Christliche Wirtschaftspolitik in 3 Minuten

Kapitalismus und Sozialismus sind sich mindestens in einer Frage einig: entscheidend für das Wohl eines Volkes ist das richtige Wirtschafts“system“. Und genau das ist offensichtlich falsch:
Die meisten magischen Kulturen beispielsweise kennen vermutlich keine staatliche Lenkung des Wirtschaftslebens, und dennoch haben sie nichts entwickelt, was dem wirtschaftlichen Verhalten der Industrienationen auch nur ähnlich sieht. Andererseits haben sich in „sozialistischen Staaten“ mit einer Politik der Enteignung und Lenkung nie Gesellschaften entwickelt, in denen Besitz wirklich keine Rolle mehr spielte.
Sowohl der Kapitalist als auch der Sozialist haben ihre Rechnung ohne den Menschen gemacht. Es sind nämlich Menschen, die planvoll wirtschaften oder in den Tag hinein leben, es sind Menschen, die gierig sind oder deren Ideal in Armut besteht.

Welche Konsequenzen hat diese Beobachtung aber für die Wirtschaftspolitik? Zunächst einmal die, dass sie bestimmte Dinge NICHT tut, nämlich die Wirtschaft anzukurbeln, indem sie der Wirtschaft mehr Skrupellosigkeit durchgehen lässt, oder das Elend abbauen will, indem sie mehr umverteilt (das Experiment ist schon oft genug gescheitert).

Das einzige, was ein Staat wirklich machen kann, ist das Eigentum – das Kapital – der Bürger zu schützen. Eigentlich sollte wirtschaftliches Handeln zwar immer von der Liebe bestimmt sein, aber der Staat kann nicht ins Herz sehen und darf daher nur eingreifen, wenn ein handfestes Vergehen vorliegt. Und das ist spätestens dann erreicht, wenn jemand seine Existenzgrundlage verliert.
Hier unterscheidet sich christliche Wirtschaft sowohl von Kapitalismus als auch von Sozialismus: der Kapitalismus sieht kein größeres Problem darin, wenn ein kleiner unrentabler Betrieb von einem größeren geschluckt wird – da ja der Allgemeinnutzen wächst. Und der Sozialismus würde, damit genau das nicht geschieht und sich immer mehr Kapital bei immer weniger Menschen anhäuft, während die anderen verelenden, gleich alle enteignen.

Christliche Wirtschaftspolitik muss hingegen den kleinen Betrieb schützen, weil er die Lebensgrundlage seines Besitzers. Sie verbietet also kein Eigentum sondern schützt es gerade bei allen! Und sie sieht im Gegensatz zum Kapitalismus auch das Elend des Einzelnen und opfert ihn nicht dem Allgemeinnutzen – der dann in Form von schlechterer Qualität und höheren Preisen durchaus leiden darf. Ansonsten besteht aber Entscheidungsfreiheit in allen Handelsbeziehungen, so wie ja auch sonst ein größtmögliches Maß an Freiheit anzustreben ist.

Diese Wirtschaftspolitik vermeidet zum Einen eine Kapitalakkumulation auf Kosten einer größer werdenden Gruppe abhängig arbeitender Menschen und sie rückt die Bedeutung des Erbes wieder neu in den Blick. Das Erbe ist der Anteil, den ich nicht erarbeitet habe, sondern der mir aus Gnade zufällt. Diesen Gedanken scheinen heute wenige guten Gewissens und offen genießen zu können, aber er ist wichtig, weil er das Bewusstsein der Abhängigkeit von Gott fördert.
Der Angestellte hingegen wird nur für seine Leistung bezahlt. Sein Wert bestimmt sich nach seiner Funktion (auch hier ist es kaum ein Zufall, dass die Lehre vom freien Markt im gleichen Land und im gleichen Jahrhundert entstanden ist, wie die Evolutionstheorie!) und sowohl Kapitalismus als auch Sozialismus verwenden ihn in ihrem Sinn: im einen Fall wird der Mensch zu einem Teil in einer Bewegung im anderen Fall zu einem Rädchen im Getriebe. In beiden Fällen ist der Mensch durch seine Funktion oder Aufgabe bestimmt.
Eine christliche Wirtschaftsethik muss dagegen deutlich machen, dass ein Mensch sich weder sein Existenzrecht selbst erkämpfen muss, noch von der Gruppe zugeteil bekommen. Es fällt ihm von Gott zu und ist für andere nicht verfüg- und verhandelbar. Und diese Gnade kommt nirgendwo besser zum Ausdruck als im Erbe eines Kapitals.
Es ist also die höchste Aufgabe einer christlichen Wirtschaftspolitik, gerade die kleinsten Unternehmen und Familienbetriebe vor Übergriffen zu schützen und auch nach einem Zusammenbruch wieder aufzurichten – eventuell durch entsprechende Insolvenzverfahren, an deren Ende dann nicht das Null-Konto, sondern wieder das lebenserhaltende Eigenkapital steht.

„Du sollst nicht zum Pfande nehmen den unteren und oberen Mühlstein; denn damit hättest du das Leben zum Pfand genommen.“
(5Mo 24,6)

Politische Entscheidungen könnten so aussehen (nur eine Auswahl):
– Abschaffung der Erbschafts-, Unternehmens – und aller möglicher anderen Steuern, von deren Existenz ich gar nichts wissen will…
– Abbau der Dokumentationspflichten für kleine Unternehmen und die weitestgehende Vereinfachung eines Einstiegs in die Selbstständigkeit
– ein unternehmerfreundliches Insolvenzrecht mit dem Recht, das eigene Unternehmen nach einem Verkauf jederzeit wieder zurück zu kaufen.
– das Verbot von Geschäftskettenbildung u.ä.
– Mindestlöhne (jemandem nicht genug zum Leben zu geben, obwohl er arbeitet, ist mit nichts zu entschuldigen)
– strenges Vorgehen gegen Preisdumping
– Arbeitsangebote für Arbeitslose statt Sozialleistungen
– vermutlich fällt mir später noch mehr ein… (in den Kommentaren gehe ich z.T. näher auf diese Punkte ein)

4 Gedanken zu „Christliche Wirtschaftspolitik in 3 Minuten“

  1. Die Gnade Gottes, das jeder das Recht auf ein erträgliches Leben hat, wird wohl weniger durch das Erbrecht verwirklicht, denn die Mehrzahl der Menschen werden wohl nicht genügend erben können, sondern eher durch Sozialleistungen wie staatliche Gesundheitsversorgung und Erwerbslosenhilfe. Also Erfindungen/Forderungen die aus der sozialistischen Arbeiterbewegung stammen, wenn auch göttliche Inspiration natürlich nicht aus zu schließen ist. Im übrigem kann Wirtschaftspolitik die Wirtschaft durchaus ankurbeln und Umverteilung kann durchaus Erfolge verbuchen, sowohl sozial als auch wirtschaftlich.

    Schöne christliche Wirtschaftsethik! Es gibt die besitzenden Familien, die durch Gottes Gnade, ihren Besitz weiter vererben dürfen und durch den Staat geschützt und bei Bankrott wieder aufgepäppelt werden. Es ist schon lustig wie sie die Bedürfnisse der arbeitenden Klasse nach einen funktionieren Sozialstaat/Sozialismus ignorieren als auch die Möglichkeit des Aufstieg einzelner Individuen in die Unternehmensschicht verwehren und gleichzeitig ganz unverschämt den Merkantilismus, in der Form eines Wohlfahrtsstaates für Unternehmen, wieder beleben. Der Konkurrenzkampf zwischen einzelnen Unternehmen und die Entstehung von Großbetrieben erhöht durchaus nicht die Preise oder senkt die Qualität der Waren, sondern genau das Gegenteil ist der Fall. Jeder kennt doch die Preisunterschiede zwischen Einzelhandelsgeschäfte und Einkaufsketten und einzelne Betriebe werden dann aus selektiert, wenn sie ihre Güter nicht zu den (niedrigen) Preisen anbieten können die gerade der Markt „vorgibt“. Das Unternehmer nach mühevoller und entbehrungsreicher Arbeit dann mittelstandslos und auf Jahren verschuldet dar stehen finde ich auch unannehmbar.

    Ich hoffe, das ich nicht zu arrogant wirke und mir auch nur geringe Kenntnisse über diese Materie zugestehe, aber ihr Versuch eine eigenständige christliche Wirtschaftsordnung zu entwickeln kann man als gescheitert betrachten.

  2. „ihr Versuch eine eigenständige christliche Wirtschaftsordnung zu entwickeln kann man als gescheitert betrachten.“

    Da ich im ersten Teil ja gerade gezeigt habe, dass ich von „Wirtschaftssystemen“ oder „-ordnungen“ nicht viel erwarte, ist das natürlich auch kein Wunder. Hier habe ich keine alternative Wirtschaftsordnung entwickelt, sondern auf m.E. wichtige Aspekte einer christlichen WirtschaftsPOLITIK hingewiesen. Wohl wissend, dass damit allein noch keine Wirtschaft funktioniert (siehe magische Kulturen).

    „Die Gnade Gottes, das jeder das Recht auf ein erträgliches Leben hat, wird wohl weniger durch das Erbrecht verwirklicht, denn die Mehrzahl der Menschen werden wohl nicht genügend erben können, sondern eher durch Sozialleistungen wie staatliche Gesundheitsversorgung und Erwerbslosenhilfe. Also Erfindungen/Forderungen die aus der sozialistischen Arbeiterbewegung stammen,“

    Der letzte Punkt ist m.W. nicht richtig, weil das gesamte Versicherungssystem von Christen entwickelt wurde, lange bevor Karl Marx seinen eigenen Namen schreiben konnte. Nur bei Christen lief das nicht über eine flächendeckende Enteignung, sondern über wirtschaftlich arbeitende Versicherungen, die das Risiko der Wenigen auf viele Schultern verteilen sollten.

    Dass in den letzten Jahrzehnten tatsächlich so viele Menschen ihr Erbe verloren haben, liegt einfach daran, dass viele kein Interesse mehr hatten, das Geschäft der Eltern weiter zu führen, weil es nicht mehr genug abwirft oder weil sie ihr Erbe einfach konsumierten. Ein großer Teil des Elendes ist also auf die kurzfristigen Entscheidungen der Erben zurück zu führen. Wenn dann der Zustand eingetreten ist, dass der größte Teil der Bevölkerung bei dem kleinsten Teil der Bevölkerung angestellt ist, lässt sich die Entwicklung nur sehr langsam wieder zurück drehen (nämlich über die Pflicht, das Erbe unter Kindern aufzuteilen, wodurch große Besitzstände im Laufe der Zeit wieder verkleinert werden).

    „Im übrigem kann Wirtschaftspolitik die Wirtschaft durchaus ankurbeln und Umverteilung kann durchaus Erfolge verbuchen, sowohl sozial als auch wirtschaftlich.“

    Auch das stimmt. Ich habe nämlich nicht gesagt, dass der Staat das nicht kann, sondern dass er es nicht tun soll. Wenn ein Staat ein großes Maß an ungleicher Kapitalverteilung erreicht hat, kann die Wirtschaft zwar angekurbelt werden, indem man mehr Skrupellosigkeit duldet, aber es ist dann eine Junkie-Wirtschaft: während der Markt immer mehr oligarchisch zentralisiert und dadurch in seiner Funktion gestört wird, kann er nur noch belebt werden, indem ihm noch mehr Zentralisierung gestattet wird, die aber wiederum das Wirtschaftsleben langfristig schädigt. Dies bring zwar kurzfristige Effekte, schadet aber dem Wohlstand einer Bevölkerung auf Dauer immens. Wohlstand wächst dauerhaft nur durch Fleiß und Sparsamkeit einer Bevölkerung. Klingt altmodisch, ist aber soweit ich sehe trotzdem so. Genau genommen ist das moderne Wirtschaftsleben aus dem Geist des Calvinismus und diesen beiden Tugenden erst – sozusagen als Abfallprodukt – entstanden!

    Mit den Sozialleistungen sieht es ähnlich aus: natürlich haben Menschen, denen man Geld gibt erst mal etwas zum Leben und damit auch ein Einkommen um zu konsumieren (der Hinweis auf den wirtschaftlichen Nutzen der Sozialleistungen ist wohl richtig). Aber langfristig zementieren sie den Schichtenaufbau einer Gesellschaft, weil sie gleichzeitig die Wirtschaft bremsen und in manchen Familien die Arbeitsunlust über Generationen hinweg vererben. Dadurch werden gerade in armen Familien sowohl der Sinn als auch die Hoffnung auf das Gelingen einer erfolgreichen Selbstständigkeit unterbunden! Viele junge Unternehmen scheitern an den hohen Abgaben, an dem für Einsteiger kaum zu bewältigenden Papierkram usw. D.h. sobald man den Weg in die Selbstständigkeit wählt, wird man in Deutschland kräftig zur Kasse gebeten – und zwar auch bei sehr kleinen Unternehmen!
    Die Sozialleistungen kann man daher mit Fug und Recht als ein staatliche verordnetes Bestechungsgeld der Kapitaleigentümer an die Erwerbslosen betrachten, die so aus dem hart umkämpften Markt heraus gehalten werden.

    „Es ist schon lustig wie sie die Bedürfnisse der arbeitenden Klasse nach einen funktionieren Sozialstaat/Sozialismus ignorieren“

    Wenn es irgendwann einmal ein Sozialismus so weit bringt, dass er das Prädikat „funktionierend“ verdient, mache ich mir Gedanken darüber, ob es Menschen gibt, die seiner bedürfen…;-)

    „…als auch die Möglichkeit des Aufstieg einzelner Individuen in die Unternehmensschicht verwehren“

    Tue ich doch gar nicht.

    „und gleichzeitig ganz unverschämt den Merkantilismus, in der Form eines Wohlfahrtsstaates für Unternehmen, wieder beleben“

    Ich sprach nur vom Schutz des Eigentums. Für Subventionen habe ich mich nie ausgesprochen.

    „Der Konkurrenzkampf zwischen einzelnen Unternehmen und die Entstehung von Großbetrieben erhöht durchaus nicht die Preise oder senkt die Qualität der Waren, sondern genau das Gegenteil ist der Fall.“

    Ich habe ja auch genau das Gegenteil gesagt! Ich nehme ja gerade die höheren Preise und eventuell die geringere Qualität (allerdings bin ich da sogar skeptisch, weil Kleinstbetriebe ja gerade besser sind als die Massenware) durch Kleinstbetriebe in Kauf und begrüße sie als Resultat einer gerechteren Verteilung des Wohlstandes in der Bevölkerung.
    Der Staat sollte hier eher versuchen, Preisdumping zu unterbinden, als den Kleinunternehmer um seine Existenz zu bringen und hinterher mit Sozialleitsungen löffelweise zu füttern.

    „Das Unternehmer nach mühevoller und entbehrungsreicher Arbeit dann mittelstandslos und auf Jahren verschuldet dar stehen finde ich auch unannehmbar.“

    Ja, und das fatale am Kapitalismus ist, dass er den Schuldigen durchaus das Gefühl gibt, ethisch korrekt oder zumindest neutral gehandelt zu haben, da Wirtschaft so angeblich am besten funktioniert.

  3. Enttäuschende Antwort. Konzentrieren sie sich doch nicht auf Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten.

    Den Text in einzelnen Abschnitten zu untergliedern und dann zu kommentieren führt fast zwangsläufig dazu das man die wesentlichen Aussagen ignoriert und sich stattdessen auf kleine Unstimmigkeiten konzentriert und auf wahre oder vermeintliche inhaltliche Fehler hinweißt, die jedoch nebensächlich sind und immer von dem wesentlichen Inhalt ablenken. Ich kenne auch das Gefühl jeden Satz eines Textes durch ein Essay zu berichtigen zu wollen, aber letzlich finde ich ein ganzen Text doch sinnvoller. (Nur meine persönliche Meinung.)

    Ein Beispiel wäre ihr polemischer Hinweis, wenn es erstmal ein funktionierend Sozialismus gibt, dann könnte man sich darüber Gedanken machen ob man ihn braucht. Ich setze Sozialismus und Sozialstaat gleich (beachte das „/“-Zeichen) und somit könntest du dir jetzt mal ernsthafte Gedanken machen. Alternativ kannst du diese strikte Gleichsetzung aber auch ablehnen, es bleibt aber nur eine Definition Sache.

    Aber nähern wir uns dem wesentlichem: du sagtst das „Versicherungssystem von Christen entwickelt wurde, lange bevor Karl Marx seinen eigenen Namen schreiben konnte.“ Karl Marx wurde 1818 geboren und zu dieser Zeit begann die Industrialisierung in der die Arbeiter noch mit Kinderarbeit, sinkenden Gehälter, steigenden Lebenserhaltungskosten auch mal durch Mißernten hervorgerufen, Hunger, Krankheiten, welche wenn sie den Mann betraf den Ruin der gesamten Familie mit sich ziehen konnte, schlechte Arbeitsbediengen, minimaler Arbeitsschutz, monotone Fabrikarbeiten, und zum Teil von tagtägliche Arbeitszeiten von bis zu 17 Stunden, die erst viel später auf 12 Stunden reduziert wurden, zu kämpfen hatten. Aber dafür können sie sich schon eine „christliche Versicherung“ kaufen, also rein theoretisch, wenn ihr Familie nicht ständig wohnen, essen und sich kleiden müßte. Im Übrigen besteht der Unterschied zwischen diesen beiden Absicherungen nicht das die Mehrzahl für die wenigen bezahlt, das ist bei beiden der Fall, sondern das im Prinzip niemand Gefahr läuft ohne Sicherung dar zu stehen. Aktuell wird dies ja gerade in und um Michael Moores „Sicko“ und die US-amerikanische Präsidentschaftswahl diskutiert.

    Aber kommen wir nun auf das wesentliche zurück nämlich ihren Merkantilismus. Ihre christliche Wirtschaftspolitik beruht allein auf die Interessen der Kleinunternehmer, sie werden durch Preiskontrollen geschützt, was dazu führt das die Preise steigen auf Kosten der Bevölkerung; sie geben vor das Eigentum der Besitzenden „vor Übergriffen zu schützen“ und meinen nicht etwa Diebstahl oder Raub, sondern die markwirtschaftliche Konkurrenz, welche weniger rentable Anbieter vom Markt drängt; und falls dieses Unglück doch mal geschehen sollte dann kommt der Staat zu Hilfe um sie „auch nach einem Zusammenbruch wieder aufzurichten“ Sodaß auf jeden Fall „an deren Ende dann nicht das Null-Konto, sondern wieder das lebenserhaltende Eigenkapital steht.“ Also wenn das keine Subventionen sind!

    Aber nicht zu vergessen ein Sozialstaat darf es nicht geben, der Staat sichert nur die Nöte der Unternehmer, die Gottes Gnade erhalten haben, und wenn diese Gesegneten dann doch unberechtigter Weise in Not geraten, dann wäre es ja auch ein Frevel Gottes Wunsch zu mißachten und die auf ewige Zeiten Gottesauserwählten nicht weiterhin in Reichtum zu halten. Kranken oder Rentenversicherungen machen im übrigens träge und führen zu „vererbbarer“ Arbeitslosigkeit. Sie verwendeten das Wort „erben“ in diesen Zusammenhang ist dies auch durch Gottes Gnade gegeben? (Entschuldigung für meine Polemik werten sie das nicht als Blasphemie, sondern nur als Spott auf ihre reaktionären Gedanken die sie hier zu Hilfenahme des Christentum legitimierten wollen.)

    Aber ich wollte sie jetzt auch nicht groß mit meiner Meinung belästigen. Aber es gibt viele Varianten christlicher Wirtschaftspolitik, feudal, kapitalistisch, sozialistisch oder Mischform von letzteren beiden. Der „mitfühlenden Konservatismus“ in den Vereinigten Staaten hat eigentlich kein Problem sich pro kapitalistisch zu outen.

  4. Es ist m.E. keine Nebensächlichkeit jemanden zu korrigieren, der sich bei der Wiedergabe eines fremden Textes irrt. Ich denke, dieses Recht sollten Sie mir zugestehen.
    Nach meiner Erfahrung ist das Kommentieren einzelner Passagen weder Garant noch Ende einer fruchtbaren Diskussion.

    Und in diesem Fall scheint es auch gar nicht anders möglich zu sein, weil Sie immer eine Reihe von Punkten ansprechen und zuletzt gleich zwei davon als „wesentlich“ klassifiziert haben.

    Zum Versicherungswesen: die Versicherungsbranche in Deutschland nahm ihren Anfang mit der Gothaer Feuerversicherung, die 1820 gegründet wurde.

    http://www.mario-weller.de/geschichte.versicherung.html

    Marx war zu dieser Zeit 2 Jahre alt und konnte seinen Namen aller Wahrscheinlichkeit nach noch nicht schreiben. Die Versicherungen schnellten in den folgenden Jahren nur so aus dem Boden, wobei ich nicht von jeder einzelnen weiß, ob ihre Gründer sich als Christen verstanden – was vermutlich nicht der Fall war. Daneben bemerkten Christen natürlich auch den Bedarf an sozialer Unterstützung, die zwar freiwillig aber unglaublich gut und gerecht organisiert gewesen sein soll. Hier ist vor allem die sog. „niederländisch-reformierte Gemeinde“ in Wuppertal zu erwähnen, die deutschlandweit Pionierarbeit leistete, ohne dass es zur Entwicklung eines Sozialstaates gekommen wäre – der allerdings viele Ideen aus dieser Zeit aufgriff. Dieses Thema sollte allerdings in einem eigenen Beitrag behandelt werden. Hier führt es zu weit.

    Der zweite wesentliche Punkt war Ihr Vorwurf der künstlichen Preiskontrolle durch den Staat. Grundsätzlich sollen Anbieter sich gegenseitig unterbieten können. Der Staat soll weder Faulheit noch Dummheit unterstützen. Das Wesen des Dumpings besteht ja darin, dass es sich um keinen Preis sondern um ein Geschenk handelt, nämlich ein Bestechungsgeschenk. Es ist dazu gedacht, Menschen von einem fairen Handel abzuhalten und ist damit ethisch die gleiche Ebene, als würde man sich vor ein Geschäft stellen und den Leuten Geld anbieten, wenn sie dort nicht kaufen. Wenn man so etwas verbietet, hat das nichts mit Preiskontrolle zu tun.
    Eine weitere Form, den Preis hoch zu halten, ohne ihn festzulegen, besteht in dem Zwang, gerechte Löhne zu bezahlen. Denn ein einzelner Betrieb kann sich mit anderen in Kooperativen einigen um Forschung zu unterstützen, gemeinsame Produkte herzustellen und gemeinsam einzukaufen und gemeinsam Produkte zu präsentieren. Aber er ist machtlos unterlegen, wenn jemand auftritt, der Mitarbeiter schlecht bezahlt. In diesem Fall muss ebenfalls der Staat eingreifen, was in der Praxis dann tatsächlich zu höheren Preisen für die Allgemeinheit führt, klar. Dies würde übrigens auch den Versandhandel bremsen, da die Transportkosten zu hoch würden.
    Beides sind Formen des Diebstahls und verdienen es nicht, sich hinter volkswirtschaftlichen Begriffen zu verstecken.
    Ferner bin ich für ein Verbot von Geschäftskettenbildung. Der einzige Nutzen entsteht hierbei für den Inhaber, der hier Marktpotential, das für viele reichen würde, alleine abschöpfen möchte. Bei Kettenbildung kann man apriori unterstellen, dass er der Ausbeutung dient. Ähnliche Beschränkungen müsste es natürlich auch für Immobilien geben.

    Wird ein Betrieb dann doch zahlungsunfähig, sieht auch das deutsche Insolvenzrecht übrigens vor, ein Unternehmen nicht vorschnell zu zerschlagen. Das Insolvenzrecht weicht also gar nicht so weit von dem ab, was mir vorschwebt. Von einer Subvention des Staates kann man hier nicht sprechen, weil die Gläubiger letztlich die Kosten aufgebrummt bekommen.
    Aber auch bei unrentablen Geschäften, die verkauft werden müssen, soll es rechtlich verankert sein, dass die ehemaligen Inhaber den Kauf jederzeit zum gleichen Preis rückgängig machen können, wenn sie wieder flüssig sind. Auch hier schwebt mir keine staatliche Unterstützung vor.

    Was die soziale Unterstützung für Arme angeht sehe ich keinen Grund, einfach Geld zu verteilen. Wer nicht isst, soll auch nicht arbeiten (sagt Paulus irgendwo) – natürlich sofern sie können. Wenn der Staat wirklich Bedarf sieht, der nicht durch private Arbeitsangebote gedeckt werden kann, dann kann er selbst Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen. Stattdessen kann er die energie- und wasserverschwendenden Reinigungsfahrzeuge abschaffen und ein Heer arbeitsloser Männer und Frauen mit Besen losschicken. Das spart viel Bürokratie, schont die Umwelt, verstopft nicht den Verkehr, ist leiser, verhindert Schwarzarbeit und Sozialbetrug und stellt keine Konkurrenz zu den Lohnangeboten in der Wirtschaft dar.

    „…dann wäre es ja auch ein Frevel Gottes Wunsch zu mißachten und die auf ewige Zeiten Gottesauserwählten nicht weiterhin in Reichtum zu halten. Kranken oder Rentenversicherungen machen im übrigens träge und führen zu „vererbbarer“ Arbeitslosigkeit. Sie verwendeten das Wort „erben“ in diesen Zusammenhang ist dies auch durch Gottes Gnade gegeben?“

    Der „Reichtum“ soll auf lange Sicht verhindert und soweit vorhanden durch gerechte Erbregelungen abgebaut werden.
    Es ist kein Frevel etwas zu ändern, obwohl Gott alles wirkt. Wenn ich von Gottes Gnade spreche, dann verwende ich den Begriff wie der Gesunde, der Gott für seine Gesundheit dankt und sich verpflichtet fühlt, sie zu erhalten, während der Kranke Gott um Gesundheit bittet und versucht den Zustand zu ändern, wohl wissend, dass Gott uns auch die Krankheit schickt. Genauso ist es auch mit dem Eigenkapital: wir können Gott dafür danken weil es etwas Gutes ist. Arbeitslosigkeit ist ein Übel und muss sogar nach Möglichkeit beendet werden.
    Ein Frevel ist es nur, die Existenzgrundlage eines Menschen zu vernichten.

    Noch mal zu der Frag nach dem Wirtschaftssystem: ein christlicher Staat sollte sich mit dieser Frage nicht abgeben und sich aus den Geschäften heraushalten. Aber wenn ein Mensch ein Unrecht begeht, ist es moralisch verwerflich (und verstößt nicht nur gegen irgendwelche „Spielregeln“) und muss vom Staat bestraft werden. Alle Beispiele gehen bei mir immer von einem konkreten Fall aus, in dem Unrecht geschieht, ohne, dass ich mir Gedanken über größere Zusammenhänge mache. Ich verbiete weder Reichtum nocht Armut, weder das Anstellen noch das Angestelltsein. Ich versuche nur, das biblische Verständnis von liebevollem Umgang auf rechtlich verfolgbares Verhalten herunterzubrechen. Denn die Wirtschaft ist für mich wie gesagt kein ethik-freier Raum, sondern verlangt genau so wie alle anderen Bereiche die Liebe zum Nächsten. Da der Staat in das Herz seiner Bürger noch viel weniger Einsicht hat als in deren Konten, muss er sich auf handfeste Fälle beschränken, in denen er eingreift. Und wie gesagt: es handelt sich nicht um ein wirtschaftliches Eingreifen oder „Regulieren“, sondern um ein ethisches Bestrafen im vollen Sinne des Wortes.

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