Islamstudie Teil 3: theologische Schwächen

Die „fundamentale“ Orientierung und die „Abwertung anderer Gruppen“ steht bei den Autoren der Islam-Studie im Verdacht, eine Vorform der Radikalisierung zu sein. Um die Schwäche dieses Gedankens aufzuzeigen, möchte ich die entsprechenden Fragen einmal für Atheisten umformulieren:

1. Wer die Regeln des Korans
nicht wörtlich befolgt ist kein
echter Moslem.

1a (für atheistisch) Wer sich einer anderen Größe als der Vernunft unterordnet, ist kein Atheist.

2. Ich finde es wichtig, dass die
Lehre des Islam an die
Bedingungen der modernen Welt
angepasst wird.

2a Wenn ich in einer religiösen Gesellschaft lebte, wäre es mir wichtig, meine atheistischen Prinzipien an die dortigen Bedingungen anzupassen (recodiert).

3. Menschen, die den Islam
modernisieren, zerstören die
wahre Lehre.

3a Menschen, die ihre atheistischen Grundsätze an ihr religiöses Umfeld anpassen, zerstören den Atheismus.

4. Ich glaube, dass jeder gute
Moslem dazu verpflichtet ist,
Ungläubige zum Islam zu
bekehren.

4a Ich glaube, dass jeder Atheist die Pflicht hat, sein religiöses Umfeld aufzuklären.

5. Es sollte verboten sein,
Moslems dazu zu bringen, ihre
Religion zu wechseln

5a Jede Form von religiöse Mission sollte verboten sein

6. Nichtmuslime sind von Allah
verflucht

6a Theisten stehen dem Wahnsinn näher als der Vernunft

Und die Fragen zur Aufwertung der eigenen und zur Abwertung anderer Gruppen:

Der Islam ist die einzig wahre
Religion.

a: Der Atheismus ist die einzig wahre Weltanschauung.

Nur der Islam ist in der Lage, die
Probleme unserer Zeit zu lösen.

a: Nur der Atheismus ist in der Lage, die Probleme unserer Zeit zu lösen.

Auf lange Sicht wird sich der Islam in
der ganzen Welt durchsetzen.

a: Auf lange Sicht….

in Deutschland kann man deutlich
sehen, dass die christlichen Religio-
nen nicht in der Lage sind, die Moral
zu sichern.

a: die Geschichte zeigt, dass Religion unmoralisch ist

etc….

Die vielleicht etwas langatmige Gegenüberstellung zeigt, wie naiv und unfair die Fragen teilweise sind.
Und zweitens sind sie keineswegs ein Indikator für Gewaltbereitschaft, sonst müsste man aus dem Wahrheitsanspruch der Atheisten ebenfalls ein Bedrohungsszenario entwickeln (vgl. den Beitrag „Ist Monotheismus gefährlich?“). Tatsächlich entsteht die Gefahr durch den Atheismus aber durch die fehlende Gottesfurcht und die völlige Enthemmung der Mächtigen wie in der Zeit nach der franz.Rev, im Dritten Reich und im Sozialismus aber nicht, solange sie keine Macht haben und die staatliche Aufsicht die göttliche in ihrer Einbildung für sie ersetzt.

Wenn vom Islam eine Gefahr ausgeht, dann wird man sie nicht über diesem Weg ermitteln. Hier zeigt sich eindeutig der Mangel an theologischer Bildung, die bei diesem Thema dringend nötig gewesen wäre.

Bis zu einem gewissen Grad hätte es aber auch ein gesunder Menschenverstand getan: nur weil ich als Christ in Deutschland benachteiligt werde und mir bestimmte Berufe verwehrt sind, bin ich doch noch lange nicht der Meinung, gegen diese Gesellschaft kämpfen zu müssen oder meinen Glauben mit Gewalt verteidigen zu müssen. Nur weil Christen in aller Welt verfolgt werden, wachsen in mir doch keine gewaltaffinen Tendenzen. Und nur weil jemand seinen christlichen Glauben ernster nimmt, wächst doch nicht seine Ablehnung anderer, sondern seine Feindesliebe!

Die von der Studie suggerierten Zusammenhänge sind also keineswegs selbsterklärend sondern müssen durch die Eigenarten des Islam erklärt werden. Hätte man das getan, hätte man vielleicht gemerkt, dass es unter Muslimen eine erstaunlich große Unsicherheit bezüglich des eigenen Heils gibt.
Z.B. stimmen dem Satz „Wenn ich als rechtsschaffender
Muslim gelebt habe, komme ich ins Paradies.“ nur 50,5 % völlig zu. 19,8% stimmen gar nicht und 11,7% „eher nicht“ zu. Erst vor diesem Hintergrund kann man die Bedeutung der Verheißung verstehen, die der Koran offenbar den Muslimen gibt, die im bewaffneten Kampf für den Glauben sterben. Aber selbst dieser Punkt ist keine hinreichende Erklärung für die hohe Gewaltbereitschaft, die weltweit von Muslimen ausgeht.
Ein anderer wichtiger Punkt, auf den die Studie überhaupt nicht eingeht, ist die Konzeption der Sünde (vgl. auch hierzu den Beitrag „Ist Monotheismus gefährlich?“), die wiederum erst zu der hohen Betroffenheit und dem deutlichen Ärger über die weltweite Benachteiligung von Muslimen führt, der auch bei Muslimen in Deutschland spürbar ist – und von den Autoren der Studie immer wieder bemerkt wurde – , die selbst keine Diskriminierungserfahrungen machen.

Aufgrund dieser Mängel kann die Islam-Studie über das Gefährdungspotential des Islam fast nichts sagen, außer immer wieder in Randbemerkungen auf die Schwächen der gegebenen Erklärungen hinzuweisen.

2 Gedanken zu „Islamstudie Teil 3: theologische Schwächen“

  1. Das ist ja sehr interessant!
    Doch was sich auf den Islam bezieht und für den Atheismus umformuliert wird, läßt sich doch ebenso auch sinngemäß für das Christentum umformulieren!
    Was den Moslems der Koran, ist dann den Christen die Bibel.
    Auch die Chriten sind doch ständig bestrebt ihre Lehre den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen!
    Und auch bei den Christen gibt es doch radikale Fundamentalisten!
    Gerade die Christen sind doch ständig bestrebt zu missionieren!
    Auch Christen behaupten doch ständig ihre sei die einzig wahre Religion!
    Gerade Christen behaupten doch ständig mit ihrer Religion die Probleme unserer Zeit lösen zu können!
    Gerade Christen versuchen doch ihre Religion auf der ganzen Welt durchzusetzen!
    Und gerade Christen behaupten doch ständig im alleinigen Besitz von Moral zu sein!

  2. Eben, und das haben sie mit Atheisten und vielen anderen gemein. Der Witz bestand ja eben darin zu zeigen, dass dieses Frage-Instrumentarium ziemlich ungeeignet ist, um eine Radikalisierungs-Tendenz aufzudecken. Ich habe an anderer Stelle eine bessere Erklärung dafür abgegeben, wodurch Gewalt entsteht: zum Glück nicht durch die Vorstellung zu wissen, was wahr und was falsch ist. Sonst wären alle Menschen Gewalttäter, die sich anders als durch durch Fragen auszudrücken pflegen.

    Moorwackler

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