Islamstudie Teil 1: Die Fehler der Studie

Etwas schmunzeln musste ich schon, als ich die Ergebnisse der Studie „Muslime in Deutschland“ in den Medien erfuhr. Jetzt hat man uns jahrelang regelrecht eingetrichtert, dass wahre Religion niemals Gewalt kenne und der Islam selbstverständlich nicht stärker die Gewalt fördert als andere Religionen, und da sei man sich ganz sicher und überhaupt zeigten die terroristischen Anschläge ja nur, dass wir den Islam mehr fördern müssten – aber zur Sicherheit fragt man doch lieber noch mal nach.

Dabei wurden so viele Fehler gemacht, dass ich die Reaktion auf mehrere Teile verteilen möchte. Der gravierendste Fehler dürfte darin bestehen, dass die Befragten über den Zweck der Studie im Bilde waren. Die Befragung wurde am Telefon durchgeführt, wo viele das Gespräch ohne Angabe von Gründen abgebrochen haben. Nachdem die Anzahl der angerufenen Personen sich aus verschiedenen Gründen (unter denen sich schon 57 Totalverweigerer befanden, deren Religionszugehörigkeit nicht ermittelt werden konnte) von 3355 auf 1516 Personen reduzierte, gab es unter den muslimischen Befragten eine hohe Quote an Interviewverweigerern:

„Von den somit verbleibenden 1.516 Fällen kam es in n=855 Fällen dazu, dass eine muslimische Zielperson zwar erreicht wurde, die weitere Interviewbeteiligung aber verweigerte. Von den damit verbleibenden n=661 Fällen kam es in
n=107 Fällen während des Interviews zu einem Interviewabbruch, so dass aus der EMA-
Stichprobe n=554 vollständige Interviews resultierten.
Nimmt man als Maßstab die N=1516 Befragten, bei welchen eine islamische Religionszugehörigkeit positiv festgestellt werden konnte, so haben n=661 Probanden ein Interview über die Kurzbefragung hinaus mindestens begonnen. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 43,6%. Ein vollständiges Telefoninterview liegt hingegen nur von 36,5% der
erkannten Muslime vor.“

Als Erklärung für die geringe Bereitschaft zur Interviewteilnahme schreiben sie:
„Worauf das zurückzuführen ist, kann letztlich nicht abschließend beurteilt werden. Vermutlich ist jedoch der
Umstand, dass Muslime im Zeitraum der Studie in der Öffentlichkeit und den Medien immer
wieder in Verbindung mit Gewalt, Terror und Parallelgesellschaft thematisiert wurden, hier
nicht ganz ohne Wirkung geblieben. Diese Schwierigkeiten zeichneten sich schon im Pretest ab
und bestätigten sich in der laufenden Feldphase. Um die gewünschte Zielzahl von ca. 1.000
Muslimen zu erreichen war eine Ergänzung der EMA-Stichprobe erforderlich.“

Wenn dieser Zusammenhang den Befragten klar war, kann man die ganze Studie vergessen, denn die Antworten im Rahmen dieser Studie sind dann ein Teil des Ringens um Anerkennung des Islams in Deutschland und damit ein religiöser Akt. Wenn man von den ganz menschlichen Motiven absieht, den Islam hier möglichst harmlos erscheinen zu lassen, bleibt die ethische Frage, ob die muslimische Ethik Lüge zum Schutz des Islam gestattet – was sie m.W. tatsächlich tut.
Es ist zwar richtig, dass man über die Motive der Interviewverweigerer nichts „abschließendes“ sagen könne, aber menschlich drängt sich doch der Verdacht auf, dass nicht die Muslime, die seit langem darauf brennen, den Islam als genuin nicht-gewalttätig in der Öffentlichkeit zu präsentieren die Gelegenheit zu so eine Interview verstreichen lassen, sondern eher diejenigen, die durch ihre Haltung die Stimmung nicht weiter gegen den Islam aufheizen wollen.

Es ist gerade so, als würde man Kaninchen mit der Hand fangen und aus den gefangenen Exemplaren Aussagen über die Durchschnittsgeschwindigkeit von Kaninchen machen, wobei man über die entlaufenen hinsichtlich ihrer Geschwindigkeit nicht „abschließend urteilen“ könne.
Dieser Fehler ist so gravierend, dass sie von den qualifizierten Betreibern unmöglich übersehen worden sein kann. Es fällt mir schwer, darin etwas anderes als Propaganda zu sehen.

Dass es unter den Befragten dann doch noch eine solide Gruppe gab, die freimütig bekannte, mit gewaltsamen Mitteln der Verbreitung des Islam nachzuhelfen, ist vor diesem Hintergrund erstaunlich genug.

Ein zweiter großer Fehler liegt schon in der Fragestellung der Studie, die viel zu weit gefasst ist: Wenn man nicht einfach Zahlenmaterial sammeln sondern Ursachen für gewaltaffine Einstellungen erfassen möchte, dann kann man nicht gleichzeitig in einer Gruppe die Faktoren Religiosität, soz. Integration, Bildung, Gewaltbereitschaft etc. untersuchen.
Wenn man glaubt, dass Ausgrenzung Menschen gewalttätig macht, dann muss man quer durch die Gesellschaft Ausgegrenzte Personen (religionsübergreifend) befragen und einen Zusammenhang nachweisen. Wenn man vermutet, dass mangelnde Bildung eine Ursache ist, dann verfäht man analog. Wenn man aber wissen möchte, ob der Islam eben doch Gewalt fördert, dann muss man in signifikant ähnlichen Gruppen die Gewaltbereitschaft untersuchen, also z.B. ob in christlichen Aussiedlergemeinden, die ähnliche Diskriminierungserfahrungen machen, ähnlich ungebildet sind und ähnlich schlecht integriert auch eine ähnlich hohe Zahl von radikalen Positionen vertreten wird.

So hat man zwar viele Zahlen gesammelt, aber gleichzeitig eine Menge Interpretations- und Projektionsspielraum offen gelassen, was den Verdacht fördert, dass es sich hier um ein politisches Instrument zur Meinungsbildung handelt, und die Spielräume wurden in den Medien dann ja auch erwartungsgemäß genutzt.

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