Wie korrupt sind Journalisten?

Eine Krankenschwester, die 2 Euro von einem Patienten annimmt, riskiert, ihre Kündigung. Ebenso Busfahrer, Polizisten, Lehrer etc…  Der Grund ist einfach: jeder Euro, vermutlich schon jeder Cent, ordnet die Beziehung zwischen Menschen und macht den einen zu einem Geber und den anderen zu einem Empfänger und nimmt diesem etwas von der Autorität, die er für die Erfüllung seiner Pflichten benötigt – und sei es nur die Autorität zu bestimmen, in welcher Reihenfolge die Patienten im Krankenhaus morgens behandelt werden.

Eine Gesellschaft, die diese Form der Korruption zulässt, wird stillschweigend, d.h. unabängig von öffentlichen Debatten und Gesetzen die Armen unterdrücken und ihnen vieler notwendiger Rechte berauben, weil sie auf einmal an den Meistbietenden gehen.

Dieses Problem sieht im Kleinen und auf den ersten Blick nicht gravierend aus, aber man kann sich leicht vorstellen, wie es sich entwickelt, wenn flächendeckend das Unrechtsbewußtsein für solche Verstöße abhanden kommt.

Ungleich schlimmer wird es natürlich, wenn es sich dabei noch um ein verantwortungsvolles Amt handelt, und noch viel schlimmer ist es, wenn dort das Unrechtsbewusstsein hart gegen Null geht. Tatsächlich trifft diese Beschreibung in Deutschland auf den Journalismus zu. Auf der Seite Pressekonditionen.de oder auf der Seite der DFJ („Die Interessenvertretung für Fotografen und Journalisten“) kann sich ein Journalist ganz offen über die Möglichkeiten informieren, über seinen Presseausweis Rabatte zu erhalten. Die Absichten der Firmen, die Rabatte gewähren sind so offensichtlich, dass man darüber nicht viele Worte verlieren muss. Das eigentlich Erstaunliche ist, dass die Bevölkerung trotzdem so treu regelmäßig Geld für eine gekaufte Berichterstattung ausgibt. Selbst eine Buchrezension wird schon gelenkt, wenn der Rezensent ein Freiexemplar erhält (das darf er selbstverständlich behalten und kann sich nach kurzer Zeit mit allen Büchern kostenlos eindecken, die ihn interessieren, wäre ja schön blöd, wenn er so ein Privileg leichtfertig verspielt). Wer über ein Auto berichten soll und zu diesem Zweck in einem Luxushotel eingeladen wird – weil dort zufällig die Präsentation stattfindet – wird diesen Kurzurlaub möglicherweise auch in Zukunft gerne auf Kosten des Autoherstellers in Anspruch nehmen, einschließlich der Probefahrten und einer hinreißenden Location. Auch diese Fälle sind schlicht ein Zeugnis für Korruptheit, wobei die meisten Beispiele viel offensichtlicher sind: jeder Journalist erhält bedingungslos Rabatte. Für Flugreisen, Für Partnerschafts-Vermittler, für Autos, Bücher, Weiterbildungsangebote, Brillen, Unterhaltungselektronik, nicht zuletzt für ein Aquaristik-Fachmagazin, Desingermöbel, bei der Barclaycard, Versicherungen, im Cinedom etc… es lohnt sich, die zahllosen Beispiele mal zu überfliegen.

Auch wenn das Verhalten der Journalisten vom Gesetzgeber nicht  verboten ist (dort geht es nur um öffentliche Ämter), ist es ein Fall von Korruption, vielleicht sogar der schwerstmögliche Fall von Korruption, die nicht gesetzeswidrig ist, weil es für die Meinungsbildung eines Bürgertums zuständig ist, das offenbar immer dankbar ist, wenn sich jemand seiner Meinung annimmt.

„Der Politikwissenschaftler Harold Dwight Lasswell definierte Korruption als die Verletzung eines allgemeinen Interesses zu Gunsten eines speziellen Vorteils.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Korruption&oldid=99992013)

Und diese Definition trifft eindeutig den Fall der Journalisten-Rabatte: Journalisten betonen (wenn es um ihre eigenen Freiheiten und Sicherheiten geht) immer gerne die Hohe Berufung der freien Presse, also das öffentliche Interesse einer funktionierenden freien Presse, haben aber keine Probleme damit, sich „spezielle“ Vorteile, die also nicht im allgemeinen Interesse sind, einräumen zu lassen und ihre Freiheit mutwillig und selbstsüchtig zu verkaufen. Vermutlich wird kein Politiker es überleben, gegen dieses Unrecht gesetzlich vorzugehen und ein öffentlicher Skandal kann daraus nicht entstehen, weil öffentlich nur das sein kann, was veröffentlicht wird.

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