Die Presse will Freiheit? Soll sie haben.

Sollte sie. Hat sie aber nicht. Und sie fühlt sich offenbar ganz wohl dabei, denn der Druck könnte süßer nicht sein: Werbung und exklusive Journalistenrabatte. Die vielleicht stärkste Macht im Staat, die frei über den Ruf von öffentlichen und privaten Personen verfügen kann, die gesellschaftliche Bewegungen befeuern und ausbremsen kann, für Fehleinschätzung nicht die Konsequenzen tragen muss, lässt sich zu allem Überfluss auch noch hemmungslos durch Werbung und Rabatte bestechen. Eine freie Berichterstattung existiert überhaupt nicht.

Ein zweites Problem ist die künstliche Marktverzerrung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Er entstand in einer Zeit, in der die Veröffentlichung teuer und daher abhängig von der Werbung war. Um eine möglichst neutrale Grundversorgung zu gewährleisten, richtete man gebührenfinanzierte Rundfunkanstalten ein. Nun ist es mit der Neutralität nicht mehr weit her, und längst dürfen auch die Öffentlich-rechtlichen Werbezeiten verkaufen. Die Finanzierung über Zwangsabgaben ist aber vor allem durch die flächendeckende Verbreitung des Internets fragwürdig geworden. Durch das Internet kann heute jeder mit wenig Aufwand und Kosten die Öffentlichkeit erreichen. Daraus entsteht zwar nicht zwangsläufig Qualität aber Vielfalt! Und genau die sollte durch die Einrichtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegenüber den werbefinanzierten Medien ermöglicht werden.

Gäbe es weder Werbung noch Zwangsabgaben, würden die großen Medienkonzerne ihre wirtschaftliche Grundlage verlieren. Gewinner wären die freien Journalisten – davon abgesehen, dass auch sie keine Rabatte mehr erhielten – und damit die Vielfalt. Ich glaube nicht, dass eine weitere Reglementierung der Presse notwendig ist, denn ich bin von dem Wert der freien Presse überzeugt. Eine wirkungsvolle und sinnvolle Begrenzung kann nur in der Vielfalt der Meinungen bestehen.

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Das Dilemma der modernen Arbeitswelt

Vermutlich wurde noch so viel über die Arbeitswelt gejammert wie heute. Und gleichzeitig sind sie bereit, freiwillig alles dafür zu opfern. Die Menschen lieben ihren Beruf und leiden an ihm. Sie opfern Beziehungen, Gesundheit, delegieren sogar die Erziehung der eigenen Kinder, um sich ganz dem Beruf zu widmen und jammern darüber, wie viel Arbeit sie haben.

Wenn in den Medien über das Leid des modernen Menschen an seiner Arbeit berichtet wird, sind regelmäßig die Arbeitgeber schuld, die zu viel Druck ausüben. Aber Burnout-Spezialisten weisen aber immer wieder auf Persönlichkeits-Merkmale hin, die einen Menschen zum typischen Burnout-Patienten machen. Es erstaunt nicht, das vor allem hochmotivierte, engagierte, leistungsorientierte Menschen dort genannt werden.

Ohne jetzt eine umfassende Diagnose der modernen Arbeitswelt geben zu können, möchte ich als Theologe auf einen weiteren Aspekt hinweisen: ich bin davon überzeugt, dass das schlechte Gewissen nicht ausgestorben ist. Und ich glaube, dass der Beruf, gerade dann, wenn er zu Leiden führt, das Gefühl für Schuld dämpfen kann. Man erkennt das regelmäßig daran, dass schlechtes Benehmen, sexuelle Sünden, Ungeduld, Selbstmitleid, Lieblosigkeit oder Bitterkeit mit der hohen Belastung in der Arbeitswelt gerechtfertigt werden. Es könnte sein, dass die Überlastung im Beruf also nicht die Ursache, sondern die Folge der Sünde ist. Nicht weil ich viel zu tun haben, bin ich unleidlich, sondern ich arbeite viel, um mir weniger Gedanken um meine Sünden machen zu müssen.

Der Beruf wäre in dieser Funktion ein klassischer Götze: durch Leistung wird Entsühung angestrebt, der Götze kann aber keine wirkliche Vergebung bieten und verlangt nur immer mehr. Diese Form von modernem Ablass, ist gesellschaftlich hoch akzeptiert. Wenn jemand sich krankenhausreif schuftet, sagen zwar alle „Mensch, schon dich doch mal“, aber es klingt immer auch Anerkennung darin mit. Nur zum Vergleich: hätte derselbe Mensch seine Gesundheit durch Ernährung ruiniert, würde er einen deutlichen Unterschied in den Reaktionen zu spüren bekommen – sofern es überhaupt noch jemanden gäbe, der sich für ihn interessiert. Aber sind die beiden Fälle so unterschiedlich? Arbeit ist gut und Ernährung ist gut. Wer sich freiwillig und ohne Not tot schuftet, ist ebenso dämlich wie jemand, der sich totfrisst.

Mein Tipp: nehmt euch in guter altestamentlicher Manier einen Vorschlaghammer und zertrümmert euren  Götzen, und sucht Vergebung dort, wo sie euch gewährt werden kann: bei Jesus.

Über die Prognosefähigkeiten der Evolutionstheorie

Gäbe es auf der Erde nur zwei Bakterienstämme, die miteinander um irgendwelche Mineralien konkurrieren, würde das der Evolutionstheorie ebenso wenig widersprechen wie eine Welt, in der es überhaupt kein Leben gibt. Die Frage ist daher: kann die Evolutionstheorie überhaupt Vorhersagen machen? Wenn sie es nicht kann, ist sie nutzlos. Aber auch unangreifbar, was in der Wissenschaft genau so schlimm ist.

Überspringen wir mal den ersten Schritt der Lebensentstehung, denn darüber sagt sie nichts. Aber was sagt sie überhaupt? „Über die Prognosefähigkeiten der Evolutionstheorie“ weiterlesen