Die Rolle des Westens im Nahen Osten

Seit Donald Trump Jerusalem offiziell zur Hauptstadt von Israel erklärt hat, läuft alles in geordneten Bahnen: die Hamas probt den Aufstand, der Weltsicherheitsrat mahnt ein Ende der Gewalt an, Europa stürzt sich in die Rolle des Vermittlers usw….

Schauen wir uns das Debakel mal aus der Sicht der Beteiligten an.

Die Palästinenser stehen vor einer Situation, die ihnen natürlich nicht gefällt und gegen die sie völlig machtlos sind. Die Bilder von großen Rauchschwaden dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass sie außer Rauch nicht besonders viel gegen Israel ins Feld führen können und ihr Kampf völlig aussichtslos ist. Warum stürzen sie sich dennoch hinein und opfern ihr Leben? Ihre Hoffnung kann nicht darin bestehen, dass sie  Israel ausräuchern können. Der Grund ist ganz einfach: es geht darum, mit martialischen Bildern den Westen zu mobilisieren. Der ist immer glücklich, wenn er als „Vermittler“ auftreten kann. Den Begriff setze ich in Anführungszeichen, weil ein Vermittler unabhängig ist, der Westen ist aber weltanschaulich involviert. Diese Position ist vielleicht weniger offensichtlich, weil die Weltanschauung nicht offen gelegt werden kann, will man nicht beide Streitparteien verlieren. Der Westen und insbesondere Europa wird versuchen, die Palästinenser zu stärkern und so ein Gleichgewicht schaffen, dass es vor Ort nicht einmal ansatzweise gibt. Auf diese Weise stabilisiert er den Konflikt, und das jetzt schon seit Jahrzehnten sehr erfolgreich. Warum ist dieses destabile Gleichgewicht für den Westen aber so wichtig? Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens ist er aufrichtig unentschlossen. Allen Feiertagsbekenntnissen zum Staat Israel zum Trotz, schlagen eigentlich zwei Seelen in jeder linken Brust. Einerseits ist man gegen den Zionismus, andererseits für Israel. Der Zustand einer destablisierten Harmonie zwischen Israel und Palästinensern, ein Provisorium, das hält aber nicht funktioniert, spiegelt daher ziemlich genau diese Haltung wieder. Der zweite Grund, aus dem die destablisierte Harmonie für den Westen wichtig ist, dürfte sein Selbstbild sein, nicht nur außerhalb der religiösen Konflikte sondern irgendwie darüber zu stehen. Ein ehrlicher Vermittler könnte auch die Rolle eines der Beteiligten stärken und zu seinen Gunsten entscheiden. Jeder dürfte bei dieser Vorstellung, aber sofort innerlich zusammen zucken, wenn Deutschland sich auf einmal wohl begründet auf die Seite Israels oder der Palästinenser schlagen würde. Man merkt an diesem Szenario sehr schnell, dass der Westen tatsächlich gar nicht so viel Handlungs- und damit Vermittlungsspielraum hat, wie man es von einem wirklich unabhängigen Vermittler erwarten muss. Der Westen kann keine andere Rolle einnehmen, als die des ewigen Destabilisators. Das sollten sich auch die Palästinenser klar machen. Auch wenn sie zu Recht merken, dass Israel weniger Unterstützung erhält, wäre es töricht zu glauben, der Westen wäre an einer einseitigen Überlegenheit der Palästinenser interessiert, auch wenn sich das kurzfristig so anfühlen mag.

Wenn man das Bekenntnis zum Existenzrecht Israels ernst nimmt, hat Trump die einzige richtige Entscheidung getroffen, und ja, er musste sich allein treffen, weil sie sonst nie getroffen worden wäre. Wenn der Westen wirklich an einer dauerhaften Lösung interessiert ist, muss er mit eigenen wirklich stabilen Lösungen aufwarten. Und solange er unentschlossen ist, darf er sich gerne auch mal zurück halten.

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