Die Feinde der Homosexuellen

Der letzte Christopher Street Day ist unter dem Motto „Null Toleranz – gegen Null Toleranz“ zu Ende gegangen. Die Veranstalter präsentierten die Szene kämpferisch bis gewaltbereit, wobei sie Gewaltphantasien wie die Entführungen ihrer Kritiker immer nur als Anregung zum Nachdenken verstanden wissen wollten.

Und als eben diese Anregung will ich es nun auch verstehen:
zunächst habe ich mich gefragt, worüber man eigentlich nachdenken soll. Wollten die Veranstalter ein Klima der Angst erzeugen, damit ihre Kritiker nicht nur Angst vor staatlichen Repressionen sondern auch vor Gewalt irgendwelcher Privatmilizen haben? Aber wieso gab es in den Medien nur Beifall? Habe ich da die naheliegendste Interpretation übersehen oder die Medien? Wie wäre wohl das Echo ausgefallen, wenn Muslime so einen Aufzug mit 500 000 Teilnehmern veranstaltet hätten und kackfrech ihre Prozession unter das gleiche Motto mit analogen Provokationen gestellt hätten?
Ich habe mich weiter gefragt, ob die Teilnehmer sich auf diese Weise wirklich – wie sie es eigentlich wollten – als starke Minderheit präsentieren konnten. Tatsächlich haben sie in diesen Tagen nur bewiesen, dass sie weder das eine noch das andere sind, weder stark noch eine Minderheit. Wären sie stark, müssten sie nicht nur auf so friedlichen Gegnern wie den Christen herumhacken. Wer bezweifelt, dass Christen friedlich sind, kann sich das Szenario ja mal mit den gleichen Provokationen gegenüber dem Islam ausmalen…
Für Stärke spricht das nicht gerade, sondern für das Bestreben, kein Risiko einzugehen.
Zweitens spricht die Tatsache, dass sie öffentlich zu ihrer Aggressivität stehen und sogar gedanklich schon mal den Rahmen der zivilisierten Auseinandersetzung verlassen, ohne auch nur das Risiko eingehen, öffentlich gerügt zu werden, dafür, dass es sich endgültig um keine Minderheit mehr handelt. Denn eine Minderheit definiert sich nicht nur über ihre Größe (dann wären auch die „oberen Zehntausend“ einen Minderheit oder die Politiker, die Journalisten…) sondern über ihr deprivierte Stellung am Rande der Gesellschaft. Aber wer trotz solcher Exzesse noch öffentliche und ungeteilte Zustimmung erfährt, kann sich wohl kaum noch über Deprivation beklagen.

Zuletzt habe ich mich gefragt, wieso eigentlich immer nur so eine wenig repräsentative Gruppe die Masse der Teilnehmer des CSD ausmacht. Wo waren an diesem Tag die Mehrzahl der Homosexuellen, nämlich die Alten, Schwachen, Kranken. Wo gab es die Gruppe der Rollstuhlfahrer? Könnte es sein, dass die größere Gefahr eigentlich von dort kommt, wo keine Provokation und keine Stärke hilft? Sind nicht die wahren Feinde der Homosexuellen Alter, Krankheit und Tod? Sie sind es doch, die ihren unerbittlichen und wirkungsvollen Kampf gegen die Lust führen. Sie lenken den Blick über das Diesseits und lassen nicht zu, dass man so lebt, wie man gerne möchte, denn den größten Teil des Lebens sind wir alt. Nicht Kardinal Meisner sondern Hässlichkeit, Impotenz, Angst vor Geschlechtskrankheiten sowie die Isolation im Alter werden die größten Lustkiller sein. Und sie werden auch diejenigen, die jetzt noch in dem kurzen Zeitfenster der Gesundheit leben (z.B. die Teilnehmer des CSD) daran erinnern, dass auch sie nicht ewig leben sondern einmal vor dem lebendigen Gott stehen werden. Ihre größte ja einzige Sorge sollte es daher sein, wie sie einmal an diesem Tag bestehen können. Das Urteil von Christen ist dagegen relativ uninteressant und vor allem ungefährlich. Aber aus der Hand Gottes kann niemand sie retten, solange sie nicht am Kreuz ihre Schuld bekannt und die Vergebung durch das Blut Jesu in Anspruch genommen haben.