Hitlers Naturreligion

In diesem Jahr ist eine Dissertation von Thomas Schirrmacher (seine vierte, soviel ich weiß) mit dem Titel „Hitlers Kriegsreligion“ erschienen.
http://www.genialebuecher.de/p_info.php?products_id=1476

Der monumentale Umfang dieser Dissertation liegt zu ca. 60% an den reichhaltigen Zitaten, für die der Autor eine Sondergenehmigung des Freistaates Bayern erhalten hat. Leider ist es nicht erlaubt, die Zitate in anderen Quellen zu verwenden. Ich bin daher darauf angewiesen, auf die Seiten aus der Dissertation zu verweisen.

Ich möchte hier nur auf einen Aspekt hinweisen, der aus zwei Gründen interessant ist:
1. er steht soweit ich sehe im Zentrum von Hitlers Denken
2. wurde er bisher nicht hinreichend beleuchtet und lebt munter weiter.

Es handelt sich um Hitlers Naturverehrung. Dies fällt auf den ersten Blick nicht so auf, weil er viele christliche Begriffe benutzt. Oft spöttisch, aber durchaus auch „tief religiös“ wie er selbst sagen würde.
Anhand der Zitate im Überblick lässt sich aber gut zeigen, was Hitler meint, wenn er „Gott“ sagt. Dies sieht man einerseits daran, wenn er der Natur göttliche Attribute zuschreibt (die Natur „rächt“ die Übertretungen ihrer Gebote, woraus er folgert dass im Sinne ihrer Gebote zu handeln „für das Werk des Herrn“ zu kämpfen Bd1, S.56) andererseits daran, dass er der Natur eine verehrende Haltung entgegenbringt: Hitler forderte eine demütige Unterordnung unter die Natur (Bd.1, S.157) und glaubt, der Mensch werde durch den Anblick der Natur „der frömmste Mensch“ allerdings nicht im Sinne der „Kirchenfrömmigkeit“. Die Demut bestand für Hitler in dem Verzicht, die Natur beherrschen und letztlich ergründen zu wollen. Die Natur sei unbeherrschbar und der Mensch habe dafür den Begriff der „Allmacht“ geprägt.

Alles religiöse Empfinden erklärt Hitler damit aus der Anschauung der Natur und ihrer Bewunderung.
Nun könnte Peter Singer wieder darauf hinweisen, dass Hitler auch eine Nase hatte, nur hatte seine Nase vermutlich nichts, seine Naturverehrung hingegen sehr viel mit seiner Politik zu tun.
Für Hitler war alles Christliche eine Entfremdung von der Natur: durch die Nächstenliebe kam etwas in die Welt, dass es im Tierreich so nur unter Klanmitgliedern gibt – eine Art Eltern- und Sippenliebe, die sich aber nicht auf den Feind ausdehnt.
Dieses Verhalten war für Hitler ein Verstoß gegen die Natur. Überhaupt dem Individuum eine besondere Bedeutung zuzugestehen, angesichts er Millionen von Lebewesen auf der Erde, war für Hitler unvorstellbar. Er nahm damit die mordernen Argumente für die Euthanasie und Abtreibung vorweg (vergleiche auch meinen Beitrag „Vegetarismus und Menschenwürde“). Für Hitler stand der Mensch allein in der Natur und von ihr ausgestattet mit dem Wunsch zu überleben. Keine Religion sollte sein Verhalten bestimmen sondern allein die Natur und ihre Gesetze.

Hitlers „grüne“ Einstellungen waren kein Zufall, sondern die wirksame Grundlage seiner menschenverachtenden Ideologie. Durch seine dumpfe Naturergebenheit nahm er dem Menschen die Würde. In einem seiner Tischgespräche fragte er „Wer hat die Schuld, wenn die Katze die Maus frisst?“.
Das ist der Zynismus des modernen Naturalisten und Naturmystiker.

Die folgenden Links verweisen zu Rezensionen des Buches „Naturschutz und Nationalsozialismus“ und die Eröffnungsrede des damaligen Bundesumweltministers Jürgen Trittin zu dem Kongress, aus dem das Buch hervorgegangen ist:

http://www.sehepunkte.de/2004/11/4499.html
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=62&count=18&recno=16&sort=datum&order=down&geschichte=115
http://www.falter.at/heureka/archiv/02_5/09.php
http://www.bmu.de/reden/archiv/bundesumweltminister_juergen_trittin/doc/703.php

Ein Gedanke zu „Hitlers Naturreligion“

  1. Was hat es denn mit der Sondergenehmigung des Freistaates Bayern auf sich? Wozu braucht man denn inzwischen eine derartige Sondergenehmigung? Und was darf denn nicht in anderen Quellen gesagt bzw. verwendet werden?
    Wie weit fortgeschritten ist denn die klerikale bzw. evangelikalfundamentalistische Diktatur inzwischen?

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