Um welchen Preis sollen Christen in die Politik gehen?

Die Ankündigung einer neuen christlichen Partei hat mich zunächst begeistert, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger schmeckt mir der Gedanke. Man hat sich als Wähler vielleicht damit abgefunden, dass eine Partei nicht alle Ideale verwirklichen kann, die sie gerne verwirklichen würde, und dass bei der derzeitigen Parteienmenge (die durch die „AUF-Partei“ noch erhöht würde) Entscheidungen immer stärker von Kompromissen geprägt sind als noch vor 30 Jahren. Aber – Gewöhnung hin oder her – dürfen Christen eine Entscheidung treffen, die sie nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können? Ich kann es doch als Wähler nicht verantworten, Geschwister mit einem Mandat zu beauftragen, in dem sie nicht ohne zu sündigen überleben können.

Und darüber hinaus gibt es noch ein erheblich ernsteres Problem: AUF nennt sich zwar „christlich“, will aber eine Dachpartei für Evangelikale und Katholiken sein. Als Grundlage verweist die Homepage auf die „jüdisch-christliche Ethik“, das deutsche Grundgesetz und dann, für meinen Geschmack etwas zu beiläufig, auf das Glaubensbekenntnis, das Vater-Unser und die zehn Gebote.
Dass die Partei christlich ist, kann man am ehesten noch am Glaubensbekenntnis erkennen, denn die zehn Gebote sind ja bekanntlich auch Juden wichtig und das Vater-Unser ist zwar das Gebet für Christen, aber ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass jeder, der das Vater-Unser betet, als Christ angesehen werden kann.
Bleibt also das Glaubensbekenntnis, in dem doch der christliche Glaube zusammengefasst werden soll: aber selbst hier kann man strenggenommen nicht mit Katholiken ehrlich den gleichen Text sprechen. Denn ein Katholik wird an der Stelle „eine heilige, katholische Kirche“ auch dann an seine eigene Kirche denken, selbst wenn er sich dazu herabließe, die reformatorische Fassung („heilige, christliche/allgemeine Kirche“) zu sprechen, während ein Protestant bei dem Wort „Kirche“ an jede andere Organisation denken kann als an die Katholische Kirche. Denn man darf nicht vergessen, dass es bis heute kein einheitliches Verständnis von Kirche zwischen beiden Organisationen gibt!
Und an der Stelle „Vergebung der Sünden“ ist für den Katholiken noch längst nicht geklärt, wieviele Sünden er darüber hinaus aber doch noch bezahlen muss (z.B. im Fegefeuer).

Im Glaubensbekenntnis kommt also nicht in hinreichender Klarheit das Evangelium vor, durch das ein Christ sich wirklich vom Nicht-Christen unterscheidet. Noch bevor die AUF-Partei also gestartet ist, hat sie alles aufgegeben, wofür ein Christ lebt, nämlich das Evangelium! Dazu passt dann auch die Einladung der Partei zum „Internationalen Kongress Treffpunkt Weltkirche“.

Gerade im Hinblick auf unsichere Christen halte ich es für dringend geboten, lieber auf eine politische Mitwirkung zu verzichten, als auch nur einen Hauch an Unsicherheit über den Heilsweg Gottes an den Menschen zu lassen. Und ein ökumenischer Kongress ist eine theologische Nebelmaschine, die mehr Schaden anrichtet als die gottloseste Partei, weil er das Herzstück des Glaubens angreift. Zwischen allen Wölfen wird der Wolf im Schafspelz den größten Fang machen.

4 Gedanken zu „Um welchen Preis sollen Christen in die Politik gehen?“

  1. Hier wird ja mal wieder alles durcheinander geworfen. POLITIK ist nicht gleich MISSION!!

    Dabei geht der neuen Partei weder um das Thema Ökumene, noch evangelisch, freikirchlich oder katholisch, sondern darum eine an den christlichen Werten orientierte gestaltende Politik zu machen.

    Wenn es konsequent nach Moorwackler geht, dann kann man doch, wie auch die Zeugen Jehovas, überhaupt niemanden wählen. Prüft Moorwackler auch, welchen Bekenntnisses sein Bäcker ist, bevor er dort Brötchen kauft?

    Ein solcher Rückzug ins Private und ein solches Abschotten des eigenen Glaubens ist nicht nur dumm, sondern geradezu gefährlich, wie die Erfahrungen während des Nationalsozialismus gezeigt haben.

    Und: Die Aussagen des Glaubensbekenntnisses, „ich glaube an…“ dürften doch Aussage genug sein. Die AUF-Partei wird nicht in die Herzen der Menschen, die Mitglied werden wollen schauen können. Auch hier gilt: „Ein jeder prüfe sich selbst.“

    Ich gehe gerne mit meinen gläubigen katholischen Geschwistern gemeinsam einen Weg, bei dem ich den anderen stehen lassen kann, wo er steht, aber das gemeinsame Anliegen im Blick halte und versuche, etwas zu bewirken.

  2. Bei meinem Bäcker würde ich tatsächlich nicht auf dessen Bekenntnis achten. Das Heikle an einer christlichen Partei ist, dass sie einerseits, anders als der normale Bäcker, den Anspruch hat, christlich zu sein, andererseits aber von Natur aus in der Gefahr steht, ihr Profil zu verwässern, um eine größere Wählerbasis zu mobilisieren.

    Wenn man damit leben kann, eine sehr kleine Partei zu bleiben, kann man durchaus auch als Christ politisch aktiv werden. Aber die AUF hat durch die Zusammenarbeit mit Katholiken leider schon bei ihrer Gründung alles über Bord geworfen, wofür ich als Christ einstehe, nämlich das Evangelium, das es in der Katholischen Kirche offiziell nicht geben darf!
    Und eben dieses Evangelium ist das Zentrum des Glaubens und nicht vermeintlich christliche „Werte“.

    Die politische Zusammenarbeit zwischen evangelischen und katholischen Gläubigen in einer einzigen Partei halte ich daher für zu eng. Das Projekt wird – im besten Fall!- scheitern, oder zur Akzeptanz der Ökumene unter den Wählern führen. Und dass Letzteres angestrebt wird, und zwar bewusst und gewollt, kann man an der Einladung der Partei zum „Internationalen Kongress Treffpunkt Weltkirche“ ablesen.

  3. Ich bin auch evangelisch-freikirchlicher Christ. Eine Ökumene unter Selbstaufgabe und um jeden Preis lehne ich genauso ab. Aber wir sind als Christen zur Einheit berufen.

    Ich bekenne mich deshalb zur Arbeit und zu den Zielen des Arbeitskreises Christlicher Kirchen ACK. Dort mag nicht alles richtig gemacht werden. Aber was haben wir gewonnen, wenn jede Denomination ihr eigenes Süppchen kocht?

    Ich bin wiedergeboren und weiß um die Gnade meines Herrn. Das versuche ich meinen evangelischen wie katholischen Geschwistern zu vermitteln.

  4. „Aber was haben wir gewonnen, wenn jede Denomination ihr eigenes Süppchen kocht?“

    Ich wäre auch gegen eine Partei der Baptisten, der Pfingstler und der FeGler, der Calvinisten und Lutheraner etc…
    Aber bei dem Evangelium hört die Grenze der Einheit für mich auf. Dann handelt es sich nicht mehr um Einheit unter Christen, sondern um falschen Umgang mit Ungläubigen.

    „Ich bin wiedergeboren und weiß um die Gnade meines Herrn. Das versuche ich meinen evangelischen wie katholischen Geschwistern zu vermitteln.“

    Dann lass uns doch warten, bis sie das Wort von der Gnade verstanden haben und dann, und erst dann, eine Partei mit ihnen gründen.
    Denn ist besser, seine Freiheit zu verlieren, als das Evangelium!

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