Wenn das Fernsehteam anklopft…

In der letzten Zeit kamen immer häufiger Propaganda-Dokumentationen und -Filme über Christen im Fernsehen, und dazu benötigen sie natürlich Material. Es wird in Zukunft daher häufiger vorkommen, dass Medien gezielt in Freikirchen filmen, wenn es dort beispielsweise zu politischen Veranstaltungen kommen sollte – was derzeit eher selten der Fall ist.

Aus der direkten und indirekten Erfahrung mit Journalisten möchte ich hier ein paar Hinweise geben, damit nicht alle Christen im Umgang mit Medien die gleichen Fehler wiederholen:

1. Überlegt euch, wenn eine Anfrage von Journalisten kommt, ob ihr wirklich ins Fernsehen wollt. In Deutschland hat jeder ein Recht an seinem Bild und kann davon auch wirkungsvoll Gebrauch machen. Lasst euch nicht überrennen.

2. Jede Aufnahme und jede Aussage wird im Fernsehen durch gezielte Schnitte und Kommentare gegen euch verwandt. Ihr liefert nur Material. Ob es genutzt wird, hängt allein davon ab, ob die Sender es gegen Christen verwenden können – so einfach ist das. Für die Eitelkeit, ins Fernsehen zu kommen, gibt es hier wahrlich keinen Grund…

3. Wenn ihr euch dennoch entscheidet, euch filmen zu lassen, achtet darauf, dass die Kamera euch nicht von unten oder oben sondern auf Augenhöhe filmt. Am besten wäre es, sich ein Vetorecht schriftlich geben zu lassen, doch das käme einer Aufnahmeverweigerung gleich, weil sich kein Sender auf so eine Klausel einlassen wird.

4. Seid besonders vorsichtig, wenn euer Interviewpartner auf eurer Seite zu stehen scheint. Es handelt sich um ein beliebtes Mittel, jemanden aus der Reserve zu locken und zu Sprüchen zu verleiten, für die man hinterher schamrot anläuft. Das habe ich von jemandem gehört, der sich für ungeborene Kinder einsetzt, wo Unsensibilität zur sofortigen Disqualifikation führt.

5. Denkt daran, dass die Journalisten etwas von euch wollen und nicht ihr von den Journalisten. Lasst nicht zu, dass eure Arbeit durch Filmaufnahmen gestört oder sogar behindert wird! Ihr seid keine Angestellten von ihnen, ihr habt nichts (Gutes) von ihnen zu erwarten und keinen Grund, scheu oder duckmäuserisch zu sein.

6. Im Fernsehen gehört es heute selbstverständlich dazu, dass man sich auf junge hübsche Frauen stürzt. In der Praxis werdet ihr entweder aufgefordert, die „hübschen Mädels“ auszusortieren oder die Journalisten nehmen die Einteilung gleich selbst vor. Dass dieses Vorgehen kalt, brutal und geschmacklos ist und viel Verletzungen hinterlässt, brauche ich kaum zu erwähnen. Überlegt euch vorher, wie ihr mit solchen Aufforderungen umgehen wollt und opfert nicht den legitimen Wunsch nach Respekt, um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen.

7. Bereitet euch auf die Aufnahmen vor, betet um Weisheit, sprecht mit allen Beteiligten in aller Ruhe darüber und bevor ihr euch überrumpeln lasst solltet ihr lieber einmal zu viel die Anfrage abblocken. Möglicherweise unter dem direkten Hinweis auf volksverhetzendes Material gegen Christen, das vom gleichen Sender ausgestrahlt wurde.

8. Wir sind zwar verpflichtet, jederzeit zu unserem Zeugnis zu stehen (wonach wir von den Medien im Regelfall allerdings nicht gefragt werden), aber wir sind nicht verpflichtet, uns bei religiösen Handlungen filmen zu lassen. Letztlich muss das jeder selbst entscheiden, aber ich empfehle dringend, keine Kameraaufnahmen während Gebets- und Gesangszeiten zu gestatten. Für den Außenstehenden, der im wirklichen Gottesdienst teilnimmt, gibt es die Möglichkeit, mitzubeten oder zu singen oder hinterher zu fragen und zu diskutieren. Im Fernsehen bestehen keine dieser sinnvollen Möglichkeiten. Der Betrachter hat keine andere Chance, als befremdet zu werden.

9. Überlegt auch, was das Fernsehteam filmen darf und was nicht. In den Räumen einer Gemeinde haben Medien grundsätzlich kein Recht, alles zu filmen. Sie können es aber als gegeben voraussetzen, wo ihnen Zutritt gestattet und nichts verboten wird. Wenn ihr also nicht möchtet, dass die Einladung zum Männerkreis gefilmt wird, weil das als frauenfeindlich hingestellt werden könnte, dann nehmt die Einladung vorher entweder ab, oder beschränkt das Filmrecht ausdrücklich. Geht eure Räume mit den Augen eines Nicht-Christen durch.

10. Betet für eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen und segnet, die euch verfluchen. Christus selbst ist für uns gestorben, als wir noch seine Feinde waren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.