Wie sich Südkorea auf das Ende der Diktatur in Nordkorea vorbereiten kann

Wie man am Fall des DDR-Regimes sieht, können Diktaturen schnell zu Ende gehen. Da der Umbruch in Nord-Korea irgendwann kommt, sollte Südkorea sich darauf vorbereiten, indem es die Fehler, die Deutschland nach der Wiedervereinigung gemacht hat, vermeidet:

  1. Akzeptiere, dass beide Landesteile durch die lange Trennung eine unterschiedliche Kultur entwickelt haben. Es wird kein Zurück mehr zu der Zeit vor der Trennung geben, denn die unterschiedlichen Lebensgewohnheiten werden sich vermutlich nie wieder völlig angleichen. Diese Erkenntnis bedeutet vor allem für das reichere Land, dem schwächeren nicht seine eigene Kultur überzustülpen, in der Hoffnung, dadurch eine Einheit zu simulieren, die es in Wirklichkeit nicht gibt. In der DDR sind viele nicht nur das Regime losgeworden zu sein, sondern auch ihre Heimat. Ein komplettes Land ist innerhalb kürzester Zeit vom Erdboden verschwunden, und dieses Gefühl der Heimatlosigkeit dürfte nicht zuletzt dazu geführt haben, dass aus Nostalgie Politiker der DDR-Ära später als demokratisch gewählte Politiker weiter arbeiten konnten.
  2. Die Wiedervereinigung einer industriell hochentwickelten mit einer bettelarmen Nation bietet die Möglichkeit, Fehler der Industrialisierung zu vermeiden, denn sie darf mit der Entwicklung noch einmal fast bei Null anfangen. In Deutschland wurden stattdessen zunächst Autobahnen gebaut, obwohl niemand mit diesem Verkehrskonzept besonders glücklich ist. Wieso setzt man stattdessen nicht auf eine kluge Verbindung von Zügen und öffentlichem Nahverkehr, die neben dem Schutz für die Umwelt den Vorteil bieten, die Menschen zu mobilisieren, auch wenn sie sich noch keine Autos leisten können (mit entsprechend subventionierten Tickets in den ersten Jahren).
  3. Man sollte sich darüber im Klaren sein, woran man den Erfolg der Wiedervereinigung einmal messen wird. Helmut Kohl sprach als Ziel von den viel zitierten „blühenden Landschaften“, meinte aber wohl eher rauchende Schlote. Muss jedes Land wirklich so aussehen? Nordkorea könnte über Jahrzehnte eine landwirtschaftlich geprägte Wirtschaft haben und, je nachdem, in welchem Zustand die Natur ist, vielleicht zum Urlaubsparadies werden. Aber egal, wie man sich entscheidet, solche Überlegungen sollten vorher angestellt werden, wenn es nicht auf eine überstürzte Industrialisierung hinaus laufen soll.
  4. Mache von Anfang an deutlich, dass es keine Gleichheit beider Landesteile geben wird. Für unabsehbare Zeit werden Tarifverträge (falls es so etwas in Südkorea gibt) in Nordkorea nicht gelten. In den neuen Bundesländern haben die viel zu schnell eingeführten hohen Löhne, jeden wirtschaftlichen Aufschwung verhindert – bis heute.
  5. Die Kirchen müssen schnell auf das religiöse Vakuum in sozialistischen Staaten reagieren, weil sozialistische Politiker sich bereitwillig als Ersatz-Götter anbieten. Der Zusammenbruch eines sozialistischen Staates ist daher immer auch Zusammenbruch einer Religion, und die Menschen sind auf der Suche nach Alternativen. In Deutschland waren die Kirchen schlichtweg nicht schnell genug mit der Gründung neuer Kirchen. Irgendwann war dieses Zeitfenster zu.
  6. Achte auf eine gerechte Bewertung der Vorgänge. Im Eifer der ersten Stunde fand sich Westdeutschland schnell in der Rolle des Pädagogen wieder. Westliche Politiker rühmten sich für ihren Beitrag, dabei waren sie genau so überrascht von der Entwicklung wie alle anderen. Auf der anderen Seite wurden mutige Frauen und Männer, die Freiheit und Leben für die Befreiung ihres Landes riskiert und teilweise geopfert haben, nicht gewürdigt. Es war eine erbärmliche Schau der politischen Eitelkeiten, bei der viel zerstört wurde. Dadurch sah der Vorgang weniger nach einer erfolgreichen Revolution als vielmehr nach einem verlorenen Krieg aus.
  7. Alle genannten Fehler hätte man vermeiden können, wenn man einen einzigen Grundsatz befolgt hätte, nämlich das Gebot der Liebe. Es geht bei der Wiedervereinigung nicht darum, wie man im Licht anderer Länder da steht, es geht um keine politisch messbaren Ergebnisse und nicht um Nationalstolz, der in dieser Zeit sicherlich aufflammen wird. Es soll allein darum gehen, den Menschen in Nordkorea zu helfen und ihnen in Liebe bei der Neugestaltung ihres großartigen Landes zu helfen. Ganz ohne Eigennutz und Besitzansprüche. Betet darum, dass Gott euch Weisheit für diese aufregende aber auch kritische Zeit gibt.

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