Der Turmbau zu Babel

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel steht in Genesis 11. Sie taucht zwar in fast jeder größeren Kinderbibel auf, wird jenseits des 7. Lebensjahres aber weder von Christen noch von Nicht-Christen viel beachtet . Dabei berichtet die Geschichte von einer hochinteressanten Phase, einer sehr frühen menschlichen Gesellschaft. Die Situation, in der sich die Menschen befanden, war überaus heikel:
Die Gruppe wuchs und begann, unübersichtlich zu werden. Vermutlich bildete sich schon auf einer sehr frühen Stufe so etwas wie Lokalpatriotismus, die Leute aus der Sippe X konnten die aus der Sippe Y nicht leiden, die Bauern hatten Vorbehalte gegenüber den Handwerkern und die Viehhirten gegenüber den Ackerbauern, die Sesshaften gegenüber denen, die eigentlich lieber weiterziehen wollten…
Bis zu diesem Zeitpunkt lebten alle in einer großen und immer größer werdenden Gruppe, aber nun wurde die Frage virulent, wie man den Zusammenhalt der Gemeinschaft sichern können würde. Denn, dass die Notwendigkeit bestand, haben die damaligen Oberhäupter offenbar so gesehen. Und man kann sich leicht vorstellen, welche Sorgen sie mit der Vorstellung eines Auseinanderbrechens der Gemeinschaft verbanden: wenn die Sippen nicht mehr zusammen halten würden, wären sie in kürzester Zeit befeindet. Diese Erfahrung dürften sie zu diesem Zeitpunkt schon gemacht haben. Die Menschen befanden sich außerhalb der Gemeinschaft im rechtsfreien Raum und ahnten wohl instinktiv, dass sie einander zum Wolf werden würden – zumindest außerhalb des Rudels.

Woher kam dieses ängstliche Zusammenglucken? Hatte Gott den Menschen im Paradies nicht aufgetragen, die ganze Erde zu bevölkern? Was für eine Vision stand da noch vor dem ersten Paar, die ganze Welt lag offen vor ihnen mit ihren Schätzen und Schönheiten und Herausforderungen. Und nun, nachdem die Menschen sich von Gott losgesagt hatten, klebten sie vor Angst aneinander fest, nicht wie Freunde sondern wie Boxer, die sich umklammern, um nicht geschlagen zu werden. Die Freiheit, die sie sich Gott gegenüber herausgenommen hatte, wurde ihnen bei den anderen auf einmal unheimlich. Erst entdeckten sie die Scham, dann die Panik.
Offenbar genügten vernünftige Gründe für eine gesellschaftssichernde Ethik nicht. Die ganzen Überlegungen zum Gesellschaftsvertrag, wie sie in der Neuzeit viel später erdacht wurden, funktionierten nicht! Eine Gesellschaft ist nicht stabil, wenn das einzige Verbindende die Angst vor der Anarchie ist. Denn es ist ja nicht klar, wer zu welcher Gesellschaft gehört. Zu schnell bilden sich Sub-Gruppen, die an die Macht drängen und die Vorherrschaft beanspruchen oder sich absetzen. Denn die banalen praktischen Sorgen des Alltags, mit denen man vielleicht allgemein für eine menschliche Gesellschaft argumentieren könnte, können von größeren Sorgen und Interessen überboten werden: der Minimalkonsens einer sicheren Gesellschaft kann von einzelnen Gruppen in Frage gestellt werden, die andere Gesellschaftsordnungen im Sinn haben und bereit sind, dafür zu kämpfen. Das beliebte Argument in der Ethik, dass ohne gewisse Regeln eine Gesellschaft nicht funktionieren würde, setzt ja voraus, dass alle an dieser Gesellschaft ein Interesse haben und eben keine ganz andere im Sinn haben!

Wie ging es in „Babel“ weiter? Die Menschen dieser frühen Gesellschaft sahen also das Problem und planten deswegen den Bau einer festen Stadt, die ein besonderes Wahrzeichen erhalten sollte, nämlich eben jenen berühmten Turm von „Babel“, wie man die Stadt später nannte. Das Ziel war es, ausdrücklich zu verhindern, dass sie sich über die „ganze Fläche der Erde zerstreuen“ indem sie sich mit diesen Bauten einen Namen machten.
Die Lösung bestand also darin, den Menschen etwas Großes zu geben, das ihnen gemeinsam war und alle Egoismen und Rivalitäten überbrücken könnte. Es war die Vision einer friedlichen sicheren Welt ohne Streit und Krieg, eine Welt in der alle Menschen im Zweifelsfall auf ihre Mitte sehen und den unfassbar hohen Turm bestaunen konnten, der sie daran erinnerte, dass sie alle zu etwas Großem gehörten, etwas, das wichtiger war als sie und ihre alltäglichen Bedürfnisse.
Gleichzeitig war der Plan von Turm und Stadt unabhängig von Gott. Niemand musste an Gott glauben, um von diesem großen Projekt begeistert zu sein. Der Turm war für alle sichtbar, im Gegensatz zu Gott. Es war ein vernünftiges und modernes Projekt, und wie alle modernen Projekte absolut gottlos.
Und weil Gott den Mensch für die Gemeinschaft mit sich geschaffen hat, war der Plan dann doch nicht ganz so vernünftig, denn er enthielt das stille Zugeständnis an die Sehnsucht der Menschen nach Gott – auch wenn sie ihn noch nie gesehen haben. Der Turm und die Stadt sollten nicht eine zentrale Schaltstelle werden – zumindest war das nicht das erklärte Ziel – sondern sie sollte religiöse Bedürfnisse der Verehrung wecken. Alle sollten, egal über welche Fläche sie sich zerstreuen, mit ihren Gedanken und mit ihrem Herzen im Zentrum der Gesellschaft verwurzelt sein. Der Turm sollte das Größte sein, was sie denken können. Nicht nur, weil er hoch ist, sondern auch, weil er und die Stadt aus gebrannten Ziegeln gebaut wurden. Das war im Altertum etwas, das man nur ganz besonderen Bauten vorbehalten hat, die extrem lange und dem Gefühl nach ewig halten sollten. Der Turm sollte nicht einfach hoch sein, sondern bis in den Himmel ragen! Dort oben, wo die Menschen immer im Geist blickten, wenn sie Gott suchten, dort oben wollte man ein menschliches Bauwerk errichten, dass die Gedanken der Menschen nicht auf Gott, sondern auf die gewaltige Größe und die erstaunlichen Bauleistung dieser frühen Kultur lenken sollte. Weder Turm oder Stadt schienen einen besonderen Nutzen zu haben, und doch schien beides geeignet zu sein, den Menschen ein gemeinsames Objekt der Verehrung und der Welt gleichsam eine Mitte zu geben.
Das Projekt zeigt ein paar Merkmale, die bis heute als Zeichen der Vermassung angesehen werden können: Die Menschen streben in das räumliche Zentrum, d.h. sie wollen zusammen wohnen. Es entstehen Metropolen und alle, die nicht im Zentrum wohnen, haben das Gefühl, etwas zu verpassen. Es entsteht ein einheitliches Bild mit regelmäßigen Straßen, ähnlichen aufeinander abgestimmten Bauwerken, die das Gefühl von Größe durch Harmonie geben, die Autos sehen alle gleich und grau aus. Die Architektur wird kalt und unpersönlich.
Daneben gibt es einen Drang zum inneren Zentrum, also zu Berufen, die eng mit der Mitte zusammen hängen. Damals waren das die Bauleute, die vermutlich freiwillig für dieses Mammut-Projekt rekrutiert wurden. Heute sind es eher Berufe, die mit Medien zu tun haben oder spezielle der Journalismus, der junge Leute reizt. Wenn man sich schon einförmig benehmen und wie alle anderen denken muss, will man wenigstens zu denen gehören, die den Takt angeben. Gerade die Unklarheit des Berufsbildes „irgendwas mit Medien“ zeigt, dass diese Berufswahl nichts mit Fähigkeiten und Interessen sondern mit gesellschaftlichen Stimmungen zu tun hat.

In Babel kam aber alles ganz anders als geplant. Für die Menschen damals sicher eine große Enttäuschung und Verunsicherung. Hätte das nicht schön werden können? Wären die Kriege nicht vermieden worden, wenn die ganze Welt in diesen Monaten ihr weltliches Zentrum und ihre gemeinsame Sprache behalten hätte? Wieso hat Gott dieses Werk zerstört?

Die Begründung, die Gott selbst gibt, lautet schlicht: „dies ist erst der Anfang ihre Tuns. Jetzt wird ihnen nichts unmöglich sein.“ (V.6)
Nicht ohne Ironie bemerkt der Text, dass Gott „herabsteigen“ musste, um sich diese Werk vermeintlicher menschlicher Größe anzusehen. Die Anerkennung für die große Bauleistung der Menschen liest man daher von vornherein ohne positiven Beiklang. Ja, Gott sieht hier etwas Großes aus der Sicht der Menschen, und er sieht, dass dies nur der Anfang des menschlichen Strebens nach Größe sein wird. Aber so, wie er es sagt, klingt es eher nach einem Seufzen: „Jetzt wird ihnen nichts unmöglich sein“. Gott sieht in dem, was die Menschen damals bejubelten, nichts als kommendes Elend und furchtbarste Schrecken, denen er an diesem Tage wenigstens etwas den Riegel vorschob.
Indem Gott die Sprachen verwirrte, hat er nicht nur der Großmannssucht ein Ende gesetzt, er hat die Menschen auch furchtbar bloßgestellt: wie konnte ein so großartiges Unterfangen einfach beendet werden, nur weil es auf einmal Sprachgrenzen gab? Gott hat nicht alles mit einem Erdbeben zerstört, sondern einfach die Sprachen verwirrt. Jetzt war es für alle ersichtlich, wie wenig belastbar das volltönende Gefasel von der menschlichen Einheit war. Offensichtlich stand das ganze Projekt von vornherein auf tönernen Füßen. Der Egoismus und die Feindseligkeit der Menschen wären ohnehin nie überspielt worden. Die Menschen waren hoffnungslos blamiert, und zwar durch ihre eigene Bosheit, die Gott an diesem Tag ans Licht brachte. Die Stadt und ihr Turm sind ein Spott geworden. Die Menschen haben sich einen Namen gemacht, aber indem sie sich für alle Zeiten lächerlich gemacht haben.

Was Gott langfristig verhindert hat, können wir nach mehreren Diktaturen und mehreren Jahrtausenden Menschheitsgeschichte einigermaßen klar sehen. Jede Gesellschaft, die ihr Zentrum nicht in Gott hat, wird langfristig zur Diktatur. Wenn das Zentrum einer Gesellschaft nämlich von Menschen verfügbar ist (das gilt ebenso für Ideen wie für Bauten oder religiöse Fantasien etc…), werden Menschen es benutzen, um über andere zu herrschen. Ein gottloses Zentrum liefert die Bürger dem hemmungslosen Machtstreben der Führung aus, weil es über den Verwaltern des Zentrums nichts gibt. Auch Ideen werden verwaltet und es sind ganz konkrete Individuen, die darüber wachen, ob alle den Ideen gehorsam sind. Denn für jede Idee gibt es Profis, denen ihr Wissensvorsprung ein großes Maß an Macht beschert. Da aber kein Mensch wirklich die Herzen von Menschen regieren kann, müssen alle Versuche einer Kontrolle über Gesetze und Bekenntnisse laufen. Das ist ein sehr schwacher Versuch, und jeder Herrscher muss dies intuitiv spüren und in seiner Hilflosigkeit immer mehr Kontrollen und Verbote einrichten. Da das einzige Gefühl, dass man mit Macht und Geld einigermaßen sicher bei anderen wecken kann, die Angst ist, regieren sie durch Drohen und Grausamkeit. Eine andere Möglichkeit hat ein Herrscher nicht, der sich zum Herrscher der Herzen aufspielt.

Bauwerke lassen sich etwas einfacher beschützen, z.B. vor Leuten, die an den Turm pinkeln. Allerdings ist es extrem teuer, solche Prunkbauten zu errichten. Deshalb sind atheistische Staaten immer eine teure Angelegenheit, weil sie religiöse Bedürfnisse der Verehrung mit menschlichen Mitteln einigermaßen befriedigen müssen.

Frieden gibt es dann nur unter einer gemeinsamen Regierung. Deswegen gibt es in solchen Ländern grundsätzlich keine Skrupel, Krieg gegen andere Länder zu führen. Im Gegenteil, es gibt sogar einen starken Drang zur Gebietserweiterung, weil die gesuchte Einheit innerhalb der Gesellschaft ja auch außerhalb auf Staatenebene erstrebt wird und auf dem gleichen Weg verwirklicht werden soll. Darum muss man andere Staaten der eigenen Regierung einverleiben, um auf diesem Wege immer mehr Menschen um ein gemeinsames Kultzentrum zu versammeln.

Dieses Zentrum erfüllt seine Aufgabe aber nur, wenn es als solches allgemein anerkannt wird. Jede Gesellschaft muss eine intuitive Funktion der Tabuisierung besitzen, mit der sie ihr Zentrum schützen kann. Für Außenstehende müssen die drakonischen Maßnahmen gegenübern Tabu-Verletzern unverhältnismäßig erscheinen. Für Mitglieder einer Gesellschaft erscheint die Tabu-Verletzung als Bedrohung.
Wir erleben so eine allergische Überreaktion derzeit im Kampf gegen einen christlichen Kongress in Marburg, den diverse Gruppen mit aller Gewalt verhindern wollen, weil dort Redner auftreten, die Sex zwischen Menschen des gleichen Geschlechts für eine Sünde betrachten und Menschen mit homosexuellen Empfindungen therapeutisch helfen möchten. Das ist objektiv weder eine Aufforderung zur Gewalt, noch ein Appell zum Hassen (sonst müssten Christen ja jeden Sünder hassen, das wäre einfach viel zu anstrengend und irgendwie auch nicht typisch christlich, nicht zuletzt, weil Christen selbst Sünder sind und sich auch als solche verstehen …).
Trotzdem hat dieser Kongress zu einem maximalen Aufgebot an organisierter Empörung geführt, die in der Ankündigung gipfelt, den Kongress auf jeden Fall verhindern zu werden. Das ist tatsächlich ein Aufruf zur Gewalt, die man nur verstehen kann, wenn man weiß, was Tabus sind. Hierzu muss ich etwas ausholen:
Im Zuge der Entwicklung einer europäischen Union und vor allem ihrer Erweiterung drängte sich immer mehr die Frage auf, was denn Europa eigentlich noch inhaltlich ausmacht. Man wollte keinen „Christenclub“ und hat aber doch nach dem Turm gesucht, der den Laden zusammenhält und von dem aus man eine feste Basis hat, um die ganze Welt unter die gemeinsamen Ideen zu bringen. Denn Ideen, die eine Gesellschaft zusammen halten, treten immer mit dem Anspruch auf, auch für alle anderen Kulturen gültig zu sein. Andernfalls würde das Tabu angetastet und Fragen zugelassen, die eine Gesellschaft sich nicht leisten kann. Dabei musste man verschiedene Bedingungen mit dem neuen Zentrum erfüllen: der Turm musste aus Ideen bestehen, weil ein Bauwerk als religiöses Zentrum in einer alten christlichen Kultur als Aberglaube angesehen würde. Er durfte nicht den Anschein erwecken, als sei es eine neue Religion neben allen anderen in Europa und der ganzen Welt vorkommenden Religionen, und er musste so allgemein formuliert sein, dass er nicht offensichtlich anderen Religionen oder Weltanschauungen widerspricht, damit er mit dem Anspruch auftreten kann, von allen akzeptiert zu werden. Diesen Turm hat man in den Begriffen „Toleranz“, „Antidiskriminierung“ und „Freiheit“ gefunden. Diese Begriffe enthalten einen eher schwachen denotativen Anteil aber dafür einen ziemlich klar umrissenen politisch entwickelten konnotativen Anteil. Diese Kombination erlaubte es, leicht Zustimmung einzufahren und die durch die Hintertür die erwünschten politischen Inhalte als allgemein akzeptiert darzustellen. Das Tückische bei diesen Begriffen ist nun, dass beide Anteile sich derart widersprechen, dass Bevölkerungsgruppen wie z.B. Christen (aber m.W. auch Muslime und Buddhisten) dem denotativen Teil zustimmen würden, während sie die politischen Konnotationen in bestimmten Teilen ablehnen. Den Anspruch der Allgemeingültigkeit kann der neue Turm also nicht einlösen. Aber es liegt im Wesen eines gesellschaftlichen Machtzentrums, dass es nicht um freiwillige Anerkennung sondern um einen Machtanspruch geht: das Zentrum soll ja nicht zufällig niemanden stören, sondern muss von allen als verbindlich anerkannt und damit auch über die eigene Religion gestellt werden. Das ist der Grund, weshalb in den letzten Jahren so ein Wind um das Thema „Homosexualität“ gemacht wurde, obwohl Christen weder dafür bekannt sind, dass sie gewalttätig gegen Homosexuelle vorgehen, noch dass sie zur Gewalt aufrufen. Die Homosexualität gilt in der Bibel als schwere Sünde. Wenn Christen bereit sind, die Kröte der Anerkennung eines homosexuellen Lebensstils zu schlucken, haben sie für die Regierung hinreichend bekannt, dass sie den angebauten Turm über das Wort Gottes stellen. Und mehr braucht man nicht. Jeder kann glauben was er will, wenn er den Turm nicht antastet. Nur dann kann er zu einem Zentrum der Gesellschaft werden und bietet den Mitgliedern das Gefühl des Zusammenhaltes – aber auch der Überlegenheit über andere Kulturen, die sich dem Turm noch nicht angeschlossen haben.

Was ist die Alternative? Haben es christliche Länder nicht genau so gemacht? Auch sie haben doch christliche Inhalte staatlich geschützt und so das Zentrum der Gesellschaft gesichert. Auch sie haben die ganze Welt missionierend durchzogen und versucht, andere Kulturen dem eigenen Zentrum einzuverleiben.
Und doch gibt es grundsätzliche Unterschiede zwischen einer christlichen Gesellschaft und einer atheistischen, die dafür sorgen, dass die Alternative zum Krieg aller gegen alle nicht die Vermassung und Diktatur ist. Christliche Gesellschaften haben – bei allen Verbrechen, die auch in ihnen und durch sie verübt wurden – mehrere große Vorteile:

Der Glaube bietet neben der äußeren Schranke der Gesetze eine wichtige innere Schranke, die eine Vorsortierung ermöglicht. D.h. in einer christlichen Gesellschaft bildet das Gewissen eine Schranke, die den Ansturm auf Gesetzeslücken etwas abmildert. Gerade menschliche Gemeinheiten, die sich gesetzlich gar nicht operationalisieren lassen, aber zu einem erheblichen Maß Aggressionen und Gewalt fördern, können nur im Gewissen bekämpft werden. Auf diese Weise wird die totale Kontrolle der Bürger überflüssig und es sind mehr Freiheiten möglich. Ein Muslim hat mal gesagt, dass er nicht verstehen kann, wie eine so freie Gesellschaft wie Amerika funktionieren kann, ohne dass es ständig überall nur Gewalt gibt…
Zweitens sind christliche Gesellschaften stabiler, weil ihr Zentrum nicht durch Menschen zerstört werden kann. Gegen jede Regierung, gegen jedes Gebäude kann man vorgehen, aber nicht gegen das Kreuz, das im Zentrum unseres Glaubens steht. Sie überstehen auch Regierungswechsel und ideologische Abwege ihrer Regierung.
Sie sind auch stabiler, weil der Glaube durch Gott selbst gewirkt und am Leben erhalten wird, während Ideologien ständig verbreitet und mit Gewalt durchgesetzt werden müssen und so mit ihrer Verbreitung immer gleichzeitig den Widerstand nähren.
Drittens sind christliche Gesellschaften entspannter im Umgang mit anderen Kulturen, weil das Zentrum international ist und nicht an der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Regierung hängt. Das mag erstaunlich klingen, weil heute jeder mit dem Christentum nur Kriege verbindet. Aber faktisch ist die Erforschung anderer Kulturen ebenso wie die modernen Freiheitsrechte im christlichen Europa entstanden. Für die roten und grünen Parteien unserer Parteienlandschaft gehört es selbstverständlich zum guten Ton, für alles immer gleich internationale Regelungen zu finden. Entwicklungshilfe bedeutet für sie, in der Dritten Welt eine westliche matriarchale Gesellschaft auf Gesetzesebene durchzusetzen (sonst werden Zahlungen gestrichen). Kriege dürfen nur unter internationalen Gesetzen geführt werden und so weiter… Als Christ ist die Gemeinschaft der Völker nicht auf politischer Ebene, sondern auf religiöser Ebene zu erreichen und geschieht heute faktisch durch eine rapide und friedliche, zwanglose (!) Ausweitung des Christentums in der ganzen Welt.
Der Hauptgrund für die Entstehung einer relativ freien Gesellschaft auf christlichem Boden dürfte also zusammenfassend in der Ebene zwischen Individuum und Politik liegen. Dort wird ein Teil der Lenkungsarbeit der Politik vorweggenommen, ohne dass hier schon die Sanktions-Mittel des Staates zur Verfügung stehen. Auf diese Weise wird die Zwischenebene „von oben“ gesichert. Sie wird aber durch einen einigartigen Umstand auch „von unten“ gesichert: durch die Verbreitung der Heiligen Schrift, der Bibel in der jeweiligen Muttersprache der Bürger. Auf diese Weise wird eine Verschmelzung von religiösem und politischem Machtbereich verhindert denn der Gläubige erhält die Autorität, Kirche zu kritisieren – sofern er sich dabei auf die Bibel stützen kann. Und noch wichtiger ist die persönliche Beziehung des Einzelnen zu Gott, die durch das Wort ermöglicht ist. Weil Gott zu den Menschen gesprochen hat, können sie von ihm wissen und seinen Heilsweg für sie erkennen.

Gott hat dem Menschen ermutigend die ganze Welt als Ausbreitungsraum zu nutzen. Zu diesem Zeitpunkt dachten die ersten Menschen nicht an Kriege und sahen keine Gefahr im Zerstreutwerden über die Fläche der ganzen Erde. Von dieser Entspanntheit kann eine christliche Gesellschaft sich immerhin einen kleinen Teil bewahren. Christen können ein Bollwerk gegen die Vermassung sein, die immer eine Vorstufe der Diktatur ist.

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