McCain oder Obama? Wen werden die Deutschen wählen?

Ganz so weit ist es sicher noch nicht, aber es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass langsam aber sicher auch Wahlkämpfe global werden. Das hat zum Einen ganz naheliegende Gründe: die im Ausland lebenden Bürger müssen überzeugt werden und die außenpolitische Reputation des Staatsoberhauptes hängt (leider) mit dem Ruf des ganzen Landes in der Welt zusammen.
Das alles erklärt aber noch nicht, weshalb sich auch das Ausland so engagiert am Wahlkampf beteiligt, und dass es das tatsächlich tut, konnte man spätestens seit der Diskussion in Deutschland über die geplante Rede Obamas vor dem Brandenburger Tor erkennen. Die Argumente, die für und gegen diesen Ort ins Feld geführt wurden, waren an sich alle unverdächtig. Interessant war aber, dass vor allem linke Politiker für und konservative Politiker gegen dieses Setting plädierten. Und das riecht schon sehr nach deutschem Wahlkampf. Die Medien waren hier noch weniger zurückhaltend und haben schon längst Ms. Clinton zur Lieblingskandidatin gekürt. Aber jetzt kämpfen sie treu und tapfer für Obama. Die Berliner – also nicht nur die in Berlin lebenden Amerikaner – freuen sich auf die Rede Obamas und würden ihn mit klarer Mehrheit wählen: 70% der Stimmen bekäme Obama – wenn jemand die Deutschen fragen würde (lt. einem Bericht der FTD).
Und wenn man sich das Gekeife über George W. Bush anhörte, mochte man kaum glauben, dass es hierbei um das Staatsoberhauptes eines anderen Landes ging.

Die Frage ist nur: was soll das eigentlich? Wieso setzen sich Deutsche so für oder gegen einen amerikanischen Präsidenten ein?

Und um nur mal das naheliegendste Argument zu entkräften, die Deutschen wollten ja vor allem Pazifisten sein und kämen nicht mit einem Präsidenten zurecht, der die Welt „mit seinen Kriegen überzieht“. Also zunächst hat er sie vor allem mit zwei Kriegen überzogen, von denen die Deutschen im ersten sogar selbst mitgezogen sind. Im zweiten Fall hat er einen Krieg geführt, der auch unter den Demokraten m.W. schon längst auf der militärischen to-do-list stand und immerhin eine Diktatur gegen eine funktionierende Demokratie ersetzte. Was daran nicht funktioniert, sind die regelmäßigen terroristischen Übergriffe von Menschen, die lieber eine muslimische Diktatur als eine Demokratie mit Hilfe der Amerikaner sehen wollen. Und diesen kulturellen Konflikt könnte man auch mit einem Präsidenten Namens Obama wieder erleben, denn der hat keinen Hehl daraus gemacht, dass er (selbstverständlich) nicht grundsätzlich ausschließt, Kriege zu führen („Obama verspricht harten Kurs gegen den Iran„). Dass dies in Deutschland so gleichmütig hingenommen wird, wirft ein neues Licht auf die Bush-Hysterie der vergangenen Jahre, denn wenn die Menschen sich so furchtbar über Bush aufgeregt haben, dass selbst Politiker jede Zurückhaltung verloren haben, bleibt die berechtigte Frage: was war eigentlich das Problem? Und vermutlich hängt damit auch die Antwort auf die Frage zusammen, weshalb hierzulande so eifrig für Obama gekämpft wird. Die Wochenzeitung „DIE ZEIT“ hat einmal in einem Artikel, den ich leider nicht mehr gefunden habe, geschrieben, dass die Deutschen Bush nicht deswegen nicht mögen, weil er nicht glaubwürdig sei, sondern sie ertragen es nicht, dass er Christ sei. Das war während der achtjährigen Amtszeit bis zuletzt die einzige Formel, auf die man das Gezeter bringen konnte. Und das muss man auch im anstehenden US-Wahlkampf in Deutschland annehmen: die Deutschen wollen, dass die Welt ein bisschen weniger christlich wird und hoffen, dies mit einem demokratischen Präsidentschaftskandidaten eher erreichen zu können. Für Kriege im Ausland interessiert man sich hier üblicherweise nur am Rande.
Es geht also nicht um bestimmte politische Entscheidungen, auch wenn in den nächsten Monaten vor allem darüber berichtet wird, sondern wohl eher um so etwas wie die politische Großwetterlage. Wenn dies richtig ist, dann würde dies bedeuten, dass die Menschen in Deutschland Amerika stillschweigend in einer Vorreiterrolle anerkennen – und zwar quer durch das gesamte politische Spektrum.
Zweitens würde es zeigen, dass es nicht in erster Linie um konkrete Politik sondern um einen Kulturkampf geht. Denn direkte Konsequenzen wird die Wahl hier für niemanden haben. Aber selbst dann bleibt der Eindruck, dass hier die nicht-christliche Linke deutlich aktiver ist als die Christen. Sollten wir jetzt mitziehen und bei der Rede Obamas beispielsweise für die Rechte der Ungeborenen eintreten? Die Idee ist grundsätzlich nicht schlecht – und sie wäre zumindest nicht unpassender als Obamas deutsche Wahlkampf-Tournee. Aber eigentlich sehe ich hier wenig Grund zum Handeln, denn der wirkliche Herrscher über Himmel und Erde wohnt im Himmel und gerade in politischer Gelassenheit können wir das am besten zum Ausdruck bringen. Es sind doch gerade die nicht-christlichen kommunistischen Staaten, in denen die Politik zur einzigen bestimmenden Größe wurde und die obersten Politiker mit einem Personenkult umgeben wurden, der zumindest ausgesprochen peinlich wirkte. Und die Globalisierung des amerikanischen Wahlkampfes scheint mir zu dem nicht-christlichen Primat der Politik erheblich besser zu passen als zu einem christlichen Verständnis von Obrigkeit. Als Christen sollten wir in meinen Augen gerade Abstand zu derartigem Personenkult wahren und darauf vertrauen, dass Gott seine Augen auf die Gerechten blicken lässt. Deshalb müssen wir außer Gott niemanden fürchten.

Nachdem Petrus vor dem Hohen Rat klargestellt hat, dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen, wurde er und Johannes, der auch festgenommen wurde, ermahnt und dann vorerst entlassen. Als sie zurückkamen, lobte die Gemeinde Gott, und von diesem Gebet können wir lernen, wie man beten soll:

„Und als man sie hatte gehen lassen, kamen sie zu den Ihren und berichteten, was die Hohenpriester und Ältesten zu ihnen gesagt hatten. Als sie das hörten, erhoben sie ihre Stimme einmütig zu Gott und sprachen: Herr, du hast Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht, du hast durch den Heiligen Geist, durch den Mund unseres Vaters David, deines Knechtes, gesagt (Psalm 2,1-2): »Warum toben die Heiden, und die Völker nehmen sich vor, was umsonst ist? Die Könige der Erde treten zusammen, und die Fürsten versammeln sich wider den Herrn und seinen Christus.« Wahrhaftig, sie haben sich versammelt in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels, zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss zuvor bestimmt hatten, dass es geschehen solle. Und nun, Herr, sieh an ihr Drohen und gib deinen Knechten, mit allem Freimut zu reden dein Wort; strecke deine Hand aus, dass Heilungen und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus. Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimut.“ (Apg. 4,23-31)

4 Gedanken zu „McCain oder Obama? Wen werden die Deutschen wählen?“

  1. Danke für den Link!
    Es hat mich gewundert, dass es nicht mehr als 90% waren, die Obama wählen würden. Das zeigt vielleicht, dass der Einfluss der Medien doch nicht unbegrenzt ist…

  2. SO ein Quatsch! Bush ist nicht beliebt, weil er dumm ist und weil er die Welt ins Chaos stürzt, schlimmer als es BIn Laden und seine Bande von Verbrechern je könnten! Er kann Christ sein oder wieder Alkoholiker werden, wobei er als Trinker weniger Unheil bringen würde. Aber ist ja alles richtig, was er macht, weil Gott ihm rät- wenn sein Gott keinen besseren Rat hat, sollte er genauso wie Bush in der Versenkung verschwinden!
    GO OBAMA!! Der neue Präsident der USA!

  3. Hallo Isabel,

    der Kampf gegen den Terrorismus ist unter Obama nicht vorbei. Und Obama hat den Deutschen ausdrücklich gesagt, dass er in diesem Kampf in Zukunft mehr Unterstützung von ihnen erwartet.
    Aber wenn du fruchtbare Verbesserungsvorschläge für den Kampf gegen den Terrorismus hast, dann ist dir sicher auch in Amerika jeder dankbar.

    MfG
    Moorwackler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.