Vom Umgang mit der deutschen Schuld

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war das „Dritte Reich“ auf einmal peinlich. Von heute auf morgen verschwanden die braunen Hemden von der Bildfläche und niemand wollte dabei gewesen sein oder gar etwas von den Judenmorden gewusst haben. Und schon wenige Jahre später waren die Leute schon genervt, wenn sie auf ihre Vergangenheit angesprochen wurden. Sie wollten bereits nach 5 Jahren einen Schlussstrich ziehen und wieder angesehen sein in der Welt. Die Scham über den Holocaust empfand man wie eine lästige Schmutzschicht, die es schnellstmöglich zu entfernen gilt. Aber es war kein tiefes Bewusstsein einer Schuld, das man eigentlich erwarten sollte.

Die nächste Generation wollte mit der deutschen Vergangenheit nichts mehr zu tun haben. Sie war unschuldig und wollte das jedem durch ihre radikale Verdammung nicht nur des Holocaust sondern der ganzen Epoche in Deutschland und überhaupt alles Deutschen beweisen.
Im Ausland kam diese Masche freilich nicht an, denn dort wurden sie nach wie vor als Deutsche betrachtet, und der Judenhass galt als typisch deutsches Problem. Da hilft es auch nicht, sich als „Weltbürger“ oder „nicht-Bürger“ zu bezeichnen; im Ausland sind wir Deusche und bleiben es.

Die Enkelgeneration scheint sich dieses Problems bewusst zu sein, aber sie hat ein ganz neues Mittel gefunden, um mit der Schuld umzugehen: die Party!
Jetzt wird einfach – betont unpolitisch – gefeiert und demonstriert, dass wir das gelassenste Volk der Welt sind und keine Schuld mehr drückt. Dass bei dieser Party das Ausland als Adressat einer Botschaft betrachtet wird, zeigte die letzte WM. Die Deutschen sind erst ausgeflippt, als alle zugeschaut haben. Der Unterschied zu den WMs zuvor war überdeutlich – und vermutlich wird die nächste WM wieder ruhiger. Die BILD freute sich, dass alle sich mit uns freuen, und auch wenn keine Anspielung auf das Dritte Reich auftauchte, war der Zusammenhang doch klar: Hurra, sie sind uns nicht mehr böse und lassen uns unsere Schuldvergessenheit durchgehen! Was hätte es uns sonst zu interessieren, ob andere Länder sich über unsere Fußballbegeisterung freuen?

Die Wahrheit ist: Wir werden noch Jahrhunderte lang in der Welt als das Volk des Holocaust angesehen werden. Mit dieser Demütigung werden wir auf unabsehbare Zeit leben müssen. Kein Geldtransfer, kein Weltbürgergeschwafel und keine Party wird daran etwas ändern.

Ob man im Ausland Grund hat, sich als moralisches Vorbild zu betrachten, steht auf einem anderen Blatt. Mit einer weißen Weste ist wohl niemand aus diesem Krieg hervorgegangen (auch die Schweizer nicht, die gut mitverdient haben). Aber es ist nicht unsere Aufgabe darauf hinzuweisen – das ist Sache des Heiligen Geistes.

Wir sollten Gott vielmehr danken, dass wir überhaupt noch ein freies Land sein dürfen, dem es dazu noch unverschämt gut geht. Deutschland hätte es nach dem Dritten Reich verdient, völlig zerstört zu werden. Es ist allein die Güte des Herrn, dass es eben nicht ganz aus war mit uns.
Und wir sollten an die Länder und Menschen denken, die unter den Kriegsfolgen erheblich mehr zu leiden hatten als wir und uns bereitwillig in unsere schlecht angesehen Stellung fügen, die Gott uns auferlegt.

Ein Gedanke zu „Vom Umgang mit der deutschen Schuld“

  1. Was können denn die Enkel für die Verbrechen ihrer Großeltern? Das sit doch Sippenhaft!
    Haben wirklich alle Deutschen von den damaligen Verbrechen gewußt? Doch wohl kaum! Denn die Nazis dürften dies doch wohl nicht öffentlich hinausposaunt haben!
    Warum wohl folgten so viele Deutsche Hitler? Doch wohl in erster Linie, weil die vorangegangene Weimarer Republik vorher dort stand, wo die heutigen Regierungsparteien dieses Land mit ihrer menschenverachtenden Politik des Sozialabbaus inzwischen erneut hingeführt haben!
    Natürlich gab es da auch noch territoriale Expansionsbestrebungen. Doch da hatten wohl, zumindest vor dem Kriegsaubruch, nur die wenigsten Deutschen etwas dagegen. Die Familie meines Vaters z.B. stammt aus dem ehemaligen Freistaat Danzig. Und die Danziger wollten einfach wieder zu Deutschland gehören! Und ähnlich war es doch wohl auch mit den Saarländern, den Österreichern, den Sudetendeutschen, etc.!
    Was den Antisemitismus betrifft, so waren doch wohl die vielen vorangegangenen christlichen Generationen vor Hitler alles andere als judenfreundlich! Und das war damals doch nicht nur in Deutschland so. Den größten Anteil an Judenfeinden hatten doch vor Hitler vor allem solch erzkatholische Staaten wie Polen und Litauen.
    Und wie konnten denn die Nazis wissen wer Jude ist und wer nicht? Natürlich hauptsächlich dadurch, daß dies irgendwo aktenkundig war! So hatten sie doch z.B. in Dänemark und Norwegen erhebliche Schwierigkeiten die dort lebenden Juden ausfindig zu machen. Warum? Weil dort Religion Privatsache ist bzw. war!
    Und gerade die Kirchen haben es nötig sich diesbezüglich aufzuspielen! Der Religionsstifter und Judenhasser Martin Luther oder der katholische Generalinquisitor Tomas de Torquemada hätten doch wohl Adolf Hitler beim Holocaust zugejubelt!
    Natürlich war der nationalsozialistische Holocaust der Gaskammern ein abscheuliches Verbrechen. Doch er dauerte „nur“ wenige Jahre. Doch wie sieht es mit dem christlichen Holocaust der Scheiterhaufen aus? Der dauerte Jahrhunderte!

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