Kann man aus Liebe in den Krieg ziehen?

Für die meisten Deutschen scheint es ausgemacht zu sein, dass der Irakkrieg nur wegen des Öls geführt wurde. Dass es aber in der amerikanischen Bevölkerung durchaus ein Bewusstsein für die Verantwortung in der Welt geht und eben nicht nur um wirtschaftliche Interessen, zeigt ein kleiner Auszug, den ich in einem christlichen Roman gefunden habe. Es handelt sich dabei um das Buch „So stark wie das Leben“ (Originaltitel „AND THE SHOFAR BLEW“, was erheblich besser zum Inhalt des Buches passt…) von Francine Rivers. Es geht um eine überalterte Gemeinde, die von einem jungen ehrgeizigen Pastor zu einer Mega-Church umgewandelt wird, bis eines Tages Gott eingreift…
Das Buch kursiert z.Zt. in unserem Hauskreis und wird mit Begeisterung weitergereicht.

Nun zu der zitierten Stelle. Paul und sein Sohn sprechen sich nach vielen Jahren zum ersten mal aus, und daher kommen die Infos aus dem Leben seines Sohnes Tim oder Timothy jetzt etwas gedrängt:

„Sie schwiegen wieder. Dann fuhr Tim fort: „Ich bin nicht gekommen, um mit Steinen zu werfen, Vater. Sondern um dir und Mutter zu sagen, dass ich zum Militär geh. Ich dachte, es ist besser, ich sage euch das persönlich als am Telefon.“
Er schaute zu der Diele hin, in der Eunice [seine Mutter, Anmerkung von MW] verschwunden war.
„Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher.“
Ein Terrorist, der plötzlich mit einer Maschinenpistole ins Wohnzimmer spaziert kam, hätte Paul nicht mehr schockiert.
„Du gehst zum Militär?“
„Ja. Zu den Marines.“ Paul schloss seine Augen.
„Seit dem 11. September 2001 denke ich über unser Land nach und was Freiheit kostet. Ich hab auch darüber nachgedacht, wie viel Elend in der Welt geschehen ist, weil die Menschen nicht rechtzeitig gegen das Böse aufgestanden sind. Wo wären wir heute, wenn Männer sich nicht hätten einziehen lassen, um gegen Hitler zu kämpfen? Ich habe lange über diese Sache gebetet, Vater, und andere haben auch für mich gebetet. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht.“
Paul sah seinen Sohn an, bis ins Mark erschüttert. „Du weißt nicht, auf was du dich da einlässt.“
„Nicht ganz, aber ich muss ja nicht alles wissen. Es reicht, wenn ich in die Richtung gehe, in die Gott mich führt.“
In den Krieg?
„Ich weiß, dass Amerika nicht alles richtig macht, aber wir haben christliche Wurzeln und Meinungs- und Religionsfreiheit. Vielleicht ist Gott uns deswegen gnädig, weil das noch so ist. Bei jeder Katastrophe sind die Amerikaner die Ersten, die einspringen und helfen. Gott hat uns Wohlstand geschenkt und wir haben versucht, anderen zu helfen, und das nicht immer nur aus politischen Gründen oder weil es um Öl ging. Unsere Hilfe für andere Länder ist womöglich der einzige Grund, warum Gott uns noch nicht zur Rechennschaft gezogen hat für die vielen Dinge, die bei uns nicht stimmen.“ (S. 523f)

In Deutschland wurden die Medien hingegen nicht müde zu erklären, weshalb man den Irak besser von einem Diktator regieren lässt. Wenn der Irak nun wirklich zur Ruhe kommen sollte, dann darf Deutschland sich rühmen, sich nicht nur nicht an der Befreiung des Iraks beteiligt zu haben, sondern auch, die Befreiung mit allen (zum Glück bescheidenen) Mitteln blockiert, die Stimmung gegen den Krieg aufgeheizt und dadurch den terroristischen Angriffen auf ein demokratisches Land den Boden bereitet zu haben. Denn die Anschläge konnten doch nie mehr als ein Stimmungskrieg sein, der darauf abzielte, das Bild vom erfolgreichen Befreiungskrieg zu zerstören. Ihre Wut auf die Amerikaner war größer als der Wunsch nach einem starken, freien und sicheren Irak – und nach meinem bescheidenen Eindruck war das bei vielen deutschen Journalisten in den vergangenen Monaten nicht anders.

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