Katrin Göring-Eckardt und der politische Nutzen des Scheinchristentums

Katrin Göring-Eckardt ist die Rache der Grünen an Angela Merkel. Der wurde vorgeworfen, sich entweder nicht klar zu positionieren oder sogar typisch linke Positionen übernommen zu haben. Da sie als CDU-Politikerin offenbar das Dauerabo vieler Wähler der bürgerlichen Mitte und darunter auch vieler Christen hat, konnte sie mit dieser Taktik weite Teile des Bürgertums für sich gewinnen und sich eine stabile Zustimmung in der Bevölkerung sichern. Das Prinzip, unter christlichem Label nicht-christliche Politik zu machen, hat sich also für sie gelohnt. Da die Grünen sich ausrechnen können, dass es mit Angela Merkel schwierig ist, profilbildende Themen zu finden, haben sie jetzt mit Frau Göring-Eckardt das Spiel einfach übernommen und ebenfalls eine Scheinchristin ins Rennen geschickt. Die Grünen stehen ganz offen dazu, mit dieser Wahl ihres Spitzenduos die bürgerliche Mitte im Visier zu haben. Da Frau Göring-Eckardt aber absolut linientreue Grünen-Politik betreibt, ist die Annäherung nicht über Inhalte, sondern über Parolen geplant. Es handelt sich  nicht um eine thematische Annäherung sondern schlichtweg um Etiketten-Schwindel, wobei Göring-Eckardt den Effekt bis ins Absurde ausreizt. Nur so kann sie als Oberhaupt einer religionsähnlichen Oganisation potentielles Oberhaupt des Staates sein, in einer Partei, der in jeder anderen Hinsicht an der Zurückdrängung der Religion aus dem öffentlichen Leben gelegen ist. Und wenn sie ihr religiöses Hobby vorläufig „ruhen“ lässt, bedeutet das nur, dass sie selbstverständlich bei einer gescheiterten Wahl gerne wieder Präses sein möchte, aber bis dahin den Anschein einer Ämterverquickung vermeiden möchte. Man kann kaum mehr als ein Gag sein, dass sie auf ihrer Homepage den Slogan „Ideen statt Parolen“ verwendet. Denn dieser Slogan ist bei niemandem so unpassend wie bei Frau Göring-Eckardt. Nur einer Theologin, die gründlich gelernt hat, tausend Dinge zu unterschreiben, an die sie nicht glaubt (Bekenntnisse), kann die Ironie einer Parole entgehen, die keine Parole sein will. So bleibt sie ein wandelnder Fehldruck einer der gottlosesten Parteien, die Deutschland in seiner Geschichte erlebt hat.

Allerdings wäre es falsch, Frau Göring-Eckardt allein als scheinheilig darzustellen. Sie wurde basisdemokratisch gewählt, d.h. die atheistische Basis hat sich gegen ihr Prinzip der Trennung von Staat und Kirche entschieden, um mit Lügen auf Stimmenfang zu gehen. Es handelt sich also nicht um die Strategie eines Einzelnen, sondern um die Bereitschaft der Parteibasis, die Parole der ehrlichen Auseinandersetzung vor zu ziehen.

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