Wozu werden Kinder heute erzogen?

Ich habe in den letzten Tagen einen Aufsatz gelesen (ich weiß nicht mehr, wie die Autoren hießen), in dem offensichtlich Nicht-Christen über christliche Erziehung sagten, sie stehe vor dem Dilemma, einerseits Kinder zu Autonomie erziehen zu wollen, gleichzeitig aber schon die klare Vorgabe habe, sie zu Christen zu erziehen, weil sie sonst verloren gingen. Stimmt das? Natürlich, nur gibt es dieses Dilemma in jeder Erziehung. Stelleln Sie sich vor, ein radikaler Grüner hat Kinder – was ja zum Glück selten genug vorkommt. Und stellen Sie sich vor, eines der Kinder würde anfangen, Fleisch zu essen, während ein radikaler Grüner höchstwahrscheinlich Vegetarier oder Veganer ist. Wird er dem Kind hier Freiheit lassen oder seine Speisegebote an die Kinder weitergeben? Wie wird er zu sagen haben, wenn seine Tochter beschließt, Hausfrau und Mutter zu werden? Oder wenn sie ein behindertes Kind nicht abtreiben möchte? Wie wird seine Erziehung aussehen, wenn seine Tochter mit dem Sex lieber bis zur Ehe warten möchte oder abfällig über Homosexuelle spricht? Wird er da wirklich die Autonomie seines Kindes über seine eigenen Werte stellen? Und ich führe die Liste gerne noch weiter, damit man sieht, dass es wirklich eine Menge an Werten sind: Sein Kind findet Atomkraftwerke besser als riesige Parks von Windrädern, es kauft lieber billiges als Öko-Gemüse, es ist bei den Wahlen in Deutschland und (noch schlimmer) in Amerika immer für die falsche Seite und fängt an Bibel zu lesen. Es wird evangelikaler Christ und geht jeden Sonntag in den Gottesdienst. Später schickt es seine Kinder nicht auf eine Gesamtschule, sondern auf ein Gymnasium (wobei das tatsächlich viele linke Politiker gerne tun, auch wenn sie allen anderen deswegen ein schlechtes Gewissen machen) und liest ihnen biblische Geschichten vor. Vielleicht interessiert es sich noch nicht einmal für Politik und findet Glück in seinem Familienleben während es die Demonstrationen ganz entspannt an seinem Haus vorbei ziehen lässt.

Wie wird der radikale Grüne darauf reagieren? Wird er das Kind in seinem Weg ermutigen, wenn er selbst nicht davon überzeugt ist, allein, weil er weiß, dass die Autonomie seines Kindes das höchste Gut ist? Nein, er wird durch seine Reaktionen beweisen, dass er durchaus höhere Güter kennt als Autonomie, denn die hört schon bei der Frage auf, woher man seinen Strom bezieht.

Die Frage ist: Machen Christen es denn grundsätzlich anders? Nein, natürlich nicht, aber im Gegensatz zu unserem Grünen haben sie auch nie etwas anderes behauptet. Es ist also absurd, Christen nach Maßstäben zu richten, an die sich noch nicht einmal ihre Verfechter halten.

Als Christen stehen wir dazu, Christen in der Zucht und Ermahnung des Herrn zu erziehen aber sie nicht zu entmutigen und zu provozieren (Eph 6,4). Denn mutwillige Machtdemonstrationen sind keine Erziehung sondern führen nur zu Entmutigung, Frust und Verzweiflung. Der Zusatz „des Herrn“ ist dabei die Grenze elterlicher Autorität. Wir sind bei jedem Schritt vor Gott für unser Handeln verantworten und unsere Kinder haben in Gott einen Fürsprecher, bei dem sie ständigen Zugang mit ihren Klagen haben – auch gegen die Eltern. Sie wachsen also nicht in blindem Autoritätsglauben auf, sondern in dem Wissen, dass sie allein Gott gehorchen müssen und alle Gewalt sich vor ihm zu rechtfertigen hat. Und diese Grenze führt, wenn man sie richtig versteht, sogar zu einer Erziehung, die Kindern relativ viele Freiheiten lässt, denn es bedeutet, dass wir nicht unsere eigenen Vorstellungen auf das Kind stülpen dürfen, weil unsere persönlichen Ideen und Lebensweisen nicht die des Kindes sein müssen. Es wird später allein vor Gott verantwortlich sein, nicht vor uns.

Und wie oft habe ich in liberalen Familien schon erlebt, wie Eltern ihre Kinder durch subtilen Spott korrigiert und verunsichert haben. Diese Kinder lernen, vor allem nicht blöd vor Menschen da zu stehen. Dann sind sie auch bereit, sich sogar ihre Ernährungsgewohnheiten vorschreiben zu lassen.

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