Faschismus und Matriarchat

Individualität setzt Herrschaft voraus. Eine Gesellschaft, die keine Autoritäten duldet, wird auch keine Exzellenz dulden, keine eigenen, dem Kollektiv noch unbekannten, Gedanken zulassen und schon bei besonderen Fähigkeiten und Interessen nervös werden. Eine egalitäre Gesellschaft tendiert natürlicherweise zur Gleichförmigkeit ihrer Mitglieder.
Das Ende so einer Entwicklung – die sehr schnell zu Ende gehen kann – ist die Diktatur, wobei hier Faschismus und Kommunismus den gleichen autoritätsfeindlichen Zug und den gleichen Hass auf alle Vaterschaft erkennen lassen.

Der folgende Auszug stammt aus dem Buch „Biblisches Ethos im Zeitalter der Moralrevolution“. Georg Huntemann, der Autor, war Professor für Ethik und Apologetik an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule (STH) in Basel und Doktor der Theologie sowie der Philosophie. Außerdem hatte er einen Lehrauftrag in Löwen und war Pastor in der Martinikirche in Bremen:

„Faschismus und Nationalsozialismus waren keine autoritativen Weltanschauungen, sondern sie waren genau das Gegenteil davon. Der Nationalsozialismus war eine Anti-Vater-Gott-Revolution, die mit ihm bereits einen Höhepunkt erreichte und heute unter anderen ideologischen Karosserien aber mit gleichem Fahrgestell ihre konsequente, inhaltlich wie strategisch-technisch gleichartige Fortentwicklung erlebt.
Die unbedingte Hingabe an den „Führer“, dieses Überfahrenwerden personaler Selbständigkeit, die Bejahung der Gruppe, die Vorordnung des Kollektivs vor dem einzelnen ist anti-personalistisch gegen göttliche Autorität als absolute Autorität gerichtet. Bedeutsam ist, daß der Nationalsozialismus nein sagte zum Gewissen, das er als eie „jüdische Erfindung“ verurteilte.
[…]
Die mehr oder weniger motivierte atheistische Philosophie der Kritischen Theorie oder des Neomarxismus hat deswegen den Nationalsozialismus gründlich mißverstanden. Der Kampf dieser Bewegung gegen absolute Autorität überhaupt, wie wir ihn im ersten Kapitel darstellten, setzt in mancherlei Weise – auch wenn es selbstverständlich diesen Philosohen nicht bewußt ist – den antiautoritativeen Trend des Nationalsozialismus fort.
[…]
Bekanntlich hat Dietrich Bonhoeffer – übrigens in der Theologenwelt seiner Zeit sehr einsam – die NS-Bewegung als antiautoritäre Bewegung praktisch als Vatermordgesellschaft – erkannt.
Zwei Tage nach der sog. „Machtergreifung“ Hitlers vom 30. Januar 1933, am 1. Februar, hielt Dietrich Bonhoeffer einen Rundfunktvortrag über das Thema „Der Führer und der einzelne in der jungen Generation“, der am Schluß der Sendung abgeschaltet wurde. Inhalt und Umstände dieses Vortrages zeigen Bonhoeffer als einen Mann der konservativen politischen Opposition von Anfang an. Wir wissen, daß er es bis zum Ende blieb. Während den sozialistischen Parteien, sowohl der KPD als auch der SPD, die Massen davonliefen und gerade in Berlin SA-Stürme „bekehrte“ Kommunisten aufnahmen (z.B. der SA-Sturm 5 von Horst Wessel), formte sich der eigentliche Widerstand gegen das sozialistische System Hitlers („Du bist nichts, dein Volk ist alles“) in einer konvervativen Opposition, die dann auch (mit Bonhoeffer) den Aufstand des 20. Juli vorbereitete und durchführte. Bonhoeffer für „links“ zu vereinnahmen, war und ist Teil des Spiels von Absurditäten in der modernen, zeitgenössischen Theologie.
Es ist bezeichnend, daß dieser abgebrochen Rundfunktvortrag, der so etwas wie eine konvervative Proklamation gegen das NS-Regime war, etwas später in der konservativsten Wochenzeitung des damaligen Deutschland, nämlich in der sog. „Kreuz-Zeitung“ („Neue Preußische Zeitung“) am 25. Februar mit nur geringen Kürzugen veröffentlicht wurde. Bonhoeffer stellt das Amt „von oben“, die Autoritätsstruktur konservativer, abendländischer Rechtstaatlichkeit gegen den Führer als den Diktator „von unten“. Er stellt die durch das Gebot Gottes legitimierte Autorität gegen die Ditktatur der Masse. Bonhoeffer schrieb: „Der Führer hat Autorität von unten, von den Geführten her, das Amt hat Autorität von oben her, die Autorität des Führers hängt an seiner Person, die Autorität des Amtes ist überpersönliche Autorität von oben her, ist Selbstrechtfertigung des Volkes, Autorität des Amtes ist Anerkennung der gegbenen Gesetze; Autorität von unten ist geliehene Autorität, Autorität des Amtes ist ursprüngliche Autorität…Es besteht ein entscheidender Unterschied zwischen Autorität des Vaters, des Lehrers, des Richters, des Staatsmannes einerseits und der Autorität des Führers andererseits. Jene haben Autorität durch ihr Amt und allein in ihm; der Führer hat Autorität durch seine Person. Die Autorität jener kann angetastet, verletzt werden, aber sie bleibt bestehen; die Autorität des Führers steht jeden Augenblick gänzlich auf dem Spiel, sie ist in der Hand der Gefolgschaft; den Führer wähle ich mir, Vater, Lehrer kann ich nicht wählen.“ (S. 326ff)

Und gerade aus dieser Charakteristik ergibt sich das Bedrohliche eines Führers „von unten“: er lebt nur durch die allgemeine Zustimmung und kann Gegenstimmen nicht dulden. Andererseits besitzt er aber wenigstens zeitweise die Kraft und Zustimmung der Masse und kann sich über jedes Recht und jede Ordnung hinwegsetzen. Die technische Möglichkeit und Gefahr einer Vermassung ist durch die Verbreitung der Medien heute größer als je zuvor.

„Der 27jährige Dietrich Bonhoeffer stößt so auf den Nerv der Auseinandersetzung zwischen Diktatur und konservativ-abendländischer Autorität. Bonhoeffer sieht den Untergang des einzelnen in seiner Verantwortung durch die erdrückende Macht des Kollektivs.“ (S.329)

Solange dieser Zusammenhang nicht gesehen wird, besteht die Gefahr, dass gerade die Angst vor einer Diktatur zur Diktatur führen kann. C.S. Lewis lässt das den Teufel Srewtape in der Hölle an die Absolventen der Abschlussprüfung folgendes sagen:

„Es ist unsere Aufgabe, das Verhalten, die Sitten, die ganze Geisteshaltung, die Demokratien normalerweise bevorzugen, zu fördern und zu unterstützen, denn sie dienen dazu, die Demokratie zu zerstören.“ (aus „Das Gewicht der Herrlichkeit“, S. 26

Wer nämlich gegen alle Autorität Sturm läuft, arbeitet gerade dem Agitator, dem Demagogen und Volksverhetzer in die Arme. Die Bereitschaft der Deutschen, sich einem hasstriefenden Machtmenschen anzuschließen, entstand nicht zufällig aus dem Erleben einer als schwach empfundenen demokratischen Regierung, die über die chaotischen Machtkämpfe der politischen Flügel auf den Straßen nicht mehr Herr wurde. Die Menschen hatten danach gerade nicht mehr die ordentliche Macht erhofft, die Kraft Amtes ausgeübt wird, sondern den starken Mann an der Spitze, sie wählten einen Mann aus dem Pöbel der Straßenkämpfe.

Ich habe den Titel „Faschismus und Matrarchat“ gewählt, weil in diesem jener über weite Teil fortlebt: auch das Matriaracht ist eine Vater-Mörder-Religion, die einen Hass auf alle Vaterschaft und alle Autorität hat. Das Ziel des Matriarchates ist keine Demokratie, in der verschiedene Meinungen nebeneinander stehen und nach einem geordneten Verfahren ausgezählt werden, sondern die sog. „Konsens-Demokratie“. Hierbei soll wie der Name sagt ein Konsens festgestellt und „Minderheitenmeinungen einbezogen“ werden. Wer auch immer die Macht hat, diesen „Konsens“ festzustellen, wird faktisch mit der Macht eines Diktators ausgestattet. Wer ihm oder ihr widerspricht, widerspricht dem Volk.
Wie jeder Diktatur ist auch das Matriarchat ein Aufstand gegen den Vater-Gott. Die feministische Theologie wendet sich daher nur am Rande gegen einzelne Stellen, in denen Frauen Leitungsämter in der Kirche versagt werden, sie wendet sich vor allem gegen Gott als Vater selbst und das Erlösungswerk seines Sohnes:

„Rosenberg [Alfred Rosenberg, Chefideologe des Dritten Reichs, Anm. MW.] ärgert sich – wie die Feministen auch – über das Sündenverständnis des Apostels und seine Lehre von der Versöhnung und Erlösung durch Christus. Diser – im Grunde feministisch denkende -Chefideologe wollte ein nicht vermitteltes, sondern unvermitteltes Einssein mit Gott; denn, so meinte dieser Freund „biblischer Textkritik“ -: „Die wissenschaftliche Textkritik hat so weit vorgearbeitet, daß alle technischen Voraussetzungen für eine zusammenschauende Neuschöpfung gegeben sind.“ [Alfred Rosenberg, Vorträge über das Vaterproblem, 1954, S. 142.]
Die vermittelnde Erlösung durch den Sühnetod Jesu Christi ist für den Feminismus wie für den NS-Rassismus genauso ein Ärgernis wie das biblische – vor allem eben paulinische – Verständnis der Sünde.“ (S.405f)

Die Abschaffung aller Autorität und Vaterschaft in Faschismus, Kommunismus und Matriarchat hat ihre Wurzeln in dem Aufstand des Menschen gegenüber Gott, vor dem er nicht als Sünder stehen und nicht seine Gnade annehmen will. Umgekehrt kann eine Hinwendung zu wahrer Vaterschaft nur dort gelingen – und nicht in Macho-Gehabe abgleiten – wo sie in Gott ihr Urbild sieht. Jeder Mann und Vater, der den Namen verdient, muss aber zuerst lernen, seine Knie vor seinem Vater im Himmel zu beugen:

„Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, von dem jede Vaterschaft in den Himmeln und auf Erden benannt wird: er gebe euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen; dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in Liebe gewurzelt und gegründet seid, damit ihr imstande seid, mit allen Heiligen völlig zu erfassen, was die Breite und Länge und Höhe und Tiefe ist, und zu erkennen die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, damit ihr erfüllt werdet zur ganzen Fülle Gottes.“ (Eph. 3,15-19)

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