Erziehen durch Strafe oder durch „logische Konsequenzen“?

Elternratgeber scheinen sich heute darin einig zu sein, dass Kinder nicht mehr „bestraft“ werden, sondern dass man sie mit den „logischen/natürlichen Konsequenzen“ vertraut macht.
Also: Wenn ein Kind sich weigert, sich die Zähne zu putzen, darf es auch keine Süßigkeiten mehr essen.
Gut, strenggenommen wäre die natürliche Konsequenz, die Zähne verfaulen zu lassen. Man ahnt schon, dass auch die vermeintlichen Konsequenzen selbstverständlich Strafen sind. Und auch wenn man seine Kinder bestraft, gehört es zu einer guten Erziehung, die Kinder, je nach Entwicklungsstand, über die Gründe für bestimmte Verbote oder Forderungen zu informieren – also ihnen beispielsweise den Nutzen des Zähneputzens zu erklären. Darin unterscheidet sich die „Konsequenz“ nicht von der Strafe.

Es geht eigentlich um die Frage der Autorität: man möchte heute vermeiden, dass Kinder lernen, sich Autoritäten unterzuordnen. Also sie sollen etwas nicht tun, weil andere das wollen, sondern weil sie selbst so ihren eigenen Willen besser erfüllen können. Sie sollen nicht zu guten Menschen, sondern zu cleveren Egoisten werden.

Die Erziehung zur Unterordnung unter die Autorität der Eltern ist also ein erster Schritt fort vom natürlichen Egoismus hin zu der zunächst dunklen Erkenntnis, dass es außer dem eigenen noch andere Willen gibt!

Insbesondere in der christlichen Erziehung spielt das eine wichtige Rolle: die Kinder sollen lernen, dass es nicht nur andere Interessen außer den eigenen gibt, sondern dass Gott unbedingter Gehorsam zu leisten ist. Sie sollen lernen, ein Leben in der Hingabe an Gott zu leben und nicht Gott auch noch als weiteres Mittel zur Bedürfnisbefriedigung betrachten.

2 Gedanken zu „Erziehen durch Strafe oder durch „logische Konsequenzen“?“

  1. Ich kann da vielem zustimmen, sogar dem meisten. Im Auge sollte man natürlich auch behalten, dass Gott uns liebt, wie ja auch die Eltern ihre Kinder lieben und das alle Autoritätsausübung – Gottes wie der Eltern – in diese Liebe eingebettet ist.
    Im mancher Hinsicht trifft der Artikel aber glaube ich tatsächlich einen wunden Punkt. Augustinus hat mal geschrieben, dass es im Glauben erstmal darum geht, sich von der Autorität des Zeugnisses/der Zeugen leiten zu lassen (im Folgenden müsse man sich aber darum bemühen dieses Zeugnis auch selbst zu verstehen und nachzuvollziehen). Aber ohne diesen ersten Akt, der darauf beruht, dass ich jemanden anderem etwas glaube, was ich selbst noch nicht weiß – ihm also Autorität zubillige – wird Glauben kaum Wurzeln schlagen können.
    Und vermutlich wird nicht nur der Glaube keine Wurzeln schlagen können, sondern jegliche Autorität wird keine Wurzeln schlagen können. Wie verheerend es sein kann, wenn Autorität nur noch mit der Macht des in irgendeiner Hinsicht Stärkeren gleichgesetzt wird (Autorität also nur noch unter Zwang anerkannt wird) kann man an der moralischen Verfassung unserer Gesellschaft erkennen.
    Grüße, der
    Augustinist

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