Was feiern eigentlich die Teilnehmer des „Christopher Street Days“?

Jedes andere Fest macht es einem leichter, wenn man die Frage nach Sinn und Herkunft stellt. Bisher habe ich immer nur sehr knappe Antworten erhalten, es ginge damals irgendwie um Polizeiwillkür. Aber ich hatte immer den Eindruck, dass die Antworten eher widerwillig kamen – und wieso sollte man Polizeiwillkür feiern?

Eine ausführlichere Antwort habe ich jetzt auf der Seite des „Deutschen Institutes für Jugend und Gesellschaft“ gefunden, die Homosexuellen ein Dorn im Auge sind, weil es dort Menschen gibt, die sich kritisch mit dem Phänomen der Homosexualität auseinandersetzen.

Die groben Eckdaten des gefeierten Tages, bzw. der gefeierten dreiviertel Stunde, sahen ungefähr so aus: in der Kneipe Stonewall Inn in der Christopher Street in New York wurden nicht nur Minderjährige als Prostituierte engagiert, das „Stonewall Inn“ war darüber hinaus eine von der Mafia kontrollierte Kneipe, in der Drogen umgeschlagen und illegal Alkohol ausgeschenkt wurden. Am 28. Juni 1969 fand abends eine Razzia der Polizei statt – und ab hier weichen die Versionen der Polizei und der Homosexuellen voneinander ab. Während die Polizei versichert, es sei bei der Razzia nicht um die Schwulen, sondern um die Mafia gegangen, und diese Razzien seien absolut übliche Mittel gegen solche Einrichtungen der Mafia gewesen, sagen die Homosexuellen, Razzien seien überhaupt nicht üblich und die Polizei wollte damals nur  gegen Homosexuelle vorgehen.

Ebenfalls unterschiedlich wird das Vorgehen der Polizei beschrieben: bei dem DIJG beispielsweise klingt es nach einem sehr normalen Einsatz, in der Darstellung der Homosexuellen scheinen die Polizisten deutlich ordinärer aufzutreten (ein „dicker“ Polizist, der auf eine am Boden liegende Lesbe oder Drag-Queen springt etc…). Bis hierhin dürfte das auch aus Sicht von Homosexuellen alles kein Grund zum Feiern sein, aber der lustige Teil kommt ja noch: irgendwann kippte die Stimmung unter den hunderten von Schaulustigen, und sie begannen, die Polizei zu bewerfen, die von der plötzlichen und offenbar untypischen Gegenwehr völlig überrascht war, sich in der Kneipe verbarrikadierte und Verstärkung anforderte. In der Zeit zerbrach die Menge Scheiben und Türen und goß Benzin in das Lokal und zündete es an, unter den Zurufen “Roast the pigs alive!“

Nach kurzer Zeit erschien die Verstärkung, und die Polizei hatte die Lage mühsam wieder unter Kontrolle gebracht (mit Knüppeln und Festnahmen), womit der lustige Teil schon wieder vorbei war. Aber diese dreiviertel Stunde, in der die Menge um das Stonewall die handvoll Polizisten tatsächlich eingesperrt und fast verbrannt hätte, war ihnen offenbar ein derartiger Triumph, dass sie den Tag jetzt jedes Jahr in allen großen Städten der Welt feiern.

Die Bewertung dieser Vorgänge wird von Homosexuellen bis heute fast einhellig vorgenommen: die Homosexuellen haben sich zu Recht gewehrt und der Mord an Polizisten sei eine gerechte Maßnahme gegen alle Zurückweisung, die sie sonst im Leben so erlebt hätten, was im Nachhinein natürlich kaum zu beurteilen ist. Wer also der Deutung zustimmt, dass es bei der Razzia eigentlich um eine Polizeimaßnahme gegen Homosexuelle und nicht um einen Kampf gegen die Drogenmafia ging und dann noch Lynchmord an Polizisten für eine angemessene und gerechte Reaktion hält, kann den CSD vielleicht ohne Bauchschmerzen überstehen (zumindest, wenn er nicht darüber nachdenkt, dass der CSD unter dem Schutz der Polizei stattfindet). Wirklich viel Grund zum Feiern sehe ich dann zwar immer noch für niemanden, aber auch da gehen die Deutungen offenbar auseinander.

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