Die Rolle der Medien in der Flüchtlingskrise

Angela Merkel gehört für den Spiegel im September 2016 zur Rige der „entrückten“ Altkanzler, die den Bezug zur Bevölkerung verloren haben. Die „tagesschau“ lässt keine Gelegenheit aus, um den Begriff vom Ende der Kanzlerschaft Angela Merkels in ihren Berichten und Kommentaren einfließen zu lassen.

In Wahrheit kann man Angela Merkel nur einen Vorwurf machen: sie wollte alles richtig machen. Und das darf ein Kanzler tatsächlich nicht.

Die ausführlichere Antwort muss bei der Berichterstattung über die Flüchtlinge an der italienischen Grenze ansetzen.

Seit Jahren taucht das Thema immer wieder auf, einschließlich von Bildern gestrandeter Menschen vor militärisch gesicherten Grenzen, Berichten über ertrunkene Flüchtlinge und immer wieder Fotos Fotos Fotos von erschöpften Menschen, gekenterten Booten, dramatischen Rettungsaktionen und zuletzt sogar von der Leiche eines ertrunkenen kleinen Jungen. Solche Bilder verbieten jede kritische Rückfrage und sogar jede Überlegung, nach welchen Kriterien überhaupt jemand Hilfe erhalten sollte. Die tagesschau hat in einem Kommentar, den ich leider gerade nicht mehr finden kann, die Parole ausgegeben, dass man jetzt nur noch „helfen, helfen, helfen“ dürfe. Alles Andere wirkte unmenschlich. Jeder Politiker, der etwas anderes gefordert hätte, stand in der Gefahr, als herzlos und rechts zu gelten.

Nun musste jedem selbst angesichts von Kinderleichen klar sein, dass der Flüchtlingsstrom in dieser Stärke jedes Land über kurz oder lang überfordert, die Frage war nur: wer sagt es zu erst? Sobald jemand begonnen hätte, auf die Bremse zu treten, hätten die anderen sich zwar gefreut aber nur der erste hätte als rechts dagestanden. Daher tummelten sich alle Parteien wie auf der Autobahn am linken Rand und keiner konnte Angela Merkel dort überholen.

Nun hätte man natürlich auch über jedes beliebige andere Elend drastische Bilder zeigen können, z.B. über die Gräueltaten des Islamischen Staates – oder über abgetriebene Kinderleichen (ja, bei Abtreibungen entstehen tatsächlich regelmäßig Kinderleichen). Ich hatte daher den dunklen Verdacht, dass diese Form der Berichterstattung ein Mittel der Medien sein könnte, um die ungeliebte Angela Merkel, die bis dahin fest im Sattel saß, doch noch loszuwerden. Da sie keine falschen Zitate in ihrer Doktorarbeit verwendete, musste man zu anderen Mitteln greifen, und an der Flüchtlingskrise konnte sie nur scheitern: entweder hätte sie zu früh die Notbremse gezogen und sich damit in das gefürchtete rechte Abseits drängen lassen oder sie hätte den Unmut der Bevölkerung auf sich gezogen. Die Berichterstattung erschien mir aus Sicht linker Medien geradezu genial. Zunächst hatte ich noch überlegt, ob die Bevölkerung wirklich so dämlich sein könnte, dieses falsche Spiel nicht zu durchschauen. Immerhin spielte sich alles innerhalb von ein paar Monaten ab, in denen die Medien zunächst massiv jeden Versuch verurteilten, die Anzahl der eingereisten Flüchtlinge zu reduzieren und anschließend Merkel vorwerfen sollten, sie hätte genau aus dem Grund den Bezug zur Bevölkerung verloren. Sollten Medien wirklich etwas fordern und wenige Wochen später einen Politker dafür verantwortlich machen können? Diese Zweifel hatte ich aber nicht lange, denn selbst für gebildete Menschen scheint es kaum die Denkmöglichkeit zu geben, dass Medien brutale und unkontrollierte Herrscher sind, die einfach machen können, was sie wollen und keinem Gesetz und schon gar nicht dem Gesetz der Logik gehorchen müssen. Und genau so kam es dann auch.

Nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern verloren fast alle etablierten Parteien deutlich und die AfD schaffte den Sprung von 0 auf über 20%. Die SPD verlor im Vergleich zur Vorwahl 5%, die CDU 4%, die Grünen 3,9% und die Linke sogar 5,2%. Wenn man nicht die Prozentpunkte betrachtet sondern den Anteil an den jeweils eigenen Wählern, entspricht ein Verlust von fast 4%-Punkten bei einer Partei, die ohnehin nur 8,7 % der Stimmen besaß, einem Verlust von fast 50% der Wähler! Dieses desaströse Ergebnis betraf die Grünen sowie die Linke. Die CDU verlor hingegen relativ wenig mit 4 von 23% (entspricht einem Verlust von knapp einem sechstel der Wähler!). Die Analyse der tagesschau deutete das Ergebnis aber anders: Verlierer war die CDU, und zwar der Hauptverlierer! Auch die Linke befinde sich am „Ende“. Der „Sieger“ war die SPD, auch wenn sie natürlich Federn lassen musste. Die Grünen wurden fast überhaupt nicht erwähnt. Stattdessen unterstützte man sie bei dem etwas lächerlichen Versuch, die Flucht nach Vorne anzutreten, indem man nur über die Wahl der internen Parteispitze berichtete und darauf hinwies, dass es die erste Partei sei, die sich bereits im Wahlkampf befinde. Damit stand die traditionelle Wunschkoalition der deutschen Medien fest: SPD und Grüne.

Damit war das Ziel erreicht: Sieger und Verlierer sind benannt, Angela Merkel trägt die Alleinschuld an der Flüchtlingskrise. Ob sie die Kritik politisch überleben wird, muss sich zeigen. Die Medien werden sie auf jeden Fall überleben.

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