Wann kommt endlich die Lebenspartnerschaft für alle Volljährigen?

Statt eine „Ehe für alle“, die wirklich niemand will, brauchen wir eine abgeschwächte Lebenspartnerschaft für alle. Die Forderung nach einer Ehe für alle kann niemand ernsthaft wollen.Nehmen wir mal etwas abseitige Bedeutungsmöglichkeiten dieser Formulierung aus und beschränken uns nur auf Menschen, dann wäre die Forderung nach einer Ehe für alle eine Forderung, dass Menschen in jeder beliebigen Konstellation ein Ehe eingehen, also auch Minderjährige und Geschwister. Auch das Verständnis, bei einer Ehe handele es sich um die Verbindung zweier Menschen, kann man nur mit einem sehr kulturell verengten Blick voraussetzen. Die genannten Beispiele sind keineswegs an den Haaren herbei gezogen sondern betreffen aktuelle Anfragen an unser Rechtssystem durch Flüchtlinge, die teilweise als minderjährig Verheiratete zu uns kommen oder eine Ehe mit mehreren Frauen anerkennen lassen möchten (ob es auch mehrere Männer sind, die mit einer Frau verheiratet sind, ist mir nicht bekannt). Die Geschwisterehe wurde nie ernsthaft diskutiert und Vielehen waren erstaunlicherweise trotz einer Zeit der Kommunen offenbar nie ernsthaft ein Thema. Die einzige neue Form der gesellschaftlichen Verbindung, die sogar grundgesetzwidrig in den Status einer Ehe befördert werden soll, ist nur die zwischen zwei Menschen desselben Geschlechtes. Das als „Ehe für alle“ zu bezeichnen, ist nur mit einem solide funktionierenden Tunnelblick möglich. Man könnte daher auch sagen, dass die Privilegierung der Homosexuellen ein schreiendes Unrecht gegenüber allen Flüchtlingen ist, die bereits eine in einem anderen Land geschlossene Ehe hier nicht anerkennen lassen können. Wie werden sie diese Debatte wohl empfinden? Ein Fall, an den niemand denkt, sind auch Geschwisterbeziehungen. Ich habe ja nie behauptet, dass jede verbindliche Lebensgemeinschaft etwas mit Sex zu tun haben muss. Aber es gab früher gar nicht so selten den Fall, dass Geschwister, die keinen Ehepartner (mehr) hatten, gerade im Alter zusammen gelebt und sich gegenseitig unterstützt haben. Warum kann nicht auch so eine Form der Gesellschaft einen besonderen rechtlichen Schutzstatus genießen? Es gibt also Fälle, in denen tatsächlich mehr als zwei Partner eine Lebenspartnerschaft leben.

Ich kann daher nur wiederholen, was ich schon an anderer Stelle gefordert habe: schafft endlich einen wirklichen rechtlichen Rahmen, der auch Beziehungen schützt, die bei uns zwar in meinen Augen aus guten Gründen nicht als Ehen anerkannt werden aber die trotzdem eine größere Verbindlichkeit leben als dies in einer normalen Wohngemeinschaft der Fall ist. Die Lösung könnte in einer abgeschwächten Form der „Lebenspartnerschaft für alle Volljährigen“ bestehen. Diese Verbindung anerkennt das größere Maß an Vertrautheit, regelt Verbindlichkeiten im Fall von Krankheit und Alter, lässt sich unkomplizierter auflösen, enthält aber kein Adopitonsrecht. Die Bevorzugung von homosexuellen Partnerschaften ist in einem geistigen Klima der 70er Jahre zu verstehen. Zu rechtfertigen ist sie schon lange nicht mehr. Statt der Ehe für Homosexuelle brauchen wir ein neues (abgeschwächtes) Lebenspartnerschaftsgesetz für alle Volljährigen. Diese Formen des Zusammenlebens haben keine Lobby, sind nicht in den Programm-entscheidenden Gremien des deutschen Fernsehens vertreten und können keinen Druck auf das Bildungssystem ausüben. Trotzdem sind sie gesellschaftliche Realität und benötigen daher gerade den staatlichen Schutz.

Merken

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.