Mythen über den neuen Atheismus

Mythos 1: Atheismus ist eine Weltanschauung von Menschen mit einem überdurchschnittlich hoher Bildung.

Auf diesen vermeintlichen Zusammenhang weisen Atheisten immer gerne hin und auch in der atheistischen Wikipedia taucht dieses Klischee auf.
Wenn man alle Deutschen fragt, wer sich als Atheist versteht, wird man selbstverständlich vor allem Akademiker herausfiltern, weil es ein gewisses Selbstbewusstsein erfordert, sich zu einer Weltanschauung offen zu bekennen und gegebenenfalls darüber Rechenschaft abzulegen. Wer sich als Atheist versteht, hat in der Regel ein Mindestmaß an Argumenten und verfügt über ein Mindestmaß an Reflexionsvermögen, wie ich es eben von Akademikern auch erwarten würde.
Wenn man allerdings Atheismus als die schlichte Überzeugung versteht, dass es keinen Gott gibt, oder man sich zumindest keine Gedanken darüber machen sollte, und danach fragt, sieht die Sache schon anders aus. Aus der Arbeit christlicher Missionare unter Gefängnisinsassen weiß ich, dass dort eine extrem scharfe Ablehnung jedes Gottesglaubens sehr verbreitet ist. Ich bezweifle aber, dass viele von Ihnen sich explizit als „Atheisten“ bezeichnen würden oder das Wort überhaupt nur kennen. Natürlich sind sie trotzdem Atheisten. Ebenso wie alle verbitterten Menschen in den großen Wohnblöcken, die auch eine geradezu aggressive Ablehnung gegenüber Gott zeigen.
Der philosophische Atheismus hat seine natürliche Heimstatt an der Universität, und dort gibt es naturgemäß die höhere Bildung. Der bloße Glaube, dass es keinen Gott gibt oder vielleicht oder wahrscheinlich oder egal, ist in jeder Schicht verbreitet, auch im Gefängnis.

Mythos 2: Atheisten haben eine nüchterne Haltung zum Tod.

Atheisten überbieten sich zwar mit möglichst kühlen Beschreibungen für das, was nach dem Tod in ihren Augen gerade nicht geschieht (da gebe es einfach nichts, einfach bumsaus, zackende,ausdiemaus etc…). Wie nüchtern man mit dem Tod aber wirklich umgeht, zeigt sich aber dort, wo man mit ihm konfrontiert wird, und das ist vor allem in den Hospizen der Fall. Ein atheistischer Dr. House, ist zwar zynisch hilft auch gerne mal beim Sterben nach, aber als treuen Pfleger eines sterbenden Menschen, bei dem es keine medizinischen Glanzleistungen mehr zu vollbringen gibt, kann man ihn sich schwer vorstellen. Die Begleitung Sterbender im Mittelalter und auch in der modernen Hospizbewegung war immer eine Angelegenheit von Kirchen, Orden oder einzelnen Theologen. Wenn jemand genaue Zahlen über dezidiert atheistische Hospize hat, kann er gerne über die Kommentarfunktion darauf hinweisen. Ich habe über google keins gefunden. Wohl aber den Hinweis der kirchlichen Hospize, auch Atheisten und Muslime zu betreuen, sofern dies erwünscht ist.

Mythos 3: Atheisten können sich ihre Moral einfach selbst basteln.

Tatsächlich kann jeder Mensch ein Regelwerk basteln, dass aussieht wie eine Moral. Die Frage ist nur, ob das Ergebnis irgendjemand als Moral durchgehen lassen würde. Es ist zunächst klar, dass diese Bastelei nur für den Betreffenden selbst verbindlich sein kann, nicht aber für andere. Wenn er in den Nürnberger Prozessen zu richten hätte, in denen ja gerade kein staatliches Recht zur Anwendung kam sondern eine irgendwie geartete über- oder vorstaatliche Gerechtigkeit, hätte er keine Möglichkeiten, Nazis zu verurteilen. Er könnte versuchen, ihnen deutlich zu machen, dass ihr Verhalten unlogisch sei (war es das denn? Empören wir uns über die fehlende Logik der Nazis?), oder unvernünftig. Er könnte darauf hinweisen, dass die meisten Menschen Gefühle wie Abscheu empfinden, wenn sie mit den Gräueltaten der Nazis konfrontiert würden, etc… aber das wars. Wieso sollte das die Nazis interessieren? Wieso sollte sich jemand für die anderen Basteleien in philosophischen Seminaren interessieren? Sollte ich jemanden, der mich nach dem Weg fragt, eine freundliche Auskunft geben, weil irgendein Philosphieprofessor eine Moral gebastelt hat, die dies gerade gebietet?
Kann so eine Bastelei überhaupt mehr sein, als ein bloßer Plan für das eigene Leben? Da es für so etwas bessere Begriffe gibt, wird es schwer, den Begriff einer Moral hier zu rechtfertigen.
In der Praxis wird das Problem zumindest in Deutschland so umgangen, dass die Verwerflichkeit der Nazis einfach vorausgesetzt wird – ein Kunstgriff, der den Nazis selbst leider so nicht möglich war… – und alles, was man als unmoralisch einstufen möchte, mit ihnen in Verbindung bringt. Die Akzeptanz für diese Ersatzmoral scheint allerdings langsam zu bröckeln.

Mythos 4: Der Atheismus ist eine Weltanschauung, in der nur die Vernunft regiert.

Sie können sich die Argumente, mit denen Atheisten sich umgeben, gerne ansehen, sie sind heute im Internet leicht zugänglich. Eine ausführliche Diskussion aller Argumente und Gegenargumente aus atheistischer Sicht, bietet das Buch „Das Wunder des Theismus“ von J.L. Mackie. Ich möchte aber an dieser Stelle der Kürze wegen nur auf ein Argument eingehen, dass offenbar so populär ist, dass es sogar Eingang in die ZEIT gefunden hat. In dem Artikel „Atheismus: Diesseits von Gut und Böse“ wird dem Kosmologischen Argument für die Existenz Gottes folgendermaßen begegnet: es gibt gar keinen Grund für alles, sondern eine unendliche Reihe von Kettengliedern, die keinen Anfang hat.
Als ich noch Pubertätsphilosoph war, habe ich darauf geantwortet, dass eine unendliche Reihe in den Anfang nicht möglich ist, weil damit der Anfang ja unendlich weit in der Ferne läge. Da alles andere sich aber kausal aus dem unendlich fernen Anfang ergibt und über diese Kette mit ihm verbunden ist, muss es ebenfalls unendlich weit in der Vergangenheit liegen.
Und jetzt? Sind sie vom Atheismus bekehrt? Das will ich ja mal nicht hoffen, denn diese ganze Debatte ist nichts als Pubertätsphilosphie, die einem erwachsenen Menschen schlecht ansteht. Und wenn man sich die atheistischen Websites so ansieht, entdeckt man dort auch weniger Vernunft als Polemik, Hass und Kampflust…

Das Problem ist, dass wir nur Dinge unter uns beweisen können – nämlich den Forschungsgegenstand der Naturwissenschaften. Gott können wir per se nicht beweisen, sondern wir sind darauf angewiesen, dass er sich selbst zeigt. Es gibt daher keinen Gottesbeweis, aber es gibt eine Offenbarung seiner Liebe, die er in Jesus gezeigt hat. Diese Liebe ist nicht die Liebe eines Menschen, denn kein Mensch stirbt auf diese Weise für seine Feinde. Der Sohn des lebendigen Gottes hat uns etwas von seinem göttlichen Wesen gezeigt.

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