Politische Wissenschaft

Das Bundesministerium für Justiz hat eine Studie in Auftrag gegeben, in der die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften untersucht werden sollte. Das Ergebnis war: den Kindern geht es nicht schlechter, wichtig ist nur die Qualität der Beziehung zu den Eltern, nicht deren sexuelle Orientierung.
Die Frankfurter Rundschau fand das Ergebnis gleich so vorhersehbar, dass sie ein bisschen genervt tat, dass so eine Frage überhaupt gestellt wird, aber immerhin sei ja jetzt auch dem Letzten klar, dass man Homosexuelle nicht die Adoption vorenthalten oder sie in irgendeiner Form schlechter als andere Paare stellen dürfe.
Genau das war auch schon vorher das Anliegen von Frau Zypries. Wie konnte sie so sicher sein, dass eine wissenschaftliche Studie sich so passgenau in ihr politisches Profil fügt? Die folgende kleine Kritik könnte den Teil einer Antwort liefern.
Leider ist m.W. nicht die ganze Studie im Internet kostenlos abrufbar, sondern nur eine „ausführliche Zusammenfassung„.

Ich kann die Kritik kurz fassen:
Die Studie lässt erstens niemanden der Befragten darüber im Unklaren, was der Sinn der Studie ist. Von den Befragten, haben sich zwar im Vergleich zu anderen Studien relativ viele gemeldet, aber sie sind immer noch ein kleiner Teil der Gesamtheit. Es war also ein Aufruf in der Art: wer von euch möchte sich mal zu der Qualität seiner Erziehungsleistung äußern? In so einem Fall muss man von einer Vorauswahl ausgehen. Auf diese Möglichkeit wird in der „ausführlichen Zusammenfassung“ leider nicht hingewiesen. Besser wäre eine Befragung von Kindergärtnerinnen, die über die Absichten der Untersuchung im Dunklen gelassen würden.
Zweitens werden vor allem die Eltern befragt, ob ihre Kinder z.B. auffällig seien. Die Schwierigkeiten, die es gibt, werden entweder mit Diskriminierung erklärt oder der belastenden Vorgeschichte, denn zahlreiche Kinder in sog. „Regenbogenfamilien“ (obwohl sie ja gerade nicht bunter sind…) haben schon eine Scheidung ihrer leiblichen Eltern hinter sich. Es ist natürlich völlig korrekt, diese Faktoren herauszurechnen. Aber man fragt sich auch ein bisschen, wie man bei der Befragung hätte herausbekommen können, dass die Kinder durch den fehlenden Elternteil einen Schaden erleiden. Hat irgendjemand erwartet, dass die Paare anrufen, um zu Protokoll zu geben, wie ungünstig ihre Lebensweise für ihre Kinder ist?
Drittens erwähnt die Studie, dass ein erstaunlich großer Teil der Paare, die sich zum Interview meldeten, einen höheren Bildungsgrad besaßen. Offenbar kam den Forschern aber nicht der Gedanke, dass es sich dabei um eine verzerrte Stichprobe handelt. Sie hätten nämlich auch nur heterosexuelle Beziehungen mit dem gleichen Bildungsprofil vergleichen dürfen, die darüber hinaus natürlich über das gleiche Auswahlverfahren an dem Interview hätten teilnehmen können.

Diese Mängel sind keine Schönheitsfehler, sondern machen aus der „Studie“ leider nur wissenschaftlichen Klamauk.
Wenn jemand weiß, wo man die komplette Studie kostenlos und legal herunterladen kann, dann bin ich für den Hinweis dankbar.

12 Gedanken zu „Politische Wissenschaft“

  1. Hallo,

    ich darf die Kritik etwas präzisieren und ergänzen: In der Tat ist die Studie methodisch äusserst fragwürdig und erlaubt mitnichten die vorgenommenen Interpretationen:

    1) Moorwackler weist bereits auf das Problem der Selbstselektion der Stichprobe hin: In den 50iger Jahren wurden psychologische Studien zur Sexualität zunächst deshalb nicht akzeptiert, weil man davon ausging, dass diejenigen, die daran teilnehmen, sich grundsätzlich von der Grundgesamtheit unterscheiden – also keine repräsentativ Aussagen gewonnen werden können.

    2) Selbstauskunft ist kein probates Mittel: wenn ich herausfinden will, wie es um den Führungsstil von Vorgesetzten bestellt ist, frage ich ja auch nicht diese Personen selbst, sondern, sondern die Mitarbeiter (oder Kunden oder deren Chefs oder …)

    Wenn man davon ausgeht, dass die Mehrheit der Befragten (wie in diesen Kreisen üblich) politisch interessiert ist, die Intention der Studie kennt und höher gebildet ist, dann muss uns das Ergebnis nicht wundern.

    3) Es gibt aber noch mehr handwerkliche Fehler: Bei einem solch brisantem Thema Telefoninterviews zu führen, ist zwar ökonomisch opportun, aber dem Gegenstand mitnichten angemessen. Angemessen ist ein sehr offen gehaltenes, leitfadengestütztes Interview, was eine sehr intensive Interviewerschulung voraussetzt.
    Zudem geht es schon gar nicht, dass Kinder / Jugendliche per Telefon interviewt werden.
    (Was mich aus Objektivitätsgründen noch interessieren würde, ist: Wie wurden die Interviewer geschult und: welche politische Gesinnung haben diese?)

    4) Fazit: wenn mir jemand eine solche Arbeit als Doktorarbeit vorlegen würde, wäre das a) höchstens eine explorative Studie („wir haben mal geguckt, sind aber nicht wirklich schlauer“), b) aufgrund der unangemessenen Schlussfolgerungen ein klares „nicht bestanden“.

  2. Auch ich konnte leider nur die Zusammenfassung der Studie lesen. Aber schon die offenbarte die oben genannten handwerklichen Fehler ausreichend.

    Interessant war schon zu Anfang: Um die scheinbare Repräsentativität der Studie zu erhöhen, wurde die Anzahl der Homosexuellen in Deutschland nur mit 62.300 angesetzt. Das ist etwas diametral anderes als die oft von Lobbyverbänden behaupteten 5 % bis 10 % an der deutschen Gesamtbevölkerung.

    Wie sich aus der Zusammenfassung der Studie ergibt, verpartnerten sich die Meisten hauptsächlich gerade, um Kinder adoptieren zu können – das solche Eltern zugeben, dass die Adoption negative Auswirkungen auf Ihre Kinder haben könnte, ist zweifelhaft bis abwegig.

    Weiter ist die Umfrage nicht prepräsentativ für „Homosexuelle“, sondern nur für Lesben – es wurden fast ausschließlich Frauen und deren Kinder befragt.

    Die Befragung der Kinder ist deshalb zweifelhaft, weil die Meisten der Kinder aufgrund der relativ jungen Möglichkeit der „Stiefkindadoption“ für Verpartnerte selbst so jung sind, dass sie sich noch nicht selbst reflektieren oder überhaupt reden können, so wurden erst Kinder ab dem Alter von 10 Jahren befragt, also wahrscheinlich keine, die durch Samenspende gezeugt wurden.
    Bei den befragten Kindern ist die Vergleichsgruppe von 24 Kindern im Vergleich zur Studiengruppe von 95 Kindern zu klein.

    Die Auswahl der „Experti(nn)en) ware ebenfalls sehr subjektiv. Angesichts von vier Vertreter(inn)en aus Lesben- und Schwulenverband sowie Kinderschutzverbänden, fragt man sich, warum etwa Christl Ruth Vonholdt von der Offensive Junger Christen (OJC – http://de.wikipedia.org/wiki/Offensive_Junger_Christen ) in Reichelsheim, Odenwald nicht befragt wurde. Sie ist Kinderärztin und spezialisiert auf die Überwindung von ichdystoner Homosexualität. Sie kennt sich gerade mit den Nöten solcher Menschen aus und wurde aus diesem Grunde bereits vom detuschen Bundestag zur Neuregelung des Lepenspartnerschaftsrechts angehört.

    Es ist merkwürdig, dass zwar die befragten „Eltern“ ein relativ hohes Ausbildungsniveau haben, aber ihre Kinder stark unterdurchschnittlich abschneiden (S. 283 der Studie). 58 % der Eltern haben Abitur, aber nur 38 % ihrer Kinder besuchen ein Gymnasium – Sollte es doch schädlich sein?

    Wie ehrlich die Aussagen der „Eltern“ sind, wird auf Seite 285 deutlich. Dort wird berichtet, dass nur 28 % der durch Samenspende gezeugten Kinder von diesem Umstand wissen. Trotzdem wird geschlussfolgert, dass „der Großteil“ der Kinder durch die Tatsache, dass sie mithilfe einer Samenspende gezeugt wurden, nicht belastet oder beinträchtigt seien – Der Großteil weiß aber gar nichts von seinem „Glück“. Die Eltern müssen es wohl doch für belastend erachtet haben, denn sie haben ihren Kindern nichts davon erzählt.

    Auf Seite 286 der Studie wird im Übrigen zugegeben, dass die Freigabe zur Adoption grundsätzlich belastend ist, zu Angst, Schlafstörungen und Entwicklungsverzögerungen führen kann. Wenn also die Möglchkeit geschaffen würde, dass zusätzlich Kinder zur Adoption freigegeben würden – dann hätte das negative Folgen.

    To be continued
    Diskriminierung

  3. @Diskriminierung: „Anzahl der Homosexuellen in Deutschland nur mit 62.300 angesetzt“
    Das ist falsch. Sie gehen von mindestens 62.300 gleichgeschlechtlichen Paaren aus.

    „spezialisiert auf die Überwindung von ichdystoner Homosexualität. Sie kennt sich gerade mit den Nöten solcher Menschen aus“
    Aha, spezialisiert auf ichdystone Homosexualität und kennt sich mit selbstbewussten Regenbogenfamilien aus? Die will sie ja gar nicht Therapieren. („Es geht mir nur darum zu helfen. / Ichdystone Sexualorientierung hat nichts mit Homosexualität zu tun. (Leiter Kongress Graz.)) Und wenn es sie nur interessiert, dass Homosexuelle im statistischen Durchschnitt mehr psychologische Auffälligkeiten in ihrem gesamten Leben zeigen, dies als Begründung nimmt Homosexuelle generell aus militärischen Führungspositionen ausschließen zu wollen, und sich gar nicht interessiert warum dies so ist, was dahinter steckt, wen es konkret betrifft, was die Risikofaktoren sind, dann kann ich kein wirkliches Interesse an „solchen Personen“ und Familien feststellen, sondern nur ein Mittel zum Zweck.

    Die spezifische Verwendung der psychopathologischen Daten merkt auch Throckmorton für NARTH an.
    http://wthrockmorton.com/2009/08/12/thoughts-on-the-status-of-the-reorientation-wars/

    S. 285: Wie viele Kinder sonst wissen, dass sie durch Samenspende gezeugt wurden? Und es wird auch berichtet von „derzeit“ und dass die Kinder dieser Gruppe prinzipiell jünger sind. Also einem Baby wird man es noch gar nicht erzählen können und so etwas ist auch schwerer zu vermitteln, erfordert beim Kind eine größere Reife, als eine Adoption.

    „dass zusätzlich Kinder zur Adoption freigegeben würden“
    Es können nur so viele Kinder adoptiert werden, wie freigegeben werden. Also da eine zukünftige Schwemme zu vermuten halte ich für Paranoia.

  4. // aber immerhin sei ja jetzt auch dem Letzten klar, dass man Homosexuelle nicht die Adoption vorenthalten //

    Man stelle sich das nur vor. Schwuchteln dürfen Kinder adoptieren, wärend man den Christen die Kinder raubt. Diese Verbrecherbande von Politniks, werden ihren Richter finden!

  5. @Ben Kalenol
    […Schwuchteln…] […Verbrecherbande…]
    Was sind das denn für rechtspopulistische Töne? Wir wollen hier sowas nicht lesen … erste Verwarnung!
    Mit konsternierten Grüßen
    wanderprediger

  6. Wenigstens missbrauchen Homosexuelle Paare ihre Kinder nicht oder schicken sie morgens um sieben zum Torfstechen wie in den ach so Christlichen Kinderheimen…

  7. tja, wenn zu der Zeit, in der Kinder noch zum Torfstechen geschickt wurden, außer Christen auch andere Menschen sich um Vollwaisen gekümmert hätten, könnte man jetzt sogar einen sinnvollen Vergleich anstellen. So bleibt ihnen einfach der Verdienst, sich als einzige um sie gekümmert zu haben. Christen waren es auch, die die Zwangsprostitution mitten in europäischen Städten aufgedeckt und sich dagegen gestellt haben. Es waren typischerweise immer Christen, die sich um die Schwächsten gekümmert haben. Wobei die Zustände in den Kinderheimen teilweise wirklich furchtbar waren. Da haben auch manche Kirchenleute eine große Schuld auf sich geladen.

    Hast du für die Behauptung, dass es in homosexuellen Beziehungen mit Kindern weniger Fälle von Missbrauch gibt als in christlichen Familien irgendwelche Belege oder ist das jetzt einfach nur ein bisschen Dampf ablassen?

  8. Belege habe ich keine, brauch ich auch nicht. Wenn es in homosexuellen Beziehungen mehr Missbrauch geben würde, hättet ihr [versuchs mal ohne Beschimpfungen, mfG Moorwackler] das doch schon längst verwendet 🙂
    (…)weniger Fälle von Missbrauch gibt als in christlichen Familien(…) Homosexuelle können also keine Christen sein, jaja die alte Leier. Ist doch schön wenn man eine Randgruppe hat, auf die niedermachen kann um sein archaisches Weltbild zu rechtfertigen…

  9. Das Christentum ist tatsächlich „archaisch“. Es erzählt von dem Urverhältnis Gottes zu den Menschen, von ihrer Erschaffung bis zum letzten Tag. Vor politischen Moden muss es sich nicht rechtfertigen, aber du wirst es eines Tages vor dem lebendigen Gott tun müssen.

    MfG
    Moorwackler

  10. äh, wer soll wem womit gedroht haben? oder war das deinerseits eine Drohung?
    Wenn du den Hinweis auf das Gericht Gottes meinst, dann gilt diese Aussage für jeden. Jeder wird einmal vor Gott stehen, und deswegen predigen Christen das Evangelium. Aber wer glaubt, in seiner Sünde bleiben zu können, wird sich vor diesem Gericht verantworten müssen.

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