Grüne Toleranz

Die katholische deutsche Bischofskonferenz hat sich vor Kurzem für den Bau von Moscheen „mit Maß“ ausgesprochen. Ma hört das Zähneknirschen zwar deutlich heraus, wo offen nur von den Ängsten der Bewohner, aber nicht von den eigenen gesprochen wird, aber man sollte dieses Bekenntnis nicht zu niedrig hängen: hier stellt sich eine Religionsgemeinschaft offen dazu, anderen Religionen den benötigten Raum zu geben. Wo hat es das schon mal gegeben?

Diese Anmerkung erscheint mir dringend notwendig, denn die Erklärung der deutschen Bischöfe wird sonst eher als längst überfällig belächelt, und dafür gibt es keinen Grund. Denn gerade die Befürworter eines „Fahrplans“ für die Gleichstellung des Islam, also die Grünen und andere Linke, fordern gleichzeitig die Anpassung an eine „Leitkultur“! Ja, Sie haben richtig gelesen. Volker Beck schreibt auf seiner Homepage über Integration u.a.:

„Der Begriff Leitkultur, wurde ursprünglich von Bassam Tibi in die politikwissenschaftliche Debatte eingeführt, um einen gesellschaftlichen Wertekonsens zu beschreiben („Die Werte für die erwünschte Leitkultur müssen der kulturellen Moderne entspringen, und sie heißen: Demokratie, Laizismus, Aufklärung, Menschenrechte und Zivilgesellschaft.“, vgl. Europa ohne Identität, 1998, S. 154). Er wurde vor allem von Friedrich Merz politisch auf die nationale Ebene verengt. Bündnis 90/Die Grünen haben diese „Leitkultur“ immer kritisiert: Zu Recht.“

Klar, weil die eine Leitkultur grün und die andere christlich ist. Beck rühmt sich jetzt damit, nicht die christliche, sondern die grüne Leitkultur zu fordern. Er versucht die christliche Version als „nationale Verengung“ abzukapseln, wobei er natürlich auch weiß, dass das Christentum eben nicht nur in Deutschland eine lange Geschichte hat. Möglicherweise hat er da selbst etwas national verengt. Es gibt keine objektiven Gründe, sich für die eine und gegen die andere Leitkultur zu stellen. Dieses Verfahren ist unehrlich und grenzt an Diffamierung.

Deswegen hat er auch grundsätzlich nichts gegen ein Bekenntnis von Einwanderern zur Verfassung, weil es „im Grunde richtig ist, die Bedeutung von Demokratie, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung der Geschlechter und Toleranz gegenüber Homosexuellen als Werte hervorzuheben.“
Hat er wirklich nicht gemerkt, dass es sich hierbei um einen grünen Zuschnitt handelt? Als Christ liebe ich zwar beispielsweise Demokratie, halte aber Homosexualität für eine furchtbare Sünde, die ein Staat auf keinen Fall dulden darf. Und die Gleichberechtigung der Geschlechter ist im Christentum nur soweit erwünscht und denkbar, wie sie nicht an der patriarchalen Grundordnung rührt, die im Christentum eben unverzichtbar ist.

Die Grünen haben also nur dann nichts gegen Multikulturalismus, solange er sich unter grüner Hoheit verwirklicht. Und so eine „Toleranz“ ist wohl keine Kunst, oder? In vielen christlichen Kirchen gibt es entweder eine Bekenntnisgrundlage oder wenigstens das allgemeine Bekenntnis zur Heiligen Schrift, wodurch ebenfalls ein Rahmen für sehr verschiedene Gottesdienstkulturen abgesteckt wird. Nur haben Christen das nicht im großen Stil als besonders tolerant hervorgehoben. Es gehörte eher zum Alltag einer weltweiten Kirche, sich mit der Frage auseinander zu setzen, wie man das Evangelium in unterschiedlichen Kulturen lebt. Wobei Christen hier natürlich viele Fehler gemacht haben und vermutlich noch machen.
Toleranz ist aber eher dort interessant, wo man zusammen leben kann, obwohl es keine gemeinsamen weltanschaulichen Grundlagen gibt. Also Christen und Muslime können tolerant sein, indem sie sich nicht gegenseitig mit Gewalt überziehen. Innerhalb einer Kirche oder Moschee würde man nicht unbedingt von Toleranz reden, wenn die Menschen dort miteinander auskommen. Ebenso ist es recht billig, tolerant im Rahmen des eigenen Parteiprogrammes zu fordern.
Die Bischöfe sind also trotz allen Spotts toleranter als die Grünen, die sich nur für die Muslime einsetzen, die den grün-bürgerlichen Rahmen teilen. Denn dieser Rahmen ist erheblich enger als die Forderung der Bischöfe, den Bau „mit Maß“ zu betreiben. Dadurch wird ledliglich ein äußerlicher Rahmen zugeschnitten – auch wenn ich von dem Sinn dieser Formulierung nicht überzeugt bin. Die Grünen fordern nicht weniger als den Umbau der muslimischen Gemeinde von einer derzeit faktisch partriarchalen zu einer modernen linken Gesellschaft.
Besonders nervig empfinde ich es, dass die Grünen für ihr Weltbild mittlerweile so blind zu sein scheinen, dass sie ihre Forderungen an die Menschheit als selbstverständlich und unhinterfragbar hinstellen und vermutlich wirklich so sehen – vermutlich würden sie am liebsten ihr ganzes Parteiprogramm im Grundgesetz aufnehmen lassen – und andere Positionen nur noch mit Borniertheit erklären können. Dass ihnen dieses Verhalten nicht als intolerant ausegelgt wird, liegt daran, dass sie bislang unhinterfragt die Deutungshoheit über den Begriff innehaben.
Aber das kann sich ja ändern…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.