Worum geht es im Fall Böhmermann?

Zunächst muss man festhalten, dass es kein Fall Böhmermann ist, weil sein Auftritt im Fernsehen mit Sicherheit exakt so mit den allerhöchsten Verantwortlichen des Senders abgestimmt war. Allerdings wird nur Böhmermann juristisch belangt werden, und er war offensichtlich dumm genug, sich von einer Welle der vermeintlichen Kollegialität zu seinen verbalen Auswürfen verleiten zu lassen. Dahinter steckt ein eiskaltes Machtspiel, dem Böhmermann zum Opfer fallen wird. Die Medien testen z.Zt. bewusst die Grenzen der Satire aus, weil das ihre schärfste Waffe ist. Sie haben keine wirklichen Befugnisse aber die Möglichkeit, sich öffentlich abfällig über jeden zu äußern, der ihnen nicht passt. Als Opfer haben sie sicherheitshalber Erdogan gewählt, also keinen Deutschen, so dass sie sich des Beifalls der Bevölkerung sicher sein konnten – und auch der Tatsache, dass deutsches Recht in diesem Fall eher nach Lust und Laune angewendet wird, bzw. schon als quasi abgeschafft betrachtet wird. Wenn dieser Fall aber ohne eine Anklage verläuft, wird unumstößlich feststehen, dass Medien auf absolut jede erdenkliche Weise die Ehre einer Person verletzen dürfen. Im aktuellen Fall trifft es nur Erdogan, aber die Botschaft ist klar: legt euch nicht mit uns an und wagt es nicht zu denen zu gehören, über die unser Urteil fällt. Warum aber gerade jetzt?

Mit der Verbreitung öffentlicher Debatten in den sozialen Netzwerken gerieten die Medien zunehmend in Erklärungsnot und ihre selbstverständlich akzeptierte Meinungshoheit schwand zunehmend. Und im Kampf um ihre schwindende Bedeutung ist ihnen jedes Mittel recht. Vor diesem Hintergrund entlarvt sich das Pochen auf die bedingungslose Legitimität von Schmähreden als eiskalter Machtkampf um eine der brutalsten Strafen, die es in Deutschland gibt: den öffentlichen Tod eines Menschen. Wer davon betroffen ist, wird in der Regel keine Rehabilitation erfahren, keine Resozialisierung und keine zweite Chance. Oder geht irgendjemand davon aus, dass Herr Guttenberg jemals wieder die Chance auf eine politische Karriere in Deutschland hat? Um dieses Machtmittel geht es und um nichts anderes. Denn wann immer Journalisten sich in den letzten Jahren für die freie Meinungsäußerung eingesetzt haben, ging es in allen Fällen, zu 100% nur und ausschließlich um das Recht von Journalisten. Gleichzeitig sind sie die ersten, die für eine Einschränkung der freien Meinungsäußerung eintreten, wenn diese ihnen nicht passt. Das betrifft sowohl Politiker am rechten Rand (gegen die ich mich an dieser Stelle selbst schon kritisch geäußert habe) aber auch Christen wie Olaf Latzel.

Wer sich vorschnell mit Böhmermann solidarisiert, übersieht, dass der Kampf um die Meinungsfreiheit eigentlich ein Kampf um die Meinungshoheit der Medien ist. Das erste Opfer ist Böhmermann selbst. Nach diesem Fall werden es noch viel mehr als vorher AfD-Politiker sein – und wie immer Christen. Solidarisiert euch nur mit den Medien, wenn ihr ganz sicher seid, dass ihr jetzt und für den Rest eures Lebens bereit seid, den Medien in euren persönlichsten Ansichten zu folgen. Sonst seid ihr sehr schnell selbst die Opfer des „Falls Böhmermann“.

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