Das Monster mit den gelben Augen

Seit vielen Generationen verbarg sich das Dorf vor der Sonne in einer uralten Höhle. Die Menschen litten unter der Dunkelheit. Sie gruben sich in den Berg hinein und richteten sich halbwegs erträglich ein. Bis eines Tages in einer sehr tiefen Spalte ein Monster entdeckt wurde, dessen Augen gelb leuchteten – viel mehr sah man zu dieser Zeit nicht von ihm.
Die Menschen vergrößerten die Spalte und staunten, als sie sahen, wie groß und wie schrecklich dieses Monster tatsächlich war. Aber sie freuten sich an dem Licht seiner gelben Augen. Sie konnten vieles in ihrer Höhle zum ersten Mal erkennen, es war eine unvorstellbare Aufbruchstimmung unter den Dorfbewohnern. Sie würden die Sonne nie mehr vermissen.

Doch bald stellte sich heraus, dass das Licht des Monsters die Menschen tötete. Zunächst wollte niemand den Zusammenhang wahrhaben. Erst als fast zwei Drittel der Bewohner dem Licht unter grausamen Schmerzen zum Opfer fielen, sperrten die Überlebenden das Monster in einen Käfig. Sie arbeiten mit schockstarren Gesichtern und ohne Fragen zu stellen oder viel darüber zu reden. Der Käfig war allerdings raffiniert gebaut: er erlaubte es den Bewohnern, das Licht der Monsteraugen auf einen kleinen Bereich leuchten zu lassen, den sie nun für verschiedene Tätigkeiten verwenden konnten, ohne selbst Schaden zu nehmen.
Man sprach später voller Verachtung über die Dummheit der älteren Höhlenbewohner, das Monster zu benutzen, um mit seinem Licht die ganze Höhle und sogar die Menschen zu beleuchten.
Nur wenige begannen sich zu fragen, ob man das Monster nicht besser in der Spalte gelassen hätte. Aber die Mehrheit konnte diesen Gedanken leicht zerstreuen: das Monster war bei allen Gefahren doch die beste Möglichkeit, um überhaupt etwas zu sehen; außer der Sonne natürlich, aber das war ein lächerlicher Gedanke…

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