Vorzeichen des Umschlags

Die Ermordung der zwei deutschen Baptistinnen und das noch ungeklärte Schicksal der mit ihnen entführten fünfköpfigen Familie aus Sachsen sind für nicht wenige Teile der Medien ein willkommener Anlass zum Angriff auf Mission im Allgemeinen und evangelikale Missionare im Speziellen.

Mediale Streiflichter:

„Auch zu viel Christenliebe macht blind … Die evangelikalen Weltbeglücker einer Missions- und Agitationsstation (als Hilfseinrichtung getarnt) haben die Entsendung organisiert. Sie dürfen nicht freigesprochen werden. Ihr wahres Ziel ist es, anderen Menschen ihren Gott aus- und den eigenen als besseren einzureden; zu diesem Zweck haben sie die Frauen verheizt, fehlt bloß noch, dass sie sie zu Märtyrern erklären. Was für eine bigotte Frechheit, wenn diese Seelenfänger jetzt telegene Trauertränen herausdrücken.“ („Berliner Zeitung“)

„Wir distanzieren uns deutlich von der „Mission“, wie sie von evangelikalen Gruppierungen gehandhabt wird. Für uns ist dies ein Schritt zurück zu einem Verständnis von Mission, das wir glaubten, überwunden zu haben. Die „Missionsfreiheit“, die für alle Länder gelten sollte und zur „Religionsfreiheit“ dazu gehört, hat ganz klar dort ihre Grenzen, wo sie mit Furcht oder Zwang operiert oder die Abhängigkeit von Menschen missbraucht.“ (Pater Polykarp Ulin Agan SVD, stellvertretender Direktor des Missionswissenschaftlichen Instituts der Steyler Missionare)

„Sowohl die Eltern einer der getöteten Deutschen, als auch die Bibelschule Brake, in der die beiden Krankenschwestern ausgebildet wurden, bestreiten, dass die jungen Frauen im Jemen aktive Mission betrieben. Obwohl die Bibelschule den „Missionsbefehl Jesu Christi“ auf ihrer Internetseite unter ihren Zielen auflistet, lässt sich schwer sagen, was in diesem Fall wirklich stimmt. Dennoch darf die Debatte damit nicht enden. Denn es gibt zahlreiche Belege dafür, dass einige – wohlgemerkt längst nicht alle – evangelikale Gruppierungen ihre Anhänger für regelrechte Undercover-Mission in islamischen Ländern ausbilden, um dort Muslime mit den von Pater Polykarp angeprangerten Methoden für den christlichen Glauben zu begeistern.“ (Elmar Theveßen, ZDF-Blog)

„Die Tragödie von Saada führt in jenes Milieu bibeltreuer Christen, die in alle Welt ausschwärmen, um den Armen zu helfen und sie auf den rechten Pfad zu Jesus Christus zu führen. Es ist, in Gottes Namen, ein Milieu, dessen Tonfall sich zuweilen nur in Nuancen von dem fanatischer Muslime unterscheidet. (…) Die Wirkung der Jesusjünger sei weltweit „verheerend“, sagt der Kassler Sektenbeauftragte der Evangelischen Landeskirche, Eduart Trenkel, vor allem in den „10-40“ Ländern , wie die Staaten zwischen dem 10. und dem 40. Breitengrad in der Szene genannt werden. (…) Ihnen gilt die Aufmerksamkeit der christlichen Eiferer, die mit religiösem Absolutheitsanspruch auftreten und sich auf den sogenannten Missionsbefehl Gottes berufen: „ Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“, so steht es in Matthäus, Kapitel 28, Vers 19. (…) In Deutschland heizt der tödliche Überfall im fernen Jemen die Diskussionen über moderne Glaubenskreuzzüge an. Viele Missionare hätten „ein klares, dualistisches Weltbild – für sie teilt sich die Welt in Licht und Dunkel, kritisiert Joachim Schmidt, Sprecher der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau. (…) Der Missionseifer dieser Gruppen erinnert stark an evangelikale Fundamentalisten amerikanischer Prägung. Wir als evangelische Landeskirche haben ein grundsätzlich anderes Verständnis von Mission. (…)Auch die Leitung der Bibelschule Brake ist bestürzt. Die Schülerinnen hätten nur helfen, nicht aber missionieren sollten, heißt es in einer Stellungnahme. Die Aussage passt nur bedingt zu jenem Leitsatz der Schule, zu dem sich Anita und Rita vor ihrer Aufnahme bekennen mussten und der wenig Versöhnliches für künftige Missionen verspricht: „Wir glauben, dass alle Menschen leiblich auferstehen werden: Die Gläubigen zur ewigen Herrlichkeit, die Ungläubigen zur ewigen Verdammnis.“ (DER SPIEGEL)

Follow up:

Nun verwundert es kaum, dass der traditionell antichristliche SPIEGEL und auch ein ehemaliges SED-Blatt wie die Berliner Zeitung gegen Christen und Mission polemisieren. So etwas sind wir seit Jahren gewohnt. In Hamburg könnte wirklich nur ein Wunder Gottes daran etwas ändern.

Nachdenklicher machen einen da schon die Äußerungen, welche aus Teilen der Großkirchen zu vernehmen sind. Die angebliche „Trauer und Betroffenheit“ über die Morde erscheinen im Vergleich zu der Verve mit der im nächsten Atemzug zur Generalabrechnung mit evangelikalen Missionaren ausgeholt wird nur als routiniertes Pflichtprogramm.

Erstaunlich ist z.B. auch wie viele Experten es plötzlich zum Thema gibt. Ein mir bisher völlig unbekannter Pater Polykarp meint genau zu wissen, dass evangelikalen Gruppierungen mit „Furcht oder Zwang operieren“ oder auch „die Abhängigkeit von Menschen missbrauchen.“

Wenn das wirklich so wäre, ist es nur schwer erklärbar, dass die Huthis im Jemen gegen die Entführung der Christen demonstriert haben und die Morde als „unislamisch“ geißelten.

Ich will dem guten Pater Polykarp nicht zu nahe treten, aber er hat offensichtlich keine Ahnung von evangelikaler Mission und Missionaren, sondern benutzt diese Morde als Möglichkeit zur Abrechnung mit scheinbar ungeliebter, evangelischer Konkurrenz. Ein durchsichtiges und schändliches, aber durchaus medial wirksames Manöver. Die Steyler Mission wurde durch die Abgrenzung zu bösen evangelikalen Missionaren bekannter gemacht. Für derartige Aufmerksamkeit geht man dann auch mal – fast wörtlich zu verstehen- „über Leichen“.

Perverse Welt: Im Jemen protestieren Muslime gegen die Morden an Christen, die aus Nächstenliebe dort den Ärmsten helfen wollten – In Deutschland hingegen nutzt eine breite Phalanx aus antichristlichen Medien und kirchlichen Anti-Missionaren die Morde um Christen und Mission zu verdächtigen, verächtlich zu machen, offen anzugreifen oder auch sich selbst in ein besseres Licht zu rücken.

Schlussfolgerungen:

Diese Reaktionen sind nun auch ein weiters Vorzeichen für den zukünftigen Moment des Umschlags in der Stimmung gegenüber Christen in unserem Land.

Antidiskriminierungsgesetze, Proteste gegen das Christival, der Streit um den Religionsunterricht in Berlin, Proteste gegen den Seelsorgekongress in Marburg und nun die Reaktionen auf die Morde im Jemen.

Nein, in Deutschland werden Christen nicht blutig verfolgt wie im Jemen oder anderen Ländern und niemand will eine solche Verfolgung herbeireden.

Nimmt man aber alle diese Punkte symtomatisch, kann man sie als Hinweise betrachten, dass sich etwas ändert im Bereich der Mentalität und der Atmosphäre.

Beides wird antichristlicher.

„Historischen Tatsachen sind wesendlich psychologische Tatsachen“ sagte Marc Bloch, einer der Väter der Mentalitätsgeschichte.

Der Historiker Karlheinz Weissmann stellt dazu fest:

„Sicher liegt in dieser Feststellung eine Übertreibung, aber doch eine hilfreiche, denn sie rückt in den Blick, dass es etwas Fluides, Stimmungsmäßiges, im nachhinein nur schwer Fassbares gibt, das doch für die Atmosphäre einer Zeit, vor allem einer Zeit der Krise und des Umbruchs, Bedeutung gewinnen kann und sich zuletzt auch politisch auswirkt.“

Wachsamkeit und Standhaftigkeit sind daher für Christen das Gebot der Stunde. Gott sei wirklich Dank gibt es noch solche Christen bei denen wir beides finden.

Helmut Mathies, idea-Leiter, ist einer von ihnen und ich kann ihm nur von Herzen zustimmen wenn er zu den Reaktionen auf den Mord an den Christinnen schreibt:

„Hier fallen einem nur noch die Worte Jesu ein: „Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen …“. Das Christentum ist ohne Mission nicht denkbar. Dass sie klug, sensibel,freundlich und respektvoll zu geschehen hat, versteht sich inzwischen von selbst. Der christliche Glaube jedenfalls wurde außerhalb des Mittelmeerraums nur deshalb bekannt, weil Christen bereit waren, den Missionsbefehl ihres Herrn zu befolgen – und zwar oft unter Lebensgefahr. (…)Natürlich sollen Christen klug handeln und sich nicht in gefährliche Abenteuer stürzen. Andererseits: Hätten die Apostel und ihre Nachfolger so argumentiert, wären wir wohl bis heute noch Heiden.“ (idea-Spektrum)

Mit nachdenklichen Grüßen
Marc

3 Gedanken zu „Vorzeichen des Umschlags“

  1. Hallo Marc,

    vielen Dank für die Zusammenstellung!
    Die von den Medien aufgeworfene Frage, ob man der Bibelschule den Einsatz noch als humanitäre Hilfe abkauft, oder ihn als Mission verwirft, ist gar nicht richtig: jede Entwicklungshilfe ist Mission und Mission war und ist immer auch Entwicklungshilfe. Schade, dass die Leitung von Brake dazu nicht stehen kann.

    In dem Beitrag

    http://blog.theocons.de/index.php/schafft_die_entwicklungshilfe_ab

    habe ich versucht zu zeigen, dass die Unterscheidung weder in der Theorie noch in der Praxis funktioniert.
    In dem Beitrag „Mission und Kultur“ gibt es dazu noch weitere Beispiele.

    http://blog.theocons.de/index.php/mission-und-kultur

    Viele Grüße
    Moorwackler

  2. zitat spiegel: „…unterscheiden sich die christen nur in Nuancen von den Moslems…“

    klar, wir lieben unsere Feinde, die Moslems hassen ihre Feinde. Das sind mal so ganz kleine Nuancen, gar nicht der Rede wert…

  3. Folgt man der Argumentationskette der „Berliner Zeitung“, war dann wohl der Dietrich Bonhoeffer auch selber schuld daran, dass die Nazis ihn umgebracht haben. Er hätte ja dann auch in Amerika bleiben können, statt hierher zu kommen, um dem deutschen Volk die Ergebenheit zu seinem legal an die Macht gekommenen Führer auszureden…

    Wenigstens kann man aus diesen Kommentaren gut herauslesen, was die humanistischen Gutmenschen mit uns machen würden, wenn sie könnten, wie sie wollten…

    Zwischen den Zeilen offenbart sich bei ihnen die Mentalität Hitlers, Maos und Pol Pots…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.