Ab wann ist eine Lehre pseudowissenschaftlich?

Die Menschen suchen seit der Antike nach einer Erklärung für das Leben. Man weiß zwar aus unzähligen Experimenten und Beobachtungen, dass Leben immer und ausschließlich nur aus Leben entsteht, aber trotzdem könnte es sein, dass unter den völlig anderen Anfangsbedingungen, die vor langer Zeit auf der Erde geherrscht haben, eine spontane Entstehung des Lebens möglich war. In den letzten 50 Jahren wurden zahllose Szenarien durchgespielt, aber kein einziges dieser Experimente hat die Frage beantwortet. Vielmehr kann man die Probleme, die so eine Erklärung mit sich bringt, viel präziser beschreiben als noch vor 50 Jahren, man weiß also, welche Bedingungen es gegeben haben müsste, bzw. welche sortierende und konstruktive Wirkung sie gehabt haben müssten – und dass die Antwort daher so weit entfernt ist wie noch nie. Das führt dazu, dass einige Wissenschaftler die Frage heute für nicht beantwortbar halten, weil wir die Bedingungen, die vor vielen Milliarden Jahren auf der Erde geherrscht haben, nicht kennen. Der Verweis auf eine Urzeit, in der unsere Erklärungen nicht funktionieren, ist aber reine Metaphysik, weil dadurch ein Raum konstruiert wird, in dem naturwissenschaftlichen Gesetze nicht greifen. Die These von der spontanen Selbstentstehung des Lebens ist dann nicht mehr angreifbar – und sie verlässt das Gebiet der Wissenschaft.

Was müsste passieren, damit ein atheistischer Naturwissenschaftler einsieht, dass die weitere Suche aussichtslos ist? Kann man eigentlich irgendwann die vorläufige Erkenntnis guten Gewissens festhalten, dass Leben nie – auch nicht früher – aus unbelebter Materie entstanden sein kann? Natürlich: Theoretisch könnte man ja in 100 Jahren Lösungsansätze finden, die allem widersprechen, was wir heute wissen. Der Punkt ist nur, dass das für alles gilt und man mit diesem Argument wirklich jede absurde Fragestellung einer wissenschaftlichen Untersuchung für Wert erachten könnte. Wer weiß schon, ob an der Äthertheorie doch etwas dran war? In 100 Jahren?

Alles, was wir zum derzeitigen Zeitpunkt sagen können, ist dass Leben nur aus Leben entstehen kann. Es ist daher Zeit, die Suche nach einer anorganischen Entstehung des Lebens, als das zu bezeichnen, was sie ist: eine Pseudowissenschaft. Es gibt keinen Grund, länger öffentliche Gelder in dieses Forschungsgebiet zu stecken und sie in Schulbüchern zu verbeiten. Private atheistische Forschungseinrichtungen mögen gerne aus ihren weltanschaulichen Gründen weiter Forschung auf diesem Gebiet betreiben. Aber eine staatlich geförderte Forschung auf diesem Gebiet können wir gerne unseren Nachfahren in 100 Jahren überlassen, sofern sie wider alle wissenschaftliche Erkenntnis ernsthafte Hinweise auf die Entstehung des Lebens aus unbelebter Materie finden sollten.

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