Die vier kleinen Weisen

„Vier sind die Kleinen der Erde, und doch sind sie wohlerfahrene Weise:
Die Ameisen, ein nicht starkes Volk, und doch bereiten sie im Sommer ihre Speise, die Klippdachse, ein nicht kräftiges Volk, und doch legen sie im Felsen ihre Wohnungen an; die Heuschrecken haben keinen König, und doch ziehen sie allesamt aus in geordneten Scharen; die Eidechse kannst du mit Händen fangen, und doch ist sie in Königspalästen.“ (Spr. 30,24f)

Worauf ist ein Volk stolz? Sind wir stolz auf den Stand unserer Wissenschaft, die es uns erlaubt, die Natur zu beherrschen und uns planvoll zu verhalten. Aber sind wir dann mehr als ein Ameisenhaufen, der das gleiche tut? Und die Ameisen handeln ja wenigsten noch nach ihrem Wissen…
Sind wir stolz auf unsere hohe Zivilisation? Auf unsere kunstvollen Bauten, die uns umgeben und in denen wir leben? Darin unterscheiden wir uns aber nicht von den Klippdachsen, deren Häuser die Berge sind, die an Größe, Erhabenheit und Festigkeit von keinem Bauwerk der Menschen jemals übertroffen wurden.
Sind wir stolz, wenn wir die Massen mobilisieren können? Egal ob als Feldherr, Popstar, im Internet oder als Politiker. Aber hier lehrt uns der Text, dass die Heuschrecken das Gleiche noch viel besser können, und sogar ganz ohne „König“!

Den Bock schießt aber die Eidechse ab: wenn irgend jemand stolz auf Statussymbole jeglicher Art ist, wird er von diesem Tier gedemütigt. Du wohnst in einem Schloss? Ja, das tut die Eidechse auch. Du fährst ein Auto für 1 Millionen Euro? Das tun die Milben im Stoff deines Autos auch. Was gibt dir das Recht, dich über sie zu erheben? Ja, was eigentlich? Die großartigen Dinge, mit denen wir uns umgeben, können niemals zu unserer Ehre beitragen. Sie erheben uns noch nicht einmal über den Stand eines Tieres.

Niemals war die Kritik an der Eitelkeit der Völker, der Könige und des Menschen allgemein schonungsloser als in diesem Text (lest den nächsten Zahlenspruch mal, da geht es in Hinblick auf den König noch weiter. Wenn es nicht so ein ernstes Thema wäre, könnte es als komischer Text durchgehen).

Und was erhebt nun den Menschen, d.h. aber: was macht ihn eigentlich zum Menschen? Es ist allein die Gottesfurcht, also die Niedrigkeit vor Gott, oder wie es der Autor der Sprüche an anderer Stelle schreibt:
„Das Endergebnis des Ganzen lasst uns hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote! Denn das soll jeder Mensch tun.“ (Prediger 12,13)

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