Homosexualität in der Bibel

In diesem Beitrag geht es um eine Besprechung einzelner Kapitel des Buchs „Streitfall Liebe“ von Valeria Hinck. Auf der Homepage von „zwischenraum“ ist dieses Buch kostenlos als Download erhältlich. Ich werde daher einzelne Kapitel kommentieren, ohne sie noch einmal zusammenzufassen. Für die Auswahl der Kapitel und in den Kapitel für bestimmte Abschnitte gibt es verschiedene Gründe, in der Regel habe ich aber Argumente übersprungen, wenn ich den Eindruck hatte, sie seien ihrerseits von anderen Argumenten abhängig, auf die ich schon eingegangen bin. Falls Sie den Eindruck haben, ich hätte doch noch etwas Wichtiges übersehen oder ich sollte doch noch ein weiteres Kapitel kommentieren, dann merken Sie das ruhig als Kommentar oder über die Kontaktseite an. Ich werde versuchen, den Punkt zu ergänzen.
Ich hoffe, dass ich das Thema „Homosexualität“ danach erst mal etwas ruhen lassen kann, weil mir einige andere Themen eigentlich mehr unter den Nägeln brennen…

Anmerkungen zu dem Kapitel „Gottes Engel bei Lot in Sodom und Die Schandtat von Gibea-Benjamin“:

Valeria Hinck weist zurecht darauf hin, dass es in diesen Stellen nicht einfach um Homosexualität sondern u.a. um die Verletzung des Gastrechts geht. Strenggenommen ist es gleich ein ganzes Arsenal an Vergehen: es ist nicht nur die Verletzung des Gastrechts, sondern eine Verletzung, die an die Stelle der Freundlichkeit die schlimmste Gewalt und die schrecklichste Demütigung darstellt. Und bei allem, was dieses Verhalten schrecklich macht, steht aber tatsächlich der Sex unter Männern an zentraler Stelle. In Ri 19,24 geht der „Herr des Hauses“ zu dem gierigen Pöbel und versucht, die Situtation zu entschärfen, indem er einen Gegenvorschlag macht: „Siehe, meine Tochter, die noch Jungfrau ist und seine [also des Gastes, Anm. MW] Nebenfrau, sie will ich euch herausbringen. Ihnen tut Gewalt an und macht mit ihnen, was gut ist in euren Augen. Aber an diesem Mann dürft ihr so eine schwere Schandtat nicht begehen.“
Auf diesen Vorschlag gingen sie dann halbwegs ein, wobei sie derart grausam waren, dass die Frau gegen Morgen starb und der Vorfall einen schweren Krieg auslöste. Es war nebenbei bemerkt also keineswegs egal, was mit Frauen geschah! Aber trotzdem war es für diesen Mann ungleich schrecklicher, dass dies mit dem Mann geschehen sollte.
Interessant ist seine Begründung: an diesem Mann dürft ihr so eine schwere Schandtat nicht begehen! Er beruft sich hier nicht auf das Gastrecht (dann hätte er auch die Nebenfrau seines Gastes nicht anbieten dürfen) und auch nicht auf die Ehre dieses Mannes, seine Stellung etc. Der eigentliche Vorwurf ist einfach, dass dieses Verhalten eine Schandtat wäre, die sie an diesem Mann begehen. Und es wäre nicht die gleiche Schandtat, die sie an der Frau begehen, wodurch deutlich ist, dass damit nicht die Gewalt gemeint ist. Soweit ich sehe, drückt der hebräische Begriff genau das aus, was wir im Deutschen darunter verstehen würden: ein Verhalten, dass den Täter mit Schande bedeckt. Der Gastgeber argumentiert also mit der Ehre der pöbelnden Männer, nicht mit der Ehre des Mannes, und die wurde in besonderer Weise durch die Vergewaltigung des Mannes verletzt.
Man kann hier also durchaus den Sex zwischen Männern als eigenständigen Vorwurf herauslösen – zumindest im Bewusstsein des Gastgebers. Theoretisch könnte es nämlich sein, dass er sich diese Ethik selbst ausgedacht hat oder in ihr nur eine zeitbedingte Moral zum Ausdruck kommt. Aber auch der Mann der vergewaltigten Frau betont in seinem Bericht (Ri 20,5), dass es bei diesem Mord eigentlich um eine abgewandelte homosexuelle Vergewaltigung ging, was den Fall ja wohl auch in seinen Augen und in denen seiner Zuhörer den Fall noch verschärfte. Sex zwischen Männern wurde in Israel offenbar als Schandtat betrachte, und dies im Gegensatz zu den meisten Kulturen des heidnischen Umfeldes.

Die Autorin des Buches behauptet nun, dass es sich eigentlich nicht um homosexuelle sondern um heterosexuelle Männer gehandelt habe. Diese Unterscheidung mag in verschiedenen Kontexten sinnvoll sein, hier ist sie es nicht, denn in der Bibel spielt es keine Rolle, welche sexuellen Wünsche jemand außerdem hat, denn verboten ist das Verhalten. Die Problematik, ob jemand Sex wirklich wollte oder irgendwie nur temporär wirklich oder eigentlich aus anderen Gründen, ist der Bibel unbekannt.
Die Autorin weist aber zurecht darauf hin, dass diese Stellen ein Beleg dafür sind, dass Homosexualität im AT bekannt war, und zwar nicht nur im Heidentum. Diesen Punkt möchte ich betonen, weil er in den nächsten Abschnitten eine wichtige Rolle spielt.

Anmerkungen zu dem Kapitel „Die mosaischen Unzuchtverbrechen„:

Frau Hinck geht in diesem Kapitel auf die zentralen Verbots-Stellen ein:
3Mo 18,22 Und bei einem Mann sollst du nicht liegen, wie man bei einer Frau liegt: Ein Gräuel ist es.
3Mo 20,13 Und wenn ein Mann bei einem Mann liegt, wie man bei einer Frau liegt, dann haben beide einen Gräuel verübt. Sie müssen getötet werden; ihr Blut ist auf ihnen.

Wie Frau Hinck selbst sagt, sind diese Stellen „auf den ersten Blick“ unmissverständlich. Und um das zu ändern, wendet sie etwas an, dass sich leider als exegetischer Winkelzug bewährt hat, den man gegen praktisch jeden biblischen Text nach Belieben einsetzen kann. Es handelt sich um die Behauptung der kulturellen Bedingtheit. Also der Text, so das Argument, verbiete nicht wirklich Sex zwischen Männern, sondern nur die damaligen Formen von Sex zwischen Männern. Steht dieser Verdacht einmal im Raum, muss man nur noch zeigen, dass sich an der Praxis irgendetwas geändert hat, und hat seine Position erst mal im Trockenen. In diesem Fall weist die Autorin darauf hin, dass es damals die Tempelprostitution gängige Praxis war, bei der auch männliche Tempelbedienstete Sex für Geld anboten. Bei den o.z. Stellen handele es sich daher möglicherweise nur um ein Verbot der Tempelprostitution von Männern.

Diese Form der Auslegung ist natürlich immer eine wackelige Angelegenheit, weil sie mit Einschränkungen (und in diesem kulturgeschichtlich erheblichen und folgeschweren!) rechnet, die nicht genannt werden. Frau Hinck bleibt daher nicht viel mehr, als zu behaupten, dass man ja immerhin nicht sicher sagen könne, dass mehr gemeint sei: „Nicht sicher können wir sagen, ob die mosaischen Verbote überhaupt eine homosexuell-partnerschaftliche Liebesbeziehung im Blick hatten.“
Auf diese Behauptung läuft dieses relativ lange Kapitel hinaus und bringt die Exegese damit letztlich nicht über einen eingestreuten Zweifel hinaus. Und der lässt sich auch noch relativ leicht beseitigen:

Angenommen, jemand verbietet Männern, lange Gewänder zu tragen und hinterlässt in unserem Kulturkreis ein entsprechendes Verbot in schriftlicher Form. Können dann spätere Leser sagen: „Vermutlich hatte er nur katholische Priester im Blick. Und weil er keine Katholiken mochte (was sich zeigen lässt) hatte er auch nur die Verwendung im Kontext des katholischen Gottesdienstes vor Augen.“
So eine Auslegung würde dem Verfasser unterstellen, das Gebot schlichtweg falsch erlassen zu haben. Denn wenn es ihm eigentlich darum ging, die katholische Messe zu verbieten, dann hat er sich völlig vergallopiert: einerseits hätte er die Messe nicht abgeschafft sondern bestenfalls die Form, zweitens hätte er die Menschen zu stark eingeschnürt, weil er keine Ahnung hatte, dass lange Gewänder bei Männern auch in anderen Kulturen getragen werden. Es wäre nur dann denkbar, wenn das Tragen von langen Gewändern so eindeutig und unverbrüchlich mit dem Vollzug einer katholischen Messe zusammengedacht werden konnte, dass das Gewand geradezu stilistisch für die Messe steht und an ihre Stelle tritt. Und selbst dann wäre es eine extrem unwahrscheinliche Auslegung, weil sie ein irreführendes Stilmittel in einem Gesetzeszusammenhang unterstellt. Man wüde eigentlich erwarten, dass dann einfach die Messe selbst verboten wird und nicht die Kleidung. Wenn man jetzt aber noch zeigen kann, dass der Verfasser auch Männer mit langen Gewändern in anderen Kontexten kannte (beispielsweise im Islam), dann fällt dieses Argument völlig in sich zusammen, denn die einzige dürre Möglichkeit der totalen Identifizierung von Gewand und Messe löst sich auf. Denn selbst wenn alle Kontexte, in denen Männer mit langen Gewändern vorkommen, dem Gesetzgeber missfallen, so gibt es doch keinen Grund anzunehmen, die langen Gewänder seien die Ursache allen Übels. In dem Moment, wo bewiesen ist, dass der Urheber dieses Verbotes auch nur ein zweites Beispiel kannte, steht auf jeden Fall fest, dass er ohne weitere Beschränkungen, nicht nur einen bestimmten Fall meinen kann sondern wirklich an das Tragen von Gewändern denkt, unabhängig von dem Kontext, in dem sie getragen werden. Also ein Muslim könnte sich nicht darauf berufen, bei dem Verbot handele es sich nur um ein Verbot der katholischen Messe, aber auch kein Hippie-Priester o.ä..

Im Fall der Homosexualität ist der Fall analog: natürlich gab es die Tempelprostitution. Aber Israel kannte eben auch den Fall der Männer von Sodom und Gomorra – und wie Frau Hinck zu recht anmerkt, vermutlich auch andere Fälle. Allein mit diesem Hinweis fällt die Behauptung, das Verbot von Sex zwischen Männern sei völlig mit der Tempelprostitution zusammengedacht worden. Denn wäre es an diese gebunden, dann wäre es nicht nur grob missverständlich sondern sogar aus menschlicher Perspektive unverständlich grob verallgemeinert, weil die Menschen durchaus Homosexualität außerhalb des Tempelkultes denken konnten.
Zuletzt bleibt die Frage: was hätte das Gebot überhaupt für einen Sinn, wenn Gott Sex zwischen Männern nicht schlimm findet? Geht es eigentlich darum, dass man keine Praktiken aus anderen Kulturen übernehmen darf? Dann hätte Israel aber auch nicht die Gewinnung und Verarbeitung von Eisenerz erlernen dürfen – womit es nämlich recht spät war. Die Kunst hatten andere längst entwickelt. Wenn es aber eigentlich bei dem Verbot um das Verbot von Götzendienst geht, warum wird dies dann nicht einfach – wie an anderen Stellen auch – gesagt? Oder geht es nur um das Verbot, für Sex Geld zu nehmen? Dann hätte man auch das einfach so sagen können, ohne gleich den Sex verbieten zu müssen, z.B. so:
„Eine Geweihte soll es unter den Töchtern Israel nicht geben, und auch einen Geweihten soll es nicht unter den Söhnen Israel geben. Du sollst keinen Hurenlohn und kein Hundegeld in das Haus des HERRN, deines Gottes, bringen für irgendein Gelübde; denn auch diese beiden sind ein Gräuel für den HERRN, deinen Gott.“ (5.Mose 23, 18f)
Nun wird vielleicht jemand einwenden: „Aber das sind doch alles andere Formen als bei uns heute. Hier geht es doch nicht um echte Liebe“. Mag sein, aber wenn Gott etwas gegen Sex ohne Liebe hätte, dann hätte er es eben so gesagt. Und wenn man nun sagt, dass echte und unechte Sexualität eben damals noch kein Thema war, dann kann man auch nicht behaupten, dass das Gebot dies verbietet.

Was soll also mit den Stellen in Lev. verboten werden, wenn nicht wirklich und genau das, was dort beschrieben wird? Jede andere Auslegung unterstellt einen grob fahrlässigen Umgang mit Verboten. Sie unterstellt Gott, dass er eine Situation, an der ihm irgendetwas missfällt, verbietet, indem er willkürlich irgendein Element der Situation verbietet.
Und so geht man nicht mit Gottes Wort um.

Frau Hinck weist nun darauf hin, dass das Verbot nur Männern galt, was nicht zu einem allgemeinen Verbot von Homosexualität passen will, wohl aber zu der Tempelprostitution.
Zunächst passt es auch hierzu nicht, denn es gab selbstverständlich auch weibliche Tempelprostituierte (die „Geweihten“)! Dass hier nur die Männer erwähnt werden, lässt sich recht einfach erklären: es handelt sich hier um ein Gesetz, dass von Menschen angewendet werden muss. Für die Strafe muss also ein klarer Tatbestand vorliegen, und der kann in menschlichen Gerichten nicht auf „homosexuell“ lauten, weil man die Grenzen zur eindeutig homosexuellen Handlung nicht ziehen kann, immerhin gibt es hier auch in christlichen Kulturen erhebliche Unterschiede im Empfinden, was noch toleriert und ab wann es anrüchig wird. Den beschriebenen Akt zwischen Männern konnte man aber einklagen, viele „softere“ Formen eben nicht, auch wenn sie vermutlich durch dieses Verbot ebenfalls geächtet waren. Bis vor wenigen Jahrzehnten war dies übrigens auch noch in Deutschland die Rechtslage. Ein analoges Verbot für Frauen gab es dort m.W. auch hier nicht, und vermutlich aus den selben Gründen.
Interessant ist übrigens die Beobachtung des Verbotes von Sex mit Tieren in 3.Mose 18, 23f:
„Und bei keinem Vieh sollst du liegen, so dass du dich an ihm unrein machst. Und eine Frau soll sich nicht vor ein Vieh hinstellen, damit es sie begattet: Es ist eine schändliche Befleckung.“
Hier ist also auch das Verbot für die Frau formuliert, wobei auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede ausdrücklich eingegangen wird. Einen analogen Fall gab es aus „technischen Gründen“ in lesbischen Beziehungen nicht (also kein Handgriff, den man nicht bei Hebammen oder Ärzten gleichzeitig erlauben müsste). Lesben können sich gegenseitig nicht begatten, und alles was sie können, ist rechtlich schwer handhabbar.
Im NT, als das Gesetz des Mose in Christus erfüllt war und die Gemeinden in heidnischen Staaten lebten, zählte die rechtliche Handhabe zunächst nicht mehr so viel, sondern nur noch die Sünde – unabhängig davon, ob sie vor einem Gericht verhandelt wird oder nicht. Und hier taucht dann folglich auch nicht mehr die formale Beschreibung der Handlung auf („wie man bei einer Frau liegt“) sondern jetzt werden die inneren Regungen (nämlich die „schändlichen Begierden“ aus Röm 1) in den Blick genommen, um die es bei den Verboten eigentlich geht. Aber wer Gottes Gebote ernst genommen hat, wusste, dass der, der den Sex zwischen Männern nicht duldet, auch den Sex in Gedanken zwischen Männern nicht duldet. Und er wusst daher auch, dass er auch an Sex zwischen Frauen die gleichen Einwände haben würde.

Anmerkungen zu dem Kapitel „RÖMER 1,26f. Illustrationen der Abkehr von Gott„:

Bei Röm 1 handelt es sich ebenfalls um eine der prominenten Stellen, mit denen die Ablehnung der Homosexualität im Christentum begründet wird. Frau Hinck versucht auch hier, die genannten Formen von Homosexualität auf die damalige antike Ausprägung zu begrenzen. Dieses Verfahren funktioniert allerdings nicht, weil Paulus die Homosexualität seines heidnischen Umfeldes an einem Maßstab misst, der den Vorwurf der konkreten Situation entzieht. Paulus wirft ihnen nämlich vor, den „natürlichen Verkehr“ verlassen zu haben (V.26). Dieses Problem ist Frau Hinck nicht entgangen und deswegen erklärt sie zu dem Begriff „natürlich“:
„Zu Recht wird darauf hingewiesen, dass ein homosexuell veranlagter Mensch womöglich keinen für ihn natürlichen Verkehr „verlässt“, sondern das beibehält, was seinem Empfinden entspricht (ja, was sogar für ihn das „Natürlichere“ wäre – obwohl dieses Argument sicher an der paulinischen Denkweise vorbeigeht).“

Wenn ich sie richtig verstehe, dann liest sie den Text als einen Vorwurf an die Heiden, gegen ihr sexuelles Empfinden zu handeln. Es gibt demnach ein „natürliches“ Empfinden und daneben die „Begierden“, wobei man an das natürliche Empfinden gebunden ist und den Begierden nicht folgen darf. Da sie allerdings gleich darauf einschränkt, dass „dieses Argument sicher an der paulinischen Denkweise vorbeigeht“, weiß ich nicht, ob es nötig ist, eben dies noch zu zeigen. Leider merkt Frau Hinck nicht, dass an diesem Punkt ihre ganze Auslegung scheitert, denn wenn es ihr nicht gelingt, den „natürlichen Verkehr“ als subjektive Einstellung zu entlarven, trifft der Vorwurf jeden homosexuellen Verkehr, völlig unabhängig von der gesellschaftlichen Form, in der er auftritt. Denn nur wenn „natürlich“ an subjektive Merkmale gebunden ist, kann für eine andere Person auch ein anderer Maßstab gelten. Sobald diese Vorstellung fallen gelassen wird, gibt es keine Ausweichmöglichkeiten mehr.

Und dass es hier tatsächlich um ein objektives Kriterium geht, erkennt man an verschiedenen Merkmalen:
Wenn das persönliche Empfinden der Maßstab wäre, dann würde sich die Sünde allein in Gedanken abspielen. Wenn Paulus aber sagt, dass „Männer mit Männern Schande treiben“ oder „ihre Leiber gegenseitig schänden“ o.ä. dann bezeichnet er das äußere Verhalten und nimmt es allein als Grundlage für sein Urteil.
Außerdem bezieht sich „natürlich“ immer auf den Verkehr und nicht auf die Person. Wenn man „natürlich“ also als „der eigenen Natur entsprechend“ verstehen würde, dann würde man es auch auf die Person beziehen, z.B. indem man sagt „sie haben den FÜR SIE natürlichen Verkehr verlassen“, oder „nicht IHRER Natur gemäß“ o.ä. So aber wird aber das Verhalten selbst als „natürlich“ bzw. „unnatürlich“ (der „natürliche Verkehr“ bzw. „unnatürliche Verkehr“) bezeichnet und qualifiziert es als anthropologische Aussage. Das entspricht im Übrigen auch der üblichen Verwendungsweise des Wortes „Natur“ im Griechischen: hier steht es nie für die subjektiven Anlagen sondern immer für das, was dem Individuum vorausgeht, nämlich entweder seine Zugehörigkeit zur Gattung Mensch oder wenigstens zu seiner Kultur. Schon sprachlich ist dieser individuelle Zuschnitt daher soweit ich sehe ausgeschlossen.

Wer an der Auslegung von Frau Hinck dennoch festhalten möchte, kann sich aber einfach mal die Frage stellen, was der Text dann eigentlich lehrt. Will Paulus Sex verbieten, der nicht den eigenen Empfindungen entspricht? Was macht man dann aber mit der sog. „ehelichen Pflicht“? Will Paulus dann eine Änderung der Lebensverhältnisse verbieten? Nicht im Ernst, oder? Es geht ihm vermutlich auch nicht um das Problem der Sklaverei, die er zu keiner Zeit grundsätzlich in Frage gestellt hat. Und dass es jetzt besonders verwerflich sein soll, dass Sex zwischen Menschen unterschiedlichen Alters vorkommt, ist mir in der Bibel bisher auch nicht aufgefallen. Zumindest, sofern es sich nicht um Kinder handelt, aber Paulus spricht ja ausdrücklich von Männern und keinen Knaben! Natürlich versuchen homosexuelle Ausleger nun die damaligen Formen der Homosexualität besonders grässlich darzustellen, um sich so einen gewissen Abstand zu verschaffen. Aber Paulus spricht doch hier gar nicht von einer besonders grässlichen oder promiskutiv gelebten Sexualität, sondern spricht von der „natürlichen“ Ehe, die diesen Menschen als Vorbild diente. Sie haben ja gerade den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt, d.h. genauso wie der natürliche Verkehr, nur eben verwandelt. Und „Verwandlung“ bedeutet wohl kaum, dass die Sexualität einfach verkommen ist oder grausam gelebt wird. Dann wäre es zwar eine schlechte aber keine grundsätzlich andere, verwandelte Form der Sexualität. Die Formulierungen aus Röm 1 passen schlecht zu dem Vorwurf von sexuellem Missbrauch, den die Auslegung von Frau Hinck nahezulegen scheint. Die passen tatsächlich genau auf die Lebensformen, die sie verteidigen und exegetisch aus der Schusslinie ziehen möchte, nämlich die homosexuelle Partnerschaft.
Es bleibt also die Frage offen: Was rügt Paulus eigentlich an dem Verhalten der Leute, wenn nicht den homosexuellen Sex? Und diese Frage ist wichtig, denn offenbar geht es hier um eine furchtbare Schandtat, an der das Gericht Gottes über eine gottlose Gesellschaft erkannt wird.

Anmerkungen zu dem Kapitel „Die Rolle der Schöpfungsordnung„:

Wenn ich Frau Hinck richtig verstehe, stellt sie die Homosexualität als eine Art sekundäre Ordnung dar. Sie sei zwar eine Folge des Sündenfalls, aber so wie beispielsweise die Erlaubnis, Tiere zu essen, für den Menschen ohne Sünde wählbar.
Mit diesem Punkt ist man relativ schnell fertig, denn wer wollte Gott vorwerfen, er habe gegen seine eigene Ordnung verstoßen? Wenn Gott also irgendwo die homosexuelle Lebensweise neben der heterosexuellen Ehe freigegeben hätte, dann stünde das in seiner Macht und kein Mensch könnte ihn dafür zur Rechenschaft ziehen. Nur: Gott hat die Homosexualität nicht freigegeben sondern ausdrücklich verboten. Der homosexuelle Lebensstil ist also keine nachträgliche von Gott gegebene oder veränderte Ordnung sondern eine von Menschen selbstlegitimierte Ordnung. Und solange Gott seine Ordnungen nicht selbst ändert, hat kein Mensch das Recht dazu. Man kann daher selbstverständlich mit dem Schöpfungsbericht gegen bestimmte Lebensmodelle argumentieren, allein aufgrund der Tatsache, dass keine gegenteilige Ordnung erlassen wurde. Und der Witz ist, dass sogar die Ordnungen Gottes die Schöpfungsordnung nicht außer Kraft setzen, denn wenn Gott beispielsweise den Scheidebrief erlaubt, dann bleibt doch seine eigentliche Absicht bestehen, zwei Menschen für immer aneinander zu binden. Die Ordnung des Scheidebriefes kam nur nachträglich „wegen der Herzenshärtigkeit“ der Menschen, wie Jesus sagt. Und auch die anderen Ordnungen, die Gott nach dem Sündenfall errichtet, zeugen immer noch von seinem Willen, uns und auch Tieren ein Leben ohne Tod zu geben. Aber das betrifft den Fall der Homosexualität nicht, weil Gott hierzu keine spätere Ordnung erlassen hat.

In dem Zusammenhang mit der späteren Schöpfung spricht Frau Hinck auch die Fälle an, die keinem Geschlecht eindeutig zugeordnet werden können, den sog. „Intersexuellen“:

„Wie betet ein solcher Mensch wohl: „Du hast mich gebildet im Mutterleibe, ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin!“ (Ps 139,13f)? Ging er doch aus dem Mutterleib als ein Wesen hervor, dessen Existenz gegen die postulierte Schöpfungsordnung steht, die in Gen 1,27 lautet:“…und Gott schuf sie als Mann und als Frau“ („und sonst nichts!“ wird gern in evangelikalen Kreisen hinzugefügt). Wollen wir einem solchen Menschen als Christen vielleicht sagen: Du darfst dich nicht Geschöpf Gottes nennen, du bist ein Monster?“

Da Christen das eben nicht tun, scheint es noch einen anderen Zugang zu diesem Thema zu geben.
Ich möchte hier mit dem „Preußischen Allgemeinen Landrecht“ von 1794 beginnen, dass zu diesem Thema eine in meinen Augen kluge und biblische Regelung gefunden hat:

„I,1 § 19 Wenn Zwitter geboren werden, so bestimmen die Aeltern, zu
welchem Geschlechte sie erzogen werden.
§ 20 Jedoch steht einem solchen Menschen, nach zurückgelegtem acht-
zehnten Jahre, die Wahl frey, zu welchem Geschlecht er sich halten wolle.
§ 21 Nach dieser Wahl werden seine Rechte künftig beurtheilt.
§ 22 Sind aber Rechte eines Dritten von dem Geschlecht eines ver-
meintlichen Zwitters abhängig, so kann ersterer auf die Untersuchungen
durch Sachverständige antragen.
§ 23 Der Befund der Sachverständigen entscheidet, auch gegen die Wahl
des Zwitters, und seiner Aeltern.“

Diese Reglung wurde erst mit der Einführung des BGB abgeschafft und seit den 50er Jahren werden Säuglinge, deren Geschlecht nicht eindeutig zugeordnet werden kann, regelmäßig operiert, wobei lt. dem Wikipediaartikel hierbei regelmäßig die medizinische Machbarkeit, der ärztliche Ehrgeiz oder der Wunsch der Eltern ausschlaggebend für die Geschlechtszuschreibung ist.
Die Regelung des Preußischen Landrechtes unterscheidet sich von diesem modernen Vorgehen in folgenden Punkten:
1. Es wird anerkannt, dass es Menschen gibt, die kein eindeutig festgelegtes Geschlecht haben.
2. Das Geschlecht kann nicht von außen zugewiesen werden und wird ab dem 18. Lebensjahr frei gewählt
3. Eine Festlegung des Geschlechtes betrifft vor allem Dritte, die einen Anspruch darauf haben zu wissen, ob sie mit eine Mann oder einer Frau zu tun haben. Hierbei weiß ich nicht genau, ob außer bei der Ehe noch an andere Fälle zu denken war. Aber bei der Ehe war es auf jeden Fall notwendig, damit nicht die Frau sich aus einer Laune ihres Partners heraus auf einmal in einer lesbischen Partnerschaft vorfand, die sie nicht eingegangen ist!

Wenn also Gott einem Menschen kein eindeutiges Geschlecht zuweist, dann kann man dies als Mensch auch nicht nachholen. Wenn der Intersexuelle aber an gesellschaftlichen Bezügen teilhaben möchte, die eine geschlechtliche Zuordnung voraussetzen, dann mus er sich für ein Geschlecht entscheiden.
In der Bibel werden an das Geschlecht die Rolle in der Ehe und der Gesellschaft gebunden. Das Geschlecht ist somit Auftrag und Berufung, der der Mensch folgen muss. Interessanterweise wurden Hermaphroditen oder Zwitter in indianischen Kulturen teilweise als Götter oder Schamanen verehrt. Das klingt für westliche Intersexuelle vielleicht verlockend, es zeigt aber, dass auch dort die Intersexuellen gerade nicht in die Gesellschaft integriert waren! Im schlechteren Fall dienten sie als Prostituierte. Die geschlechtliche Zuordnung ist also eine Voraussetzung zur gesellschaftlichen Teilhabe. Wo sie nicht gegeben ist, kann sie frei gewählt werden, denn ich sehe von der Bibel her keinen Grund, zu operieren, solange sie das nicht selbst möchten. Aber um heiraten zu können, und damit ein Sexualleben zu haben, müssen sie sich für ein Geschlecht bzw. eine Rolle entscheiden – eine Operation halte ich auch dann natürlich nicht für zwingend.

Mit Homosexualität hat das alles erst mal nicht viel zu tun, weil Homosexuelle nicht intersexuell sind, sondern sich durchaus als Mann und Frau verstehen, die nur nicht nach ihrer von der Bibel vorgesehenen Rollenzuschreibung leben wollen.

Anmerkungen zu dem Kapitel „Vom rechten Schrift- und Rechtsverständnis bei Jesus

Frau Hinck geht in diesem Kapitel auf die Frage ein, wie man die Bibel lesen muss, was an dieser Stelle etwas erstaunlich ist, weil die entscheidenden der Auslegungen bis hierhin schon alle vorliegen. Man wird den Eindruck nicht los, dass sie ihrer eigenen Auslegung nicht traut und nun versucht, wenigstens einen Notausstieg zu konstruieren. Denn eigentlich gibt sie in diesem Kapitel recht unumwunden zu, dass das Gesetz jede homosexuelle Handlung anklagt und schiebt nun ihr hermeneutisches „Aber das heißt ja noch lange nicht…“ hinterher.

Sie führt Jesu Umgang mit dem Sabbatgebot an, um zu zeigen, dass es gegen den ausdrücklich Buchstabensinn Ausnahmeregelungen gibt. Das Kriterium für die Auslegung, nach dem entschieden werden könne, ob die Auslegung denn nun den Sinn des Gesetzes treffe oder nur der Willkür des Auslegers zu verdanken ist, sei das Liebesgebot.

Und damit hat sie knapp aber sicher daneben getroffen: das Liebesgebot ist nämlich kein Auslegungskriterium für das Gesetz sondern Summe und Ziel des Gesetzes (Gal. 5,14; 1.Tim 1,5, Mt 7,12), und das ist ein großer Unterschied. Oder wer könnte anhand seiner eigenen Liebe zu Gott ableiten, dass wir den Sonntag als Feiertag halten? Oder wie kommt man vom Liebesgebot zu einer Ordnung wie der Ehe oder der Kirche? Wieso sollte sich aus ihm die Regelung des Zehnten im AT ergeben oder die Struktur der ersten Gemeinden? Wieso beinhaltet das Liebesgebot die Gehorsamspflicht gegenüber der Obrigkeit oder lehrt uns das Liebesgebot die richtige Verwendung der Sakramente? Natürlich nicht! Die Liebe wird an keiner Stelle als Formel verwendet, aus der sich alle Gebote Gottes konsequent ableiten ließen. Umgekehrt sind aber alle Gebote Gottes ein Zeugnis seiner Liebe – auch dort, wo sie Gericht und Tod fordern. Und gerade dort, wo Gott das schrecklichste Gericht geübt hat, hat er seine größte Liebe gezeigt. Welcher Mensch hätte über eine Analyse des Begriffes „Liebe“ herausgefunden, dass Jesus am Kreuz für unsere Sünden sterben musste, damit wir errettet werden können?
Wenn Jesus sich also ausdrücklich auf die Barmherzigkeit beruft, tut er dies nicht, um ein Kriterium an bestimmte Gebote (in diesem Fall das Sabbatgebot) heranzutragen, sondern weist auf die Barmherzigkeit Gottes hin, die in den Geboten enthalten ist und dort von frommen Menschen regelmäßig übersehen wird. Im Zusammenhang mit dem Sabbatgebot ist dieser Aspekt ja mit Händen zu greifen: dort (2.Mose 20,8) wollte Gott dem Menschen doch etwas Gutes tun, indem er ihn von seiner Arbeit für einen Tag entband und ausdrücklich auch die Sklaven und sogar das Tier nicht davon ausnahm. Deswegen war es einfach eine schlechte Gesetzesauslegung, die gerade den Ärmsten an diesem Tag sogar das Essen vorenthielt. Sie war vielleicht präzise, aber sie lief dem offensichtlichen Sinn des Gebotes zuwider. Jede gute Gesetzesauslegung muss nämlich nach dem Willen des Gesetzgebers fragen, sonst wird sie nur zur abergläubischen Fummelei. Jesus hat in Mt 12 auch nicht einfach die Anklage der Pharisäer mit dem Hinweis weggetan, das wäre aber lieblos, sondern hat ihnen zunächst einen Präzedenzfall genannt, aus dem sie erkennen konnten, dass sie bei diesem Gebot etwas übersehen hatten, eben die Barmherzigkeit.
So kann man über das Studium des Gesetzes viel über Gottes Liebe zu uns erfahren und darüber, wie er sich unsere Liebe wünscht.
Wenn wir das Gesetz halten würden, wären wir erfüllt von der Liebe zu Gott und den Menschen und deswegen dient die Liebe als ein sicheres Kennzeichen der Gottesfurcht. Man kann aber nicht umgekehrt die eigene Liebe für gegeben hinnehmen und rückwirkend daran das Gesetz Gottes anpassen. Und Frau Hinck hat einen ausgesprochen weiten Liebesbegriff: alles was eine „Einschränkung eines qualitativen Lebensaspektes“ bedeutet oder einem „geglückten Lebensentwurf“ oder der „Lebensfreude“ im Weg stehe, könne nicht mit dem Gesetz übereinstimmen. Und da benötigt sie im Gegensatz zu Jesus keine weiteren Präzedenzfälle und verweist nicht auf Auslegungsregeln (wie z.B. „Also ist es am Sabbat erlaubt, Gutes zu tun“, Mt 12,12).
Mit diesem Zugang zu biblischen Texten wird man wohl kaum zu Auslegungen kommen, die das eigene Gewissen aufschrecken und vor Gottes Gerechtigkeit bloßstellen. Und genau zu diesem Zweck wird doch in der Bibel an die Liebe erinnert, nicht um das Gesetz abzumildern, sondern um unsere Trägheit beim Lesen des Gesetzes zu entlarven. Deswegen passt hier gut, was Calvin in anderem Zusammenhang schreibt:

„Wir sind ja auch zur Heuchelei nur allzu geneigt, und deshalb war wirklich kein Polster nötig, um unser stumpfes Gewissen noch mehr einzuschläfern!“ (Institutio II,8,58)

Wie kann man aber in einem knappen Verbot die Liebe Gottes erkennen? Indem man fragt, welche Positiven Werte geschützt werden. Und die werden in Lev 18,22 direkt mitgenannt, denn indem Gott als Vergleich das „Liegen bei einer Frau“ als das Ursprüngliche darstellt, schützt er es gegen Abweichungen von dieser Ordnung. In dem Vers wird der ursprüngliche Fall, das Liegen bei der Frau, als bekannt und gegeben vorausgesetzt und nun das verboten, was von diesem Fall abweicht, nämlich, dass jetzt Männer anfangen, so bei Männern zu liegen, wie das eigentlich bei einer Frau üblich ist. Und dass diese Ordnung einen hohen Schutz verdient, erkennt man leicht daran, dass Gott seine Verhältnis zu seiner Kirche mit den Begriffen einer Ehe oder Verlobung beschreibt. Sowohl im AT als auch im NT gehört die Kirche Gott an, wie eine Braut dem Bräutigam, sie schmückt sich, sie kann untreu werden (Bild für den Götzendienst) und die Männer sind aufgefordert, ihre Frauen so zu lieben, wie der Christus die Gemeinde (Eph. 5,25ff…). Was Gott sich also als Liebesverhältnis zu seiner Kirche vorstellt, hat er uns in der Ehe veranschaulicht. Und hierbei spielen gerade die geschlechtsbezogenen Unterschiede in der Beziehung die entscheidende Rolle. Es geht nicht allgemein um Liebe zwischen Menschen, sondern um die Hingabe einer Frau an den Mann und die Aufopferung des Mannes für die Frau, die dabei unterschiedliche Rollen einnehmen. Und nur dann spiegeln sie wieder, was Christus für seine Gemeinde getan hat. Wer daneben gleichgeschlechtliche Partnerschaften zulassen möchte, verbietet natürlich nicht die Ehe und wird sie damit auch nicht abschaffen, aber er erklärt die Ehe zwischen Mann und Frau für eine menschliche Institution, die an menschliche Vorlieben aber nicht an Gottes Verheißungen gebunden ist.
Es bleibt ein großes Geheimnis über diesem Bereich, aber schon das, was Gott uns über die Ehe wissen lässt, sollte genügen, um eine Ahnung davon zu bekommen, weshalb er die Ehe mit derartig scharfen Sicherheitsvorkehrungen versieht. Und es sollte deutlich geworden sein, dass dieser Zaun direkt mit seiner Liebe zusammenhängt.

Wenn ich mir die Homepage von „zwischenraum“ ansehe, dann frage ich mich, ob dort nicht zufällig nicht nur im Bereich der Sexualität, sondern auch beim Evangelium viel verloren gegangen ist. Man erfährt dort, also auf einer Homepage, die behauptet, christlich und sogar evangelisch zu sein, weder, was ein Sünder ist, noch, wieso Jesus sterben musste etc…
Stattdessen aber z.B. so etwas:

Wichtig ist, in mir selbst Zuhause zu sein, Innigkeit mit Gott, mit anderen und mit mir selbst zu er-leben. Das erfordert – ebenso wie meine Beziehung zu anderen Menschen und meine Innigkeit mit Gott- Arbeit an einer gesunden Beziehung zu mir selbst.“

Klingt zeitgemäß, hat aber nichts mit Christentum zu tun. Im Christentum gibt es die Erlösung nicht für Menschen, die mit sich selbst im Reinen sind, sondern für Sünder.

2 Gedanken zu „Homosexualität in der Bibel“

  1. Es existiert Homosex natürlich in der bibel, doch lediglich bei den krudesten Heidenvölkern, auf die Gottes richtender Arm so lange zugewartet hat. Bei Gottesmännern gibt es Homosexualität nicht (David und Jonathan waren gute Freunde, doch war es etwas Reines und Lauteres; David war auch nicht „bi“). Wer schreibt eigentlich einmal etwas über Frendschaft zwischen Männern in der Bibel? Ich habe mir das neulich erst überlegt; dies ist gerade heute unendlich wichtig!

  2. Das Thema „Freundschaft“ ist in diesem Zusammenhang wirklich wichtig.
    Bei David und Jonathan ist es zunächst sehr schwer gegen eine homosexuelle Beziehung zu argumentieren, weil die Behauptung sich nicht auf den Text stützt aber dort widerlegt werden soll. Ich will es trotzdem versuchen:
    Sowohl bei David und Jonathan als auch bei Naomi und Ruth handelt es sich um Beziehungen, die gerade gegen alle natürlichen Interessen gehen. Ruth liebte ihre Schwiegermutter, obwohl gerade das Verhältnis zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter oft in natürlichen Bezügen eher kompliziert ist. Bei David und Jonathan erscheint David als junger Held am Hof des Königs und müsste bei dessen Söhnen eine glühende Eifersucht geweckt haben!
    In beiden Fällen handelt es sich um eine Liebe, die gerade alle menschlichen Empfindungen übersteigt, und deswegen ist nicht zufällig in beiden Beziehungen Gott der entscheidende Grund ihrer Beziehung. Wollten die Autoren in diesen Geschichten homosexelle Beziehungen andeuten, dann hätten sie gerade das Gegenteil von ihren Absichten dargestellt. Wären es homosexuelle Beziehungen gewesen, hätte man nicht den Eindruck gehabt, dass es hier um eine besonders geistliche fromme Form der Freundschaft geht, die ja in den Reden der Freunde ausgedrückt wird, sondern um normale Liebesbeziehungen, wie sie eben unter Menschen vorkommen. Wir sollen doch an diesen Geschichten sehen, wie unsere Liebe zu Gott sich in Liebe zu Menschen ausdrücken kann, die Gott fürchten. Und diese Liebe ist offenbar stärker als alle natürlichen Empfindungen. Besonder deutlich wird diese Liebe dort, wo sie gerade außerhalb von natürlichen und fleischlichen Interessen auftritt, also in gleichgeschlechtlichen Beziehungen, ohne gemeinsame Hobbys oder berufliche Ambitionen. Diese Liebe hilft, alle menschlichen Neigungen zu verleugnen und aus Liebe zu und Furcht vor Gott andere Menschen zu lieben, die uns in dieser Liebe zu Gott anstacheln.
    Menschen, welche diese Stelle regelmäßig erotisch auslegen, setzen sie unwillkürlich der Frage aus, ob sie das Kostbare einer unerotischen geistlichen Freundschaft überhaupt kennen.

    Gruß
    Moorwackler

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