Gründe gegen den Mindestlohn

Wenn bei Umfragen viele Menschen sagen, dass Sie für einen Mindestlohn sind, dürfte das in der Regel so viel bedeuten wie „Wer arbeitet, soll auch genug zum Leben haben“ oder „Ich bin gegen Ausbeutung“. Und genau dieser Meinung bin ich auch – und bin trotzdem gegen einen Mindestlohn. Hier habe ich die für mich wichtigsten Gründe zusammen gestellt:

  1. Ein Mindestlohn ist eine Umverteilung von den einen Arbeitern, die ihren Job dadurch verlieren, zu denen, die vom Mindestlohn profitieren. Der Effekt ist stärker, je höher der Mindestlohn angesetzt ist.
  2. Aus einem Mindestlohn wird schnell ein Standardlohn, weil der Staat als Tarifpartner ein starkes moralisches Gewicht hat. Wenn das Parlament beschließt, dass man von 8,50€ gut leben kann und es sich dabei um einen fairen Lohn handelt, wird dieser Betrag gleichsam geadelt zum Standardlohn. Tatsächlich habe ich von Bekannten, die viele geschäftliche Kontakte ins Ausland pflegen, gehört, dass sie in Ländern mit Mindestlohn die Beobachtung gemacht haben, dass diese Entwicklung tatsächlich dort beobachtet werden kann.
  3. Es gibt keinen Mindestbetrag, der in allen Regionen Deutschlands einen gemeinsamen Lebensstandard sichert. Ein Mindestlohn müsste also nicht nur wieder nach Ost und West trennen, sondern nach Hamburg und München, Stadt und Land, wobei hier wiederum die Entfernung zur Stadt eine Rolle spielt.
  4. Nicht jeder zu niedrige Lohn ist wirklich zum Leben gedacht. Das klingt im ersten Moment zynisch, aber es gibt tatsächlich viele Jobs, die so attraktiv sind, dass Schüler, Studenten, aber auch Hausfrauen oder Rentner gerne ihre Freizeit damit verbringen und ein paar Euro pro Stunde als netten Nebeneffekt betrachten. Ein typisches Beispiel ist die Pflege von Pferden, die Arbeit in einer Bibliothek, auf die man sogar warten muss, nur um unbezahlt dort tätig sein zu können, aber auch kleine Aushilfsjobs vielleicht im Gewerbe des Ehepartners oder der Kinder etc. Nun wäre es natürlich blauäugig zu übersehen, dass viele dieser Jobs keineswegs nur zum Vergnügen ausgeübt werden und der Übergang zum dringenden Zubrot oft fließend ist. Die Tatsache, dass er fließend ist, rechtfertig in meinen Augen aber nicht die Tatsache, diese ganzen Berufe durch einen Mindestlohn einfach abzuschaffen. Denn die Bibliotheken erwirtschaften kein Geld und könnten sich einen Mindestlohn gar nicht leisten.
  5. Und die schlimmste Ausbeutung dürfte ohnhin in der Schwarzarbeit laufen. Und solange man die nicht kontrollieren kann, wird man dort auch keinen Mindestlohn durchsetzen können.
  6. Die Sozialhilfe ist eigentlich (in der Theorie und ebenfalls ohne regionale Unterschiede ausreichend zu berücksichtigen) ein Mindest“lohn“, d.h. niemand muss für weniger arbeiten, als er zum Leben benötigt. Dieselben Gründe, die den Staat unfähig machen, planwirtschaftliche einen Mindeststandard zu definieren, sprechen auch gegen den Mindestlohn.
  7. Die Tarifverhandlungen, die wir teilweise jetzt schon im Bundestag erleben, folgen weder den Interessen der Arbeitnehmer noch der Arbeitgeber sondern zuallererst der politischen Logik. Und die gebietet es beispielsweise, dass die Grünen immer einen höheren Mindestlohn vorschlagen müssen als die CDU und die Linke aus Prinzip noch mal draufholzen muss.
  8. Ein Mindestlohn wird letztlich auch zu einer Umverteilung von strukturschwachen zu strukturstarken Regionen bedeuten. Denn ein Arbeitsplatz in einer strukturschwachen Region erwirtschaftet weniger als in einer strukturstarken, so dass Unternehmen eher geneigt sein werden, direkt in die wirtschaftlich attraktiveren Regionen abzuwandern. Natürlich wäre es schön, wenn alle Menschen viel Geld hätten. Manchmal ist aber auch ein niedriger Lohn besser als alle Alternativen. Ein schönes Beispiel sind die Länder, in die deutsche Unternehmen ausgewandert sind, um Löhne zu sparen (was also nur sinnvoll war, solange die Löhne sehr gering waren), die jetzt aber zunehmend unattraktiv werden, weil der wirtschaftliche Aufschwung, den diese Regionen erlebten, gerade zu einem enormen Anstieg der Löhne geführt hat.

Eine bessere Alternative habe ich hier vorgestellt: Eine Alternative zum Mindestlohn.

 

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