Der Irakkrieg – eine kleine Presserückschau

„Hätten sie nur auf uns gehört…“ dieser Seufzer durchzog monatelang jede Berichterstattung über die Lage im Irak. Aber konnten die deutschen und andere kriegskritische Experten die Lage wirklich besser einschätzen? Hier ein kleiner Rückblick:

Am 20.2.03 fragte die ZEIT
„Was passiert, wenn es wirklich zu einem Krieg gegen den Irak kommt – droht ein Flächenbrand im Nahen Osten? Wie stabil ist das jordanische Königshaus, wird Israel die Gelegenheit zur Abrechnung mit Jassir Arafat nutzen?“
Nun ja, nichts davon ist passiert, auch wenn diese und ähnliche Szenarien von allen Zeitungen befürchtet wurden.

Etwas leidenschaftlicher hat Richard Rorty in der Frankfurter Rundschau die Zukunft ausgemalt:
„…, was passieren wird, wenn die Invasion in Irak erst einmal begonnen hat. Wir wissen nicht, ob Tel Aviv oder Riad von biologischen oder chemischen Massenvernichtungswaffen angegriffen werden; ob die arabische Bevölkerung, aufgebracht und fanatisiert, die amerikanischen Botschaften und Institutionen in dieser Region besetzen wird; ob wir den Krieg überhaupt gewinnen können, ohne dass Zehntausende von amerikanischen Soldaten und Millionen von Irakern sterben müssen; ob islamische Fundamentalisten die Gelegenheit nutzen und die Macht in Ägypten oder Pakistan übernehmen werden; oder ob die finanzielle und moralische Unterstützung des Terrorismus durch die Araber – vor allem Saudi-Arabiens! – jemals aufhören wird“
Bis auf den letzten Punkt war ebenfalls alles falsch, und hier dachte Rorty vermutlich eher an den Terrorismus im Westen und nicht an den Terrorismus gegen die Irakische Bevölkerung!
Nebenbei bemerkt ist dieser Text ein Beleg für den auch unter Kriegsgegnern verbreiteten Glauben an die Einsatzfähgkeit von Saddams ABC-Waffen.

Die taz schrieb am 22.3.03: „Nicht alle Macht dem Volk. Freie Wahlen im Irak sind den USA ein zu gefährliches Abenteuer – bisher gibt es für einen Einsatz der Amerikaner für die Demokratisierung der Region einfach keinen Beleg“

Die Kritiker haben weder vorausgesehen, wie schnell der Krieg selber gewonnen wurde, wie friedlich die arabischen Nachbarn blieben, sie haben nicht geahnt, wie und auch welche Weise die Massenvernichtungswaffen verschwunden sind, sie haben nicht an die Einführung einer demokratischen Ordnung geglaubt und sie haben nicht den anhaltenden Terrorismus gegen die Irakische Bevölkerung kommen sehen.
Und es gab vor allem kein alternatives Konzept! Den Beweis, dass man Saddam mit friedlichen Maßnahmen um seine Massenvernichtungswaffen bringen kann, mussten Fischer und Co nicht mehr erbringen.

Es ist nicht ganz einfach, im Nachhinein die Entscheidung für den Irakkrieg ehrlich zu bewerten, aber viel Spielraum für die derzeitige Hochnäsigkeit gegenüber Amerika sehe ich nicht.

Und über einen sehr wichtigen Punkt wurde nur wenig gesprochen: man traute den Irakern den Umgang mit einer Demokratie nicht zu. Aber laut sagten das nur wenige, wie z.B. die taz (1.3.03):
„Bei dem dieser Tage bevorstehenden Krieg stellt sich die Frage nach dem Umgang mit den Tätern des Regimes von Saddam Hussein. …Die heutige Strategie der Vereinigten Staaten sieht kein Programm zur Umerziehung vor. Welche Konsequenzen das hat, lässt sich an Serbien studieren. Und an Afghanistan, wo die USA erst die Taliban gegen die Sowjetunion unterstützten und sie jetzt mit den Mudschaheddin bekämpfen…. Sollte es zum Krieg in Irak kommen, sollten sich gerade die Deutschen für eine Umerziehung einsetzen, für die Durchsetzung der westlichen Werte, und nicht den gleichen Fehler begehen wie in den Balkankriegen der Neunzigerjahre“

„Umerziehung“, „Durchsetzung westlicher Werte“, da spotte noch jemand über Bushs „Kreuzzug“, der genau auf dieses missionarische Element verzichtete und an die Demokratiefähigkeit der Iraker glaubte – wenn auch möglicherweise zu unrecht…

PS: über folgenden Link kommt man zu der Resolution 1441 (2002) des UN-Sicherheitsrates vom 8. November 2002 im Wortlaut. Es handelte sich um die entscheidende Resolution, in der dem Irak von der UN-Versammlung eine „letzte Chance“ gegeben und die berühmten „ernsten Konsequenzen“ angedroht wurden. Nebenbei ist auch dies ein Beleg für das Bedrohungspotential, dass man in den Waffen Saddams sah.
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Irak/un-sr-res-1441.html

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