Die Bankenkrise und die Stunde der unerhörten Propheten

Ich habe die Bankenkrise nur aus dem letzten Augenwinkel verfolgt aber bisher wenig Überraschendes gehört. Vermutlich sehen alle darin ihre üblichen Verdächtigungen bestätigt: Soziologie-Studenten und Journalisten sehen darin die Folge des freien Marktes, Feministinnen halten es vermutlich für ein Problem, das typischerweise durch Männer verursacht wird, Muslime sehen darin wahrscheinlich eine weiteren Beweis für den korrupten Westen, Christen sehen vielleicht das Ende der Zeit kommen oder verweisen auf den Werteverfall in unserer Gesellschaft, psychologisch interessierte Zeitgenossen könnten die Ursachen in der Kindheit der Bankdirektoren vermuten und es für das Problem einer ganzen Generation halten und vermutlich können auch manche Volkswirte zeigen, dass der Crash in einem wirklich freien Markt nicht hätte stattfinden können.
Kurz: alle dürften sich z.Zt. bestätigt fühlen.

Geht man die einzelnen Erklärungen durch und streicht alle heraus, die keine Chande auf allgemeine Akzeptanz hat, dann bleibt in Deutschland nur der Ansatz der Soziologie-Studenten und Journalisten. Die These, dass Aufsichtsräte unmoralisch handeln, erhält immerhin den Trostpreis, dass man darüber spricht, denn Top-Manager und Bankdirektoren sind die einzigen Menschen in Deutschland über deren Moral man sich Gedanken machen darf, ohne dass es prüde wirkt. Ohne, dass ich also etwas von Volkswirtschaft verstehe, kann ich also mit Sicherheit sagen, dass der Vorschlag, den freien Markt für die Banken einzuschränken sich in Deutschland durchsetzen wird. Das heißt nicht, dass die anderen Meinungen nicht alle gesagt werden könnten, aber die Frage, welcher Ansatz am besten trifft, ist für das Ergebnis unerheblich, solange die Stimmung in der Bevölkerung nur einen zulässt. Die Menschen bringen dem Staat als letzter Zuflucht ein unglaubliches Vertrauen entgegen.
Dabei habe selbst ich mehr Geld als der Staat 🙂 (wenn man die Staatsschulden mitberücksichtigt). Der Staat kann also nicht mit Geld für irgendetwas garantieren sondern nur mit dem Geld, das er von Banken leihen kann. Wenn Banken aber kein Geld zu verleihen haben, oder ihnen irgendwann dämmert, dass sie ihr Geld, dass sie dem Staat leihen, natürlich nie wiedersehen werden, kann der Staat nur den Bankrott erklären, so wie es in Island um ein Haar passiert wäre.
Wenn man dem Staat mehr Eingriffsmöglichkeiten zubilligt, müsste man davon ausgehen, dass der Staat etwas vom Wirtschaften versteht oder dass er moralischer ist. Die Banken haben m.W. alle Kontrollorgane des Aufsichtsrates. Aber wenn die nutzlos werden, ist das auch mit jeder staatlichen Aufsicht so.
Trotzdem werden jetzt vermutlich unzählige hochbezahlte Stellen geschaffen, über die eine weiter Kontrollinstanz eingerichtet wird und alle werden das Gefühl haben, jetzt eine wirklich vernünftige Entscheidung getroffen zu haben. Beim nächsten Kollaps kann man ja das Ganze wiederholen.
Aber wie weit soll man eigentlich das Misstrauen institutionalisieren? Wenn eine Gesellschaft immer skrupellos wird (gilt nicht nur für Wirtschafts-Bosse, auch wenn man über die bequem klagen kann), gibt es auch niemanden mehr, der hier sinnvoll die anderen kontrollieren kann. Was auf der einen Seite Eitelkeit und Gier bewirken, schafft auf der anderen die Korruptheit. Staatliche Aufsichtsbehörden sind vielleicht weniger anfällig als beispielsweise Journalisten, die ja auch in freien, wirtschaftlich arbeitenden Unternehmen arbeiten und völlig mit der Wirtschaft verwoben und von ihr abhängig sind. Aber hier geht es auch um extrem viel Geld. Und da kann es auch für einen gut bezahlten Beamten schon mal interessant werden, sich gefällig zu zeigen.
Der Satz „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ ist daher ziemlich naiv. Er klingt zwar realistisch, verschließt aber die Augen vor der Tatsache, dass jede Kontrolle, die von Menschen ausgeübt wird, einen Vertrauensvorschuss einfordert. Und ich werde nicht müde darauf hinzuweisen, das gerade die Staaten, die sich die totale Kontrolle über die Wirtschaft (und vieles mehr) zur Aufgabe gemacht haben, dieses Vertrauen bis zum Letzten verspielt haben.

Niemand wird etwas daran ändern können, dass Geld manchmal einfach verschwindet.

„Wenn du zu Tische sitzt mit einem hohen Herrn, so bedenke wohl, was du vor dir hast, und setze ein Messer an deine Kehle, wenn du gierig bist; wünsche dir nichts von seinen feinen Speisen; denn es ist trügerisches Brot. Bemühe dich nicht, reich zu werden; da spare deine Klugheit! Du richtest deine Augen auf Reichtum und er ist nicht mehr da; denn er macht sich Flügel wie ein Adler und fliegt gen Himmel.“
(Spr. 23,1-5)

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