Das „mittelalterliche Weltbild“

Pisa hin, Pisa her, manche Dinge kennt jeder, und dazu gehört auch das sog. „mittelalterliche Weltbild“: unten eine Scheibe auf Steinsäulen, oben eine Käseglocke mit angeschweißten Gestirnen und Löchern (für den Regen, logisch).
Über Generationen hinweg wird dieses Bild nun schon vermittelt und selbst in der Ausbildung der Referendare wird man heute noch darauf hingewiesen, damit dieses Wissen über das Mittelalter auf keinen Fall verloren geht.

Allerdings ist es ein Scheinwissen und das vermeintlich „mittelalterliche Weltbild“ eine Satire auf das Mittelalter. Eigentlich ist das auch bekannt, und nicht erst seit gestern, aber irgendwie setzt es sich nicht durch.

Dass die Erde eine Kugelgestalt besitzt, wusste man schon in der Antike. Pythagoras nahm schon im 6. Jahrhundert vor Christus eine Kugelgestalt der Erde an, im ganzen Mittelalter war dieses Wissen bereits als selbstverständlich bekannt (was man insbesondere auch an der Form des Reichsapfels der Könige erkennt).

(vgl: http://turba-delirantium.skyrocket.de/wissenschaft/kugelgestalt_der_erde.htm )

Und auch früher war den Menschen bekannt, dass Regen nicht aus Himmelslöchern sondern aus Wolken kommt (man muss nur im AT mal Bibelstellen zum Stichwort „Wolke“ suchen). Ebenso trivial ist die Beobachtung, dass Sonne und Mond unterschiedliche Bewegungsgeschwindigkeiten zu haben scheinen. Dass beide an einer gemeinsamen Käseglocke montiert sein sollten, widerspricht der schlichtesten Anschauung und ist wohl niemals von irgendeiner Kultur geglaubt worden.

Einen ernsthaften Streit gab es im Mittelalter zum Einen darüber, ob die Erde im Zentrum der Welt steht, und ob die untere Erdhalbkugel bewohnt ist!

Diese Fehler wurden tatsächlich von der Kirche verteidigt, wobei sie hier allerdings keine eigenen Pfründe, sondern das Ptolemäische Weltbild, also griechisch-antikes Halbwissen verteidigte – das sich ohnehin als der größte Bremsfaktor des wissenschaftlichen Fortschritts zeigte.

Wie kam es dann aber zu dem Irrglauben an die angeblich groteske Weltsicht des Mittelalters?
Es war einfach Polemik der Aufklärung, die sich von der Kirche absetzen wollte. Man kann es auch als politische Lüge bezeichnen. Seit der Propaganda der Aufklärung denken wir bei den Stichworten „Kirche“ und „Wissenschaft“ an den Fall Galileo, nicht aber an die Wissenschaft, die von der Kirche finanziert und auch personell in den Klöstern vorangetrieben wurde! Und dass Wissenschaft, die nicht ins Bild passt, einen schweren Stand hat, ist heute nicht anders als damals:

http://www.intelligentdesigner.de/bi030319.html

Die Aufklärung behauptete, den Menschen das Licht der Vernunft zu bringen. Dabei muss gerade sie sich den Vorwurf gefallen lassen, eine ganze Epoche Europas für die Nachwelt in tiefe Finsternis gehüllt zu haben.

2 Gedanken zu „Das „mittelalterliche Weltbild““

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