Studiengebühren sind nützlich, wenn sie klug bemessen werden

Die rot-grüne Regierung in NRW möchte die Studiengebühren abschaffen. Das war ein typisches Landesthema, mit dem SPD und Grüne auch in anderen Bundesländern punkten möchten. In der Debatte wird immer der Eindruck erweckt, man ermögliche durch eine kostenlose „Bildung für alle“ besonders gute Voraussetzungen für Chancengleichheit. Aber stimmt das wirklich?

In den USA gibt es die höchsten Studiengebühren der Welt. An den Spitzenuniversitäten zahlt man hohe 5stellige Beiträge pro Semester! Trotzdem studieren gerade dort sehr viele Schwarze, und „sehr viele“ bedeutet in Relation zu ihrem Bevölkerungsanteil. Tatsächlich ist das Stipendiensystem dort so wirkungsvoll, dass man wirklich die Ärmsten Menschen aus aller Welt rekrutiert – wenn sie begabt genug sind – und so Vielfalt, Chancengleicheit und Qualität unter einen Hut bekommt. Die Universitäten in den USA sind der Ort, an dem Reichtum am wirkungsvollsten umverteilt wird, denn diejenigen, die es sich leisten können, zahlen horrende Beiträge. Wer es sich nicht leisten kann, erhält ein Stipendium – wie gesagt: Talent vorausgesetzt.

Wer in Deutschland ein sozial gerechtes Finanzierungssystem einrichten möchte, hätte sich eher um die Bafög-Regelung bemühen müssen. Die armen Studenten in Deutschland haben nämlich nicht nur wenig Geld für ihr Studium, sondern am Ende auch noch hohe Schulden. Das ist für arme Familien ein nicht tragbares Risiko, weil sie statt eines regelmäßigen Eikommens ihrer Kinder ab dem 15. Lebensjahr nun einen Lohnausfall bis zum 25. Lebensjahr und einen großen Schuldenberg vor sich haben. Ein Arbeiter wird so ein Risiko kaum auf sich nehmen, selbst wenn sein Kind in der Schule sehr gut ist und studieren möchte.
Das Bafög müsste also dringend neu berechnet werden. Und die Studiengebühren sollten eigentlich dazu dienen, die höheren Kosten für das Bafög wieder aufzufangen. So funktioniert Umverteilung, und zwar dort, wo sie wirklich sinnvoll ist. Nur scheinen Studenten, die immer schnell bei der Hand sind, Abgaben auf alles mögliche zu fordern auf einmal sehr zurückhaltend zu werden, sobald es an den eigenen Geldbeutel oder den ihrer bürgerlichen Eltern geht.

Gerade das gut verdienende Bürgertum (Beamte, höhere Angestellte…) macht aber den Hauptanteil der grünen Wählerschaft aus. Die Entscheidung der rot-grünen Regierung in NRW ist also nicht sozial, sondern schlichtweg Klientelpolitik für das akademische Bürgertum. Und in diesem Fall geht sie eindeutig zu Lasten der Armen und der Ausbildung ihrer Kinder. Denn sie müssen nun wieder die Ausbildung der akademischen Mittelschicht mitfinanzieren, die sie sich selbst nicht mehr leisten können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.