Die Dekadenz der vierten Gewalt

Der Fall Eva Herman zeigt, mit welcher Schamlosigkeit und Härte in Medien bisweilen gegen Abweichler vorgegangen wird. Unter diesen Umständen darf man sich natürlich nicht wundern, wenn es in der Presse keine Unterstützung für Frau Herman gab – wer will schon seinen Job riskieren?

Es ist schade, dass Journalisten, die jederzeit für die Pressefreiheit strammstehen, sich in ihrem eigenen rechtlichen Rahmen wie Diktatoren gebärden. Man kann wohl ohne Risiko behaupten, dass Journalisten in Deutschland vor niemandem so viel Angst haben müssen wie vor Journalisten. Und das Ergebnis ist eine so unglaublich schmale Bandbreite an öffentlichen Positionen, dass eine staatlich kontrollierte Berichterstattung kaum effizienter sein könnte.

Leider ist das nicht der einzige Bereich, in dem Journalisten ihre Freiheit selbst verscherbeln und so ihr wichtiges Amt als vierte Gewalt korrumpieren.
Denn wo sie sich nicht gegenseitig aus Feigheit übereinander herfallen, erliegen sie dem Wunsch nach Geld und Anerkennung: sie berichten über bezahlte Reisen, lassen sich von Autofirmen verwöhnen und sich Journalistenrabatte auf wirklich alles gewähren. In der Politik lieben sie es, mit den Großen und Wichtigen bei den Empfängen zu speisen und für den Hauch, am Luxus der Reichen teilzunehmen und vielleicht von Politikern ein paar Insiderinformationen zu erhalten, wird ihr Ton dünn und schlaff.

http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID3433756,00.html

Auf der anderern Seite verlieren selbst seriöse Medien jeden Anstand, wenn es um Gruppen geht, mit denen man weder Ansehen noch Geld gewinnen lässt. Hier scheitern auch Blätter wie der Spiegel an den grundlegendsten Regeln des Anstandes. Der Spiegel hat in einem Leitartikel über die Entstehung des Monotheismus seine Argumentation zu wesentlichen Teilen auf die Aussagen Jan Assmanns gestützt, ihn aber offenbar falsch verstanden. Die Korrektur Assmanns erschien nicht.

http://spiegelkritik.de/category/spiegel/page/3/

Wie sieht die Lösung aus? Brauchen wir eine Kontrolle der Medien? Ich bin überzeugt, dass sich fehlender Anstand nicht durch staatlichen Zwang einfordern lässt. Es sei denn, es handelt sich um Extremfälle wie Korruption: es sollte generell verboten sein (bis hin zum Berufsverbot!), dass Journalisten Geld von Menschen oder Institutionen erhalten, über die sie berichten. Dazu zählt auch die Teilnahme an politischen Feiern (also Finger weg vom Büffet und Interviews am besten nur zu zweit durchführen, um Schmeicheleien und Kumpanei weitestgehend zu vermeiden).

Grundsätzlich empfiehlt es sich aber eher, die Zeitungen abzubestellen. Wer sich für ein Thema interessiert, erfährt heute alles Wesentliche – sofern es überhaupt etwas Wesentliches darüber zu sagen gibt – im Internet kostenlos. Hier erhält man auch ein Mindestmaß an Vielfalt.

8 Gedanken zu „Die Dekadenz der vierten Gewalt“

  1. Hallo Jochen,
    zum Glück gibt es ja uns Blogger und Kommentatoren, die fünfte Gewalt sozusagen. Und damit muss sogar die taz … das deutsche Flaggschiff der political correctness rechnen. Ein sehr großer Teil der Kommentare zu einem aktuellen Herman-Verriss „Es war nichts gut an Eva“ sind nämlich erstaunlicherweise ausgesprochen Herman-freundlich und verbitten sich die Gedankenpolizeistaatmethoden der taz … in der Anlage folgen ein paar Zitate.
    Mit freundlichen Grüßen
    wanderprediger

    „Ach, bin ich froh, dass ihr mir immer sagt, wer was denken darf! Danke“
    „… Ich finde es beschämend das jemand mit einer Meinung die nicht der verordneten Politicel correctness entspricht so kaltgestellt wird. Ich meine wir hatten doch hier in Deutschland schon eine Zeit in der nur eine Meinung galt. Kommen wir da wieder hin, nur unter anderem Namen?“
    „… was schreiben Sie da nur für einen Blödsinn. Auch wir gehören zu den alt 68 zigern und sind Christen geblieben. ….ehret Mutter und Vater…“
    „Die TAZ vertritt die Meinung: Wer Mutter sein will, seine Kinder selbst erziehen will und obendrein auch noch Hausfrau ist, ist rechtsradikal oder vertritt zumindest die Thesen der Rechten.“
    and so on …

  2. Hallo Wanderprediger,
    ja, Eva Herman selbst sagt, sie habe „1000“ Zuschriften erhalten von denen „95%“ Zustimmung waren (wozu im Einzelnen auch immer…).
    Wenn diese Zahlen halbwegs zutreffen, dann passen sie in das Bild, dass die von dir angeführten Kommentatoren hinterlassen haben.
    Der Journalismus hätte sich demnach zu einer eigenen Subkultur entwickelt, die nicht einmal mehr annäherungsweise die Weltsicht der übrigen Bürger repräsentiert. Was das für eine Mediendemokratie bedeutet, ist schwer zu sagen.

    Vielleicht übernimmt das Internet auf Dauer tatsächlich die Rolle einer 5. Gewalt, mal sehen…

    Gruß
    Moorwackler

  3. Sehr guter Artikel, der unter anderem auch den Deutschen heuchlerischen Symbolismus sehr gut beschreibt. Denn was ist das anderes, wenn über Lustreisen u.ä. berichtet wird, während der Verfasser selbst sich einladen lässt. Hier möchte man Heine zitieren: „… ich kenne die Herren Verfasser: Sie trinken heimlich Wein und predigen öffentlich Wasser.“ Seinen Höhepunkt erreichte diese Praxis unter Schröder, der willkürlich festlegte, welche Journalisten ihn auf seinen Reisen begleiten durften.

    Die Ursachen für diesen linkslastigen Mainstream mit all seinen negativen Begleiterscheinungen wie Antiamerikanismus, Antisemitismus, Diktatorenschmusen etc. liegt unter anderem darin, dass viele ehemalige 68er heute die entscheidenden Positionen in der Medienwelt besetzt halten und die Richtung entsprechend diktieren. Dies hatte zur Folge, dass sogar eher konservative Zeitungen wie FAZ und Welt sich auf Dauer zum Teil angepasst haben. Es ist richtig, hier entsprechend auszuwählen. Blogger wie ihr können zudem aufrütteln und sogar Einfluss ausüben. Ein jüngstes Beispiel dazu ist der Bericht von „Politically incorrect“ darüber, dass eine Grünenpolitikerin den Holocaust einen Ausrutscher nannte. Dies war den etablierten Medien überhaupt nicht aufgefallen. Als Folge des PI-Kommentars musste sich die Politikerin mehrfach entschuldigen. Ich sage nur: macht weiter so!

  4. „dass sich fehlender Anstand nicht durch staatlichen Zwang einfordern lässt.“ Auf keinen Fall, nicht daran zu denken. ich habe die SZ schon seit einigen Tagen abbestellt, dTonfall und Sprache der Journalisten lassen auch immer mehr zu wünschen übrig. Findet ihr nicht? Buchstapler

  5. @JS
    vielen Dank für die Ermutigung!
    Die 68er gehen jetzt so nach und nach in Frühpension. Ich bin mal gespannt, was danach kommt, aber nicht sonderlich optimistisch…

    @Buchstapler
    Zeitungen abbestellen ist m.E. genau der richtige Weg. Christen sollten Medien so wenig wie möglich durch ihr Geld unterstützen.
    Die ZEIT habe ich abbestellt, als ich zunehmend unter Ekelgefühlen bei der Vorstellung litt, mir die Welt aus der Sicht von anderen präsentieren zu lassen. Und das wird einem dann noch als aufgeklärtes Bürgertum verkauft…
    Wenn man die Augen offen hält, findet man immer noch eine gewisse Vielfalt an Informationen. Interessanter als Zeitunglesen ist es allemal.

  6. @Moorwackler
    „Die 68er gehen jetzt so nach und nach in Frühpension. Ich bin mal gespannt, was danach kommt, aber nicht sonderlich optimistisch..“

    Die Dinge nicht ganz so negativ sehen! Vielleicht erleben wir ja eine Rennaisance der Werte. Hierbei stellt sich natürlich die Frage WELCHER Werte? Mir begegnen allerdings immer mehr Jugendliche, die sowohl dem 68er Spuk mit all seinen negativen Begleiterscheinungen als auch der heutigen Spasskultur recht ablehnend gegenüberstehen und konservative Werte bevorzugen. Das hält mich zumindest davon ab, die Hoffnung ganz aufzugeben.

  7. „Mir begegnen allerdings immer mehr Jugendliche, die sowohl dem 68er Spuk …als auch der heutigen Spasskultur recht ablehnend gegenüberstehen und konservative Werte bevorzugen. Das hält mich … davon ab, die Hoffnung ganz aufzugeben.“
    Toll! Wo begegnen Ihnen diese Jugendlichen? sind Sie Lehrer? Weiterhin viel Erfolg!

  8. „Toll! Wo begegnen Ihnen diese Jugendlichen? sind Sie Lehrer? Weiterhin viel Erfolg!“

    Mir begegnen diese Jugendlichen in der Nachbarschaft, im Sportverein, auf meinem Arbeitsplatz. Wo leben Sie denn, dass Ihnen solche Begegnungen absurd zu sein scheinen? Berlin Marzahn?

    Natürlich haben wir ein gesellschaftliches Problem. Ich bin der Letzte, der das leugnen würde. Ich freue mich jedoch über all die Jugendlichen, die sich vom linkslastigen Mainstream der Spasskultur nicht verbiegen lassen. Und darum gebe ich die Hoffnung nicht auf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.