Wie sähe eine kinderfreundliche Regelung zwischen Betreuungsgeld und KitaPlatz aus?

Der Religionskrieg um die Kinderbetreuung macht offenbar viele für die naheliegendsten Lösungen blind. Die Gegner des Betreuungsgeldes führen vor allem die hohen Kosten an, die Nachteile, die Kindern aus bildungsfernen Schichten für die eigene Karriere entstehen können und dass sie einfach nicht wollen, dass das Bild der Frau als Mutter „zementiert“ wird.

Die Befürworter verweisen auf den finanziellen Druck, der auf Eltern lastet und ihnen im Extremfall die Wahlmöglichkeit, die Erziehung und Prägung der Kinder selbst zu übernehmen, entzieht. Da sie die Kita-Plätze der anderen Eltern mit ihren Steuergeldern aber mitfinanzieren, soll das Betreuungsgeld allzu starke Ungerechtigkeit abfedern.

Das Schöne an festgefahrenen Debatten ist der Umstand, dass man die Argumente leicht zusammen fassen kann.

Tatsächlich gäbe es eine Lösung, die beiden Ansätzen gerecht werden könnte, d.h. die allen genannten Einwänden gerecht wird – außer dem Vorwurf, das Betreuungsgeld sei teuer, weil das ohnehin nicht ernst gemeint ist (gleichzeitig wird der Regierung vorgeworfen, sie wolle damit das Geld für die Kita-Plätze sparen…). Selbstverständlich ist die Betreuung der Eltern für den Staat erheblich billiger als die Betreuung durch staatliche Erzieher. Ich habe mir daher erlaubt, dieses Argument nicht zu berücksichtigen.

Ein Lösungsansatz sähe folgendermaßen aus: man bietet Kindern aus bildungsfernen Familien spezielle Förderprogramme an, die durchaus schon vor dem 3. Lebensjahr greifen sollten, weil das ein für Lernerfahrungen kostbares Zeitfenster ist. Diese Programme wären aber konzentriert auf die Sprach- und Entwicklungsförderung ausgerichtet, freiwillig und von akademischen Fachkräften geleitet (der Kontakt zu Personen mit höherem Bildungsabschluss scheint einen großen Einfluss auf den Bildungsweg der Kinder zu haben). Auf diese Weise könnten gerade Kinder von Immigranten sprachlich gezielt gefördert werden, was im Kindergarten nur sehr schwer möglich ist – und, wie mir Freunde berichtet haben, bei einem sehr hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund offenbar sogar dazu führen kann, dass deutschsprachige Kinder in der Sprachentwicklung wieder Rückschritte machen. Die Förderwirkung wäre erheblich besser als es derzeit im Kindergarten möglich ist, wo die 1- und 2jährigen einfach einsam zwischen den anderen Kindern herum geistern und keiner Zeit für sie hat. Außerdem wäre es eine Förderung, die gerade den Schwächsten der Gesellschaft zugute kommt und von den Eltern mit regelmäßigen Einkommen finanziert wird.

Der Anspruch auf einen kostenlosen Kita-Platz für alle könnte schadlos aufgehoben werden, weil das Argument sich eben immer auf die armen Familien bezieht. Wenn das ernst gemeint ist, können die nicht-ganz-so-armen (in Deutschland gibt es ja keine reichen Menschen) natürlich für den Platz bezahlen. Diese Regelung wird auch den Studien gerecht, aus denen regelmäßig hervor geht, dass der Nutzen des Kita-Besuchs mit dem Bildungsstand der Eltern abnimmt. Es gibt also keinen Grund, die Kinder gebildeter Eltern möglichst früh und lang öffentlich betreuen zu lassen.

Auf diese Weise würde man die öffentliche Finanzierung sehr vieler Kita-Plätze sparen, ohne den Armen die Möglichkeit zu entziehen. Derzeit ist es eher so, dass der Anspruch auf Kita-Plätze gerade den Ausbau für die armen Familien verhindert, die reichen Eltern stehen den armen also mit ihrer Gier einfach im Weg und brüsten sich noch als deren Retter.

Bleibt noch das Argument, ein „altes“ Frauenbild würde zementiert. Man könnte an der Stelle einfach auf die unterschiedlichen religiösen Ansätze auf beiden Seiten der Debatte verweisen, aber so verfahren ist die Situation gar nicht. Die beschriebene Regelung sähe immer noch rein finanziell eine Benachteiligung derjenigen vor, die ihre Kinder selbst betreuen möchten (nebenbei: das Betreuungsgeld bekommen auch diejenigen, die ist nicht an das Kochen gebunden, sondern an die Zeit, die man mit den Kindern verbringt, der spöttische Titel „Herdprämie“ tritt einfach nicht), weil die Einkommensverluste durch die Kinderbetreuung erheblich höher sind als das Betreuungsgeld – sofern man ein Einkommen hat. Eltern ohne festes Einkommen wären zwar tatsächlich geneigt, das Betreuungsgeld zu erhalten, da ihre Kinder aber in wirklich gute Förderprogramme könnten (worüber der Kinderarzt entscheiden könnte), die nicht das Betreuungsgeld vermindern, vielleicht sogar daran gekoppelt sind, hätten die Kinder nicht nur keinen Nachteil, sondern sogar einen Vorteil gegenüber den wohlhabenderen Eltern.

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