Blassgrün

Der Aufstieg der Grünen wird derzeit mit großem Beifall der Medien verfolgt. Ob sie bald schon einen Kanzler stellen? Wie können sie Volkspartei sein, ohne sich so zu nennen? Und welche großartigen Eigenschaften dieser Partei sind ausschlaggebend für ihren Erfolg? Fragen über Fragen. Wer in Deutschland wissen möchte, wie politischer Erfolg  funktioniert, kommt um Angela Merkel nicht herum. Sie hat die Politik in Deutschland revolutioniert, und sie konnte das, weil sie in einer Diktatur zur Schule gegangen ist. Als öffentlich bekannt wurde, dass sie in der DDR als Kommunistin bereits erfolgreiche erste Gehversuche in der Politik unternommen hatte, fragten sich einige Konservative besorgt, ob sie immer noch eine heimliche Kommunistin sein könnte. Das halte ich für Unsinn. Sie war ganz einfach immer genau das, was ihr half, an die Macht zu kommen. Bei Bedarf eben auch Kommunistin. Nach der Wende ging sie einfach in die größte Partei des Westens, weil man dort die besten Chancen hat, Kanzler zu werden. Gleichzeitig bot ihr die größte Partei den Vorteil, dass es sich um eine konservative Partei mit einer konservativen Wählerschaft handelte. Wäre die größte Partei damals eine linke Partei gewesen, hätte sie es schwerer gehabt. Aber konservative Wähle neigen eben auch zu einem konservativen Wahlverhalten, d.h. sie bleiben ihrer Partei treu, weil sie irgendwie das vage Gefühl haben, dass sie immer noch eher zu ihren Interessen passt als andere. Etwas Neues probiert man nicht aus. Mit dieser – sorry – dämlichen Wählerschaft an Bord konnte Merkel ihre Politik fast beliebig weit nach links ausdehen und dort die linken Wechselwähler einsammeln, während die Stammwähler die Zähne knirschten – und ihr trotzdem weiter treu blieben. Mit dieser Taktik erreichte Merkel in ihren besten Zeiten fast die absolute Mehrheit. Aber nicht nur die Stammwähler im eigenen Lager stöhnten über diese Entwicklung, auch die linken Parteien mussten hilflos zusehen, wie ihnen ein Kampfplatz nach dem anderen entzogen wurde. Wie soll man sich gegen einen körperlosen Feind wehren?

Aber hat Merkel nicht auch für Positionen gekämpft? Als politische Schülerin hat sie wie gesagt die Mechanik der Macht in einer Diktatur kennen gelernt. Und ein erfolgreicher Diktator weiß, dass man mit Gewalt allein auf Dauer nicht herrschen kann. Man muss ausreichend Lügen streuen, um den Menschen das Selbstbild zu ermöglichen, nicht aus Angst sondern aus Überzeugung die Unterdrückung zu akzeptieren. Das wichtigste Werkzeug in einer Diktatur ist daher neben der nackten Gewalt das Propagandaministerium. Die erste Frage, die sich ein Politiker stellen muss, der in einer Diktatur politisch zur Schule gegangen ist und nun in einer westlichen Demokratie erfolgreich sein möchte, lautet: Wo ist hier das Propaganda-Ministerium? Vermutlich bedeutet es einige Umgewöhnung, bis man sich daran gewöhnt hat, dass das Propagandaministerium ähnlich der ehemaligen Zentralbank von der Politik autonom agieren kann. Aber man kann sich darauf einstellen. Die Inhalte werden eben jetzt von den staatlichen Medien vorgegeben und denen hat man gewissenhaft Folge zu leisten. Und für diese Positionen muss man u.U. auch kämpfen. Aber wer die Medien im Rücken hat, kann nicht verlieren.

Die Säulen der Regierung sind also eine ideen-, kraft-, kontur- und charakterlose Politik unter einer devoten Hingabe an die Medien. Und eine fett gewordene, träge Wählerschaft.

Der Witz ist dabei, dass Angela Merkel durch den Raubzug auf linkem Terrain die politische Linke gestärkt hat! Denn sie hat auch diese Parteien jeder Kontur beraubt und insbesondere die Grünen ausgesprochen blass aussehen lassen. Was hat man hier um Positionen gekämpft und doch immer nur Pannen produziert. Dann ist es ziemlich still geworden. Dann kam der große Glücksfall für die Linke: der Erfolg der AfD! Jetzt gab es eine große Wählerschicht, die irgendwie nicht rechts wählen wollte, aber keine Lust mehr auf die große Koalition hat. Diese neue etablierte linke Wählerschicht funktioniert ähnlich wie die alte konservative Elite, sie schaut nicht mehr genau hin und wählt ebenso „grob links“ wie man vorher „grob konservativ“ gewählt hat. Und das funktioniert aus einer Kombination aus dem historischen Erbe und der aktuellen Konturlosigkeit, bei der gleichzeitigen absolut verpflichtenden Hingabe an die Medien. Und natürlich gehört auch hier eine fett gewordene Wählerschaft dazu, der es reicht, einem Lager anzugehören, von dem man früher mal überzeugt war.

Man kann also sagen, dass zuerst Merkel den linken Parteien die Themen geklaut hat. Jetzt ist die Ideenlosigkeit der größte Trumpf der Grünen. Blassgrün ist einfach schick.

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