
    wanderprediger

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