Wofür kämpfen wir?

„Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes! Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist!“ (Kol 3,1f)

Gerade wenn man sich als Christ politisch oder journalistisch betätigt, passiert es leicht, dass dieser Grundsatz vergessen wird und man entwickelt weltliche Ziele. Z.B. passiert es leicht, dass man der Versuchung erliegt, gesellschaftlichen Einfluss zu nutzen, um hier auf der Erde als Christ komfortabel leben zu können. Natürlich ist es schön, in einer christlichen Gesellschaft zu leben, in der alle den Sonntag heiligen, die 10 Gebote in hohem Ansehen stehen und der Reliunterricht vom Feinsten ist. Wenn Gott uns das schenkt, dürfen wir solche Zeiten genießen. Wir sollen sogar regelmäßig dafür beten, dass Gott uns ein „ruhiges und stilles Leben“ ermöglicht (1.Tim 2,2) und wir dürfen auch vor Gericht für unser Recht streiten, wenn wir verfolgt oder bedroht werden. Denn wenn Gott die Obrigkeit als „Dienerin, dir zum Guten“ (Röm 13,4) eingesetzt hat, wäre es falsche Bescheidenheit, auf solche Hilfe zu verzichten.

Aber es bleiben trotzdem weltliche Ziele und sie sollten keinen zu hohen Stellenwert für uns besitzen, weil sie nicht das Ziel unserer Hoffnung sind. Wir sollen auf das „sinnen“, was „droben“ ist, nämlich im Himmel bei Gott. Wenn wir uns aber für eine christliche Gesellschaft einsetzen, geschieht es leicht, dass wir unsere Hoffnung auch auf die Entwicklung in der Gesellschaft setzen und durch vereinzelte Erfolge befeuert das eigentliche Ziel vergessen. Wir werden dann nicht mehr von der Liebe für andere getrieben oder vom Gehorsam gegen Gott, sondern nur noch von dem reizvollen Gedanken, etwas zu bewegen. Diese kleinen Anfälle von Machtgefühlen sind zwar vermutlich erhebend, aber ungeistlich, weil sie unsere Hoffnung auf unsere Kraft richten und auf dieses Leben. Im schlimmsten Fall verführen sie uns sogar dazu, Gottes Gebote zu übertreten, weil wir uns schon so nah am Ziel eines greifbaren Reiches Gottes wähnen, dass die Mittel das Ziel zu rechtfertigen scheinen.

Das muss nicht so offensichtlich geschehen, dass jemand versucht, durch Gewalt das Reich Gottes zu verwirklichen. In der stilleren Variante wird das Engagement einfach lieblos, d.h. man wird nicht mehr von dem Wunsch getrieben, etwas für Menschen zu tun, sondern wir wollen dann „etwas“ bewegen oder „die Gesellschaft“ ändern. Das ist aber ein spärliches Ziel und keinesfalls besser als das, was auch gottlose Politikern anstreben.
Wenn wir uns selbst prüfen wollen, ob wir unsere Hoffnung auf das ewige Leben richten, dann müssen wir uns fragen, ob wir das, was wir tun, auch dann noch tun würden, wenn wir das Ergebnis nicht mehr erleben werden und andere Menschen den Nutzen davon haben werden, und wir auch keinen posthumen Ruhm dafür ernten. Nur wenn wir etwas wirklich für andere ohne Hintergedanken oder Selbstsucht tun, also als Sterbende, die mit diesem Leben abgeschlossen haben und in der Kraft der Auferstehung jetzt für andere leben, können wir sagen, dass wir auf das gesehen haben, „was droben“ ist, bei Christus, sitzend zur Rechten Gottes.

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