8 Gründe gegen staatliche Kinderbetreuung für alle – Oder: Alle wollen nur das Wohl des Kindes

Immerhin darauf können sich alle Parteien einigen. Feministinnen befürworten die Einführung von flächendeckenden kostenlosen Krippenplätzen ja nicht, weil sie bereit sind, das Wohl ihres Kindes ihrem Egoismus zu opfern, sondern weil es so auch für das Kind besser ist. Schließlich seien die Kinder dort professionell versorgt.

Nehmen wir für einen Moment mal an, dies wäre eine blanke und leichtdurchsichtige Lüge. Wie könnte die Öffentlichkeit davon erfahren?
Jeder Mann, der so etwas anspricht, gilt apriori als Macho. Jede Frau, die darauf hinweist, ist mit großer Wahrscheinlichkeit Politikerin oder Journalistin und hat sich bereits für einen Job entschieden, in dem sie ganz gefordert wird. Sie kann also nur das feministische Modell vertreten oder sie macht sich extrem lächerlich.

Unter diesen Bedingungen sind Umfragen natürlich ein schwaches Instrument, denn wo es niemanden gibt, der sie öffentlich zitiert, bleiben sie wirkungslos. Die Welt hat mal auf eine Umfrage verwiesen, derzufolge der tatsächliche Bedarf an Kinderbetreuung erheblich unter dem von der Bundesregierung angestrebten Betreuungsplan liegt, aber seitdem habe ich von dieser Umfrage nicht mehr viel gehört. Scheint uninteressant zu sein.
Und das ist schade, denn außer den Umfragen spricht auch sonst einiges für die Unterstützung einer familiären Erziehung:

1. Der wichtigste Teil jeder Erziehung ist der religiöse oder weltanschauliche. Und ein neutraler Staat muss seine Neutralität, wenn er sie denn ernst meint, gerade darin zeigen, dass er den Eltern genug Freiräume zugesteht, ihren Kindern diese Religion zu vermitteln. Die Neutralität des Staates gebietet hier Zurückhaltung.

2. Nach Art. 6 unseres Grundgesetzes sind „Pflege und Erziehung der Kinder“ das „natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“
Dieser Artikel ist Teil der Grundrechte, die den Bürger vor den Zugriffen des Staates schützen sollen. Dass der Staat kein eigenes Interesse an diesen Rechten besitzt, ist leider nur natürlich, dass Journalistinnen hierin ebenfalls kein schützenswertes Recht sehen, leider ebenfalls.
Der Staat kann also nicht einfach hingehen und sagen „ich kann das besser“ und die Kinder selbst betreuen. Ein Recht zum Eingriff besteht nur, „wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen“. Selbst wenn der Staat die Erziehung eines Kindes also tatsächlich besser leisten könnte, wäre er dazu nicht berechtigt, solange die genannten Gründe nicht vorliegen. Die Erziehung ist ein natürliches Recht, und daher stellt sich nach unserem GG die Frage gar nicht, ob jemand außer den Eltern sie besser übernehmen könnte. Hier müssen Eltern für ihr Recht leider gegen die synchronisierte Gewalt von Politik und Medien zu Felde ziehen.

3. Das man sich überhaupt für sein natürliches Recht der „Pflege und Erziehung“ der eigenen Kinder entscheiden kann, ist nicht zuletzt eine finanzielle Frage. Wenn ein Einkommen nicht ausreicht, kann eine Mutter gezwungen sein, zu arbeiten, um überhaupt leben zu können. Das liegt daran, dass zwei Einkommen auch dann mehr Geld einbringen, wenn man höhere Kosten durch die Fremdbetreuung der Kinder hat.
Um die Entscheidungsfreiheit auch für sozial schwache Familien zu gewährleisten, ist ein Betreuungszuschuss (oder wie man es auch immer nennen will) sehr sinnvoll und scheint mir ganz dem Geist des GGs zu entsprechen. Denn ohne eine finanzielle Unterstützung und Anerkennung der Erziehungsarbeit durch die Eltern, müssen Eltern faktisch eine Erziehungssteuer bezahlen. Denn kostenlos ist das Krippenangebot des Staates natürlich nicht, sondern es wird durch die Abgaben der Bürgerinnen und Bürger getragen – ob sie es in Anspruch nehmen oder nicht. Und das widerspräche eindeutig der Vorgabe des GGs.
Es geht hierbei nur um die Wahrnehmung eines Rechtes der Eltern, nicht um die Frage, wie man arme Kinder bestmöglich fördern kann, darum geht es im nächsten Punkt.

4. Denn es wird nun eingewandt, dass die Betreuungsprämie ja im Haushalt der Eltern untergehen könnte, während sie doch sinnvoller für die Fremdbetreuung der Kinder eingesetzt werden könnte. Was für eine Heuchelei:
Bei dem Geld, dass die doppelverdienenden Eltern durch die staatlich finanzierten Krippen sparen, fragt auch niemand, ob die Kinder einen zusätzlichen Nutzen davon haben. Der scheint gegeben zu sein, sobald die Kinder nicht mehr bei ihren Eltern sind.
Wenn man Kinder wirklich fördern möchte, dann sollte man ihnen staatlich finanzierte Sprachkurse, Hausaufgabenbetreuungen, Sportvereine und gezielt Unterrichtsstunden für sozial benachteiligte Schüler anbieten, in denen an Wortschatz und Gesprächs- und Diskussionsverhalten gearbeitet wird. Darüber hinaus hat sicher auch niemand etwas gegen einen Ausbau hochwertiger kostenloser Freizeitangebote. Von der Unterstützung gerade sozial schwacher Familien durch solche Angebote halte ich übrigens sehr viel! Finanzieren kann man sie ja durch das Geld, das man für den Ausbau der staatlichen Krippen ja offensichtlich im großen Stil zur Verfügung hat.
Mit einer Fremdbetreuung allein ist diesen Kindern überhaupt nicht geholfen. Aber möglicherweise geht es darum auch gar nicht, sondern nur um die Durchsetzung eines bestimmten Lebensstils.

5. Erziehung gibt es nur dort, wo es Strafen gibt, die glaubhaft zum Wohl des Kindes eingesetzt werden und nicht dem Arbeitsklima eines Erziehers dienen. Ich bin überzeugt davon, dass ein Kind ganz genau weiß, ob es bestraft wird, damit der Lehrer Ruhe in der Klasse hat, oder weil jemand an der persönlichen Entwicklung dieses Kindes ein liebevolles Interesse besitzt.

6. Wer die professionelle Pädagogik der elterlichen vorzieht, engt den Erziehungsbegriff ein. Zur Erziehung gehört neben kognitivem Wissen und guten Umgangsformen auch die Erfahrung, einen Vater und eine Mutter zu haben. Nicht zuletzt, um selbst einmal ein guter Vater oder eine gute Mutter zu sein – warum soll man nicht auch aus den Fehlern der Eltern lernen können?

7. Eine staatliche Kinderbetreuung wird immer mit drei grundsätzlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben: Sie wird immer nur wenige Betreuer pro Kind bereit stellen können und niemals an ein familienähnliches Zahlenverhältnis heranreichen. Zweitens fehlt den staatlichen Erziehern das angeborene Interesse an den Kindern, das sogar bei Eltern vorkommt, die an sich weder besonders kinderlieb oder sympathisch sind. Drittens werden die Erzieher unterdurchschnittlich qualifiziert sein und damit das Niveau der durchschnittlichen Erziehung und Prägung immer unterbieten.

Denn es glaubt ja niemand im Ernst, dass der Staat für jedes zweite Kind eine akademische Fachkraft bereitstellen kann, die nett, kinderlieb und engagiert ist – und nicht pädophil…

8. Die staatliche Kinderbetreuung steht immer in engem Kontakt zur Wissenschaft. Das klingt zunächst gut und passt zum Argument der Professionalität, aber wer sich die Geschichte der Pädagogik ansieht, sieht schnell, dass hier Vorsicht geboten ist. Denn viele Konzepte der Pädagogik, die ihrerzeit als Durchbruch der Aufklärung gefeiert wurden, muten heute befremdlich bis grausam an (z.B. als Kinder wie Skinnerboxen behandelt wurden und schlichtweg dressiert wurden).
Eltern würden ihre Kinder nur selten nach wissenschaftlichen Moden erziehen und halten sich zäh an die Form der Erziehung, die sie selbst kennen gelernt haben, bis sich vielleicht manche Überzeugungen nach und nach durchsetzen, weil sie eben doch kleine Durchbrüche darstellen. Aber das braucht Zeit, und der Puffer, den die Eltern hier zwischenschieben (aus purer Zähigkeit) hat sicher manches Kind bewahrt.
Staatliche Erzieher haben diese Hemmungen nicht und stehen außerdem noch mehr in der Öffentlichkeit, so dass sie sich sogar eher verpflichtet fühlen, Moden der Pädagogik mitzumachen. Ein Erzieher wird es sich nicht leisten können, unter Kollegen und Eltern als rückständig zu gelten. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass dieser Umstand in der Wissenschaft wiederum ausgenützt wird, um gezielt pädagogische Konzepte an Kindern systematisch auszuprobieren! Dafür bietet ein staatliches und schichtenübergreifendes Betreuungssystem leider die besten Voraussetzungen.

3 Gedanken zu „8 Gründe gegen staatliche Kinderbetreuung für alle – Oder: Alle wollen nur das Wohl des Kindes“

  1. Völliger Dumpfsinn, in diesem Artikel wird davon ausgegangen, dass die externe Betreuung die Eltern vollständig ersetzen würde. Das ist natürlich glatt gelogen, soetwas fordert keiner. Es soll lediglich eine Erwerbsmöglichkeit für Frauen geschaffen werden. Und zwar eine, die nicht ständig unterbrochen wird und nur noch auf Teilzeitbasis möglich ist. Dass sich die Katholen dadurch auf den Schlips getreten fühlen, da frau ja dann nicht mehr ihrer „natürlichen Bestimmung“ nachkommt, ist ja auch nur logisch.

  2. @DeineMudder
    „Völliger Dumpfsinn, in diesem Artikel wird davon ausgegangen, dass die externe Betreuung die Eltern vollständig ersetzen würde.“

    Nein, davon wird nicht ausgegangen.

    MfG
    Moorwackler

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