Was wollen die islamischen Terroristen eigentlich?

Bei den meisten Terroristen sind die Ziele einigermaßen durchschaubar: entweder sollen Gefangene entlassen werden, Truppen sich zurückziehen oder es geht einfach um Geld. Aber welchen Nutzen hat der Terrorismus, den wir z.Zt. erleben? Hierzu herrscht erstaunlich viel Schweigen im deutschen Blätterwald. Stattdessen denkt man lieber über praktische Fragen der Anti-Terror-Abwehr nach, was ja grundsätzlich nicht verkehrt ist.

Die sozialen Gründe für den Terror musste man schon früh aufgeben, weil die Terroristen eher aus der Mittelschicht kamen. Und alle möglichen psychologischen Teorien scheitern daran, dass sie nicht das Phänomen des islamischen Terrorismus erklären, denn verbitterte, hasserfüllte Menschen gibt es in jeder Kultur.
In konservativen Kreisen wird der Terror oft als Mittel der Mission oder Verbreitung des islamischen Herrschaftsgebietes gedeutet. So erklären es übrigens auch manche ehemalige Muslime:

http://www.gruene-pest.de/showthread.php?t=240770
http://de.danielpipes.org/article/2800

Aber diese Erklärungen greifen immer noch zu kurz, denn eine Ausbreitung der eigenen Religion oder Weltanschauung wünscht sich doch jeder, nicht nur die Muslime. Davon abgesehen, wählen sie dafür denkbar dämliche Mittel, wenn sie ernsthaft glauben, die Deutschen führen die Scharia ein, weil sie sich vom Islam bedroht fühlen. Der größte Erfolg könnte doch nur darin bestehen, dass sie rechtliche Reaktionen auslösen – die dann allerdings vor allem zum Nachteil der hier lebenden Muslime auschlagen würde. Das kann nicht der Grund sein.

Wer den Terrorismus des Islam verstehen möchte, muss die Theologie des Dschihad verstehen. Der Dschihad heißt wörtlich übersetzt soviel wie „Bemühen“ und ist ein Ausdruck für das Vorgehen gegen Sünde. Christine Schirrmacher nennt in ihrem Buch „Der Islam, Band 1“ vier Formen des Dschihad:
1. Der Jihad des Herzens: dies ist die Bekämpfung des Teufels und die Abwehr seiner Angriffe, um die Menschen zum Bösen zu verleiten.
2. Der Jihad der Zunge: Er wird gekämpft durch das Aussprechen des Wahren und Richtigen.
3. Der Jihad der Hände: Dies ist das Eintreten für das Richtige und das Vermeiden des Falschen.
4. Der Jihad des Schwertes: Nur er bedeutet Kampf und Krieg gegen die Ungläubigen und Feinde des Glaubens. (Schirrmacher, S.184).

Was nun oft übersehen wird, ist der Zusammenhang zwischen diesen vier Formen. Aus den gleichen Gründen wird gegen die eigene Sünde gekämpft wie gegen die „Gottlosen“.

Die Identität beider Formen des Jihad wird durch den speziellen Sündenbegriff im Islam möglich: Sünde ist im Islam, anders als im Christentum, etwas, das dem Menschen anhängt, ohne den Menschen völlig zu verderben. Der Kampf gegen die eigene Sünde ist daher auch immer ein Kampf gegen etwas äußeres, nicht zur eigenen Person gehörendes, wobei sich im Herzen natürlich die Versuchungen abspielen, die allerdings von Satan ausgehen und nicht aus dem Menschen selbst kommen:
„Und wenn du von seiten des Satans (zu Bosheit und Gehässigkeit) aufgestachelt wirst, dann such Zuflucht bei Gott! Er hört und weiß (alles).“ (Sure 7, 200) Ähnliches befürchtet man auch von den Ungläubigen. Das Böse wird also immer von außen an den Muslim herangetragen. Dieser Unterschied zum Christentum ist der grundlegenste, um den Jihad zu verstehen aber nicht der einzige. Denn bis hierhin hat man nur gezeigt, weshalb es sich um den gleichen Jihad handelt, egal ob man gegen die Sünde im eigenen Leben kämpft oder gegen die Sünde in der Welt. Man versteht aber noch nicht, welche Bedeutung dieser Kampf hat.

Die Bedeutung des Jihad im Leben eines Muslim ergibt sich aus der Lehre von der Barmherzigkeit Allahs:
die Barmherzigkeit steht grundsätzlich jedem offen, aber sie folgt dem Gehorsam nach.
„Wenn ihr Gott liebt, dann folgt mir, damit (auch) Gott euch liebt und euch eure Schuld vergibt!“ (Sure 3,31). Im Gegensatz dazu ist Jesus für uns gestorben, als wir noch Sünder waren (Röm 5,8).
Das gerechte Handeln ist im Islam also immer ein Weg zur Vergebung. Man kommt aber nie an den Punkt, wo man sich der Gnade sicher sein kann, der Islam kennt keine Heilsgewissheit und Allah vergibt seine Gnade, wie es ihm gefällt.

Im Koran wird diese Souveränität Allahs betont. Z.B. in Sure 13,13 „Und der Donner lobpreist ihn, und (desgleichen) die Engel, aus Furcht vor ihm. Er schickt die (Blitze und) Donnerschläge und trifft damit, wen er will. Dabei streiten sie (d.h. die Ungläubigen, Anm. des Übersetzers Rudi Paret) über Gott, wo er (sich doch so gewaltig zeigt und) voller Tücke ist.“ Mit dem Streit über Gott ist wohl in diesem Zusammenhang die Überlegungen über Gottes Gerechtigkeit zu verstehen, wie sie auch im Buch Hiob beschrieben sind. Während allerdings im Buch Hiob die Frage den Menschen aus der Hand genommen wird durch Gottes Antwort, bietet der Koran eine sehr menschliche Erklärung für Allahs Unberechenbarkeit: er ist voller „Tücke“. Dieses Merkmal darf wohl kaum moralisch wertend gemeint sein, sondern ist eine spitze Formulierung für die allgemeine Vorstellung, dass der Muslim nie zur letzten Gewissheit über seinen Heilszustand vor Allah kommt, der hier nach seinem Gutdünken oder eben willkürlich entscheidet.

Der Jihad ist also die einzige Möglichkeit, sich die Gunst Allahs zu erwerben. Der Jihad erwächst direkt aus dem Lebensgefühl, dass der Muslim in seiner Stellung vor Allah empfinden muss. Das „Bemühen“ (Jihad) ist gelebter Gehorsam und erhebt den Muslim über den Gottlosen, es ist die treibende Kraft hinter den 5 Säulen des Islam und die stete Unruhe die aus der Heilsunsicherheit erwächst. Der Jihad ist also selbst eine religiöse Übung – unabhängig von der erzielten Wirkung! Nur so kann man die Anschläge verstehen. Es gibt im Islam verschiedene Auffassungen darüber, wer den Jihad ausrufen muss, und welche äußeren Bedingungen gegeben sein müssen und ich sage nicht, dass die terroristische Variante die einzige oder beste Auslegung des Jihad ist. Man kann also nicht voraussagen, welche Formen der Jihad annimmt, aber man kann die auftretenden Formen leicht durch die Theologie des Jihad erklären.

Es gibt auch in der Bibel von Gott befohlene Kriege. Der Unterschied zum Jihad besteht aber darin, dass die Kriege zwar aus Gehorsam geführt werden aber bereits die Zugehörigkeit zum Volk Gottes voraussetzen, während der Jihad das ständige Bemühen um die Gunst Allahs darstellt und der Krieg so selbst zur religiösen Übung wird.

Im Christentum gibt es natürlich auch den Kampf gegen die Sünde. Aber hier werden wir durch den Glauben an die Vergebung Gottes durch sein stellvertretendes Opfer durch Jesus erlöst. Die Sünde ist auch keine bloße Tatsünde sondern ein Verderben, dass den Menschen von seinem Innersten her verwüstet hat. Hier ist an eine besondere Auszeichnung durch gute Taten vor allen anderen Menschen nicht zu denken. Jeder Christ weiß: wenn mein Heil darauf beruhte, dass Gott meine besonderen Werke mit denen anderer Menschen vergleicht, bin ich verloren. Deswegen lehrt Jesus uns zu beten „Und vergib uns unsere Sünden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Der Christ ist Sünder wie der Gottlose. Er unterscheidet sich nicht dadurch, dass er sich durch bestimmte Leistungen hervorgearbeitet hat, sondern dass er seine Schuld von Gott aufgedeckt bekommt und durch das Blut eines anderen gerecht vor Gott steht.
Ein bekannter Text über den geistlichen Kampf beginnt daher mit den Worten:
„Werdet stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke“ (Eph. 6,10) Die ganzen Waffen, die dann aufgezählt werden, sind Waffen, die wir bereits von Gott erhalten haben. Es ist also ganz wörtlich zu verstehen, dass wir hier in SEINER Stärke stark werden sollen. Unser Kampf findet also bereits durch ihn statt, und unsere Waffen sind sein Heil und seine Gnade, also gerade die Dinge, mit denen Gott uns voraussetzungslos beschenkt hat. Woher könnte uns ein Urteil drohen, wenn Gott selbst uns vergeben hat und die Gerechtigkeit seines eigenen Sohnes anrechnet? An die Stelle des Kampfes tritt hier nur noch das eigene Absterben und die Dankbarkeit.
Gewaltätig sind Christen vor allem dort geworden, wo sie diese Lehre missachtet und sich eine eigene Gesetzesreligion erschaffen haben.

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