Ein neues Kapitel in der Geschichte der Jugend

Wenn sie von einem teen-blog hören, der im Monat auf über eine Million Hits kommt, was vermuten Sie dort? Eine Musik-Plattform? Einen schwerpunktlosen Rahmen für Kontakte mit Foren und Chats?
Der Megablog, an den ich denke, ist zwar ein wirklicher teen-blog, der von Teenagern selbstständig organisiert und betrieben wird, aber es geht dort um eine Bewegung, die von den Initiatoren „Rebelution“ genannt wird. Gemeint ist eine Rebellion gegen die niedrigen Erwartungen an Teenager in der Gesellschaft und eine Revolution mit dem Ziel, Teenager zu einem Leben als verantwortliche Menschen anzuleiten.

Die Gründer der Kampagne haben ein Buch über ihre Ziele geschrieben, das im Deutschen unter dem Titel „Yes you can“ erschienen ist. Sie erzählen dort von früheren Zeiten, in denen 17jährige ganze Kriegsschiffe befehligt haben, das Rote Kreuz erfanden oder wurden offizieller Landvermesser von Culpeper Couny in Virginia. Danach haben die Autoren mal gegoogelt, was sie unter den Stichworten „Teens“ und „Erwartungen“ finden. Offenbar konnte der Suchautomat nicht glauben, wonach er da suchen sollte und schlug erst mal folgende Kombinationen vor:

– Teens und Drogen
– Teens und Alkohol
– Teens und Rauchen
– Teens und Trinken
– Teens und Marihuana
– Teens und Handys

Unter den Treffern mit den gewünschten Stichworten fanden sie dann einen Artikel, der sich an Eltern richtete und ihnen erklärte, man müsse Teens Verantwortungsbewusstsein lehren, indem man Erwartungen an sie formuliert. Als Ziele wurden da für Teens bis 14 genannt:
– jeden Tag sein Bett machen,
– einen Anruf entgegen nehmen und die Nachricht weiterleiten können,
– einmal die Woche sein Zimmer aufräumen (mit Unterstützung von Mama und Papa)

Ab 15 kam dann das verschärfte Programm der Verantwortungsbewusstseinsschulung:
– eine (nur eine) Aufgabe im Haushalt am Tag übernehmen, z.B. den Müll nach draußen bringen,
– darauf achten, dass der Tank beim Auto nicht in den roten Bereich rutscht (in den USA darf man bekanntlich ab 16 den Führerschein machen).
– einmal die Woche sein Zimmer aufräumen (ohne Unterstützung von Mama und Papa).

Der Artikel enthielt wohl einen ermutigenden Nachsatz mit der Bemerkung, der Teenager müsse ja nicht unbedingt jeden Punkt erfüllen…

Die Autoren Alex und Brett Harris (die Namen hatte ich ja noch gar nicht erwähnt)berichten von ihren eigenen Erfahrungen, aus dem künstlichen Säuglingsstatus der modernen Teenager auszubrechen. Sie erzählen, wie sie und mittlerweile viele andere Teenager an großen Aufgaben Erfahrungen sammeln durften und völlig begeistert davon sind, sich zu engagieren.

Vor einigen Jahren habe ich mich mit der Geschichte der Jugendzeit beschäftigt und kann mich noch gut an den Epilog eines Buches erinnern, in dem der Autor zu dem Ergebnis kam: die Jugendzeit ist nicht biologisch festgelegt, sondern eine kulturelle Erfindung, die vielleicht eines Tages auch wieder zurück genommen wird.

Was wir in der „Rebelution“ z.Zt. erleben, könnte wenn keine Abschaffung der Jugendzeit, so doch eine tiefgreifende Veränderung bedeuten. Niemand will dort die kulturelle Leistung zurücknehmen, dass man Kinder nicht so früh wie möglich als Arbeitskräfte einspannt sondern ihnen eine Ausbildung zugesteht. Aber das Buch zeigt, wie sehr der damit einhergehende Status der Abhängigkeit auch zu einer allgemein akzeptierten Bequemlichkeit und Hilflosigkeit führte – den Akademiker dann oft erst mit dem Ende des Studiums empfinden. Dann merken sie, dass sie sich blind auf ein Bildungssystem verlassen haben und nicht selbst Herren ihrer Lebensplanung waren.

Das Buch ist aber nicht nur für Teenager lesenswert, denn zu viele Erwachsene sind aus ihrer jugendlichen Unselbstständigkeit nie herausgekommen.
Ich möchte es daher jedem empfehlen, der entweder jugendlich ist, einmal jugendlich war oder die Zeit noch vor sich hat. Es lässt sich sehr gut lesen, es ist faszinierend und sehr ermutigend. Und nicht zuletzt ist es ein schönes Beispiel dafür, wie das Evangelium Kultur verändert.

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